Glaube und KI liegen nah beieinander. Vinod Khosla etwa glaubte 2019 an Sam Altmans Vision einer Allgemeinen Künstlichen Intelligenz, bevor er ihm 50 Millionen Dollar als Risikokapital für Open AI überwies, ohne einen einzigen Finanzbericht gesehen zu haben.
Mit ähnlichem Vorschussvertrauen schauen viele Investoren auf Elon Musks Erzählung: SpaceX als Anbieter von KI-Infrastruktur, womöglich sogar von KI-Rechenzentren im Weltall. Wer einsteigt, will nicht nur Raketen, Satelliten oder das KI-Modell Grok kaufen, sondern ein Stück Zukunft. Wer auf Open AI setzt, glaubt, dass aus einem Labor, das Milliarden verbrennt, das profitabelste Geschäft der Geschichte wird. Wer auf Anthropic setzt, glaubt zusätzlich, dass am Ende das vermeintlich vorsichtigere Modell auch das lukrativere ist.
Von diesem Glauben profitieren vor allem einige wenige. Microsoft, Amazon und Google verkaufen den KI-Unternehmen die Rechenleistung, die deren Versprechen erst einlösen soll und halten zugleich Anteile an ihnen. Was allein Alphabet in Folge der Börsengänge erwartet, zeigt folgende Größenordnung: Aus einer frühen Investition von 900 Millionen Dollar in SpaceX könnten bald mehr als 100 Milliarden werden. Was die Anteile der Hyperscaler und anderer Investoren nach den Börsengängen wert sein dürften, rechnen wir im Briefing im Detail vor.
Die Börse bepreist den Glauben an die Zukunft, als sei sie bereits eingetreten. SpaceX, Open AI und Anthropic gehen mit riesigen Plänen und entsprechenden Bewertungen an den Markt. Zusammen wären sie rund vier Billionen Dollar wert. Analysten beziffern den Wert von SpaceX auf Basis des heutigen Geschäfts jedoch nur auf rund 780 Milliarden Dollar. Das ist deutlich weniger als die Bewertung von 1,75 Billionen Dollar, die zum Börsengang im Raum steht. Und auch die rasant gestiegenen Bewertungen von Open AI und Anthropic werfen Fragen auf.
KI ist eine neue Basistechnologie und keine Illusion. Von den neuen Möglichkeiten und Geschäftsmodellen, die sich daraus ergeben, sehen wir gerade die ersten Ansätze. Im gegenwärtigen Hyper-Wettbewerb ist der Vorsprung eines einzelnen Anbieters jedoch fragil und nur eine Momentaufnahme. Die Gewinner dieses Spiels stehen noch nicht fest, denn aus dem besseren Modell folgt nicht automatisch das bessere Geschäft.
Ein erfolgreicher Börsengang ist nicht der Beweis, dass eine Vision trägt. Er ist die Gelegenheit, sie mit Hilfe von Anlegern zu finanzieren, die ebenso an die spezielle Zukunft eines Unternehmens, seiner Führung und den daraus entstehenden Produkten glauben.
Die Geschichte der Aktienmärkte ist voll von gescheiterten Versuchen, eine solche Vision umzusetzen. Vielleicht gehören die jetzigen Börsenkandidaten ebenfalls in diese Kategorie. Doch erfüllen sich die Erwartungen der Anleger nicht, weil eines der führenden Labore patzt oder der nächste Modellsprung ausbleibt, trifft das dann nicht ein einzelnes Unternehmen, sondern den Glauben an die gesamte KI-Wirtschaft.
Jetzt sind es nur noch knapp zwei Wochen und unsere F.A.Z. KI-Konferenz geht in die dritte Runde. Wir treffen uns am 22. und 23. Juni im Kloster Eberbach im Rheingau. Inhaltlich stehen „Die Zukunft der KI“, „KI-Agenten auf dem Vormarsch“ und „KI in der Verteidigung“ im Zentrum. Darüber hinaus blicken wir auf die Folgen für Finanzen, Medizin und Kunst. Den Weg zur Anmeldung finden Sie hier.
FAZbm
Viel Freude bei der Lektüre unseres Briefings wünscht
Nina Müller
PS: Zusätzlich zu diesem Briefing bieten wir unseren Lesern tagesaktuell die neuesten Informationen über die Digitalwirtschaft auf unserer Website. Schauen Sie doch einfach mal vorbei, wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen. Den Weg zur Digitalwirtschaft im Web finden Sie hier.
