Digitalwirtschaft
                                                           
Mittwoch, 11.03.2026 | Zur Online-Ansicht
 
 Frankfurter Allgemeine Pro
DIGITALWIRTSCHAFT
Alles Wichtige zur Entwicklung der digitalen Transformation.
Der neue Gatekeeper in der Stadt
Künstliche Intelligenz legt sich als neue Schicht über das Internet. Wer in dieser Schicht nicht vorkommt, verliert Reichweite, Kunden und Relevanz. Das gilt für Handel, Marken und Medien gleichermaßen.
Über zwei Jahrzehnte lang war Googles Suchmaschine der zentrale Verkehrsknotenpunkt im Internet. Wer in der Suchmaschine nicht gefunden wurde, existierte nicht. Diese Ära geht zu Ende. Nicht weil Google verschwindet, sondern weil sich eine neue Schicht über das Netz legt: Künstliche Intelligenz. ChatGPT allein zählt inzwischen 900 Millionen aktive Nutzer pro Woche. Zusammen mit Googles Gemini, Perplexity und anderen KI-Assistenten entsteht ein Interface, das nicht mehr Links sortiert, sondern Antworten gibt. Wer in diesen Antworten nicht vorkommt, wird unsichtbar.
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Holger Schmidt
Verantwortlicher Redakteur für Newsletter und Verticals.
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Die Dimension dieser Verschiebung lässt sich messen. Laut einer Similarweb-Analyse nutzen Konsumenten KI-Assistenten in jeder Phase der Kaufentscheidung häufiger als klassische Suchmaschinen. Die KI übernimmt genau den Teil der Customer Journey, in dem Präferenzen geformt und Marken ausgewählt werden. Der Händler, der die Transaktion abwickelt, bekommt nur noch den Kunden, den die KI ihm zuführt.
Dass Open AI seinen „Instant Checkout“ in ChatGPT wieder einstellt, ändert daran nichts. Das Unternehmen konzentriert sich nun auf Produktempfehlungen und gibt die Transaktion an Händler-Apps ab. Es gibt die Kasse ab, behält aber die Beratung. Für den Handel ist das keine Entwarnung, sondern die Bestätigung, dass die Macht über die Kaufentscheidung bei der Empfehlung liegt, nicht beim Check-out.
 
Was für den E-Commerce gilt, gilt für Medien und Marken ebenso. Die durchschnittliche Google-Suche ist dreieinhalb Wörter lang, ein ChatGPT-Prompt umfasst 60 Wörter. Nutzer formulieren keine Stichwörter mehr, sondern Gedanken, Präferenzen und Kontexte. Die KI verweist nicht auf zehn blaue Links, sondern gibt eine Antwort. Welche Quelle zitiert, welche Marke empfohlen und welcher Händler genannt wird, entscheidet ein Algorithmus.
Dabei ist der Traffic, den KI-Plattformen weiterleiten, bemerkenswert in der Qualität. Von ChatGPT verwiesene Nutzer konvertieren auf E-Commerce-Seiten deutlich besser als Kunden von Suchmaschinen. Die Menschen, die über KI kommen, haben ihre Entscheidung bereits getroffen.
Der strategische Imperativ ist branchenübergreifend derselbe: Sichtbarkeit in KI-generierten Antworten wird zur Existenzfrage. Im Marketing firmiert das als „Generative Engine Optimization“. Doch die meisten Unternehmen optimieren weiterhin für eine Suchmaschine, während ihre Kunden längst mit einem Assistenten sprechen. Das Fenster, in dem Marken, Händler und Medien ihre Position in der neuen KI-Schicht aufbauen können, ist jetzt geöffnet.
Und jetzt noch etwas in eigener Sache:
Wir starten im Juni mit unserer dritten Ausgabe der F.A.Z. KI-Konferenz. Da unsere Räume im F.A.Z.-Tower dem Andrang nicht mehr gewachsen sind, ziehen wir am 22. und 23. Juni in das Kloster Eberbach im Rheingau. Als Themen sind „Die Zukunft der KI“, „KI-Agenten auf dem Vormarsch“ und „KI in der Verteidigung“ gesetzt. Wir werden uns aber auch mit dem Einfluss der KI auf die Finanzwelt, die Medizin oder die Kunst widmen. Im Kloster treffen Tradition und Zukunft aufeinander, und wir hoffen auf intensive Debatten. Seien Sie dabei. Den Weg zur Anmeldung finden Sie hier.
 FAZ
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Eine spannende Lektüre der heutigen Ausgabe wünscht
Holger Schmidt
 
