Alles Wichtige zur Entwicklung der digitalen Transformation.
Das Ende der Burggräben (und eine Ankündigung)
Warren Buffett prägte den Begriff des „wirtschaftlichen Burggrabens“ erstmals 1995 auf der Berkshire-Hathaway-Hauptversammlung: „Wir suchen Unternehmen mit einem breiten, dauerhaften Burggraben, der eine großartige wirtschaftliche Burg beschützt.“ Seine Metapher ist aktueller denn je.
Der legendäre Investor meinte damit mächtige ökonomische Barrieren, die Unternehmen vor der Konkurrenz schützen, zum Beispiel die Kostenführerschaft, Netzwerkeffekte, wertvolle Patente oder hohe Wechselkosten.
Holger Schmidt
Verantwortlicher Redakteur für Newsletter und Verticals.
Mit der KI ist Buffetts Burggraben-Methapher aktueller als je zuvor. Welche Unternehmen besitzen Schutzwälle, die Künstlicher Intelligenz standhalten? Heute genügt schon ein Satz, um unüberwindbar geglaubte Schutzwälle und Eintrittsbarrieren einzureißen.
Das jüngste Beispiel ist IBM. Als das KI-Unternehmen Anthropic am Montag erklärte, sein Tool Claude Code könne auch Cobol-Systeme automatisch modernisieren, brach der IBM-Aktienkurs sofort zweistellig ein. Cobol ist eine uralte Programmiersprache, die auf IBM-Großrechnern läuft, die vor allem Banken und Behörden noch einsetzen. Diese betagten Systeme zu modernisieren, beschäftigte bisher Heerscharen an IBM-Beratern.
Ähnlich wie IBM erging es zuvor schon vielen Unternehmen aus den Branchen Software, IT-Dienstleistung, Bildung, Finanzdaten, Legal-Tech oder Beratung: Die KI kann das alles schneller, besser und billiger – meint zumindest die Börse, die den Wert vieler dieser Unternehmen bis zu 90 Prozent nach unten korrigiert hat. In dieser Phase reicht schon ein dystopischer Bericht des bislang wenig bekannten Analysehauses Citrini mit dem Titel „The 2028 Global Intelligence Crisis“, um den Ausverkauf von Aktien gefährdeter Unternehmen zu beschleunigen.
Denn mit dem Fortschritt in der KI sind selbst die Burggräben der Unternehmen der ersten KI-Generation oft nichts mehr wert. Perplexity oder Cursor sind prominente Beispiele, die keine relevanten Wettbewerbsvorteile mehr haben und gerade von der Entwicklung überrollt werden, die sie einst mit losgetreten haben.
Und so lautet die große Frage heute: „Wenn jeder schnell bauen kann, wie baut man etwas, das Bestand hat?“ Womit lassen sich also Burggräben errichten, die auch in der KI-Ära halten? Proprietäre Datenbestände, eine starke Regulatorik oder eine tiefe Integration in die IT der Unternehmen bieten aktuell einen guten Schutz gegen die KI-Disruption. Auch Netzwerkeffekte bleiben attraktiv, wenn sie zu Daten-Flywheel-Effekten umgebaut werden, bei denen jede Nutzer-Interaktion das KI-Modell verbessert.
Noch besser als das defensive Hochziehen der Burggräben ist ihr offensiver Ausbau: mit der KI das eigene Geschäftsmodell nicht nur unangreifbar, sondern sogar besser zu machen. Google gehört zu den wenigen Unternehmen, die das bisher geschafft haben, weil ihr neues Modell der KI-Suche noch erfolgreicher ist als das bisherige Modell. Vielleicht fällt Warren Buffett dazu auch noch ein Begriff ein.
Start der KI-Akademie
Und nun zur Ankündigung: Die Redaktion der Digitalwirtschaft startet die „KI-Akademie“. In Live-Sessions erläutern wir Ihnen künftig die wichtigsten Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz auch persönlich und direkt.
Wir starten am 18. März 2026um 12.30 Uhronline mit einem Überblick über die wichtigsten KI-Tools, die heute besonders nützlich sind. Selbstverständlich stehen Nina Müller, Marcus Schwarze und ich dann auch für Fragen zur Verfügung. Um an diesen Live-Sessions teilzunehmen, müssen Sie sich hiereinmal registrieren. Sie erhalten dann den Einladungslink.
Weitere Sessions werden wir rechtzeitig ankündigen. Wir freuen uns auf Sie!
Das DeepSeek-Hauptquartier in Hangzhou wirkt wie ein normales Bürogebäude, und doch läuft der eigentliche Raubzug laut Anthropic unsichtbar über diese Schnittstelle. AFP
In Las Vegas steht der Service Roboter im Rampenlicht, doch die entscheidenden KI Agenten arbeiten unsichtbar und müssen sich an ihren Ergebnissen messen lassen. AFP
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat dem KI-Start-up Anthropic mit der Kündigung seines Pentagon-Vertrags bis Freitag gedroht, falls das Unternehmen seine Ethikrichtlinien für den militärischen Einsatz nicht aufgibt. Anthropic verweigert den Einsatz seiner Produkte für Massenüberwachung von US-Bürgern im Inland sowie für physische Angriffe, bei denen KI ohne menschliche Kontrolle Zielentscheidungen trifft.
