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Die Agenten-Ökonomie
Die Plattformökonomie erlebt gerade ihren zweiten Urknall. Der erste kam mit den großen Marktplätzen, App-Stores und Werbenetzwerken, die Netzwerkeffekte in Marktmacht wandelten. Der zweite Knall kommt jetzt mit der Künstlichen Intelligenz.
Die KI befeuert die Plattformwelt, deren Wert sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt hat. Aber sie verschiebt auch die Spielregeln, weil sich KI-Agenten als neue Interaktionsschicht über die Plattformen legen. Wer diese Schicht kontrolliert, kontrolliert nicht mehr nur Aufmerksamkeit, sondern Entscheidung und Ausführung.
Holger Schmidt
Verantwortlicher Redakteur für Newsletter und Verticals.
Unsere Analyse zeigt die alte Ordnung in Reinform. Ein kumulierter Wert von 28 Billionen Dollar konzentriert sich überwiegend in Amerika, mit gewaltigem Abstand zu Asien-Pazifik und Europa. Bisher war diese Dominanz vor allem Kapitalmarkt- und Ökosystemmacht. Doch genau dort setzt die Zäsur an. Wenn Nutzer ihre Absicht nicht mehr in eine Suchanfrage tippen oder den gewohnten Weg zur Plattform der Wahl antreten, sondern einen KI-Agenten beauftragen, wandert der Wettbewerb vom Kampf um Traffic zu einem Wettstreit um Auftragserledigung. Plattformen werden zu Zulieferern, Agenten zu Gatekeepern.
Das hat Konsequenzen, die viele Plattformbetreiber noch unterschätzen. In einer Agenten-Ökonomie zählt weniger, wer die beste Oberfläche baut, sondern wer die kontrollierten Schnittstellen bietet, über die Agenten zuverlässig handeln können. Wer sich davon abschottet, riskiert seine Relevanz. Denn Agenten werden nicht loyal sein. Sie werden preis- und regelgetrieben optimieren, plattformübergreifend verhandeln und die Anbieter bevorzugen, die sich in ihren Workflow integrieren lassen.
Damit entsteht eine neue Art von Netzwerkeffekt. Je mehr Agenten handeln, desto mehr Daten, Prozesswissen und Verhandlungsmuster fließen in die Orchestrierung zurück. Das verstärkt Vorsprünge und erhöht die Konzentrationsgefahr. Gewinner sind jene, die den Agenten-Layer stellen oder dominieren. Für Europa ist das die unangenehme Pointe: Wer heute schon überwiegend Nutzer fremder Plattformen ist, droht morgen auch Nutzer fremder Agenten zu werden. Dann geht es nicht mehr um einzelne digitale Produkte, sondern um die strategische Kontrolle über Entscheidungen in Handel, Medien, Arbeit und Bildung.
Regulierung allein wird diese Lücke nicht schließen. Europa braucht eine eigene, skalierbare Agenten-Infrastruktur und Unternehmen, die diese Agenten-Ökonomie verstehen. Sonst bleibt es wie bisher beim Zuschauen, während Maschinen die nächste Machtbalance verhandeln.
Paypal hat den HP-Chef Enrique Lores zum neuen CEO ernannt und damit Alex Chriss abgelöst. Die Begründung: Das Tempo des Wandels und der Umsetzung habe nicht den Erwartungen des Verwaltungsrats entsprochen. Für das vierte Quartal hatte Paypal schwächere Umsätze und Gewinne als erwartet gemeldet und einen Rückgang beim Jahresgewinn prognostiziert.
Palantir wächst immer schneller
. Das Softwareunternehmen, dessen wichtigster Kunde die US-Regierung ist, hat im vierten Quartal seinen Umsatz um 70 Prozent auf 1,41 Milliarden Dollar gesteigert. Kritik erntet Palantir aktuell wegen der Kooperation mit der Einwanderungsbehörde ICE.
In den USA hat der erste Prozess seiner Art begonnen, in dem Betreibern von Onlineplattformen wie Instagram und Youtube vorgeworfen wird, Kinder und Jugendliche durch süchtig machendes Design ihrer Plattformen
psychisch zu schädigen. Eine 20-jährige Frau gibt an, die Sucht nach den Diensten habe Depressionen und andere Störungen bei ihr verursacht.