Open AI plant den größten ChatGPT-Umbau seit dem Start 2022. Aus dem Chatbot soll eine „Super-App“ werden, die Nutzer zu Programmierwerkzeugen, Agenten der Künstlichen Intelligenz und Partner-Apps leitet. Dahinter steht die Überzeugung: Die Zukunft gehört handelnden Agenten, nicht antwortenden Chatbots. „Chat is dead“, heißt es bei Open AI. Treiber ist die Jagd nach Geschäftskunden vor dem Börsengang: Sie liefern 40 Prozent der Erlöse.
Sam Altman, CEO von Open AI dpa
„Chat is dead“ ist mehr Hoffnung als Realität. Denn die Produktivitätsversprechen der KI lassen sich nur mit automatisiert arbeitenden Agenten erreichen. Diesen Schritt haben bisher aber nur wenige KI-Profis vollzogen. Die große Mehrheit verharrt beim händischen Prompt – womit Open AI aber zuwenig Geld verdient.“
Holger Schmidt, Verantwortlicher Redakteur für Newsletter und Verticals.
Anthropic öffnet Mythos für alle – mit Notbremse
Anthropic bringt mit Claude Fable 5 erstmals eine öffentlich zugängliche Version seines leistungsstärksten KI-Modells Mythos auf den Markt. Allerdings integriert das KI-Labor harte Sicherheitsbeschränkungen, die bei heiklen Anfragen zu Cybersecurity, Biologie oder Chemie automatisch auf das schwächere Modell Opus 4.8 zurückschalten. Das Modell kostet mit 10 Dollar pro Million Input-Tokens und 50 Dollar pro Million Output-Tokens doppelt so viel wie Opus 4.8. Die Veröffentlichung fällt zusammen mit Anthropics Warnung vor rasant fortschreitender KI-Entwicklung.
Die Anthropic-Gründer Dario und Daniela Amodei privat
„Anthropic warnt vor zu schneller KI-Entwicklung und fordert eine Pause, veröffentlicht aber gleichzeitig sein stärkstes Modell für alle. Die Modelle werden tatsächlich immer leistungsfähiger, doch die Rhetorik von ,gefährlich stark‘ dient auch als Marketing.“
Nina Müller, Redakteurin für Newsletter und Verticals.
KI-Einsatz in Deutschlands Unternehmen wächst schnell
Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen nutzt inzwischen Künstliche Intelligenz. Nach einer Umfrage des ifo Instituts vom Mai 2026 stieg der Anteil binnen eines Jahres von 40,9 auf 54,5 Prozent. Weitere 16 Prozent planen den Einsatz, 21,6 Prozent diskutieren ihn. Am verbreitetsten ist KI in der Industrie (58,7 Prozent), am rasantesten wächst sie im Bauhauptgewerbe. „Künstliche Intelligenz ist in der deutschen Wirtschaft endgültig in der Breite angekommen“, sagt ifo-Umfragenleiter Klaus Wohlrabe.
„Der Sprung über die 50-Prozent-Marke zeigt stabiles Wachstum, misst aber nur Verbreitung, nicht Wertschöpfung. Noch dient KI meist der Effizienz im Bestehenden, aber eigene Systeme bauen nur 18,7 Prozent der Unternehmen. Wer mit KI echte Wettbewerbsvorteile erzielen will, muss damit neue Geschäftsmodelle erschließen.“
Holger Schmidt, Verantwortlicher Redakteur für Newsletter und Verticals.
Artikel der Woche
Tim Cook präsentierte eine betont bescheidene KI-Strategie: Siri setzt auf persönliche Datennähe statt auf Leistungsführerschaft. Reuters
Apples Bummelzug ins KI-Zeitalter
Von Holger Schmidt
Zwei Jahre Verzögerung muten in der schnellen KI-Welt wie ein Anachronismus an, den sich außer Apple wohl niemand leisten kann. Trotzdem servierte der scheidende CEO Tim Cook zum Neustart seines Sprachassistenten Siri eher KI-Hausmannskost statt bahnbrechender Funktionen.
Apple versuchte gar nicht erst, das leistungsfähigste Modell zu entwickeln oder die coolsten Agenten an den Start zu bringen. Anders als die Konkurrenz, die gerade den Wandel vom händischen Prompten zum autonomen Agenten vorantreibt, setzt Apple „nur“ auf die Unterstützung der Menschen bei den normalen iPhone-Anwendungen. Siri beantwortet Fragen, fasst Webinhalte zusammen, analysiert Fotos und versteht den Kontext auf dem Bildschirm.
