Alles Wichtige zur Entwicklung der digitalen Transformation.
Von jungen Frauen geliebt, von KI optimiert
Pinterest gewinnt weltweit Nutzer, KI optimiert Werbung und Suche. Die Plattform wird zur Verkaufsmaschine – gleichzeitig müssen knapp 15 Prozent der Belegschaft gehen.
Whatsapp, Instagram, Facebook – kennt jeder. Aber Pinterest? Fragen Sie einen Mann mittleren Alters, und Sie ernten ratlose Blicke. Fragen Sie eine 20-jährige Frau, und sie zeigt Ihnen ihr Vision Board für 2026: ästhetische Wohnungsfotos, Outfit-Inspirationen, Sportroutinen, Karriereziele in Pastellfarben. Pinterest ist die Plattform, auf der man sich ein Leben zusammenklickt, das man gerne hätte. 70 Prozent der Nutzer in Deutschland sind weiblich. Zum Vergleich: Bei X sind es 18 Prozent.
Pinterest gewinnt immer mehr Nutzer – und kündigt nun trotzdem knapp 15 Prozent seiner Belegschaft. Bei etwa 5200 Mitarbeitern wären das mehr als 700 Stellen. Die Begründung: Das Unternehmen müsse „Ressourcen in KI-fokussierte Rollen umschichten“. Ob das stimmt oder nur „AI-Washing“ ist – also Kündigungen, die man der KI in die Schuhe schiebt, um Kostensenkungen zu verschleiern – lässt sich von außen kaum beurteilen. In den USA verloren 2025 mehr als 245.000 Tech-Beschäftigte ihren Job, so viele wie seit der Pandemie nicht mehr. Fortschritt ist dabei nicht immer der wahre Grund, auch wenn Unternehmen das gerne als marketingfreundliche Erklärung anführen.
Unabhängig davon zeigt Pinterest aber eine Blaupause, wie KI eine seit 2010 bestehende Plattform von Grund auf transformiert. Die Technologie steckt mittlerweile überall: in der Suche, in Werbekampagnen, in personalisierten Empfehlungen. CEO Bill Ready nennt die Pinterest einen „KI-gesteuerten Shopping-Assistenten“. Und die Zahlen geben ihm recht. Im dritten Quartal 2025 stieg der Umsatz um 17 Prozent auf rund 1,05 Milliarden Dollar.
Pinterest nutzt KI, um Werbekampagnen automatisch zu optimieren. Die KI-gesteuerten Anzeigen liefern laut Pinterest 24 Prozent höhere Verkaufsraten als herkömmliche Werbung. Außerdem analysiert die KI, welche Bilder Nutzer ansehen, speichern oder teilen. Daraus erstellt sie individuelle Vorschläge – noch bevor der Nutzer überhaupt sucht. Das Ergebnis: 80 Milliarden Suchanfragen pro Monat, ein Plus von 44 Prozent im Jahresvergleich. In den USA und Kanada schlägt ein Chatbot bereits passende Produkte vor. Wer sein Amazon-Konto verknüpft, landet direkt auf der Kaufseite.
Pinterest verwandelt sich von einer Plattform zum Träumen in eine zum Kaufen. Die KI macht das möglich – und offenbar auch profitabler.
Eine gute Lektüre des Briefings dieser Woche wünscht
Yann LeCun, ehemaliger Chief AI Scientist bei Meta, hat in einem Interview sein neues Unternehmen Advanced Machine Intelligence (AMI) vorgestellt, das er im Januar 2026 mit Hauptsitz in Paris gegründet hat. LeCun kritisiert den Fokus der Industrie auf LLMs und setzt stattdessen auf sogenannte World Models.
Der KI-Forscher Richard Socher verhandelt Bloomberg zufolge
über eine Finanzierungsrunde von mehreren hundert Millionen Dollar für sein neues Start-up Recursive. Das Ziel: Superintelligente KI-Systeme entwickeln, die sich ohne menschliches Feedback selbst verbessern können. Die Finanzierung würde Recursive mit rund 4 Milliarden Dollar bewerten.
OpenAI hat mit Prism einen kostenlosen, kollaborativen KI-Arbeitsraum für Wissenschaftler gestartet. Das Tool bündelt Schreiben, Überarbeiten, Zitationen und Zusammenarbeit in einer Cloud-Umgebung und integriert GPT-5.2 direkt in Forschungsprojekte.
Die
EU-Kommission hat ein förmliches Verfahren gegen Elon Musks Plattform X eingeleitet, weil der Chatbot Grok sexualisierte KI-Bilder von realen Frauen und Minderjährigen erstellt habe. Darunter seien laut der britischen NGO CCDH rund 23.000 Bilder von Kindern, was einen Verstoß gegen den Digital Service Act (DSA) darstellen könnte.
Rheinmetall will sich gemeinsam mit dem Bremer Satellitenbauer OHB um das bisher größte Satellitenprojekt der Bundeswehr bewerben. Geplant ist eine dem Starlink-Netzwerk von Elon Musks SpaceX ähnliche militärische Kommunikationskonstellation aus mindestens hundert Satelliten. Der Auftragswert könnte bei acht bis zehn Milliarden Euro liegen.
Nvidia investiert 2 Milliarden Dollar
in das verschuldete Rechenzentrumsunternehmen Coreweave, das bis 2030 mehr als 5 Gigawatt KI-Rechenkapazität aufzubauen will. Gemeinsam wollen sie „AI Factories“ errichten, wobei Coreweave Nvidias Produkte einschließlich der neuen Rubin-Chip-Architektur integrieren soll.
Mehr als 450 Tech-Mitarbeiter von Unternehmen wie Google, Meta, OpenAI, Amazon und Salesforce haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie ihre CEOs auffordern, vom Weißen Haus zu verlangen, dass die US-Einwanderungsbehörde ICE amerikanische Städte verlässt.
„Wenn alle Unternehmen in demokratischen Ländern die KI-Entwicklung – im gegenseitigen Einvernehmen oder per regulatorischem Erlass – einstellen oder verlangsamen würden, würden autoritäre Länder einfach weitermachen.“