Alles Wichtige zur Entwicklung der digitalen Transformation.
Der große Showdown auf der Straße
Früher lieferten sich GM und Ford oder Mercedes und BMW die großen Duelle auf der Straße. In der Formel 1 wetteiferte Ayrton Senna mit Alain Prost um den Titel. In der Welt des autonomen Fahrens heißen die Duellanten seit Montag Tesla und Nvidia.
In diesem digitalen Wettkampf zählen aber weder PS noch Drehmoment, sondern Künstliche Intelligenz, Plattformstrategie und Sicherheit. Was Jensen Huang und Elon Musk hier spielen, ist 3D-Schach auf allerhöchstem Niveau.
Holger Schmidt
Verantwortlicher Redakteur für Newsletter und Verticals.
Ein Vergleich zum Smartphone-Markt könnte helfen, die Ausgangslage zu erklären: Apple war 2007 mit seinem geschlossenen System zuerst am Markt, bevor Google das offene Android als Konkurrenzmodell vorstellte. Der Unterschied war substanziell: Jeder Gerätehersteller konnte das Android-System für seine Smartphones nutzen und nach seinen Vorstellungen anpassen, während Apple exklusiv geblieben ist. Im Ergebnis laufen heute etwa 80 Prozent der Geräte mit einem Android-System, 20 Prozent sind Apple-Nutzer.
Im Markt für autonome Autos verfolgt Tesla den Apple-Ansatz, während Nvidia den Google-Weg gewählt hat. Mit einem Unterschied: Tesla versucht auch, sein Full-Self-Driving-System (FSD) an andere Hersteller zu lizenzieren, aber diese müssten sich sehr eng an Teslas Vorgaben halten. Quasi ein Auto um die Software herum bauen. Aber das wollen die Hersteller auf keinen Fall, was Elon Musk so gar nicht verstehen mag. „Ich habe sie gewarnt und sogar angeboten, Tesla FSD zu lizenzieren, aber sie wollen es nicht! Verrückt…“ kommentierte der reichste Mann der Welt auf seiner Plattform X das Bild eines Friedhofs mit Gräbern der klassischen Autohersteller.
Seitdem Jensen Huang am Montag seinen „Android-Moment“ hatte und das offene System Alpamayo vorgestellt hat, sind Teslas Chancen sicher nicht besser geworden. Denn nun haben die Autohersteller eine Möglichkeit, doch noch autonomes Fahren für vergleichsweise kleines Geld und zu ihren Vorstellungen in ihre Autos einbauen zu können. Mercedes als Referenzkunde passt perfekt, denn welcher Hersteller kann jetzt noch argumentieren, die Nvidia-Lösung entspreche nicht den Ansprüchen an Qualität und Sicherheit?
Nun ist Nvidia nicht allein auf der Welt und andere Anbieter wie die Google-Tochtergesellschaft Waymo, Amazon Zoox oder der VW-Partner Mobileye mischen natürlich weiterhin mit. Zudem wird es Jahre dauern, die KI von Nvidia in ein Auto einzubauen. Ob der Montag also wirklich der „ChatGPT-Moment der physischen KI“ war, also der Zeitpunkt, an dem KI neben den Autos auch gleich noch die Maschinen und Roboter intelligent gemacht hat, wissen wir erst in einigen Jahren. Doch die Akteure im spannendsten Digitalmarkt der Welt arbeiten schon seit zehn Jahren auf diesen Moment hin und werden nicht ruhen, diesen Markt zu erschließen. Autonomes Fahren ist gekommen, um zu bleiben.
Wir wünschen eine spannende Lektüre und ein erfolgreiches neues Jahr!
Holger Schmidt
P.S.: Wie Nvidia mit diesem Modell Geld verdienen will, können Sie in unserer Berichterstattung zur CES lesen.
Boston Dynamics kündigte auf der CES 2026 eine Partnerschaft mit Google Deepmind an, um die Entwicklung seines humanoiden Roboters Atlas mit KI-Grundlagenmodellen zu beschleunigen. Die nächste Generation soll natürlicher mit Menschen interagieren und aus wenigen Beispielen lernen und generalisieren können.
Nvidia und AMD haben auf der CES ihre neuen KI-Chip-Generationen
vorgestellt. Nvidia-Chef Jensen Huang kündigte an, dass die Produktion der nächsten Chiparchitektur „Vera Rubin“ bereits angelaufen sei. Die soll deutlich leistungsfähiger und günstiger im Betrieb sein als die aktuelle Blackwell-Reihe.