Apple profitiert von der engen Verbindung mit persönlichen Daten. Siri kann E-Mails, Nachrichten, Kalender oder Notizen durchsuchen und daraus konkrete Aufgaben ableiten. Sie erinnert an Empfehlungen aus Chats, ergänzt Packlisten anhand von Reiseinformationen oder beantwortet Fragen zu früheren Nachrichten. Die KI wird damit stärker als bisher zum persönlichen Assistenten, der zudem großen Wert auf Datenschutz legt, was Apple zum zweiten großen Wettbewerbsvorteil ernannt hat.
Dass die Daten doch nicht komplett in der Apple-Welt bleiben, liegt am Scheitern der eigenen KI-Pläne. Für die schwierigen Aufgaben greift Siri auf ein maßgeschneidertes KI-Modell von Google zurück, das in der Google-Cloud auf Nvidia-Prozessoren läuft. Rund eine Milliarde Dollar zahlt Apple dafür an den Erzrivalen, was der iPhone-Konzern aber leicht verschmerzen kann, denn umgekehrt fließen jedes Jahr rund 20 Milliarden Dollar für den Einsatz der Google-Suche auf den iPhones.
Der wahrscheinlich wichtigste Wettbewerbsvorteil von Apple liegt in der Verbreitung. Das Unternehmen hat mehr als 450 Millionen Geräte ausgeliefert, die Apple Intelligence unterstützen. Für diese Nutzer wird die KI direkt Bestandteil des Betriebssystems. Statt eine zusätzliche Anwendung zu öffnen, genügen künftig ein Sprachbefehl oder eine einfache Geste.
Allerdings wird die neue KI-Version von Siri in weiten Teilen der installierten Basis des Unternehmens nur eingeschränkt nutzbar sein. Mehr als 850 Millionen iPhones seien nicht in der Lage, grundlegende Apple-Intelligence-Abfragen auszuführen, und mehr als 1,3 Milliarden iPhones könnten die erweiterten Siri-Funktionen nicht nutzen, kritisiert Morgan Stanley in einer Research-Notiz. Um die KI-Funktionen aber richtig einsetzen zu können, ist wohl zusätzlich ein iCloud+-Abonnement nötig.
Ob die Apple-Strategie aufgeht, hängt allerdings auch von Drittanbietern ab. Erst wenn Anwendungen wie Gmail oder Whatsapp ihre Dienste tief in die neue Plattform integrieren, kann Siri zur zentralen Steuerzentrale des digitalen Alltags werden. Gelingt das, könnte Apple durch seine größte Stärke, die Präsenz auf Hunderten Millionen Geräten, doch noch das KI-Rennen gewinnen.
Europäische iPhone-Nutzer müssen aber vorerst weiter mit der dummen Siri vorliebnehmen – oder wie bisher andere KI-Modelle nutzen. Apple nannte noch nicht einmal ein Startdatum für Europa und lieferte als Grund den Streit mit der EU um die Regeln des Digital Markets Act. Software-Chef Craig Federighi zeigte sich „zutiefst enttäuscht“, dass die europäischen Nutzer die Funktion auf iPhone und iPad nicht erhalten. Brüssel verlange eine „extreme Auslegung“ der Regeln, die Apple zwänge, jeder fremden Assistenz tiefen Zugriff auf das Betriebssystem zu gewähren. Das will Apple unter allen Umständen verhindern. Auch in China bleibt Siri erst mal dumm.
An der Börse fiel die Antwort anders als erwartet aus: Die Apple-Aktie verlor am Tag der Keynote gegen den Trend 1,9 Prozent. Den Anlegern fehlte ein festes Startdatum, und der Ausschluss Europas und Chinas sowie die Beschränkung auf das Englische nährten Zweifel an der Lieferfähigkeit.
Apple ist also wieder mal spät dran, liefert noch nicht einmal den heutigen Standard – und kann trotzdem hoffen, dass es wieder reicht, um doch noch den Markt zu erobern. Dabei hilft, dass der Großteil seiner Kunden wahrscheinlich gar keine fancy KI-Agenten erwartet, sondern mit den vorgestellten einfachen Bedienungshilfen zufrieden ist. Allerdings ist die KI-Entwicklung derart schnell, dass Apples Bummelzug ins KI-Zeitalter nun doch mal Fahrt aufnehmen sollte, um nicht noch weiter abgehängt zu werden. Das wird die wichtigste Aufgabe für den neuen CEO John Ternus werden.