OpenAI arbeitet laut einem
Bericht von The Information mit mehr als 200 Mitarbeitern unter Führung des ehemaligen Apple-Designers Jony Ive an mehreren KI-Geräten, darunter smarte Brillen, smarte Lautsprecher und smarte Lampen.
Das Vertrauen der deutschen Verbraucher in KI nimmt zu: Während sich 2024 noch Mehrheiten unwohl fühlten, wenn KI medizinische Diagnosen stellt (61 Prozent) oder über staatliche Unterstützungsleistungen entscheidet (65 Prozent), befürworten laut einer aktuellen forsa-Umfrage
im Auftrag von SAS nun zwei Drittel den KI-Einsatz bei Behörden und 64 Prozent im Gesundheitswesen.
Die deutsche Robotik- und Automationsbranche erwartet für 2026 einen Umsatzrückgang von 5 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Bereits 2025 verzeichnete die Branche ein Minus von 7 Prozent. Hauptursachen seien laut VDMA die schwache Nachfrage aus zentralen Kundenbranchen, geopolitische Verwerfungen sowie ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Die internationale Konkurrenz, insbesondere aus Asien, gewinnt Marktanteile.
Der Zahlungsdienstleister Stripe erwägt,
Paypal oder Teile davon zu kaufen. Die Überlegungen befänden sich laut Medienberichten in einem frühen Stadium. Paypal kämpft seit Jahren mit der Modernisierung seiner Zahlungstechnologien und verfehlte im vierten Quartal die Gewinn- und Umsatzerwartungen der Analysten.
AMD hat am Dienstag eine
mehrjährige Partnerschaft mit Meta im Wert von bis zu 60 Milliarden Dollar über fünf Jahre bekannt gegeben. Dabei soll Meta AMD-Chips für bis zu 6 Gigawatt KI-Rechenkapazität kaufen.
Das finnische Quantencomputer-Unternehmen IQM
, das von dem deutschen Physiker Jan Goetz mitgegründet wurde, will im Sommer 2026 an die Börse. Am NYSE oder Nasdaq soll frisches Kapital in Höhe von 450 Millionen Euro eingesammelt werden. IQM bezeichnet sich als führender Anbieter von Quantencomputern und hat bislang 21 Systeme an 13 Kunden verkauft.
93 Prozent der Entwickler nutzen mindestens einmal monatlich einen KI-Coding-Assistenten und knapp 30 Prozent des Produktionscodes sind mittlerweile KI-generiert. Das hat die Entwicklerplattform DX in einer Umfrage mit 121.000 Entwicklern festgestellt. Allerdings stagniere die Produktivitätssteigerung bei rund 10 Prozent.
Generative KI schließt die Produktivitätslücke zwischen unterschiedlichen Bildungsniveaus um drei Viertel, zeigt eine Studie des National Bureau of Economic Research
. Der Leistungsvorsprung höher Gebildeter sank deutlich, wenn sich Personen mit einem niedrigeren Niveau von der KI unterstützen ließen. Ohne Tools blieben Kompetenzunterschiede weiterhin bestehen.
Nutzer werden immer besser darin, KI anzuweisen, aber immer schlechter darin, die Ergebnisse kritisch zu bewerten. Das zeigt der AI Fluency Index von Anthropic. Zwar iterieren 85,7 Prozent der Nutzer und verfeinern ihre Anfragen – diese Gruppe hinterfragt KI-Antworten auch 5,6-mal häufiger. Doch sobald KI ausgefeiltere Outputs wie Dokumente oder Tabellen präsentiert, sinkt die kritische Prüfung deutlich.
Wayve hat in einer Finanzierungsrunde eine Bewertung von 8,6 Milliarden Dollar erreicht. Nvidia, Microsoft und Uber investierten insgesamt 1,2 Milliarden Dollar. Das 2017 gegründete Start-up entwickelt Software für autonomes Fahren und KI-Modelle und plant mit Uber öffentliche Robotaxi-Tests ab 2026 in London.
BMW streicht im 7er
das für rund 6000 Euro angebotene Level-3-System, das seit März 2024 hochautomatisiertes Fahren auf Autobahnen bis 60 km/h ermöglichte, aus dem Programm. Ersetzt wird es durch ein günstigeres Level-2-System. Aus dem Unternehmen heißt es, Kosten und Kundennachfrage stünden derzeit nicht im Einklang.
Die Bremer Straßenbahn AG
setzt seit Februar ein KI-System ein, das aggressives und gefährliches Verhalten in Straßenbahnen in Echtzeit erkennt und Fahrer sowie Leitstelle automatisch informiert. Gesichter werden von der KI verpixelt und die Aufnahmen nur innerhalb des Fahrzeugs verarbeitet und nicht gespeichert. Bis Jahresende sollen rund 40 der mehr als 120 Fahrzeuge mit der Technologie ausgestattet werden.
Tesla hat in den USA eine neue, günstigere Variante seines elektrischen Pick-ups Cybertruck
für 59.990 Dollar (umgerechnet fast 51.000 Euro) vorgestellt und den Preis des Topmodells Cyberbeast temporär gesenkt. Das Unternehmen reagiert damit auf massiv eingebrochene Verkaufszahlen des Cybertruck im Jahr 2025.