Seit zweieinhalb Jahren bietet die Digitalwirtschaft ein umfassendes Informationspaket zu den Themen im digitalen Raum. Jetzt ist es Zeit, das Angebot in einem größeren Schritt weiter zu verbessern.
Unser Themenspektrum ist vielfältig, aber fokussiert: Wie schreibe ich einen guten Prompt? Welche KI-Aktien sind gerade gefragt – und warum? Was passiert hinter den Kulissen der großen KI-Unternehmen in den USA oder China? Welche Rolle spielt Europa in dieser immer stärker KI-geprägten digitalen Welt? Und: Welche Konsequenzen hat die KI-Transformation für einzelne Berufsgruppen und die Zukunft der Arbeit?
All diesen Fragen gehen wir seit dem ersten Erscheinungstag mit der Tiefe eines Spezialproduktes nach – und das über die Woche hinweg: Wir bieten das wöchentliche Briefing, aktuelle Informationen auf unserer Website und auf FAZ.net sowie eine starke Präsenz in den Socials (LinkedIn und WhatsApp). Wir produzieren drei Podcasts und bieten inzwischen in unserer KI-Akademie die Möglichkeit, in Live-Sessions über die drängenden Fragen unseres Themas mit unseren Autoren und Experten zu diskutieren. Und: Am 22. und 23. Juni findet unsere dritte F.A.Z. KI-Konferenz
statt. Diesmal im 1136 gegründeten Zisterzienser-Kloster Eberbach im Rheingau.
Nach 30 Monaten ist es an der Zeit, unser Produkt zu erneuern und weiter zu verbessern. Heute erhalten Sie erstmals das Ergebnis dieser Weiterentwicklung in Form unseres neuen Premium-Newsletters. Die wesentlichen Neuerungen:
1. Kurze Themen der Woche am Anfang als schnelle Information über die wichtigsten Nachrichten aus der digitalen Welt – inklusive einer kurzen Einordnung der Redaktion.
2. Einen Artikel der Woche im Volltext für diejenigen, die nicht auf die Website wechseln wollen.
3. Darunter mit der KI-Akademie und den Deep Dives der Woche zwei große Rubriken mit den tiefgehenden Stücken zu einzelnen Themen.
Außerdem starten wir mit der zweiten digitalen Ausgabe unserer KI-Akademie und laden Sie herzlich zum Livestream mit Hamidreza Hosseini und Holger Schmidt zu der Business-Seite der KI ein, in der auch die wichtigsten Methoden zur Vermeidung von KI-Halluzinationen vorgestellt werden. Anmelden können Sie sich hier.
Wir haben also ein wenig umgebaut, die Übersichtlichkeit verbessert und gleichzeitig mehr Information in den Newsletter gepackt. Bitte schreiben Sie uns an digitalwirtschaft@faz.de, ob es Ihnen gefällt und was wir weiter verbessern können.
Unser Umbau ist Bestandteil der neuen Produktlinie der F.A.Z., die unter dem Namen Premium am heutigen Tag startet. Im Zentrum des neuen Premium-Angebots steht die vollständige Integration der vier PRO-Newsletter, die bisher spezialisierte Einzelprodukte waren. Künftig bündelt die F.A.Z. sie in einem Abo. Dazu gehören die Digitalwirtschaft, die Weltwirtschaft, die Finanzen und der Einspruch für Juristen.
Wir grüßen herzlich und wünschen viel Freude mit der Digitalwirtschaft im Premiumformat.
Jeff Bezos will 100 Milliarden Dollar für KI in Fabriken einsammeln
Jeff Bezos AFP
Amazon-Gründer Jeff Bezos plant den größten Industriefonds der Geschichte. Er verhandelt über einen 100 Milliarden Dollar schweren Fonds, mit dem er Fabriken kaufen und mit KI modernisieren will. Der Fokus liegt auf der Chipproduktion, Rüstung und Luftfahrt. Herzstück ist das Ende 2025 mit 6,2 Milliarden Dollar gestartete Unternehmen Project Prometheus, das Bezos zusammen mit dem früheren Google-Manager Vik Bajaj führt. Prometheus entwickelt KI-Systeme, die physische Produktionsprozesse simulieren und Entwicklungszeiten von Monaten auf Sekunden verkürzen sollen.
Bezos verschiebt den Fokus der KI-Debatte von Software auf die physische Welt. Wer Fabriken mit digitalen Zwillingen und Simulationsmodellen optimiert, greift tiefer in die Wertschöpfung ein als jeder Chatbot. Das ist der bislang ambitionierteste Versuch, KI vom Bildschirm in die Produktion zu bringen.
