Alles Wichtige zur Entwicklung der digitalen Transformation.
Wenn die Schlauen schlauer werden
Künstliche Intelligenz treibt einen Keil durch die Gesellschaft: Auf der einen Seite die Mahner und Ignoranten, die KI fürchten, keinen Nutzen darin sehen (können oder wollen) oder sich schlicht abgehängt fühlen.
Auf der anderen Seite die Menschen, die sich von der KI die Routinetätigkeiten, die Suche nach Informationen oder die Analyse von Daten, abnehmen lassen. Da die KI jeden Tag ein bisschen besser wird, wird auch der Spalt – und damit der Kulturkampf zwischen den beiden Lagern – stetig größer.
Holger Schmidt
Verantwortlicher Redakteur für Newsletter und Verticals.
Neue Zahlen zeigen, dass die Mahner und Ignoranten in Deutschland klar in der Mehrheit sind. Der Anteil der Menschen, der KI hierzulande einsetzt, liegt schon weit hinter führenden Nationen und anderen Industrieländern zurück. Das ist seit 30 Jahren bei eigentlich jeder digitalen Innovation („Dieses Internet wird sich nicht durchsetzen“ oder „Amazon verdient doch kein Geld“) regelmäßig zu beobachten.
Und wie früher sind die größten Zweifler unter den Menschen mit hohem Bildungsniveau zu finden, die im Fall der KI eigentlich zu den größten Profiteuren gehören könnten. Denn viele Schlaue haben schnell gelernt, dass KI sie schlauer machen kann, wenn sie drei Dinge beachten: Gut „prompten“ können, die richtigen Modelle verwenden und – besonders wichtig – das Wissen mitbringen, die Ergebnisse der KI richtig einzuordnen. Sehr viele Wissenschaftler, Softwareentwickler, Manager oder Anwälte lassen sich daher heute völlig selbstverständlich von der KI helfen, ohne dabei das Denken zu verlernen.
War die ablehnende Haltung gegenüber dem Internet oder Social Media noch vielfach folgenlose Koketterie, steht bei der KI viel mehr auf dem Spiel. Denn nach drei Jahren stürmischer Entwicklung sind wir an einem entscheidenden Punkt angelangt: KI wird zum Wettbewerbsfaktor. Auf dem Arbeitsmarkt, wo sich KI-Kenntnisse zum Karriere-Booster entwickeln, zwischen den Unternehmen, die sich in einem Wettrennen um Produktivität und KI-Geschäftsmodellen befinden, und den Ländern, die KI als zentrales Instrument der Geopolitik einsetzen. Vor allem für Europa bedeutet KI eine Jahrhundertchance, in diesem Wettbewerb nicht nur Spielball zu sein. Wir müssen uns jetzt entscheiden, ob wir mitspielen wollen.
In Büttelborn erscheint der Bürgermeister als Avatar auf der Webseite und beantwortet Fragen per Chat und gesprochener Sprache. Screenshot: Marcus Schwarze/Büttelborn, KI-generiert
xAI verliert binnen zwei Tagen den zweiten Mitgründer. Nach Tony Wu verlässt nun auch Jimmy Ba das von Elon Musk gegründete KI-Unternehmen. Der Abgang erfolgt kurz nach der milliardenschweren Fusion mit SpaceX und während laufender Ermittlungen wegen problematischer Grok-Inhalte.
Der frühere GitHub-CEO Thomas Dohmke hat mit seiner neuen Firma Entire
die größte jemals für ein Entwickler-Tool-Start-up vergebene Seed-Finanzierung eingeworben: 60 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 300 Millionen Dollar. Entire bietet ein Open-Source-Tool an, das Entwicklern helfen soll, von KI-Agenten geschriebenen Code besser zu verwalten.
OpenAI soll gemeinsam mit dem in Abu Dhabi ansässigen Unternehmen G42 an einer speziell auf die Vereinigten Arabischen Emirate zugeschnittene Version von ChatGPT arbeiten, die an lokale Sprache, politische Ausrichtung und Redeeinschränkungen angepasst werden soll, berichtet Semafor.