KI-Assistenten können Wissensarbeitern einen erheblichen Teil ihrer täglichen Informationsarbeit abnehmen. Wir stellen 20 Routinetypen vor, die von morgendlichen Nachrichtenbriefings über Wettbewerbs- und Marktbeobachtung bis zum KI-Sichtbarkeits-Monitoring reichen. Statt selbst zu suchen, legt der Nutzer einmalig fest, welche Information wann gebraucht wird, und ein KI-Assistent trägt sie fortan automatisch zusammen. Die Routinen lassen sich mit Werkzeugen wie ChatGPT, Perplexity oder No-Code-Agenten einrichten. Entscheidend für die Qualität ist die gezielte Auswahl der Quellen statt einer beliebigen Websuche. So bleibt dem Menschen mehr Energie für das, was Maschinen nicht leisten: urteilen, einordnen und entscheiden.
Versicherung, Bank, Finanzamt: Unangenehme Post verlangt eine präzise Antwort – und genau hier ist künstliche Intelligenz heute erstaunlich treffsicher. Wer der KI das Originalschreiben übergibt, den Vorgang vollständig schildert und Rolle, Ziel, Ton und Adressat klar benennt, erhält in Minuten einen brauchbaren Entwurf. Wer das Verfahren einmal als dauerhaften Assistenten einrichtet, verkürzt jeden weiteren Brief auf zwei Handgriffe. Zwei Grenzen aber bleiben: sensible Daten gehören nicht in ein kostenloses Konto, und bei Geld oder Recht ersetzt die Maschine weder Anwalt noch Steuerberater. Unterschrieben – und gehaftet – wird von Hand.
SpaceX, OpenAI und Anthropic streben mit einer gemeinsamen Bewertung von rund vier Billionen Dollar an die Börse. Frühe Investoren stehen vor enormen Gewinnen, etwa Khosla Ventures, das als erster institutioneller Geldgeber in OpenAI das 30-Fache erzielte. Elon Musk wird als größter SpaceX-Anteilseigner voraussichtlich der größte Einzelprofiteur. Amazon, Google und Microsoft sind zugleich Geldgeber und Cloud-Lieferanten der KI-Firmen, wodurch investiertes Kapital teilweise als Umsatz zurückfließt. Abu Dhabis Staatsfonds MGX ist als einziger bekannter Investor an allen drei Unternehmen beteiligt. Analysten bewerten SpaceX operativ auf weniger als die Hälfte des angestrebten Börsenpreises.
TaxGraph überführt das deutsche Steuerrecht erstmals in eine maschinenlesbare Datenbank. Statt auf Vektordatenbanken zu setzen, die nur nach Ähnlichkeit filtern, baut das Start-up einen Knowledge Graph, der Gesetze, BMF-Schreiben und BFH-Urteile mit ihren zeitlichen und inhaltlichen Beziehungen abbildet. Das senkt das Halluzinationsrisiko bei der KI-Recherche gegen null. TaxGraph verzichtet auf eine eigene Oberfläche und liefert sein Wissen über Schnittstellen wie MCP, integriert in Copilot, Claude und weitere Systeme. Gut 50 Kanzleien arbeiten bereits damit, dazu kommen Softwareanbieter. Gründer Tim Groshaupt will mit einem kleinen Team zur Infrastruktur eines Verticals werden.
Michael Grupp, Mitgründer des Legal-Tech-Unternehmens Bryter und früherer Wirtschaftsanwalt, sieht die KI-Transformation der Rechtsbranche deutlich langsamer verlaufen als erwartet. Kulturelle Behäbigkeit, langsame Organisationen und das Jevons-Paradox führten dazu, dass Produktivitätsgewinne durch mehr Arbeit aufgefressen würden. Wissensmanagement sei der entscheidende Hebel, den KI-Assistenten wie Bryters Produkt Beamon mit inzwischen 15.000 Nutzern erleichterten. AI-native Kanzleien funktionierten bisher nur bei standardisierten Fällen. Die größte Marktverschiebung käme nicht durch Technik, sondern durch eine Aufhebung des Fremdbesitzverbots für Kanzleien. Beratung bleibe im Kern eine Sache zwischen Menschen.