Holger Schmidt, Verantwortlicher Redakteur für Newsletter und Verticals.
Mittelstand investiert stärker in Künstliche Intelligenz
Vier von fünf deutschen KMU nutzen Künstliche Intelligenz bereits täglich oder wöchentlich, zeigt der Future Ready Business Report 2026 von Wolters Kluwer. 78 Prozent dieser Unternehmen planen, ihre KI-Ausgaben trotz der schwierigen ökonomischen und geopolitischen Lage weiter zu steigern – ein Viertel davon sogar um mehr als zehn Prozent. Die Hälfte der Mittelständler will in den nächsten zwölf Monaten neue KI-gestützte Tools implementieren oder die Arbeitsabläufe automatisieren.
Künstliche Intelligenz wird vor allem von großen Unternehmen vorangetrieben. Doch auch kleine und mittlere Firmen haben verstanden, dass KI ihnen hilft, produktiver zu werden und zumindest einen Teil des Fachkräftemangels abzufedern.
Johannes Winkelhage, Redakteur für Newsletter und Verticals.
Bald greifen mehr Bots als Menschen auf Websites zu
Matthew Prince Picture Alliance
Schon 2027 könnten mehr Bots als Menschen auf Websites zugreifen, erwartet Cloudflare-Chef Matthew Prince. Vor dem Aufstieg der KI lag der Bot-Anteil am Internetverkehr bei rund 20 Prozent. Doch KI-Agenten durchsuchen für eine einzige Aufgabe bis zu 5000 Websites, während ein Mensch vielleicht fünf besucht. Das Wachstum sei stetig, da die Suche immer häufiger von KI-Agenten übernommen wird. Für viele digitale Geschäftsmodelle sind die Folgen gravierend: Bots klicken keine Werbung an, schließen keine Abos ab und lassen sich auch nicht zu Spontankäufen verführen.
Prince hat ein offensichtliches Eigeninteresse: Cloudflare verdient an der Infrastruktur, die unter der Bot-Last ächzt. Doch seine Prognose deckt sich mit unabhängigen Erhebungen und ist ernst zu nehmen, da Themen wie „Agentic Commerce“ die Kräfteverhältnisse im Web schon heute verschieben.
Holger Schmidt, Verantwortlicher Redakteur für Newsletter und Verticals.
Open AI baut die Super-App
Open AI verschmilzt seine drei Desktop-Produkte ChatGPT, Codex und Atlas zu einer einzigen „SuperApp“ für den Desktop – eine strategische Kehrtwende von der bisherigen Produktvielfalt hin zu einer fokussierten Plattform. Die Kombination aus Chatbot (ChatGPT), Entwicklerumgebung (Codex) und Browser (Atlas) soll es den Anwendern so einfach wie möglich machen, die verschiedenen Produkte zu nutzen. Der Schritt ist eine direkte Reaktion auf den rasanten Aufstieg von Anthropic. OpenAI peilt einen Börsengang Ende 2026 oder Anfang 2027 an und muss mit dahin seine Börsenstory nachschärfen.
Open AI hat gegenüber Anthropic und Google an Boden verloren, vor allem bei den Power-Nutzern. Angesichts der aktuellen Bewertung von 730 Milliarden Dollar muss das Unternehmen seinen Status als Konsumentenmarke Nr. 1 unbedingt verteidigen.
Nina Müller, Redakteurin für Newsletter und Verticals.
Elon Musk will mit der Terafab die Chipindustrie aufmischen
Elon Musk AFP
Elon Musk hat mit der Terafab das ambitionierteste Halbleiterprojekt seiner Karriere vorgestellt. Das Joint Venture aus Tesla, SpaceX und xAI soll eine Chipfabrik mit 2-Nanometer-Technologie errichten, die nach Schätzungen bis zu 45 Milliarden Dollar kosten kann. Weder Tesla noch SpaceX haben Erfahrung in der Chipfertigung, und Tesla stellte sein eigenes Chipprojekt Dojo erst im August 2025 ein. Nvidia-Chef Jensen Huang warnte, fortschrittliche Chipfertigung sei „extrem schwierig".
Weltweit fließen 2026 rund 2,5 Billionen Dollar in Künstliche Intelligenz. Musks Terafab adressiert einen realen Chipengpass, doch sein Muster aus Ankündigung und verzögerter Umsetzung mahnt zur Vorsicht. Strategisch nachvollziehbar, operativ ein Drahtseilakt.