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Die Themen in diesem Newsletter
Künstliche Intelligenz
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Die 25 KI-Start-ups, die gerade den Rechtsmarkt umkrempeln
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Das Ende von Instant Checkout ist der Anfang des Agentic Commerce
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Wenn Marken für die KI unsichtbar werden
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EU plant Zeitenwende für das Urheberrecht
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„Dem Mittelstand ist klar geworden, dass er ohne KI im Nachteil ist“
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Was sonst noch wichtig ist
Zukunft der Arbeit
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KI entwertet Lehrbuchwissen und belohnt Erfahrung
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Deutsche Arbeitnehmer sind privat von KI begeistert, im Büro gebremst
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Die Jobs, in denen das KI-Potential kaum genutzt wird
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Was sonst noch wichtig ist
Transformation
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Chinas ganz eigener KI-Plan
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Trumps Visumgebühr trifft Start-ups besonders hart
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Was sonst noch wichtig ist
Mobility
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Der Elroq-Effekt und die Rabattschlacht der Hersteller
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Was sonst noch wichtig ist
Gadgets
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Umzug von ChatGPT zu Anthropic oder anderen: So geht’s
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Die moderne Steuererklärung mit KI
Prompt der Woche
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Wie die KI mit Tricks eine lange Rede verfasst
Top 5: Unsere meistgelesenen Artikel
Zitat der Woche
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Yann LeCun
 
Künstliche Intelligenz
 
Die 25 KI-Start-ups, die gerade den Rechtsmarkt umkrempeln
 
Von Recherche über Vertragsanalyse bis zum Kanzleimanagement: KI-Start-ups dringen in jeden Winkel der juristischen Wertschöpfungskette vor. Die 25 relevantesten Anbieter und das Damoklesschwert, das über ihnen schwebt.
Von Holger Schmidt
Ein großer Teil der juristischen Arbeit besteht aus Tätigkeiten, die sich für den Einsatz großer Sprachmodelle geradezu anbieten: Recherche in umfangreichen Texten, Analyse komplexer Dokumente, Entwurf standardisierter Schriftsätze oder die Prüfung von Vertragsklauseln auf Abweichungen von Unternehmensrichtlinien. Goldman Sachs schätzt, dass nahezu die Hälfte aller juristischen Tätigkeiten automatisierbar ist. Eine ganze Armee an neuen KI-Start-ups setzt genau dort an und verschiebt die Grenze dessen, was Maschinen in der Rechtsarbeit leisten können.
Das Rechts-Start-up Legora aus Stockholm ist knapp sechs Milliarden Dollar wert. Bloomberg
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Das Ende von Instant Checkout ist der Anfang des Agentic Commerce
 
 Open AI zieht sich aus dem Direktverkauf zurück. Die Branche feiert. Dabei übersieht sie, dass der eigentliche Strukturwandel gerade erst beginnt.
Von Stefan Wenzel
Es hat fünf Monate gedauert. Im September 2025 stellte Open AI „Instant Checkout“ vor: die Möglichkeit, Produkte direkt in ChatGPT zu kaufen, ohne die Konversation zu verlassen. Etsy war Launch-Partner, Shopify wollte über eine Million Händler anbinden und auch Walmart und Target waren mit dabei. Der Anspruch war unmissverständlich: ChatGPT sollte nicht nur der Ort sein, an dem Kaufentscheidungen vorbereitet werden, sondern auch der, an dem sie abgeschlossen werden. Aber: Anfang März 2026 beendete Open AI das Experiment.
ChatGPT hat mehr als 700 Millionen wöchentliche Nutzer – und wird nun zur Shopping-App. ChatGPT
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Wenn Marken für die KI unsichtbar werden
 
