Elon Musk kämpft gerade vor Gericht gegen Open AI. Wie das Verfahren ausgeht, ist offen. An anderer Stelle allerdings scheint Musk bereits zu verlieren: im Kampf um einen Platz unter den Gewinnern im KI-Rennen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Downloads von Grok, dem KI-Assistenten von Musks Unternehmen xAI, fielen laut dem Analysedienst AppMagic im April auf 8,3 Millionen, nach einem Höchstwert von mehr als 20 Millionen im Januar. Und auch im Unternehmensumfeld ist Grok kaum präsent: Gerade einmal 7 Prozent der Unternehmen gaben im März an, den Einsatz von Grok zu planen oder die KI zu nutzen. Von Anthropics Modell Claude war dagegen fast jedes zweite Unternehmen überzeugt.
Dabei hatte Musk einst große Pläne. Er wollte Grok zum meistgenutzten KI-Assistenten der Welt machen, „maximal wahrheitssuchend“ und frei von politischer Korrektheit. Stattdessen sorgte das Produkt zuletzt vor allem für Negativschlagzeilen – etwa als ein Feature, das Personen auf Fotos virtuell entkleidete, Regulatoren und Gesetzgeber auf den Plan rief und wieder eingeschränkt werden musste.
Elon Musks KI-Unternehmen hat ein Vertrauensproblem. In den vergangenen zwölf Monaten verlor xAI unter zehn führenden KI-Marken mit minus 5,5 Punkten am meisten Nettovertrauen. Anthropic hingegen legte im gleichen Zeitraum um 1,4 Punkte zu, Google Gemini sogar um sechs Punkte.
Aus rein technologischer Sicht zählen die Modelle von xAI immer noch zu den leistungsstärksten auf dem Markt. Kein Wunder: Musk hat gerade erst zugegeben, dass sie zum Teil mithilfe der Modelle von Open AI trainiert wurden. Unter Fachleuten auch „Destillation“ genannt. Doch die Besten sind sie eben nicht. Und wer weder das beste Modell, noch das Vertrauen der Nutzer hat, zieht langfristig den Kürzeren.
Dass Musk nun ausgerechnet Rechenkapazitäten aus seinem Colossus-Rechenzentrum an Anthropic vermietet, wirkt wie ein stilles Eingeständnis. Noch im Februar bezeichnete Musk seinen Konkurrenten als „menschenfeindlich und böse“. Wer Kapazitäten vermietet, statt sie für den eigenen Wettbewerb zu nutzen, sendet kein Signal der Stärke. Für den bevorstehenden Börsengang von SpaceX mag das Geschäft finanziell sinnvoll sein. Im Februar 2026 hat Musk beide Unternehmen fusioniert. Als Ausdruck von KI-Ambitionen ist es das Gegenteil.
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Nina Müller
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Das Münchener KI-Rüstungsunternehmen Helsing steht nach Medieninformationen vor einer Finanzierungsrunde in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar. Damit wäre es die größte Runde eines deutschen Start-ups aller Zeiten. Helsing würde bei einer angestrebten Bewertung von 18 Milliarden Dollar gleichzeitig Trade Republic als wertvollstes deutsches Start-up ablösen. Das Unternehmen entwickelt derzeit unter anderem den unbemannten Kampfjet CA-1 und konkurriert mit Airbus und Rheinmetall um einen Bundeswehrauftrag. Im ersten Quartal 2026 sammelten deutsche KI-Start-ups zusammen rund 967 Millionen Euro in 71 Finanzierungsrunden ein. Helsing allein läge mit der angestrebten Summe bereits über diesem Gesamtwert.
„Eine erfreuliche Nachricht für die deutsche KI-Start-up-Szene, die in diesem Jahr bereits einige Rückschläge hinnehmen musste. Der einstige Hoffnungsträger Aleph Alpha ist jetzt kanadisch. DeepL baut rund 250 Stellen ab. Immerhin militärisch scheint Deutschland zu wissen, wie KI richtig genutzt wird. Das begeistert auch amerikanische Investoren.“
Nina Müller, Redakteurin für Newsletter und Verticals.