Johannes Winkelhage, Redakteur für Newsletter und Verticals.
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Artikel der Woche
Karsten Wildberger redet Klartext. dpa
Wildbergers unbequeme Wahrheiten
Digitalminister Wildberger warnt wegen KI vor dramatischen Änderungen am Arbeitsmarkt. Die Forschung gibt ihm recht – und zeigt, wie wenig die Politik auf den Umbau der Bildung, des Steuersystems und des Sozialstaates vorbereitet ist.
Deutschlands Digitalminister Karsten Wildberger hat eine überfällige Debatte angestoßen. Künstliche Intelligenz werde Informatikern, Mathematikern und vielen anderen Berufsgruppen die Arbeit wegnehmen, sagte der CDU-Politiker. Antworten seien ein bedingungsloses Grundeinkommen und deutlich höhere Steuereinnahmen, um mit dem Geld den Arbeitsmarkt umzubauen. KI soll dabei Problem und Lösung zugleich sein, denn ihr konsequenter Einsatz werde das Wirtschaftswachstum beschleunigen und damit den notwendigen Spielraum für die Anpassung der Sozialsysteme schaffen.
Wildbergers Aussagen brechen mit dem Grundkonsens der bisherigen Wirtschaftspolitik, dass technologischer Fortschritt stets mehr Arbeitsplätze schafft, als er vernichtet. Die aktuelle Forschungslage legt nahe, dass dieser Mechanismus bei KI nicht mehr automatisch greift, weil diese Technik sich schneller entwickelt und mehr Strukturen verändert als alle anderen Basistechnologien zuvor.
Trotzdem macht Wildberger klar, dass an der KI kein Weg vorbeigeht. „Die schlimmste aller Antworten wäre es, zu sagen: Wir lehnen KI ab. Aufhalten können wir das nämlich nicht. Wir können und müssen alles tun, um auch als Gesellschaft von der KI zu profitieren.“ Deutschland sei aber aufgewacht. „Jetzt müssen wir uns alle weiter zusammenreißen und verhindern, dass wir wieder wegdösen. Denn dann können wir nur in einem Albtraum aufwachen.“ Am Kabinettstisch sollte damit begonnen werden:
Steuern: Lohnbasierte Steuersysteme unter Druck
Die Architektur vieler moderner Steuersysteme passt im KI-Zeitalter nicht mehr. Denn die Steuereinnahmen basieren wesentlich auf der Besteuerung der Arbeit. Wenn aber mit der KI der Kapitalanteil an der Wertschöpfung stetig steigt, wird das Lohnsteueraufkommen erodieren. Ökonomen fordern daher einen schrittweisen Übergang auf eine Kombination aus Verbrauchs- und Gewinnsteuern. Eine Robotersteuer, wie sie zum Beispiel Südkorea eingeführt hat, kann dagegen schnell in die Irre führen, wenn die Unternehmen daraufhin auf Roboter verzichten und dann weniger Gewinn erzielen.
Arbeit: 60 Prozent aller Jobs sind betroffen
Auf dem Arbeitsmarkt wird die KI nach Schätzungen von Ökonomen bis zu 60 Prozent aller Jobs verändern, positiv wie negativ. Netto stehen in Deutschland drei bis fünf Millionen Arbeitsplätze zur Disposition, lauten die Prognosen. Die Vorläufer der Umwälzungen durch KI bekommen gerade die Berufseinsteiger zu spüren, die von den Universitäten nur Buchwissen mitbringen, das die KI aber günstiger bereitstellt.
In der Folge werden viele Einstiegspositionen aktuell gestrichen und die klassischen Beschäftigungspyramiden immer schmaler. Das dahinterliegende Muster, Wachstum ohne zusätzliche Arbeitskräfte zu erreichen („Jobless Growth“), wird im Silicon Valley vorexerziert und zur Blaupause in vielen Branchen. Die Rezepte der Vergangenheit – sie funktionieren nicht mehr. Mit den Worten: „Machen wir uns nichts vor: Die Zeit, in der die Industrie eine Jobmaschine war, geht zu Ende“, fordert auch Wildberger mehr Realismus am Arbeitsmarkt ein.