Der Similarweb Brand Visibility Index 2026 zeigt erstmals systematisch, welche Marken in den Antworten von ChatGPT, Gemini und Perplexity auftauchen. Die Ergebnisse stellen das digitale Marketing auf den Kopf.
Von Holger Schmidt
Die Art, wie Verbraucher Marken entdecken, hat sich fundamental verändert. 35 Prozent der amerikanischen Konsumenten beginnen ihre Produktsuche inzwischen in KI-Chatbots. Bei der Bewertung von Produkten nutzen 32,9 Prozent inzwischen die KI. Marken, die in den Antworten generativer KI-Systeme nicht vorkommen, sind somit für mehr als ein Drittel potentieller Kunden schlicht unsichtbar.
Hauptsache, eine Marke kommt vor – aber das ist nicht garantiert. Reuters
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EU plant Zeitenwende für das Urheberrecht
 
 Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments (JURI) hat einen Bericht mit dem Titel „Urheberrecht und generative künstliche Intelligenz – Chancen und Herausforderungen“ vorgelegt. So weit, so alltäglich – Papiere dieser Art entstehen in Brüssel fast im Wochentakt. Dieser Bericht ist jedoch anders.
Von Lina Böcker
Der Bericht adressiert ein Thema, das die Rechtswissenschaft seit Jahrzehnten begleitet und nie wirklich gelöst wurde: das Spannungsfeld zwischen einem Urheberrecht aus der Zeit des Buchdrucks und einer digitalen Technologie, die mit Werten operiert, die zum klassischen Verständnis des Urheberrechts schlicht nicht passen. Insofern ist es nicht übertrieben, von einer urheberrechtlichen Zeitenwende zu sprechen.
Musk baut in Memphis eine Rechenfabrik, und Brüssel will mit Opt-out und Lizenzpflichten klären, wem die Milliarden Trainingskopien aus Europas Medien und Kreativwirtschaft gehören. Reuters
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„Dem Mittelstand ist klar geworden, dass er ohne KI im Nachteil ist“
 
Der Mittelstand in Deutschland entdeckt KI und Agenten. Doch die Euphorie bringt neue Herausforderungen mit sich, beschreibt der deutsche Salesforce-Chef Alexander Wallner.
Von Nina Müller
Der deutsche Mittelstand gilt als zögerlich, wenn es um neue Technologien geht. Doch bei Künstlicher Intelligenz zeigt sich ein anderes Bild: Mehr als jedes zweite der befragten Unternehmen nutzt oder testet inzwischen KI-Lösungen. Das zeigt der aktuelle KI-Index Mittelstand des Deutschen Mittelstands-Bundes (DMB) und Salesforce. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 54 Prozent.
 