Open AI gründet Milliarden-Firma für KI-Rollout
Die neu gegründete „Open AI Deployment Company“ soll Organisationen dabei helfen, KI in bestehende Infrastrukturen und Arbeitsabläufe zu integrieren. Das Gemeinschaftsunternehmen, an dem 19 globale Investmentgesellschaften, Beratungsfirmen und Systemintegratoren beteiligt sind, startete mit einem Anfangskapital von mehr als vier Milliarden Dollar. Die Mehrheit und Kontrolle verbleiben bei Open AI, das zum Start die KI-Beratungsfirma Tomoro übernimmt, die rund 150 Ingenieure und Deployment-Spezialisten einbringt und zu deren Kunden Unternehmen wie Mattel, Red Bull, Tesco und Virgin Atlantic gehören.
Sam Altman, CEO von Open AI AFP
„Dieser Schritt zeigt einmal mehr: Open AI steht unter Druck. Ihr Konkurrent Anthropic ist etwa eine Billion Dollar wert und hat den einstigen Vorreiter überholt. Das Wettrennen um die intelligentesten KI-Modelle hat sich verlagert: Am Ende zählt, welche KI es dauerhaft in die Prozesse der Unternehmenskunden schafft.“
Nina Müller, Redakteurin für Newsletter und Verticals.
Cloudflare: Rekordumsatz trifft auf 1100 Kündigungen
Der US-Technologiekonzern Cloudflare, einer der weltweit wichtigsten Anbieter für Internetsicherheit, hat trotz eines historischen Umsatzhochs von 639,8 Millionen Dollar im ersten Quartal 2026 einen gravierenden Stellenabbau angekündigt. Rund 1100 Stellen im Unternehmen sollen gestrichen werden. Laut CEO Matthew Prince macht die interne Nutzung von KI-Agenten, die allein im letzten Quartal um 600 Prozent gestiegen ist, etwa ein Fünftel der Belegschaft überflüssig. Cloudflare setzt nun auf eine eine radikale Verschlankung, um zum „AI-First“-Unternehmen zu werden.
Matthew Prince, CEO von Cloudflare AFP
„Cloudflare definiert Erfolg neu. Dass KI Routine-Jobs ersetzt, ist schmerzhaft. Denn obwohl das Unternehmen finanziell floriert, zeigt dieser Schritt die harte Realität der Tech-Branche: Erfolg führt nicht mehr zwangsläufig zu Jobaufbau.“
Mandy Jarry, Technische Redakteurin für F.A.Z.-Newsletter und Verticals.
Artikel der Woche
Generative KI automatisiert zuerst Büro- und Verwaltungsberufe und trifft damit überproportional Frauen, die in diesen Bereichen mehrheitlich beschäftigt sind. Picture Alliance
Generative KI betrifft vor allem die Jobs, in denen besonders viele Frauen arbeiten. In den Stellenmärkten zeigen sich bereits messbare Verschiebungen.
Frühere technologische Umbrüche am Arbeitsmarkt haben überwiegend männlich geprägte Branchen wie die Schwerindustrie und die Fertigung betroffen. Generative KI funktioniert anders. Sie automatisiert keine körperlichen Tätigkeiten, sondern zuerst Büro- und Verwaltungstätigkeiten. Also die klassischen Aufgaben des Sekretariats, der Sachbearbeitung, der Buchhaltung, im Kundenservice oder Callcenter. In diesen Funktionen arbeiten in entwickelten Volkswirtschaften überproportional viele Frauen.
Nach Berechnungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind Berufe, die von Frauen dominiert werden, international fast doppelt so häufig generativer KI ausgesetzt wie Berufe, in denen Männer in der Überhand sind. In einkommensstarken Ländern fallen 9,6 Prozent der weiblichen, aber nur 3,5 Prozent der männlichen Beschäftigung in die höchste Risikoklasse.
Eine aktuelle Brookings-Analyse quantifiziert das Risiko für die Vereinigten Staaten: Von den rund sechs Millionen Beschäftigten mit hoher KI-Exposition und zugleich geringer Anpassungsfähigkeit sind 86 Prozent Frauen, überwiegend in Verwaltungs- und Büroberufen.