Das Joint Venture Sony Honda Mobility (SHM) will Ende 2026 mit der Auslieferung des Afeela 1 in den USA beginnen – einem Elektrofahrzeug, das über Bildschirme über die gesamte Armaturenbrett-Breite und 40 Sensoren und Kameras für teilautonomes Fahren verfügt. Preispunkt: 90.000 Dollar. Zudem stellte SHM auf der CES ein SUV-Konzept vor, das bereits 2028 in Serienproduktion gehen soll.
xAI, Elon Musks KI-Unternehmen hinter dem Chatbot Grok und Eigentümer von X, hat in einer Finanzierungsrunde 20 Milliarden Dollar eingesammelt. Beteiligt waren unter anderem Valor Equity Partners, Fidelity, Qatar Investment Authority sowie Nvidia und Cisco. Mithilfe des frischen Kapitals will xAI seine Rechenzentren und Grok-Modelle weiter ausbauen.
Das französische KI-Unternehmen Mistral
arbeitet an einer neuen „Workflow-Builder“-Funktion, mit der Nutzer Arbeitsschritte verketten und projektübergreifend wiederverwenden können. Die Funktion ist Teil von Mistrals strategischer Neuausrichtung vom Modellanbieter zu einer umfassenden AI-Produktionsplattform.
KI könnte künftig helfen, regionale Unterschiede in der deutschen Rechtsprechung sichtbar zu machen
, erklärte der Präsident des OLG Karlsruhe, Jörg Müller. Voraussetzung sei, dass deutlich mehr als die derzeit geschätzten ein bis drei Prozent aller Urteile veröffentlicht werden, um etwa Freispruchquoten zwischen Nord- und Süddeutschland zu vergleichen oder Prognosen zu Verfahrensausgängen zu treffen.
Laut Open AI nutzen täglich mehr als 40 Millionen Menschen weltweit ChatGPT für Gesundheitsinformationen. Mehr als 5 Prozent aller ChatGPT-Nachrichten global seien gesundheitsbezogen. Die KI wird etwa genutzt, um Arztrechnungen zu entschlüsseln, Überberechnungen zu erkennen, Versicherungsablehnungen anzufechten, aber auch zur Selbstdiagnose.
Nur jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland nutzt regelmäßig KI am Arbeitsplatz. Das zeigt eine Befragung des Ifo-Instituts. Rund 64 Prozent haben KI bereits gelegentlich genutzt, wobei nur bei einem Drittel der Nutzenden die KI-Hauptanwendung vom Unternehmen eingeführt wurde – zwei Drittel nutzen KI eigeninitiativ.
Laut einer Umfrage des VDMA
wollen Maschinenbauer vor allem Ingenieure mit KI-Kompetenz einstellen. 86 Prozent der befragten Unternehmen halten KI-Kenntnisse bei angehenden Ingenieuren für wichtig, doch nur 23 Prozent sind mit der Vorbereitung an Hochschulen zufrieden.
Der deutsche Automobilzulieferer Bosch will bis Ende 2027 mehr als 2,5 Milliarden Euro in die Anwendung und Entwicklung von KI investieren. Das Unternehmen kündigte neue KI-basierte Fahrassistenzsysteme an, mit deren Hilfe Fahrzeuge etwa automatisch einen Parkplatz suchen. Mithilfe von KI-Agenten sollen zudem Produktion, Wartung und Lieferketten optimiert werden.
Uber, Lucid Motors und Nuro
haben auf der CES 2026 die Serienversion ihres gemeinsamen Robotaxis vorgestellt, das auf dem Lucid Gravity SUV basiert und bereits auf öffentlichen Straßen getestet wird. Uber investierte 300 Millionen Dollar in Lucid und verpflichtete sich zum Kauf von 20.000 Elektrofahrzeugen.
Das Unternehmen Kodiak AI, das autonome Lkw für Autobahn-, Industrie- und Verteidigungseinsätze entwickelt, beabsichtigt, künftig mit Bosch zusammenzuarbeiten, um schneller zu skalieren. Bosch wird Kodiak mit Hardware-Komponenten wie Sensoren und Lenktechnologien beliefern, die entweder in der Fahrzeugproduktion oder nachträglich integriert werden können.
„Der ChatGPT-Moment für physische KI ist da – der Moment, in dem Maschinen beginnen, die reale Welt zu verstehen, zu schlussfolgern und in ihr zu handeln.“