Google hat auf seiner Entwicklerkonferenz I/O mit Universal Cart, dem Zahlungsprotokoll AP2 und dem Universal Commerce Protocol drei Bausteine vorgestellt, die zusammen die gesamte Kaufentscheidungskette abdecken. Das Unternehmen kontrolliert damit die Suche, die KI-generierte Antwort und nun auch die Transaktion. Universal Cart zielt direkt auf Amazon, das die Produktsuche seit Jahren dominiert. Erste Daten zeigen, dass jüngere Nutzer ihre Produktrecherche bereits überwiegend bei Google starten. Händler bleiben zwar rechtlich verantwortlich, verlieren aber den Kundenkontakt an Google. Die EU-Regulierung dürfte zu langsam greifen, um die entstehende Machtkonzentration rechtzeitig einzudämmen.
Alles drin: der Universal Cart von Google Bloomberg
Menlo Park, kurz nach vier Uhr morgens: Niklas Panten ist wach, weil seine Firma neun Zeitzonen weiter östlich arbeitet. Der Gründer aus Darmstadt hat etalytics aus der Technischen Universität heraus aufgebaut. Seine Software kühlt Rechenzentren und Fabriken sparsamer, ohne dass Betreiber eine einzige Maschine austauschen müssen. Im Oktober 2025 stockte Microsofts Wagniskapitalfonds M12 die Finanzierung auf 16 Millionen Euro auf. Nun sitzt Panten mit Frau und zwei kleinen Kindern in Kalifornien, dort, wo Strom knapp ist und Kapital leichter fließt. Sein Versprechen: bis zu halb so viel Kühlenergie, mit deutscher Ingenieursphysik statt roher Rechenkraft. Wie eine Ausgründung aus Hessen den amerikanischen Rechenzentrumsmarkt erobern will. Warum deutsche Gründlichkeit dort ein
Vorteil sein kann. Und was Mario Draghis alte Klage damit zu tun hat.
Anfang 2026 stellt die Munich Security Conference ihre Analyse des Weltzustands unter den Titel „Under Destruction“. Die Zerstörung von Gewissheiten und Institutionen, so die Diagnose, ist gewollter und bewusster Teil einer neuen, transaktionalen und autoritären Geopolitik. Sophie Eisentraut, Head of Research der MSC, ordnet die Erkenntnisse und die Konsequenzen daraus in einen globalen Blick auf Sicherheit, auf Narrative, auf den Optimismus eines globalen Südens und auf die Zukunft an sich ein.
Beim Choose-France-Gipfel in Versailles hat Präsident Macron Investitionszusagen über 93 Milliarden Euro verkündet. Der Löwenanteil fließt in KI-Infrastruktur. Leitdeals sind SoftBank (75 Milliarden Euro, 5 Gigawatt Rechenkapazität) und Nebius (8 Milliarden Euro, 240 Megawatt). Hinzu kommen Milliardenzusagen von Brookfield oder Ardian. Frankreich wird damit zum europäischen Zugangspunkt für KI-Investitionen. Ergänzt wird das durch heimische Akteure wie Mistral und AMI Labs. Die amerikanischen Hyper-Scaler investieren mit 630 Milliarden Dollar weltweit allerdings weiterhin auf einem anderen Niveau. Deutschland hat mit Cohere und der Schwarz-Gruppe einen ernstzunehmenden Ansatz, muss das aber alles mitdenken: Europäische KI-Souveränität entsteht nur gemeinsam. Was in Frankreich
gebaut wird, nutzt ganz Europa.
Im Mai stiegen die Neuzulassungen reiner Elektroautos in Deutschland um knapp 40 Prozent, der Elektroanteil erreichte ein Viertel. BMW legte dank des neuen iX3 deutlich zu, Mercedes verdoppelte seine Zahlen mit der vollelektrischen CLA-Klasse auf der neuen MMA-Plattform. Tesla kehrte mit starken Zuwächsen zurück, profitierte dabei aber vom schwachen Vorjahr. Im bezahlbaren Segment trieben Modelle wie Renault R5, Citroën C3 und Hyundai Inster das Wachstum. Die seit Mai wieder verfügbare staatliche Kaufprämie und günstige Dienstwagenbesteuerung befeuern den Hochlauf zusätzlich.