Wo sich der Effekt im Arbeitsmarkt zeigt
Die Stellenpläne der Großunternehmen folgen dem Muster. Maersk hat im vergangenen Jahr weltweit 1000 Verwaltungsstellen gestrichen, Procter & Gamble und Amazon haben Entlassungswellen vor allem in den unterstützenden Funktionen vorgenommen. In Deutschland kündigte ERGO im Februar an, bis 2030 Stellen in Callcentern, Schadenbearbeitung und Schriftgutbearbeitung abzubauen. Die Commerzbank legte im Mai weitere Streichungen in Operations und Zentralfunktionen nach, Allianz Partners und ING haben vergleichbare Programme aufgelegt. Es sind Branchen mit traditionell hohem Frauenanteil in der Sachbearbeitung in Banken, Versicherungen und Dienstleistungsunternehmen. Parallel dazu sind die Stellenausschreibungen in Branchen mit hohem Frauenanteil überproportional zurückgegangen.
Frauen haben ihren Rückstand in der KI-Nutzung zwar etwas aufgeholt, setzen die Technik im Vergleich zu Männern für berufliche Zwecke aber immer noch seltener ein und sind zudem in typischen MINT-Berufen immer noch unterrepräsentiert. Damit stehen sie in der KI-Welle mehrheitlich auf der passiven Seite des Arbeitsmarktes. UN-Experten warnen, dass der KI-Trend ohne Gegensteuerung bestehende Ungleichheiten am Arbeitsmarkt weiter verschärfen könnte.
Domänenwissen mit KI verbinden
Die überproportional hohe Exposition der Frauen gegenüber KI lässt sich kurzfristig nicht beseitigen, aber Frauen können gegensteuern. Im Zentrum steht die Weiterbildung, also das Erlernen komplementärer KI-Kompetenzen. Denn die ILO sieht Transformation, nicht Verdrängung als das wahrscheinlichste Szenario. Wer mit der Künstlichen Intelligenz arbeitet, zählt mit höherer Wahrscheinlichkeit zu den Gewinnern. Im Global AI Jobs Barometer wurde ein schnell steigender Lohnaufschlag von 56 Prozent für Beschäftigte mit KI-Kenntnissen ermittelt. Löhne wachsen in KI-exponierten Branchen doppelt so schnell wie in unexponierten, auch in den automatisierbaren Berufen.
Im Kern geht es um die Verbindung aus Domänenwissen mit KI. Eine Personalfachfrau mit KI-Werkzeugen schlägt einen Programmierer ohne HR-Erfahrung, eine Steuerassistentin mit DATEV plus KI eine Fachkraft ohne Branchenkenntnis. Die vertikale KI macht jahrelang gewachsene Berufserfahrung zum Engpassgut, nicht zum Auslaufmodell. Hier liegt der größte Hebel für Frauen in exponierten Berufen.
Eine aktuelle Auswertung des Indeed Hiring Lab zeigt den Mechanismus: Während der Gesamtmarkt für Stellenanzeigen seit 2022 schrumpft, ist der Anteil KI-bezogener Anzeigen in Deutschland im Verlauf des Jahres 2025 von rund zwei auf 3,5 Prozent gestiegen. Der Anstieg findet vor allem außerhalb der klassischen Tech-Rollen statt: Im Personalwesen nahm die KI-Nachfrage 2025 um 138,7 Prozent zu, im Marketing um 123,2, im Projektmanagement um 117,1, im Bank- und Finanzwesen um 100,9, im Kundenservice um 99 Prozent. Personalchefs stellen 2026 nicht in der Breite ein, sondern gezielt jene Kräfte, die Produktivität durch KI-Anwendung heben.
Interessant könnte auch der Wechsel in komplementäre Rollen sein. Mit dem Inkrafttreten des EU-AI-Acts entstehen viele neue Stellen in KI-Governance, KI-Compliance, Datenschutz und KI-Ethik. Der IAPP-Salary-Report nennt für die Doppelqualifikation Datenschutz und KI-Governance ein mittleres Jahresgehalt von rund 170.000 Dollar. Diese Funktionen verlangen juristisches, organisatorisches und ethisches Urteilsvermögen, weniger Programmierung.
