ich bin damals gar nicht auf die Idee gekommen, mit meinen Bauchschmerzen zum Arzt zu gehen. Ich war frisch im Volontariat und neu in der Stadt. Weder wollte ich bei der Arbeit fehlen, noch hätte ich gewusst, an wen ich mich überhaupt wenden kann. Wird wohl nicht so schlimm sein, sagte ich mir. Fürsorgliche Kollegen erkannten besser als ich meinen desolaten Zustand und schickten mich zum Arzt. Bald darauf lag ich im Krankenhaus – Diagnose Blinddarmentzündung.
Julia Schaaf
Stellvertretende Leiterin des Ressorts „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
Was aber wäre am Wochenende passiert? Oder nachts? Hätte ich rechtzeitig kapiert, dass meine diffusen Schmerzen nichts mit einem verdorbenen Magen, der nächsten Regelblutung oder dem Druck zu tun hatten, den ich als Berufsanfängerin empfand?
Wenn Fachleute klagen, es fehle in Deutschland an Gesundheitswissen, meinen sie Leute wie mich. Dabei gibt es Symptome, die verlässlich anzeigen, wann es sich um einen Notfall handelt und man schnell in die Rettungsstelle sollte. Mich hat das überrascht. Die Notfallmedizin spricht von „Red Flags“, wie ich von unserer Autorin Charlotte Braatz gelernt habe. „Für jeden Menschen ist es wichtig, diese Red Flags zu kennen“, schreibt sie.
Etwa bei Brustschmerzen: „Typische Red Flags sind etwa ein plötzliches Druck- oder Engegefühl, stärkste Schmerzen unter Umständen mit Ausstrahlung beispielsweise in den Rücken, den Unterkiefer oder die Arme, ausgeprägte Luftnot, Kaltschweißigkeit sowie ein starkes Schwächegefühl.“ Hohes Fieber wiederum ist gefährlich, wenn Begleitsymptome wie Kopf- und Nackenschmerzen hinzutreten. Und Bauchschmerzen? Ich habe ja keinen Blinddarm mehr. Aber der hilfreiche Text aus unserer Wissenschaftsredaktion kommt auf alle Fälle zur Wiedervorlage auf meine Merkliste.
Vergangenen Sonntag haben wir Sie gebeten, uns zu schreiben, was Ihr Leben besser gemacht hat. Wir danken für Ihre netten Zuschriften und zitieren stellvertretend zwei Leser:
„Zen und die Kunst, in der Langsamkeit die Geschwindigkeit der Qualität zu finden. Erst wenn man darüber nicht mehr nachdenkt, hat man seine Freiheit erreicht.“ (Andreas H.)
„Meine zauberhaften Kinder (15,17J alt) nehmen ihr Leben wieder in die Hand nach einer schwierigen Zeit und werden immer schöner.“ (Andrea G.)
Diese Woche wäre ich neugierig: Was hat Sie zuletzt überrascht? Natürlich sind auch Anregungen und Kritik zu diesem Newsletter und unserem neuen Themenschwerpunkt immer willkommen! Schreiben Sie uns unter besserleben@faz.de.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag
Ihre Julia Schaaf
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Zitat der Woche
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Tom Schilling
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