Europas Datenräume wie Gaia-X oder Catena-X galten lange als wirtschaftlich nutzlos, weil sie mit dem falschen Versprechen des Datenaustauschs verkauft wurden. Mit dem Aufstieg autonomer KI-Agenten ändert sich das grundlegend. Agenten, die organisationsübergreifend handeln, brauchen neben Kontext vor allem Vertrauen: digitale Identitäten, Nutzungsrechte und maschinenlesbare Governance. Genau das leisten Datenräume, indem sie Transaktionskosten autonomer Systeme senken. Der European Health Data Space könnte als erster regulatorisch verbindlicher Datenraum den wirtschaftlichen Beweis liefern. Europa hätte damit eine strategische Chance, die Vertrauensschicht der künftigen Agent Economy zu kontrollieren.
An der University of California in Berkeley fällt im Frühjahr 2026 in einem Einführungskurs für Informatik gut jeder dritte Student durch. So hoch lag die Quote seit Jahren nicht. Professor Dan Garcia macht Claude, ChatGPT und Gemini verantwortlich. Fast 30 Studenten habe er in Klausuren des Betrugs überführt. Doch die Daten passen nicht zu einer einfachen Geschichte vom Lernverfall durch künstliche Intelligenz. Zwei vergleichbare Kurse bleiben unauffällig. Und der stärkste Ausschlag nach CS 10 zeigt sich ausgerechnet in einer Veranstaltung, in der Hausaufgaben gar nicht mehr in die Note eingehen. Berkeleys Notentabelle erzählt deshalb von einem Prüfungssystem, das seine Maßstäbe neu ordnen muss. Was misst eine Klausur, die 65 Prozent der Note ausmacht? Was verdeckt eine
Hausaufgabe, die das Modell lösen kann? Und wer baut in zehn Jahren die Modelle, wenn heute schon die Maschine die Übung erledigt?
An der UC Berkeley zeigt der Frühjahrstest 2026, was entsteht, wenn KI die Hausaufgabe ersetzt und die beaufsichtigte Klausur die Lücke offenlegt. EPA
• Die EU-Kommission zwingt WhatsApp-Eigentümer Meta, KI-Assistenten anderer Anbieter wieder kostenlos in WhatsApp zuzulassen. Brüssel sieht sonst erhebliche Wettbewerbsnachteile für kleinere KI-Firmen. Meta hatte den Zugang zunächst gesperrt und später mit Gebühren belegt. Binnen fünf Werktagen muss der Konzern die Bedingungen von vor Oktober 2025 wiederherstellen.
• Deutschland bekommt ein eigenes Institut für die Sicherheit Künstlicher Intelligenz. Der Nationale Sicherheitsrat unter Kanzler Friedrich Merz beschloss die Gründung eines KI-Sicherheitsinstituts, das die Fähigkeiten und Risiken moderner Modelle analysieren soll. Es startet zunächst virtuell und greift auf Strukturen von Bundesnetzagentur und BSI zurück. Vorbild ist das britische AI Security Institute.Eit.
• China plant nach Bloomberg ein KI-Infrastrukturprogrammvon 295 Milliarden Dollar. Bis 2028 sollen Rechenzentren landesweit vernetzt, überwiegend von Staatskonzernen betrieben und zu mindestens 80 Prozent mit chinesischer Technik bestückt werden. Nvidia und AMD blieben außen vor. Parallel prüft Taiwan härtere Exportkontrollen gegen KI-Chip-Schmuggel nach China.
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Google baut NotebookLM zum KI-Rechercheagenten aus. Das System nutzt neue Gemini-Modelle, kann Code ausführen, Daten analysieren und Berichte, Tabellen, Präsentationen oder Grafiken automatisch erstellen. Neu ist zudem die Fähigkeit, eigenständig relevante Quellen im Web zu finden und für Forschungsprojekte aufzubereiten. Die Funktionen starten zunächst für zahlende KI- und Unternehmenskunden.
• Anthropic erhält von Apollo und Blackstone einen privaten Kredit über 35 Milliarden Dollar,
eines der größten Kreditgeschäfte seiner Art. Mit dem Geld finanziert der Claude-Entwickler den Kauf von Google-Chips für seine KI-Modelle. Der Deal zeigt, wie stark Investoren inzwischen auf KI-Infrastruktur setzen und dafür neue Finanzierungsmodelle entwickeln.
„Wir können es uns nicht leisten, bei den Technologien, die den Betrieb unserer Krankenhäuser, die Stabilität unserer Energienetze und die Sicherheit unserer Dienste gewährleisten, von anderen abhängig zu sein.“