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Was sonst noch wichtig ist
  • Die Hardwarechefin von Open AI, Caitlin Kalinowski, ist zurückgetreten. Anlass ist ein Vertrag des Unternehmens mit dem US-Verteidigungsministerium. Kalinowski kritisierte, Open AI habe zu schnell entschieden, seine KI-Modelle auf geheimen Netzen des Pentagons einzusetzen. Fragen zu Aufsicht, möglicher Überwachung und autonomen Waffensystemen seien nicht ausreichend geklärt worden.
  • Der KI-Pionier Yann LeCun hat für sein neues Start-up AMI Labs mehr als eine Milliarde Dollar eingesammelt. Das Unternehmen will KI-Systeme entwickeln, die nicht nur Sprache verarbeiten, sondern sogenannte Weltmodelle der Realität bilden. Solche Modelle sollen physikalische Zusammenhänge verstehen und komplexe Prozesse simulieren
  • Das Legal-Tech-Unternehmen Legora hat eine Finanzierungsrunde über 550 Millionen Dollar abgeschlossen und wird nun mit 5,5 Milliarden Dollar bewertet. Angeführt von Accel und unterstützt durch Bain Capital und Y Combinator, fließt das Kapital primär in die Expansion in den Vereinigten Staaten.
  • Laut einer Studie von Deloitte setzen rund 70 Prozent der Führungskräfte künftig auf Geschwindigkeit als zentrale Wettbewerbsstrategie. KI beschleunigt Innovationszyklen und verändert Arbeitsorganisation, Rollen und Entscheidungsprozesse.
  • Mira Muratis Start-up Thinking Machines Lab hat sich verpflichtet, von Anfang nächsten Jahres an ein Gigawatt Nvidia-betriebene Rechenleistung zu nutzen, und geht eine mehrjährige Partnerschaft mit Nvidia ein. Die ehemalige Open-AI-Führungskraft beabsichtigt, auf Frontier-Ebene mit anderen KI-Unternehmen zu konkurrieren.
 
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Zukunft der Arbeit
 
KI entwertet Lehrbuchwissen und belohnt Erfahrung
 
Generative KI spaltet den Arbeitsmarkt entlang einer neuen Trennlinie: Berufseinsteiger verlieren, erfahrene Fachkräfte gewinnen. Was das für Unternehmen, Karrierewege und die Organisation von Arbeit bedeutet.
Von Holger Schmidt
Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 schwankt die Debatte um KI zwischen Apokalypse und Verharmlosung. Mehr als vierzig akademische Studien, die in den vergangenen sechs Monaten veröffentlicht wurden, erlauben inzwischen eine empirisch fundierte Antwort: Generative KI wirkt als „seniority-biased technological change“, als erfahrungsverzerrter technologischer Wandel. Sie entwertet kodifiziertes Lehrbuchwissen, auf das Berufseinsteiger angewiesen sind, und steigert den Wert impliziten Erfahrungswissens, das erfahrene Fachkräfte mitbringen.
In der Hochschulbibliothek trifft der Nachwuchs auf eine neue Hürde, denn generative KI entwertet Lehrbuchwissen und verschiebt den Einstieg in den Arbeitsmarkt zugunsten erfahrener Fachkräfte. Jannis Schubert
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Die Jobs, in denen das KI-Potential kaum genutzt wird
 
Eine neue Anthropic-Studie misst erstmals die Kluft zwischen dem theoretischen Potential und der tatsächlichen Nutzung Künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz – und liefert ein Frühwarnsystem für Jobverluste.
Von Johannes Winkelhage
Eine neue Studie des KI-Unternehmens Anthropic untersucht erstmals systematisch, welche Tätigkeiten große Sprachmodelle heute real ausführen und welche sie theoretisch erledigen könnten. Die tatsächliche Nutzung der KI liegt deutlich unter ihrem technischen Potential, vor allem in wissensintensiven Berufen in Wirtschaft, Management, Informatik, Mathematik, Recht sowie in administrativen Büroberufen.
 
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Deutsche Arbeitnehmer sind privat von KI begeistert, im Büro gebremst
 
Eine neue Indeed-Studie unter 80.000 Arbeitnehmern in acht Ländern zeigt: Deutsche Beschäftigte experimentieren privat überdurchschnittlich viel mit KI.  Doch am Arbeitsplatz klafft im Vergleich zu anderen Ländern eine große Lücke.
Von Mandy Jarry
Wer in Deutschland KI mehrmals im Monat nutzt, tut das häufig privat, aber deutlich seltener im Beruf. Zwischen privater und beruflicher Nutzung liegen 13 Prozentpunkte. Das ist der größte Abstand im Vergleich der acht untersuchten Länder.
 
