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Den Gewalttaten von Migranten besser vorbeugen
Taten wie der Mord an der jungen Iranerin in der Hamburger U-Bahn treffen das Sicherheitsgefühl der Menschen ins Mark. Die junge Frau wartete auf die Bahn und wurde von einem Mann ins Gleisbett gerissen, vor die einfahrende U-Bahn. Sie und der Täter, ein Flüchtling aus Südsudan, wurden getötet.
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Karin Truscheit
Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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In den sozialen Medien werden seitdem Tipps ausgetauscht, wie man sich im öffentlichen Nahverkehr verhalten soll: Bloß nicht zu nah am Gleis stehen! Keine Kopfhörer! Die Augen überall! Die Reaktionen sind nachvollziehbar. Das subjektive Sicherheitsgefühl beruht nicht auf statistischen Wahrscheinlichkeiten. Tatbegehung und Tatort zeigen, dass es jeden theoretisch jederzeit und überall treffen kann. Der Täter brauchte nicht einmal ein Messer, um im öffentlichen Raum zu töten.
 
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Der Fall reiht sich ein in eine Vielzahl von Gewalttaten in der Öffentlichkeit, alle begangen von Migranten: Berlin (2016), Frankfurt (2019), Würzburg (2021), Ludwigshafen (2022), Illerkirchberg (2022), Brokstedt (2023), Solingen (2024), Hochdorf (2024), Magdeburg (2024), Aschaffenburg (2025), München (2025), Friedland (2025), Ulm (2026). Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Mal töteten die Täter aufgrund einer psychischen Erkrankung, mal aus islamistischen Überzeugungen, mal aus „Frust“ auf alles.
Die vielen Toten und Verletzten zeigen: Die Zeiten der „Einzelfälle“ sind lange vorbei. Auch in Hamburg war es – nachdem im Mai 2025 dort eine psychisch kranke Deutsche am Bahnhof Menschen mit dem Messer attackierte – wieder ein Migrant: Ein Mann, der mit einem Resettlement-Programm der Vereinten Nationen nach Deutschland kommen durfte. Er war zuvor schon polizeilich aufgefallen. Aus zwei Unterkünften wurde er wegen nächtlicher Ruhestörung und „verbaler Konflikte“ verwiesen, auch zu einer Körperverletzung kam es. Zwei Tage vor der Tat randalierte er in einem Bordell und schlug einem Polizisten mit dem Handy auf den Kopf.
Woran liegt es, dass Migranten so oft gewalttätig werden?
Erkenntnisse über eine psychische Erkrankung gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht. Kriminologisch lässt sich vor dem Mord ein „dissoziales Verhalten“ erkennen. Ein Verhalten, das viele Täter zeigen, bevor sie mit massiver Gewalt auffallen.
Die große Mehrheit der Migranten ist nicht gewalttätig. Auch Deutsche morden und vergewaltigen. Doch in den vergangenen Jahren waren es vor allem Migranten, die mit Angriffen in der Öffentlichkeit Angst und Schrecken verbreitet haben. Dazu kommt, dass sie auch überproportional häufig mit Gewalttaten in der Kriminalstatistik vertreten sind. Woran liegt das?
Bei Migranten aus bestimmten Ländern können massive Risikofaktoren zusammenkommen, die Gewalt begünstigen. Zu diesen Faktoren zählen: kulturelle Entwurzelung, fehlende Sprachkenntnisse und Bildung, keine soziale Einbindung, junges Alter, prekäre Lebensumstände, Alkohol- und Drogenkonsum, traumatische Erlebnisse, Sozialisation in gewaltaffinen, patriarchalen Kulturkreisen, Gewalterfahrung als Opfer und auch als Täter. All diese Umstände wirken als psychosoziale Stressfaktoren, die zudem zu psychischen Erkrankungen wie Psychosen führen können. Psychosen wiederum bergen unbehandelt ein hohes Risiko für schwerste Gewalttaten.
Die psychosoziale Betreuung von Migranten muss intensiviert werden
Die Risiken zu benennen, heißt nicht, die Taten zu entschuldigen. Im Gegenteil: Sie müssten mehr im Vordergrund stehen, wenn man wie beim Hamburger Täter über die Aufnahme von Migranten entscheidet. Ebenso müssen diese Risiken gesehen werden, wenn Personen „auffällig“ werden, randalieren, pöbeln. Sie müssen sofort in den Fokus von Polizei, Sozialarbeit und psychologischer Betreuung rücken. Ähnlich vernetzt funktioniert in Nordrhein-Westfalen das Programm Periskop, um potentielle Amoktäter herauszufiltern. Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat erst vor Kurzem die völlig unzureichende therapeutische Unterstützung von traumatisierten Migranten beklagt. Die Behandlung kann demnach das Risiko für „aggressive Handlungen gegen andere“ senken.
Aber auch mit intensiver Unterstützung wird man nicht alles verhindern können. Zudem sind nicht alle gewalttätigen Migranten traumatisiert und für Therapien empfänglich. In Ulm stand der schon mehrmals wegen Gewalttaten verurteilte Eritreer unter Führungsaufsicht, als er im Januar in einem Elektromarkt mit einem Messer drei Mitarbeiter verletzte, einen von ihnen lebensgefährlich.
Auch Straftäter können oft nicht (so schnell) abgeschoben werden, wie es zum Schutze der Bevölkerung nötig wäre. Somit muss man die psychosoziale Betreuung von Migranten intensivieren, wovon alle profitieren. Regelmäßige Screenings bei bestimmten Verhaltensweisen müssen die Gewaltrisiken erkennen und notfalls auch restriktive Maßnahmen nach sich ziehen. Die Zahl von (jungen) Männern mit potentiell vielen Risikofaktoren ist einfach zu groß.
 
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