Moderne KI-Modelle wie ChatGPT-5.5 oder Claude Opus 4.7 übernehmen juristische Routinearbeit wie Vertragsprüfung, Risikoanalyse und Schriftsatzentwürfe in Sekunden. Die zehn wichtigsten Anwendungsfälle reichen von Versicherungswidersprüchen über Steuereinsprüche und Mietvertragsprüfungen bis zu Vorsorgevollmachten und Arbeitsverträgen. Gute Ergebnisse erfordern vollständige Sachverhalte, Angabe der Rechtsordnung und die Aufforderung zur Selbstkritik im Prompt. Haftende Rechtsberatung, strategische Konfliktführung und Auftritte vor Gericht ersetzt die KI nicht. Zitierte Normen und Urteile müssen in Originalquellen verifiziert werden, da Aktenzeichen ein typisches Halluzinationsrisiko sind. Personenbezogene Daten gehören nicht in Consumer-Prompts, Kanzleien benötigen
Enterprise-Tarife mit Auftragsverarbeitungsvertrag.
KI-Modelle übernehmen heute juristische Routinearbeiten wie das Lesen, Sortieren und Vorformulieren von Verträgen und Schreiben, ersetzen aber keine haftende Rechtsberatung. Picture Alliance
Anthropic hat mit zehn KI-Agenten, einer Moody's-Datenpartnerschaft und einem Milliarden-Joint-Venture mit Goldman Sachs und Blackstone den Werkzeugmarkt der Finanzbranche neu sortiert. FactSet verlor zeitweise 8,1 Prozent. Für den Schreibtisch deutscher Banker, Analysten und Vermögensverwalter aber gilt eine andere Botschaft: Mit Claude, ChatGPT und Gemini für jeweils rund 20 Dollar im Monat lassen sich Erstanalysen in 45 Minuten, DCF-Modelle in 20 Minuten und 24-Folien-Pitchbooks in elf Minuten erstellen. Spezialplattformen wie Rogo, Hebbia und AlphaSense sind nur bei hohem Durchsatz nötig. Der Beitrag liefert konkrete Prompts und einen Werkzeugkasten in zwei Stufen.
Skills sind spezialisierte, in Markdown verfasste Anweisungen für die KI, die nur bei Bedarf dynamisch geladen werden. Das Konzept wurde von Anthropic entwickelt und ist seit Dezember 2025 als offener, plattformunabhängiger Standard verfügbar. Im Unterschied zu Agenten-Prompts, die stets vollständig in den Kontext geladen werden, entscheidet das Modell selbst, welchen Skill es für eine Aufgabe benötigt. Das spart Tokens, senkt Kosten und verbessert die Ausgabequalität durch einen konzentrierteren Kontext. William Brandt von der Berliner KI-Plattform Langdock, betont, das Modell entscheide selbst, welcher Kontext wichtig sei. Unternehmen können Skills workspace-weit aktivieren, etwa für Corporate-Design-Vorgaben, Compliance-Prüfungen oder konsistenten Kundenservice.
Die New York Times hat mit mehr als 13 Millionen Abonnenten und zweistelligem Umsatzwachstum im ersten Quartal 2026 bewiesen, dass eine konsequente Bündelstrategie Medienmarken krisenfest macht. Günstige Einstiegsangebote für Spiele, Sport oder Kochen führen Nutzer schrittweise in ein Vollzugang-Paket, das inzwischen mehr als die Hälfte der digitalen Abonnenten nutzt. Das senkt die Kündigungsrate, steigert den Erlös pro Abonnent und entkoppelt die Erlöse vom Nachrichtenzyklus. Zugleich gewinnen eigene Nutzerdaten im Werbemarkt ohne Drittanbieter-Cookies erheblich an Wert. Für andere Verlage zeigt das Modell, dass erst die Verbindung von Journalismus mit Lifestyle-Produkten dauerhafte Bindung und Preissetzungsmacht schafft.