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Was sonst noch wichtig ist
  • Eine neue VDI-Studie zeigt, dass der technologische Wandel den Qualifizierungsbedarf von Ingenieuren stark erhöht. Rund 80 Prozent erwarten, ihre Kompetenzen in den kommenden drei Jahren erweitern zu müssen. Treiber sind vor allem KI und Digitalisierung. Gleichzeitig verschärfen Fachkräftemangel und demografischer Wandel den Druck.
  • Eine Studie beschreibt das neue Phänomen des „AI brain fry “. Gemeint sind mentale Ermüdung und langsamere Entscheidungen, wenn Mitarbeiter mehrere KI-Tools parallel steuern. Der Produktivitätseffekt steigt, wenn ein oder zwei KI-Werkzeuge eingesetzt werden. Ab drei Tools nimmt der zusätzliche Nutzen jedoch ab. Die kognitive Belastung wächst, weil Nutzer die Ergebnisse verschiedener Systeme korrigieren müssen.
  • US-Konzerne bewerten den Einsatz von KI zunehmend über eine Kennzahl: die „Labor Cost Margin “. Sie misst, wie stark Technologie menschliche Arbeit ersetzt und Kosten pro Leistungseinheit senkt. Laut einer KPMG-Umfrage investieren viele Firmen bereits einen erheblichen Teil ihres Budgets in KI. Jobs verändern sich, besonders repetitive Tätigkeiten geraten unter Druck.
  • Eine Umfrage unter 933 US-Führungskräften zeigt, wie stark KI die Personalplanung verändert. Bereits 21 Prozent der Unternehmen stellen wegen KI keine Berufseinsteiger mehr ein. Bis 2027 erwarten 47 Prozent einen vollständigen Stopp solcher Einstellungen. Experten warnen: Wenn Einstiegsjobs verschwinden, bricht die wichtigste Trainingsstufe für künftige Fach- und Führungskräfte weg.
 
Transformation
 
Chinas ganz eigener KI-Plan
 
Der neue Fünfjahresplan macht deutlich: China folgt einer anderen KI-Strategie als die USA. Die Chancen auf Erfolg stehen gut.
Von Gustav Theile, Shanghai
In Chinas neuem Fünfjahresplan sind zwei Dinge auffällig: Wie viel KI drinsteckt und wie wenig. Wie viel, weil Künstliche Intelligenz mehr als fünfzigmal erwähnt wird, mehr als viermal so oft wie im vergangenen Fünfjahresplan.
Auf dem Weg zum Volkskongress AP
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Trumps Visumgebühr trifft Start-ups besonders hart
 
Neue Gebühren und eine gehaltsgewichtete Lotterie verändern das wichtigste Arbeitsvisum der Vereinigten Staaten. Besonders hart trifft es junge Technologieunternehmen im Silicon Valley.
Von Marcus Schuler, San Francisco
Mara Roitman hatte den idealen Kandidaten bereits gefunden. Die Personalchefin des kalifornischen Jeansherstellers True Religion suchte einen Direktor für den globalen Einkauf – einen Guatemalteken mit zwanzig Jahren Erfahrung in der Textilbeschaffung. Dann begann sie zu rechnen: Unter den neuen H-1B-Regeln der Trump-Regierung kostet die Einstellung eines Arbeitnehmers aus dem Ausland eine Zusatzgebühr von 100.000 Dollar, zusätzlich zu den üblichen Antragskosten.
Trump Regierung verteuert das H 1B Visum mit 100.000 Dollar Zusatzgebühr und gehaltsgewichteter Auswahl so, dass vor allem Start-ups im Silicon Valley Schlüsselkräfte verlieren. Picture Alliance
Weiterlesen
 