Elon Musk verschmilzt das Raumfahrtunternehmen SpaceX mit dem KI-Entwickler xAI. Das kombinierte Unternehmen soll mit 1,25 Billionen Dollar bewertet werden. Musk begründete die Fusion mit dem Plan, Rechenzentren im Weltall zu betreiben, die für KI-Dienste genutzt werden.
Nvidia steht laut Bloomberg
kurz vor einer Beteiligung von rund 20 Milliarden Dollar an OpenAI. Es wäre die bislang größte Einzelinvestition des Chipherstellers. Die Investition ist Teil einer 100-Milliarden-Finanzierungsrunde, die OpenAI gerade verhandelt.
Google integriert mehr Gemini-Features in den Chrome-Browser. Die neue Funktion „Auto Browse“ können zunächst ausschließlich Abonnenten von Google AI Pro und Google AI Ultra in den USA nutzen. Damit lassen sich komplexe mehrstufige Prozesse durchführen: zu Hotel- und Flugpreisen recherchieren, Termine vereinbaren oder umfangreiche Online-Formulare ausfüllen.
Taiwans Wirtschaft wuchs 2025 um 8,6 Prozent, so stark wie seit 15 Jahren nicht. Treiber ist der KI-Boom mit hohen Chip- und Serverexporten, angeführt von TSMC als weltgrößtem Auftragsfertiger und Kunden wie Nvidia. Die Exporte stiegen um fast 35 Prozent, Lieferungen in die USA um 78 Prozent.
Alphabets Robotaxi-Tochter Waymo hat mehr als 16 Milliarden Dollar frisches Kapital in einer Finanzierungsrunde eingesammelt. Das Unternehmen ist damit nun mehr als 126 Milliarden Dollar wert. Im Jahr 2026 will Waymo seinen Fahrdienst auf elf weitere US-Städte sowie London ausweiten.
Der chinesische
E-Autohersteller BYD verliert im Heimatmarkt an Boden. Im Januar sanken die Verkäufe um 30 Prozent, Geely überholte BYD als größten Anbieter. Auslaufende Förderungen, höhere Steuern und Vorzieheffekte belasten den Absatz. Der Export gewinnt an Bedeutung, während Expansion und schwache Inlandsnachfrage die Risiken erhöhen.
Tesla will bei seinen Robotaxis vor allem
mit dem Preis überzeugen. Eine Fahrt in San Francisco kostet durchschnittlich 8,17 Dollar. Damit ist Tesla deutlich günstiger als Waymo, Uber und Lyft. Mit durchschnittlich 15,32 Minuten warten Teslas Kunden jedoch am längsten auf ihr Taxi, zeigt eine Analyse von mehr als 94.000 Fahrten.
Eine neue Studie des King’s Trust zeigt eine wachsende Verunsicherung junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Mehr als die Hälfte der 16- bis 25-Jährigen fürchtet, dass KI ihre Jobchancen verschlechtert. Viele empfinden den Einstieg ins Berufsleben als unsicher, klagen über mangelnde Perspektiven und fühlen sich auf den Strukturwandel unzureichend vorbereitet.
Dow streicht rund 4500 Stellen
und setzt stärker auf Automatisierung und KI. Das Programm „Transform to Outperform“ soll die operative Ergebnisbasis um mindestens zwei Milliarden Dollar verbessern, vor allem durch Produktivitätsgewinne. Auslöser sind schwache Nachfrage und ein deutlicher Kursrückgang. Einmalige Kosten bis zu 1,5 Milliarden Dollar sind eingeplant.
Ein Experiment von Anthropic
mit 52 Softwareentwicklern deutet darauf hin, dass KI-Assistenz den Lernerfolg beim Programmieren mindert. Teilnehmer mit KI-Unterstützung waren zwar schneller, schnitten in einem Quiz aber um fast zwei Notenstufen schlechter ab als jene ohne KI. Entwickler, die KI für konzeptionelle Fragen und Erklärungen nutzten, erzielten jedoch höhere Scores als Teilnehmer, die nur Code generieren ließen.