Die Neuzulassungen reiner Elektroautos in Deutschland stiegen im April 2026 um 41 Prozent auf 63.350 Fahrzeuge, womit erstmals jedes vierte neue Auto rein elektrisch fuhr. Treiber sind die neue sozial gestaffelte Kaufprämie von bis zu 6000 Euro, hohe Benzinpreise infolge des Iran-Kriegs und ein breiteres Modellangebot. An der Modellspitze führt der VW ID.3 vor dem Skoda Elroq, während Mercedes und Skoda auf Markenebene die größten Zuwächse verzeichnen. Chinesische Hersteller wie BYD und Leapmotor legten zusammen um 76 Prozent zu. Parallel floriert der Gebrauchtwagenmarkt, auf dem Leasingrückläufer die privaten Neuzulassungen um 30 bis 50 Prozent übersteigen. Der VDA erwartet für 2026 rund 693.000 Batterieauto-Neuzulassungen.
Europas Autoindustrie verliert ihre Kernkompetenz, und zwar nicht durch direkte chinesische Konkurrenz, sondern durch strukturelle Zerreibung zwischen zwei wachsenden Polen. Oben kontrollieren Plattformen wie Uber und Waymo die künftige Mobilitätsnachfrage. Unten dominiert China den Tech-Stack: Batterien (CATL), autonome Software (Pony.ai), Rohstoffraffinierung. In der Mitte bleiben den europäischen Herstellern Fertigungshülle, Markenname und Endmontage.
Chinesische Technologie am Band: In Fabriken wie dieser bei Leapmotor entsteht die Architektur, auf die europäische Hersteller zunehmend angewiesen sind. Reuters
Industrielle KI benötigt hochspezifische, sensible Daten, die kein Unternehmen allein in ausreichendem Umfang besitzt. Anders als Large Language Models, die mit öffentlichen Internetdaten trainiert werden, ist sie auf knappe Daten aus Produktionsumgebungen angewiesen. Datenräume ermöglichen kontrollierten Austausch, ohne dass Rohdaten das Unternehmen verlassen, etwa durch dezentrales Federated Learning. In der Praxis bremsen mangelndes Datenmanagement, unzureichende Qualität und fehlende Governance-Standards die Verbreitung. Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert neben Technologie auch abgestimmte Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Anreizsysteme.
Die Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments und des Rates haben sich überraschend auf eine vorläufige Einigung zum KI-Omnibus geeinigt. Die Hochrisiko-Pflichten nach Anhang III werden auf den 2. Dezember 2027 verschoben, für KI in regulierten Produkten auf den 2. August 2028. Maschinen-KI wird grundsätzlich von der unmittelbaren Anwendbarkeit des KI-Gesetzes ausgenommen. Zudem werden KI-Systeme verboten, die Material zum sexuellen Kindesmissbrauch oder nicht einvernehmliche Intimdarstellungen erzeugen. Beim Datenschutz wurde der Standard der „strikten Notwendigkeit" für die Verarbeitung sensibler Daten zur Bias-Korrektur wiederhergestellt. Die formelle Annahme muss vor dem 2. August 2026 erfolgen, damit die neuen Fristen rechtzeitig greifen.
Der KI-Omnibus rollt: Die EU einigt sich auf verschobene Fristen und neue Regeln für Hochrisiko-KI. Picture Alliance
Software war nie auf perfekte Sicherheit ausgelegt, und Gesellschaften haben über Jahrzehnte technische Schulden in Form latenter Sicherheitslücken angehäuft. Das neue KI-Modell Mythos von Anthropic verschärft die Lage, da es Schwachstellen weit effizienter aufspüren kann als menschliche Experten. Im März 2026 erreichten Schwachstellenmeldungen auf HackerOne ein Allzeithoch, doch die Behebungsrate hielt nicht Schritt. Die Trump-Regierung prüft deshalb staatliche Prüfprozesse vor der Veröffentlichung neuer KI-Modelle. Der Engpass liegt jedoch bei fehlenden Entwicklern, mangelnder Testkultur und unzureichender Automatisierung. Die Lösung bestehe darin, die Rückzahlungsfähigkeit durch bessere Tests und schnellere Update-Pipelines zu erhöhen.