Rund 40 Prozent der Kernkompetenzen von Arbeitnehmern werden sich bis 2030 verändern oder obsolet werden. Drei von fünf Beschäftigten benötigen eine Umschulung oder Weiterbildung, um mit dem rasanten technischen Fortschritt mitgehen zu können und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Der Bedarf an Weiterbildung war noch nie so groß wie jetzt, am Beginn des wahrscheinlich komplexesten Technologiesprungs der Geschichte.
Und was tun wir? Deutschland hat mit die niedrigste Weiterbildungsquote unter allen OECD-Ländern. Nur jeder fünfte Arbeitnehmer hierzulande hat inzwischen eine KI-Schulung erhalten, auch wenn inzwischen klar sein dürfte, dass intellektuelle Abstinenz an dieser Stelle kaum weiterhilft. Denn Singapur oder die skandinavischen Länder machen vor, wie eine moderne Bildungspolitik aussehen muss, um die Menschen auf dieser Reise mitzunehmen.
Die Aufgaben, die vor uns liegen, sind gewaltig: Die Wirtschaft muss technologisch aufholen und KI konsequent einsetzen. Die Politik muss flankierend das Steuersystem anpassen, Arbeit und Soziales reformieren sowie die Bildung modernisieren. Doch am Ende kommt es auf die Menschen an, lautet auch Wildbergers letzter Satz: „Was die Politik nicht kann: den Menschen die Aufgabe abnehmen, ihr Schicksal auch in die eigene Hand zu nehmen, nach Chancen zu suchen und sie zu nutzen.“
Die Halluzinationsrate großer Sprachmodelle ist seit 2023 von 20 Prozent auf unter ein Prozent gesunken, doch das Problem bleibt. Entscheidend ist heute weniger das Modell als der Arbeitsprozess. Zehn Strategien senken die Fehlerquote erheblich: Aufgaben eng formulieren, Behauptungen an Quellen binden, Suchwerkzeuge statt Modellgedächtnis nutzen, Kontext kuratieren statt Masse laden, dem Modell erlauben, Wissensgrenzen zu benennen, gute Beispiele statt langer Regeln geben, sichtbare Zwischenschritte einfordern, Antworten systematisch gegenprüfen, mehrere Modelle vergleichen und technische Parameter realistisch einordnen. Die stärkste Wirkung entfalten diese Methoden in Kombination als geordneter Arbeitsprozess.
Halluzinationen können weitgehend vermieden werden. Picture Alliance
Die Arbeit mit KI hat sich stark professionalisiert. Ein guter Prompt definiert heute klar Rolle, Thema und Zielgruppe. Für exakte Ergebnisse ergänzen Profis dies um Kontext, Formatvorgaben und Einschränkungen. Bei komplexen Aufgaben helfen Spezialtechniken: „Few-Shot-Prompting“ liefert Musterbeispiele, „Chain-of-Thought“ erzwingt schrittweises Denken zur Fehlervermeidung. Die neueste Entwicklung geht jedoch über Einzelbefehle hinaus, hin zu spezialisierten KI-Agenten. Hierbei werden komplexe Prompt-Regeln einmalig fest im Hintergrund hinterlegt. Im Arbeitsalltag genügen dann kurze Stichworte, um sofort präzise und maßgeschneiderte Antworten zu erhalten.
Künstliche Intelligenz transformiert die Wirtschaftsprüfung von Grund auf. An die Stelle der statistischen Stichprobe tritt die datengetriebene Vollprüfung aller Transaktionen. Autonom arbeitende KI-Agenten übernehmen Belegprüfung, Anomalieerkennung und Vertragsdurchsicht. Das „Continuous Auditing“ löst die jährliche Stichtagsprüfung schrittweise ab. In der Folge ändert sich auch das Berufsbild tiefgreifend: Der Wirtschaftsprüfer der Zukunft prüft weniger selbst und steuert stattdessen eine zunehmend autonome KI-Infrastruktur. Wer im Beruf bestehen will, braucht neben Bilanzierungs- und Prüfungswissen künftig auch Datenkompetenz, ein Verständnis für KI-Architekturen und die Fähigkeit, die KI-Werkzeuge kritisch zu hinterfragen.
Künstliche Intelligenz hat den deutschen Rechtsmarkt erobert: 81 Prozent der Kanzleimitarbeiter und 87 Prozent der Juristen in Rechtsabteilungen nutzen bereits KI-Tools. Doch die Nutzung eilt der Strategie davon. Fast 65 Prozent der kleinen Kanzleien haben keine KI-Strategie, 78 Prozent aller Kanzleien messen den Erfolg ihrer KI-Projekte nicht, zeigt eine neue Studie. Die größte Hürde ist dabei nicht die Technik, sondern der Veränderungswiderstand. Kanzleien, die jetzt nicht in KI-Strategie und neue Geschäftsmodelle investieren, drohen auf der falschen Seite einer sich verfestigenden Zweiklassengesellschaft zu landen.
