Mal ist es weit nach Mitternacht, bis mir die Augen vor dem Laptop zufallen, mal wache ich um vier Uhr nachts auf, um schlaftrunken auf die Toilette zu tapsen. Perfekt ist das sicher nicht, trotzdem fühle ich mich am nächsten Morgen meist ziemlich fit. Ein schlechtes Gewissen bleibt aber: Die gemeinhin empfohlenen acht Stunden Schlaf am Stück habe ich nicht geschafft.
Und das ist auch gar nicht zwangsläufig notwendig, wie ich in unserem Interview mit dem Schlafexperten Markus Specht erfahren habe. Der Psychologe leitet das Zentrum für interdisziplinäre Schlafmedizin an der Helios-Klinik in Wiesbaden und sagt: „Jeder Mensch hat eine individuelle Schlaflänge. Die Idee, dass alle acht Stunden schlafen müssen, ist schlicht falsch.“
Jannis Holl
Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Auch dass wir durchschlafen müssen, um erholt zu sein, ist ein Irrglaube, den Specht richtigstellt: „Vor 40.000 Jahren wäre es für unsere Vorfahren in der Höhle gefährlich gewesen, die ganze Nacht durchzuschlafen.“ Auch das ständige Tracken von Schlafdaten und Optimieren von Zubettgehzeiten kann das genaue Gegenteil bewirken: Der Stress um den perfekten Schlaf führt dazu, dass wir wach daliegen und nicht entspannen können.
Vielleicht war das auch meine größte Erkenntnis aus dem Interview: mehr auf den eigenen Körper vertrauen anstatt auf angeblich allgemeingültige Aussagen von Longevity-Influencern. Klar ist aber auch: Mein Serienschauen am Laptop bis spät in die Nacht ist trotzdem nicht gesund – und wer ernsthafte Schlafprobleme hat, sollte sie behandeln lassen.
Deswegen würde ich diese Woche gerne von Ihnen wissen, wie Sie mit Schlafproblemen umgehen: Haben Sie Rituale oder Hausmittel, die Ihnen dabei helfen, entspannt einzuschlafen? Schreiben Sie mir unter besserleben@faz.de. Auch Anregungen und Kritik zu diesem Newsletter und „Besser leben“ sind uns herzlich willkommen!
Das Interview zu gesundem Schlaf ist aber nicht der einzige Text, den ich Ihnen diese Woche ans Herz legen möchte. Denn bei der Lektüre von Texten aus unserem Ressort „Besser leben“ habe ich noch viel mehr gelernt. Unter anderem …
Vergangenen Sonntag haben wir Sie gebeten, uns von Ihren Sommerurlauben und den Beweggründen für Ihre Reisen zu erzählen. Uns haben viele großartige Zuschriften erreicht. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich. Vielleicht inspiriert Sie die ein oder andere auch für Ihre nächsten Ferien:
„Ich war und bin immer neugierig. Aber als Tourist zu reisen, hat mich nie interessiert. Ich habe Sprachreisen gemacht. Und konnte so in einer Familie in Quito deren Alltag kennenlernen, in Peking in einem Übersetzungsbüro viel über Geschichte und Tradition erleben, in London (als house sitting guest) das intakte Leben in einem Stadtteil erkunden oder in Frankreich und Paris den Alltag im Marais.“ (Ulrike K.)
„Reisen bedeutet für mich Verschiedenes: manchmal neue Kulturen kennenzulernen und zu erleben. Gerne auch mal bewegen, laufen, wandern, keine Ablenkung, nur Natur und den Körper spüren. Meer, Wind, Sonne, Stille, Sternenhimmel, Schwimmen, Bücher und ja, auch schönen, entspannten Sex. Eines ist bei allem wichtig: wenig Menschen und Stille.“ (Sonja G.)
„Wir fahren seit einigen Jahren regelmäßig zwei Wochen ins Allgäu in einen sehr kleinen Ort – mit nichts, oder fast nichts. Das nimmt einem den Stress, To-dos und ‚Must-sees‘ abzuarbeiten, weil es dort eben nichts gibt. Und niemand sagt: ‚Was, das und das habt ihr nicht gemacht?‘ Von dort kommen wir daher immer mit einem richtig erholten Kopf nach Hause, sehr zur Nachahmung empfohlen.“ (Simone L.)
„Mir erging es ähnlich wie der Autorin, fünf Tage Rhodos, eigentlich nur drei volle Tage, dennoch sehr erholsam dank aktivem Nichtstun. Am Meer liegen, wenn zu heiß, ins Wasser gesprungen – und das im halbstündigen Rhythmus. Herrlich! Ich habe einen Fulltime-Job und eine Familie. Daher war es perfekt und absolut richtig, fünf Tage nichts zu tun, ganz ohne FOMO.“ (Sabrina S.)
Hoffentlich konnten Sie heute lange ausschlafen. Ich wünsche Ihnen in jedem Fall einen entspannten Sonntag!
Ihr Jannis Holl
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