Das Legal-AI-Startup Harvey steht kurz vor einer Finanzierungsrunde über 200 Millionen Dollar, die das Unternehmen mit elf Milliarden Dollar bewerten würde. Harvey bietet ein KI-Sprachmodell speziell für Anwaltskanzleien an und wächst rasant: Der wiederkehrende Jahresumsatz stieg laut Gründer Winston Weinberg von 100 Millionen Dollar im August auf 190 Millionen Dollar Ende 2025.
Das Münchener Raumfahrt-Start-up OroraTech, das bislang mit Thermalkamera-Satelliten vor Waldbränden warnt, steigt nun ins Verteidigungsgeschäft ein. Geschäftsführer Martin Langer will die Satellitenflotte bis Ende 2027 von 15 auf 100 Satelliten ausbauen, um als Hinweisgeber für Auffälligkeiten an Landesgrenzen zu dienen.
Workday-Chef Carl Eschenbach
tritt von seinem Posten zurück und wird von Mitgründer Aneel Bhusri ersetzt. Die Aktien von Softwareunternehmen, darunter Workday, stehen unter Druck, da Investoren besorgt über das disruptive Potential von KI sind – Workday-Aktien sind im laufenden Jahr um mehr als 25 Prozent gefallen.
Spotify erreichte im vierten Quartal mit 751 Millionen monatlich aktiven Nutzern einen Rekordwert, getrieben durch die Jahresendkampagne „Wrapped“ und neue Funktionen im kostenlosen Angebot. Allein im vierten Quartal kamen 38 Millionen neue Nutzer hinzu, während die zahlenden Abonnenten um 10 Prozent auf 290 Millionen stiegen.
Der Einsatz von KI-Tools verringert die Arbeitsbelastung nicht, sondern erhöht sie. Forscher der UC Berkeley beobachteten in einem Tech-Unternehmen acht Monate lang, wie Mitarbeiter freiwillig mehr Arbeit übernahmen, weil KI es ihnen ermöglichte. Die To-do-Listen weiteten sich aus, um jede durch KI freigewordene Stunde zu füllen.
Goldman Sachs entwickelt gemeinsam mit Anthropic
autonome Agenten zur Automatisierung von Rollen in der Bank, vor allem zur Abrechnung von Geschäften sowie Kundenprüfung und Onboarding. Die Bank will die Technologie nutzen, um Prozesse zu beschleunigen und künftiges Personalwachstum zu begrenzen.
Deutsche Büroangestellte verlieren pro Monat einen ganzen Arbeitstag
, weil sie Fehler korrigieren müssen, die durch missverständliche E-Mails oder Chat-Nachrichten entstehen. Das zeigt eine Umfrage des Softwareanbieters Atlassian. Neun von zehn Befragten gaben an, im Monat vor der Befragung Aufgaben erledigt zu haben, die unnötig waren, weil sie eine schriftliche Nachricht falsch verstanden hatten.
Apple plant, KI-Apps anderer Anbieter mit Sprachsteuerung in CarPlay zuzulassen. Damit könnten Nutzer künftig erstmals über die Fahrzeugschnittstelle KI-Chatbots von Open AI, Anthropic oder Google abfragen – ein strategischer Kurswechsel, da Apple bislang nur seinen eigenen Sprachassistenten Siri in der Software zugelassen hat.
Der chinesische Robotaxi-Spezialist Pony.ai hat gemeinsam mit Toyota
die Massenproduktion eines Robotaxis gestartet, das auf dem Elektro-SUV bZ4X basiert. In diesem Jahr sollen mehr als 1000 Einheiten für die Flotte von Pony.ai produziert und schrittweise in den kommerziellen Betrieb in chinesischen Metropolen eingeführt werden.
Vor allem Hausbesitzer und Landbewohner entscheiden sich dafür, privat ein Elektroauto zu kaufen, wie eine Untersuchung der HUK Coburg unter den eigenen Bestandsdaten für Ende 2025 zeigt. Insgesamt werden 75 Prozent der privat gehaltenen Elektroautos von Eigentümern selbst genutzter Häuser gefahren, und nur 18,7 Prozent von Mietern.