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Nvidias Griff nach dem Betriebssystem der Agenten-Ökonomie
Jensen Huang verspricht eine Billion Dollar Umsatz bis 2027 und erklärt Software-Agenten zum neuen Computer. Sein Werkzeug heißt NemoClaw. Es ist der Versuch, auch die nächste Wertschöpfungsschicht der KI zu besetzen.
Jensen Huang steht auf der Bühne der GTC 2026 in San José und rechnet vor: eine Billion Dollar an Chipbestellungen bis 2027, doppelt so viel wie im Vorjahr prognostiziert. Das Geschäft mit KI-Chips scheint keine Grenze zu kennen. Doch der strategisch interessanteste Moment seiner Rede hatte gar nichts mit Halbleitern zu tun. Er hieß NemoClaw.
Holger Schmidt
Verantwortlicher Redakteur für Newsletter und Verticals.
Mit NemoClaw will Nvidia die Open-Source-Agentenplattform OpenClaw für den Unternehmenseinsatz absichern. OpenClaw, entwickelt vom Österreicher Peter Steinberger, ist das am schnellsten wachsende Open-Source-Projekt der Geschichte. Es wandelt Sprachmodelle in dauerhafte, eigenständig handelnde Assistenten um, die rund um die Uhr Aufgaben ausführen können. Huang sieht darin den nächsten großen Schritt in der KI-Entwicklung.
Das ökonomische Kalkül dahinter hat dann aber doch wieder mit Chips zu tun: Wer Agenten dauerhaft betreiben will, braucht Rechenleistung. Anders als ein Chatbot, den man gelegentlich befragt, laufen Agenten rund um die Uhr. Mit jedem Agenten, der in Betrieb geht, steigt auch die Nachfrage nach Nvidias Systemen. So wie Nvidia die Betriebssysteme für autonome Autos und Roboter baut, soll NemoClaw das Betriebssystem für Unternehmen werden. Wenn es funktioniert, wäre es Plattformökonomie in Vollendung.
Die Wette ist aber noch nicht gewonnen. NemoClaw befindet sich im Alpha-Stadium und muss zuerst erhebliche Sicherheitslücken schließen und Compliance-Themen lösen, bevor Unternehmen die Software ernsthaft einsetzen. Diese Revolution braucht Zeit.
Und jetzt noch etwas in eigener Sache:
Wir starten im Juni mit unserer dritten Ausgabe der F.A.Z. KI-Konferenz. Da unsere Räume im F.A.Z.-Tower dem Andrang nicht mehr gewachsen sind, ziehen wir am 22. und 23. Juni in das Kloster Eberbach im Rheingau. Als Themen sind „Die Zukunft der KI“, „KI-Agenten auf dem Vormarsch“ und „KI in der Verteidigung“ gesetzt. Wir werden uns aber auch mit dem Einfluss der KI auf die Finanzwelt, die Medizin oder die Kunst widmen. Im Kloster treffen Tradition und Zukunft aufeinander, und wir hoffen auf intensive Debatten. Seien Sie dabei. Den Weg zur Anmeldung finden Sie hier.
KI automatisiert im Notariat Datenerfassung, Grundbuchanalyse und Vollzug, doch Vertragsentwurf und Verantwortung bleiben trotz Cloud-Öffnung eng an Berufsrecht und Notar gebunden. Picture Alliance
Der KI-Omnibus soll industrielle KI aus dem AI Act herausnehmen und der Industrie Doppelregulierung ersparen. Die Entscheidung fällt erst in Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten. Stefan Nieland
Alibaba hat seine KI-Plattform namens Wukong für Unternehmen vorgestellt, die mehrere KI-Agenten zur Automatisierung komplexer Aufgaben wie Dokumentenbearbeitung, Tabellenaktualisierung und Meetingtranskription koordiniert. Im chinesischen KI-Agenten-Markt spitzt sich der Wettbewerb zu: Bytedance, Tencent und das Start-up Zhipu bieten ähnliche Produkte an.
Niantic Spatial, eine KI-Ausgründung des Pokémon-Go-Entwicklers Niantic
, nutzt rund 30 Milliarden Bilder städtischer Umgebungen, die von Hunderten Millionen Spielern per Smartphone aufgenommen wurden, um ein visuelles Positionierungssystem zu entwickeln. Dieses Modell kann anhand weniger Gebäudeaufnahmen einen Standort genau bestimmen und soll Robotern dort helfen, wo GPS unzuverlässig ist.
