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Googles Meisterstück(e)
2026 ist das Jahr, in dem Künstliche Intelligenz beginnt, nicht nur die Technik, sondern auch die Grundpfeiler der digitalen Ökonomie zu verschieben. Mittendrin steht Google mit gleich zwei wegweisenden Deals zu Jahresbeginn.
1. Googles KI-Modell Gemini wird die nächste Generation des Apple-Sprachassistenten Siri antreiben und Google damit Zugang zu Milliarden Internetnutzern auf allen iPhones, iPads und Macs bringen. 2. Google definiert den Onlinehandel mit dem Start des Universal Commerce Protocol neu. „Agentic Commerce“ nennt sich das Verfahren, das Google wieder zur ersten Anlaufstelle für den Onlineeinkauf machen soll und sogar Marktführer Amazon ins Schlingern bringen könnte.
Die Börsen haben sofort reagiert und die Bewertung von Google erstmals auf mehr als vier Billionen Dollar gehoben. Seit dem vergangenen April hat die Aktie somit 120 Prozent zugelegt und Google damit auf einen direkten Weg zum wertvollsten Unternehmen der Welt geschickt. Nur Nvidia steht diesem Erfolg (noch) im Weg.
Holger Schmidt
Verantwortlicher Redakteur für Newsletter und Verticals.
Denn beide Initiativen haben das Zeug, Googles ohnehin starke Position auf die nächste Stufe zu heben: Mit der Präsenz auf den Produkten des Rivalen Apple sichert sich Google massenhaft Suchanfragen, die das eigene Werbegeschäft auch im KI-Zeitalter sichern. Wenn die iPhone-Nutzer künftig mithilfe von Siri Produkte recherchieren oder Informationen suchen, landen sie häufig direkt bei Google.
Statt wie bisher 20 Milliarden Dollar im Jahr an Apple zahlen zu müssen, um dort präferierte Suchmaschine zu sein, liefert Google nun die KI, um die Nutzerströme in seine Arme zu leiten – und bekommt sogar noch Geld dafür. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Google diesen Deal vorwiegend Apples Unfähigkeit zu verdanken hat, eine eigene leistungsfähige KI zu entwickeln. Auf Dauer wird sich Apple diese Abhängigkeit nicht leisten wollen.
Mit dem Universal Commerce Protocol, das direkt mit starken Partnern wie Walmart, Shopify oder Paypal angeschoben wird, will Google sich zur ersten Anlaufstelle für den Onlinehandel machen. Diese Position hat Google an Amazon verloren, aber „Agentic Commerce“ als neue Art des Einkaufens könnte die Machtverhältnisse wieder umdrehen und zudem die Online-Werbung neu definieren.
Händler können mit UCP ihre Backend-Systeme an die KI-Engine von Google so anschließen, dass die Nutzer dort Produkte aussuchen, vergleichen und direkt kaufen können. Alles in einem Arbeitsschritt im KI-Chatbot von Google, womit der Besuch der Händler-Websites überflüssig wäre. Google verspricht den Händlern im Gegenzug Präsenz in der beliebtesten KI, höhere Konversionsraten und wahrscheinlich bessere Margen als bei Amazon. Eine überzeugende Antwort des Online-Handelsriesen auf diese strategische Meisterleistung des Konkurrenten lässt auf sich warten.
Künstliche Intelligenz wandelt sich somit zum strategischen Hebel, der die Wettbewerbsfähigkeit maßgeblich bestimmt. Und damit geben die Techunternehmen wieder einmal die Richtung für den Rest der Wirtschaft vor: Wer sein Geschäftsmodell im KI-Zeitalter nicht strategisch clever ausrichtet, muss mit Konkurrenz rechnen, die eigentlich schon gedanklich abgehakt war – oder plötzlich aus einer Ecke kommt, die niemand auf dem Schirm hatte.
Das KI-Startup Aleph Alpha soll etwa 50 Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen entlassen. Das entspricht rund 17 Prozent der Belegschaft. Hintergrund sei die strategische Neuausrichtung mit Fokus auf Kunden, wodurch manche Jobprofile nicht mehr passten, berichtete die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf einen anonymen Investor.
Die Allianz und Anthropic
haben eine Partnerschaft geschlossen, um die Claude-Modelle in die Arbeitsabläufe des Versicherungskonzerns zu integrieren. Dabei soll Claude Teil der internen KI-Plattform für alle Mitarbeiter werden. Außerdem will die Allianz Prozesse in der Schaden- und Dokumentenbearbeitung automatisieren und Systeme entwickeln, die jede KI-Entscheidung vollständig nachvollziehbar machen.
