Alles Wichtige zur Entwicklung der digitalen Transformation.
Der Süden jagt der KI hinterher
Vier Tage lang trifft sich die Welt der Künstlichen Intelligenz in Neu-Delhi. Der globale Süden will bei der Künstlichen Intelligenz aufholen. Das ist dringend nötig, denn die KI-Kluft wächst.
Selbst die Chefs von OpenAI, Anthropic und Google Deepmind reisen zum India AI Impact Summit nach Neu-Delhi an. Indiens Premierminister Narendra Modi empfängt dort Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron und 250.000 Besucher. Das Interesse ist riesig, denn der globale Süden soll endlich Anschluss finden im KI-Wettrennen. Die Realität sieht jedoch anders aus – und das zeigt sich bereits am ersten Tag.
Stundenlange Warteschlangen, geschlossene Ausstellungshallen, gestohlene Produkte aus den Ständen von Start-ups. IT-Minister Ashwini Vaishnaw entschuldigte sich am zweiten Tag für den chaotischen Auftakt, der sinnbildlich für ein größeres Problem steht: Indien redet seit Jahren davon, mit KI durchstarten zu wollen. Doch die Infrastruktur fehlt und die Unicorns bleiben aus. Dabei wäre mehr Tempo dringend nötig.
Laut einer Studie von Microsoft wächst die KI-Kluft zwischen entwickelten Ländern und dem globalen Süden weiter. In der zweiten Jahreshälfte 2025 stieg die Verbreitung im globalen Norden fast doppelt so schnell wie im Süden. Heute nutzen fast 25 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung im Norden KI-Werkzeuge, während es im Süden nur 14 Prozent sind. Ausnahmen bilden die Vereinigten Arabischen Emirate mit 64 Prozent und Singapur. Länder, die früh in digitale Infrastruktur und KI-Kompetenz investiert haben, ziehen davon.
Billige Arbeitskräfte in Indien und Afrika haben jahrelang Daten annotiert, Bilder beschriftet und Texte kategorisiert – das mühsame Training, ohne das kein Sprachmodell funktionieren würde. Nun, da die Modelle laufen, profitiert der Süden am wenigsten von dem, was er mit aufgebaut hat. Denn die fortschrittlichsten KI-Systeme sind teuer und die meisten Rechenzentren stehen in Industrieländern. Dass ausgerechnet das chinesische Modell Deepseek in Afrika boomt, ist kein Zufall – es ist frei zugänglich und im Betrieb deutlich günstiger als die Spitzenmodelle aus den USA.
Gleichzeitig könnte KI ein Hoffnungsschimmer für den globalen Süden sein. Dank Tools wie Claude Code lassen sich auch mit kleinen Teams Produkte entwickeln, für die früher Dutzende Programmierer nötig waren. Nvidia hat diese Chance bereits erkannt und arbeitet mit indischen Risikokapitalgebern zusammen, um KI-Start-ups in Indien zu fördern. Doch die technikaffine, junge Bevölkerung kann ihr Potential nur entfalten, wenn aus Großveranstaltungen endlich verlässliche Infrastruktur wird.
Viel Freude bei der Lektüre unseres Briefings wünscht
Der Roboter schraubt schon heute, doch die sogenannte J-Kurve bedeutet: Zuerst umbauen und lernen, und erst danach wird KI als Produktivitätsschub messbar. Picture Alliance
Wenn die Antwort als unabhängig gilt, aber darunter „Sponsored“ wartet, wird aus der Suche nach Rat ein neues Spielfeld für Budgets und Vertrauen. OpenAI
Meta Platforms baut seine Partnerschaft mit Nvidia aus und sichert sich Millionen KI-Chips für neue Rechenzentren, darunter Blackwell- und Rubin-GPUs sowie eigenständige Grace- und künftige Vera-CPUs. Der mehrjährige Deal umfasst auch Netzwerktechnik. Meta plant Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe, nutzt aber weiter eigene Chips und Alternativen wie AMD.
Der Wiener Entwickler Peter Steinberger, Erfinder des KI-Agenten OpenClaw, wechselt zu OpenAI.
Sam Altman schrieb, Steinberger werde „die nächste Generation persönlicher Agenten“ vorantreiben. Das Open-Source-Projekt OpenClaw wird in eine von OpenAI finanziell unterstützte Stiftung überführt und bleibt offen und unabhängig.
Amazon könnte Insidern zufolge einen Marktplatz aufbauen, über den Verlage ihre Inhalte direkt an KI-Unternehmen zum Training von Modellen lizenzieren können. Ein Amazon-Sprecher äußerte, man könne zum Thema KI-Marktplatz „nichts Konkretes“ sagen. Microsoft ist bereits vorgeprescht und hat einen „Publisher Content Marketplace“ gestartet, der Verlagen eine neue Einnahmequelle verschaffen soll.