Unternehmen beginnen, den Einsatz von KI über sogenannte Tokens zu messen und zu steuern. Die Nutzung steigt, ebenso die Kosten, teils in fünfstelliger Höhe pro Projekt. Hoher Verbrauch kann Produktivität oder Ineffizienz anzeigen. Firmen entwickeln daher Governance-Modelle, um Einsatz und Rendite von KI systematisch zu kontrollieren.
Knapp 60 Prozent der deutschen Berufstätigen nutzen KI, aber nur 7,8 Prozent würden sie als zentralen Bestandteil ihrer Arbeit bezeichnen. Das zeigt eine Befragung der Beratung Extramile mit 3000 Befragten. Obwohl zwei von drei Beschäftigten glauben, dass KI ihre Arbeit grundlegend verändern wird, berichten derzeit nur 37 Prozent, dass sich ihre Produktivität stark oder deutlich verbessert hat.
Die Bundesdatenschutzbeauftragte Louisa Specht-Riemenschneider hat angekündigt, ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben. Die Rechtswissenschaftlerin leitet die Bonner Behörde seit knapp eineinhalb Jahren. Bis zur Nachfolgeregelung will sie im Amt verbleiben.
Der chinesische Handelskonzern JD.com
hat seine E-Commerce-Plattform Joybuy in Deutschland gestartet. Anders als Temu oder Shein setzt Joybuy auf ein kuratiertes Sortiment mit Marken wie Apple, Bosch und Sony. Bestellungen bis 11 Uhr werden in NRW-Städten noch am selben Tag zugestellt – über eigene E-Lieferwagen und mehr als 60 europäische Logistikstandorte.
Der rasante Ausbau energieintensiver KI-Infrastruktur treibt die großen Technologiekonzerne Amazon, Google, Meta und Microsoft zu massiv steigenden Käufen permanenter CO₂-Zertifikate
. Laut der Plattform Ceezer stiegen diese Käufe von 14.200 Zertifikaten im Jahr 2022 auf 68,4 Millionen im Jahr 2025. Microsoft strebt an, bis 2030 CO₂-negativ zu werden.
Gründerinnen in Deutschland erhielten 2025 laut einer EY-Auswertung nur ein Prozent der insgesamt 7,8 Milliarden Euro Risikokapital, während 94 Prozent an rein männliche Teams flossen. Der Frauenanteil unter Gründern sank von knapp elf Prozent im Vorjahr auf neun Prozent. Ein zentraler Treiber ist die Branchenverteilung, da kapitalstarke Sektoren wie KI, Software oder Verteidigung einen geringen Frauenanteil aufweisen.
Mit dem ID. Unyx 08 startet Volkswagen in Hefei ein Modell, das zeigt, wie sehr die digitale Zukunft des Konzerns inzwischen auf chinesischer Plattform und Software basiert. Reuters
Volkswagen erobert China zurück. VWs Joint Ventures liegen nach den ersten beiden Monaten 2026 bei einem Marktanteil von 13,9 Prozent und damit wieder an der Spitze des chinesischen Automarkts. Laut Daten der China Passenger Car Association fiel BYD, das VW 2024 als absatzstärksten Hersteller in China abgelöst hatte, mit 7,1 Prozent auf Platz vier zurück.
Nvidia hat auf seiner GTC-Konferenz neue Partnerschaften
für seine Drive-Hyperion-Plattform zur Entwicklung autonomer Fahrzeuge der Stufe 4 angekündigt. Zu den neuen Partnern zählen Hyundai, Nissan, Isuzu sowie die chinesischen Hersteller BYD und Geely.
Die infolge des Irankriegs gestiegenen Benzinpreise haben das Kundeninteresse an Elektroautos in Deutschland erhöht. Laut Carwow-CEO Philipp Sayler von Amende stieg der Anteil der E-Auto-Konfigurationen seit dem 28. Februar von 55 auf bis zu 63 Prozent. Benzin- und Dieselmodelle erreichten zusammen nur noch rund 23 Prozent.