Was sonst noch wichtig ist
  • Unternehmen investieren trotz schwacher Konjunktur weiter in Digitalisierung und Elektromobilität, während Ausgaben für Produktionsmaschinen sinken. Das Leasing-Neugeschäft stieg 2025 nominal um 3,2 Prozent auf 83,12 Milliarden Euro. IT-Investitionen legten um neun Prozent zu, zwei Drittel neuer Elektroautos werden geleast. Industrieinvestitionen bleiben jedoch deutlich unter Druck.
  • Die Verlagsbranche treibt ihre digitale Transformation voran. Laut BDZV-Trendumfrage erwarten die Häuser zweistelliges Wachstum bei digitalen Abos und Werbeerlösen, während Print weiter schrumpft. Rund 60 Prozent rechnen mit dem Ende der gedruckten Zeitung innerhalb von 15 Jahren. Künstliche Intelligenz gilt als zentraler Effizienzhebel, zugleich wächst der Konsolidierungsdruck in der Branche.
  • Neue Regeln für Betriebsprüfungen erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre Steuerprozesse zu digitalisieren . Verschärfte Mitwirkungspflichten verpflichten Firmen, Unterlagen innerhalb kurzer Fristen digital vorzulegen. Bei Verzögerungen drohen hohe Strafzahlungen bis in Millionenhöhe. Digitale Buchhaltung und Tax-Compliance-Systeme werden damit zur zentralen Voraussetzung für rechtssichere Prüfungen.
 
Mobility
 
Der Elroq-Effekt und die Rabattschlacht der Hersteller
 
Der Škoda Elroq führt die Zulassungen deutscher Elektroautos an und kannibalisiert VWs Modelle. Die Februar-Zahlen zeigen, wie sich die Machtverhältnisse verschieben.
Von Holger Schmidt
Der Elektroautomarkt in Deutschland bleibt kräftig in Bewegung. Škoda hat seine Elektrozulassungen verdoppelt und schiebt sich mit dem Elroq an die Spitze der Modellrangliste. BYD verzehnfacht seinen Absatz, und Stellantis muss wegen der EU-Flottengrenzwerte Elektroautos zu Kampfpreisen losschlagen. Auf der Verliererseite stehen BMW mit einem Rückgang von 20 Prozent, der VW ID.4 mit minus 35 Prozent und Cupra mit minus 39 Prozent.
 
Weiterlesen
 
Was sonst noch wichtig ist
  • Der chinesische Elektrofahrzeughersteller XPeng beginnt die landesweiten Testfahrten seines autonomen Fahrsystems VLA der zweiten Generation. Dieser Schritt gilt als entscheidend für den technologischen Sprung des Unternehmens. Volkswagen wird der erste externe Kunde sein, der XPengs VLA-2.0-Technologie übernimmt.
  • Nissan plant eine Kooperation mit Uber im Bereich autonomes Fahren. Der Autobauer will künftig selbstfahrende Fahrzeuge, voraussichtlich auf Basis des Elektroautos Leaf, für fahrerlose Ride-Hailing-Dienste bereitstellen. Parallel arbeitet Nissan mit dem KI-Startup Wayve an autonomen Systemen.
  • BYD hat eine neue Generation seiner Blade-Batterie vorgestellt, die Reichweite und Ladezeit von Elektroautos deutlich verbessern soll. Fahrzeuge mit der Batterie erreichen laut Hersteller bis zu rund 900 Kilometer Reichweite nach WLTP. Eine neue „Flash-Charging“-Technologie ermöglicht eine Aufladung von 10 auf 70 Prozent in etwa fünf Minuten.
  • Uber prüft ein neues Geschäftsmodell für Fahrer: Statt einer Provision pro Fahrt könnten sie künftig eine feste monatliche Gebühr zahlen und dafür den Großteil der Einnahmen behalten. Eine Stellenausschreibung deutet darauf hin, dass der Konzern solche Abonnements weltweit testen will. Denn der Wettbewerb durch Anbieter mit Flatrate-Modellen für Fahrer wächst.
 