Anthropic hat Claude Mythos Preview am 7. April angekündigt – und die Cybersecurity-Branche in Aufruhr versetzt. AP
Das Rüstungs-Start-up Scout AI aus Sunnyvale hat unter CEO Colby Adcock hundert Millionen Dollar Wagniskapital eingesammelt – laut eigener Lesart die größte amerikanische Defense-Tech-Series-A. Das Unternehmen entwickelt mit „Fury" ein Bild-Sprach-Handlungsmodell für autonome Schwärme, baut jedoch kein eigenes Grundlagenmodell, sondern passt fremde Modelle an. Prägende Rüstungsinvestoren wie Founders Fund oder Andreessen Horowitz fehlen in der Investorenliste. Die bisherige Trainingsbasis umfasst nur sechs Wochen Testbetrieb auf einem kalifornischen Militärgelände. Die Pentagon-Direktive 3000.09 verbietet vollautonome Waffen nicht, verlangt aber Genehmigungen auf höchster Ebene. Ob Scout AI neben Anduril, Shield AI und Helsing in die erste Reihe aufsteigt, dürfte sich in der
nächsten Finanzierungsrunde zeigen.
Colby Adcock, CEO, und Collin Otis, CTO des Rüstungs-Start-ups Scout AI aus Sunnyvale, haben 100 Millionen Dollar eingesammelt. Scout AI
Die EU-Verhandlungsführer von Parlament und Rat haben sich vorläufig auf den KI-Omnibus geeinigt, der zentrale Änderungen an der KI-Verordnung vorsieht. Die Hochrisiko-Pflichten werden je nach Kategorie auf Dezember 2027 beziehungsweise August 2028 verschoben. Maschinen-KI wird von der unmittelbaren Anwendbarkeit des KI-Gesetzes ausgenommen, um Doppelregulierung zu vermeiden. KI-Systeme zur Erzeugung von Kindesmissbrauchsmaterial oder nicht einvernehmlichen Intimdarstellungen werden verboten. Beim Datenschutz gilt wieder der Standard der „strikten Notwendigkeit" für sensible Daten zur Bias-Korrektur. Die formelle Annahme muss vor dem 2. August 2026 erfolgen, damit die neuen Fristen rechtzeitig greifen.
Auch als Agent unterwegs: Matt Damon als Jason Bourne AP
• Nach einer Beteiligung von SAP steigt das Berliner Start-up N8N zum wertvollsten KI-Unternehmen Deutschlands auf. Die Bewertung liegt nun bei 5,2 Milliarden Dollar. SAP integriert die Automatisierungstechnologie von N8N direkt in seine Entwicklungsumgebung Joule Studio und investiert Insidern zufolge insgesamt mehr als 60 Millionen Euro. Parallel dazu erhält auch der Berliner KI-Spezialist Parloa Investitionen von SAP.
• Im Zeugenstand vor einem Bundesgericht in Oakland wies Sam Altman, CEO von Open AI, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Unehrlichkeit zurück
und bezeichnete sich als „ehrlichen und vertrauenswürdigen Geschäftsmann“ – obwohl frühere Verwaltungsratsmitglieder und Mitgründer Ilya Sutskever zuvor ein gegenteiliges Bild gezeichnet hatten. Gleichzeitig beschrieb er Elon Musk als kontrollbesessen: Der Milliardär habe nicht nur mehr Verwaltungsratssitze und den CEO-Posten gefordert, sondern auch vorgeschlagen, Open AI als Tesla-Tochter einzugliedern und die Kontrolle im Todesfall an seine Kinder zu übertragen.
• Das Kölner KI-Unternehmen DeepL baut rund 250 Stellen ab
, was etwa einem Viertel der weltweiten Belegschaft entspricht, um interne Prozesse künftig verstärkt durch eigene KI-Agenten zu automatisieren. Laut CEO Jarek Kutylowski soll dieser Schritt DeepL zu einem „KI-nativen“ Unternehmen transformieren und die Schlagkraft gegenüber Google und Open AI sichern. Trotz Milliardenbewertung setzt das Start-up konsequent auf Effizienz und verschlankt seine Strukturen.