Google verbindet Nutzer mit Websites, während ChatGPT sie in Konversationen hält: ChatGPT verarbeitet laut einer Analyse von Ahrefs täglich 2,5 Milliarden Prompts und erreicht damit 12 Prozent des Suchvolumens von Google, das 13,7 Milliarden tägliche Suchanfragen verzeichnet. Jedoch sendet Google 190-mal mehr Traffic zu Websites als ChatGPT.
Was wie ein harmloser Rummel in der Kreuzberger Hasenheide aussieht, ist im Büro die neue Normalität, denn die KI liefert den Nervenkitzel, und der Mensch bezahlt ihn mit Energie. Picture Alliance
KI-Weiterbildungen machen aus erster Tool-Nutzung belastbare Kompetenz, die Bewerbungschancen erhöht und Strategiearbeit im Unternehmen ermöglicht. Picture Alliance
IBM plant, in den USA in diesem Jahr dreimal mehr Berufseinsteiger einzustellen. Personalchefin Nickle LaMoreaux erklärte, die Stellenbeschreibungen seien überarbeitet worden, um den Fokus weniger auf durch KI automatisierbare Bereiche wie Programmierung, sondern stattdessen auf kundenzentrierte Tätigkeiten zu legen.
Unter Anbietern von KI-Weiterbildungen lauern auch schwarze Schafe: Nach F.A.Z.-Recherchen
nutzen zahlreiche Anbieter staatlich geförderte KI-Weiterbildungen zum Abkassieren von Fördermitteln. Ein Experte des AI Strategy Institutes kritisiert, dass viele Programme weder qualitätsgesichert noch rechtlich sauber oder inhaltlich seriös seien und strukturelle Lücken im Qualifizierungschancengesetz ausnutzten.
Künstliche Intelligenz trifft Berufseinsteiger besonders hart
. Eine Analyse des Internationalen Währungsfonds zeigt, dass in Regionen mit hoher Nachfrage nach KI-Fähigkeiten die Beschäftigung in KI-gefährdeten Berufen um 3,6 Prozent niedriger liegt. Jede zehnte Stellenanzeige in den Industrieländern verlangt bereits neue Kompetenzen – vor allem in IT, Management und Finanzwesen.
Die deutschen Unternehmen halten bei der Digitalisierung Kurs – doch die Verwaltung bremst sie aus. Die DIHK-Umfrage unter 5000 Betrieben zeigt einen stabilen Digitalisierungsgrad von 2,8. KI ist als Produktivitätsfaktor angekommen. Gleichzeitig vergeben die Unternehmen der öffentlichen Verwaltung die Schulnote 4 minus. Langwierige Genehmigungsverfahren beim Netzausbau hemmen die Transformation.
Thüringen schließt sich als
drittes Bundesland der Digitalisierungsoffensive von Bund und Ländern an. Nach Bayern und Hessen dient der Freistaat ab sofort als Erprobungsraum für vollständig digitale Verwaltungsabläufe – von der Fahrzeug-Ummeldung bis zum Bauantrag. Im Fokus steht das Once-Only-Prinzip: Bürger und Unternehmen sollen ihre Daten nur noch einmal übermitteln müssen.
Die EU-Instant-Zahlungsverordnung
zwingt alle Banken und Zahlungsdienstleister zu Echtzeitüberweisungen: Euro-Transfers müssen rund um die Uhr in zehn Sekunden verbucht sein – zu regulären Gebühren. Parallel stimmte das EU-Parlament mit breiter Mehrheit für den digitalen Euro. Vizekanzler Klingbeil hat das Projekt zur europäischen Priorität erklärt. Die entscheidende Abstimmung folgt im Mai.
Am Thalia-Stand auf der Frankfurter Buchmesse sieht man das fertige Buch – doch im KI-Zeitalter liegt der entscheidende Wert immer öfter im Prozess, der aus einer vagen Idee eine tragfähige Dramaturgie formt. Carlotta Steinkamp
Ein sauberer Prompt erläutert den Begriff Inflation wie bei einer Sendung-mit-der-Maus-Erklärung: Sobald mehr Euro als Äpfel im Spiel sind, steigt der Preis und die Kaufkraft schrumpft. Picture Alliance
„Wenn Frauen an den entscheidenden Tischen fehlen – bei der Gestaltung, in den Testlaboren und bei den Finanzierungsentscheidungen –, dann entsteht Bias nicht zufällig. Es wird zur Norm.“
Christine Arab
Christine Arab, UN Women-Regionaldirektorin für Asien und den Pazifik UN Women