Gadgets
 
Umzug von ChatGPT zu Anthropic oder anderen: So geht’s
 
Jahrelang nutzten viele die Künstliche Intelligenz von Open AI, ChatGPT. Nun mehren sich die Gründe für einen Wechsel zu einem anderen KI-Anbieter. Aber wie? Eine Anleitung.
Von Marcus Schwarze
Anthropic hat sich kürzlich politisch gegen die US-Regierung gestemmt, die nahezu unbegrenzte Rechte bei der KI vertraglich zugesichert haben wollte – auch zur Massenüberwachung. Anthropic hielt das für ethisch bedenklich und verlor so den Auftrag.
Claude bietet einen Importassistenten, um den Wechsel von ChatGPT dorthin zu erleichtern. Screenshot: Marcus Schwarze/Claude
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Die moderne Steuererklärung mit KI
 
Quelloffene Software und ein kleiner Heimserver verwandeln das jährliche Steuerchaos in eine durchsuchbare Tabelle. Ein Selbstversuch.
Von Marcus Schuler, San Francisco
„Finde alle Handwerkerrechnungen aus dem Jahr 2025 und trage die Beträge in eine Tabelle ein.“ Drei Minuten später liegt die Aufstellung vor: elf Rechnungen, sortiert nach Datum, mit Absendern, Nettobeträgen und Verweisen auf die digitalisierten Originalbelege im Archiv. Kein kommerzielles Steuerprogramm hat diese Arbeit erledigt. Es war ein KI-Sprachmodell, das über ein neues Protokoll auf ein privates Dokumentenarchiv zugreifen konnte und die Zahlen selbständig in eine Tabelle schrieb.
Der Papierkram wird weniger. Belege müssen aufbewahrt werden, aber seit 2017 nicht mehr eingereicht werden. Picture Alliance
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Prompt der Woche
 
Wie die KI mit Tricks eine lange Rede verfasst
 
Die Aufgabe klingt simpel: Künstliche Intelligenz soll für die Hauptversammlung eine Rede von 40 Minuten schreiben. Der Geschäftsbericht liegt als Quelle vor. Doch die KI kann das nicht.
Von Marcus Schwarze
355 Seiten umfasst der jüngste Geschäftsbericht von Siemens. Das Werk scheint wie geschaffen für eine KI-gestützte Zusammenfassung. Tatsächlich macht die KI Gemini daraus eine übersichtliche Zusammenfassung mit 248 Wörtern. Soll es allerdings anspruchsvoller werden, scheitert die KI.
Vor einigen Jahre ging dieses Bild als Meme durchs Netz: „Insert Brilliance“ auf Tastendruck, „Extend Deadline“ als Menübefehl – schön wär’s. Noch vor Aufkommen von KI war das natürlich eine Fälschung. Screenshot: Marcus Schwarze
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Top 5: Unsere meistgelesenen Artikel
 
KI-Top 5
 Illustration: Katharina Hofbauer
Branche unter Druck: Diese 15 Start-ups wollen die Steuerberatung automatisieren
Gadget: Eine KI-Plattform statt drei Abos für ChatGPT, Claude und Gemini
KI soll Mitarbeiter ersetzen: Die Dorsey-Gleichung
Anthropic: Verbannung verkauft sich gut
Gefahr für Händler: Jeden siebten Online-Kauf erledigt 2030 der KI-Agent
 
Zitat der Woche
 
„Auf dem Weg zu einer Intelligenz auf menschlichem Niveau mit gesundem Menschenverstand sind Sprachmodelle eine totale Sackgasse.“
Yann LeCun
Yann LeCun, Gründer von AMI Labs  AFP
 
 
 
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Herausgegeben von Gerald Braunberger, Jürgen Kaube,
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