Ein chinesischer Arbeitsmarktbericht
zeigt einen starken Boom bei KI-Jobs: Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen stieg 2025 um 543 Prozent. Besonders gefragt sind Algorithmusingenieure und KI-Produktmanager. KI-Fachkräfte erzielen die höchsten Gehälter der Tech-Branche. Chinas Tech-Konzerne investieren massiv in Talentgewinnung, trotz unsicherer Renditen von KI-Investitionen.
Laut einer neuen Prognose von Forrester Research werden KI und Automatisierung bis 2030 etwa 6,1 Prozent der US-Arbeitsplätze vernichten, was 10,4 Millionen Jobs entspricht. Die Zahl ist vergleichbar mit den 8,7 Millionen Jobs, die während der Großen Rezession verloren gingen.
Ein neuer Bericht von Nasscom und Indeed zeigt
, dass mehr als 40 Prozent der Softwareentwicklungsarbeit in indischen Technologieunternehmen mittlerweile von Künstlicher Intelligenz erledigt wird. Junior-Level-Rollen sehen die Befragten (35 Prozent) als am stärksten gefährdet an, da sie repetitive und standardisierte Aufgaben umfassen.
Laut Oxford Economics
sind nicht KI, sondern traditionelle wirtschaftliche Kräfte wie verlangsamtes Wachstum, Kostendruck und Umstrukturierungen die Haupttreiber der Tech-Entlassungen 2025. In den ersten elf Monaten 2025 wurden in den USA nur 4,5 Prozent aller Jobkürzungen (etwa 55.000) mit KI begründet, während mehr als 245.000 Entlassungen auf breitere wirtschaftliche Bedingungen zurückzuführen waren.
Meta plant drastische Einschnitte in seiner Reality-Labs-Abteilung. Dabei könnten rund zehn Prozent der etwa 15.000 Mitarbeiter, die an Produkten für das Metaverse arbeiten, ihre Jobs verlieren. Der Stellenabbau trifft vor allem Teams, die an Virtual-Reality-Headsets und sozialen Netzwerken in der virtuellen Realität arbeiten.
US-Präsident Donald Trump forderte Tech-Unternehmen auf
, für ihre Rechenzentren selbst zu zahlen, damit Amerikaner nicht über höhere Stromrechnungen die Kosten tragen müssen. Microsoft soll dazu nun als erstes Unternehmen mit dem Weißen Haus zusammenarbeiten.
Mark Zuckerberg kündigte am Montag die Einführung von Meta Compute an, einer neuen Initiative, um die KI-Infrastruktur des Unternehmens zu stärken. Meta plane, in diesem Jahrzehnt Dutzende Gigawatt und langfristig Hunderte Gigawatt oder mehr an Energiekapazität aufzubauen.
Salesforce hat Slackbot als KI-Agenten für die Arbeit ausgerollt. Der Bot nutzt den Kontext von Gesprächen, Dateien und Kanälen, um Fragen zum Workflow zu beantworten und im Auftrag des Nutzers Aktionen durchzuführen, wie etwa Meetings zu planen oder Dokumente zu erstellen.
Flix, die Muttergesellschaft von Flixbus
, hat sich eine Mehrheitsbeteiligung an Flibco gesichert, einer europäischen Plattform für Flughafen-Shuttles, die in sieben Ländern mit lokalen Betreibern zusammenarbeitet. Die Transaktion ergänzt die Fernbus-Dienste um ein Segment mit stabiler Nachfrage.
China ist laut Mike Nefkens, CEO von HERE Technologies, am besten positioniert, um als erstes Land selbstfahrende Autos im Massenmarkt einzusetzen. Die Gründe: Das Land verfügt über ein eng integriertes Ökosystem, das politische Entscheidungsträger, Kartierungs-Anbieter und heimische Autohersteller verbindet.
Motional, das Joint Venture zwischen Hyundai Motor Group und Aptiv, hat seine Robotaxi-Pläne mit einem
KI-first-Ansatz neu gestartet. Bis Ende 2026 will das Unternehmen kommerzielle fahrerlose Service in Las Vegas anbieten.
BYD hat eine neue Submarke namens Linghui speziell für Chinas Ride-Hailing-Markt für autonome Robotaxis geschaffen. Am 8. Januar wurden vier Modelle (e5, e7, e9 und M9) beim Ministerium für Industrie- und Informationstechnologie eingereicht. BYD entwickelt eigene autonome Fahrlösungen und hat in den LiDAR-Anbieter Robosense investiert.
„Wir beginnen bereits, die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt zu sehen, und ich denke, dass diese Effekte in den nächsten fünf Jahren zunehmen werden.“