Mindestens 15 der 50 größten amerikanischen Supermarktketten scannen die Gesichter ihrer Kunden. Was als Schutz gegen Ladendiebstahl verkauft wird, könnte bald über den Preis an der Kasse mitentscheiden: Zusammen mit digitalen Preisschildern, die mehrmals täglich aktualisiert werden, entsteht die Infrastruktur für eine individuelle Preisgestaltung je nach Kunde, abhängig vom jeweiligen Erscheinungsbild. Die Diebstahlzahlen, mit denen die Branche die Kameras rechtfertigt, halten einer Überprüfung kaum stand. Europa hat biometrische Überwachung im Einzelhandel praktisch verboten, China reguliert sie neuerdings streng.
Die KI-Euphorie ist nicht verschwunden, sie hat ihren Aggregatzustand verändert: Das Kapital fließt nicht mehr in die Unternehmen, die Künstliche Intelligenz nutzen, sondern in jene, die ihre physische Grundlage bauen. Kühlsystemhersteller Vertiv Holdings legte seit Jahresbeginn 58 Prozent zu, während Microsoft ein Fünftel seines Börsenwerts einbüßte und die „SaaSpocalypse" Software-Konzerne wie SAP oder Workday deutlich einbrechen ließ. Bei geplanten Kapitalausgaben der Hyperscaler von bis zu 665 Milliarden Dollar für 2026 profitieren die Schaufelverkäufer des Goldrauschs – unabhängig davon, welches KI-Modell sich durchsetzt.
Wer im Internet unter Pseudonym schreibt, verlässt sich darauf, dass die Puzzlearbeit einer Enttarnung zu aufwendig ist. Eine Studie der ETH Zürich zeigt, dass dies mit KI nicht mehr stimmt. Die Forscher ließen einen KI-Agenten anonymisierte Nutzerprofile analysieren – und er fand die echten Identitäten dahinter. Der Schlüssel: Sprachmodelle können rohen Text auswerten, wo frühere Methoden strukturierte Daten brauchten. Einige Forenbeiträge reichen.
Ein Pseudonym schützt Sie nicht mehr. Denn die KI enttarnt auch anonyme Nutzer. Reuters
Googles KI-generierte Übersichten, die seit März 2025 auch in Deutschland oberhalb der Suchergebnisse erscheinen, stützen sich bei Finanzfragen überwiegend auf kommerzielle Quellen. Laut einer Analyse von SE Ranking stammen über 40 Prozent der zitierten Quellen von Vergleichs- oder Affiliate-Plattformen wie Verivox oder Check24. Fünf große Affiliate-Seiten erhielten dabei mehr als zehnmal so viele Quellenangaben wie 37 offizielle Institutionen, darunter BaFin, Bundesbank und Verbraucherzentralen, zusammen. Für Nutzer ist in den AI Overviews schwerer erkennbar, woher Informationen stammen, und welche wirtschaftlichen Interessen dahinterstehen.
Die Künstliche Intelligenz treibt den größten Organisationsumbau seit Jahrzehnten, doch die Belegschaften können nicht folgen. Laut der Mercer-Studie „Global Talent Trends“ mit 12.000 Befragten sehen nur noch 51 Prozent der Vorstände ihr Unternehmen gut vorbereitet auf die Mensch-Maschine-Zusammenarbeit, nach 65 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig ist die Mitarbeiterzufriedenheit auf ein Rekordtief gefallen, während die Angst vor einem Jobverlust steigt. Das Kernproblem: Unternehmen schrauben neue Technik auf alte Prozesse. Wachstumsstarke Unternehmen machen es anders: Sie gestalten Arbeit um KI herum neu, statt KI nur als Werkzeug auf bestehende Abläufe aufzusetzen.
Qasar Younis kam als Kind aus Pakistan nach Detroit, arbeitete am Fließband bei General Motors und bei Bosch in Japan und Deutschland. 2017 gründete er das Unternehmen Applied Intuition, das heute mit 15 Milliarden Dollar bewertet wird. Das Unternehmen liefert Autonomie-Software für 18 der 20 größten Autohersteller, darunter Porsche und Audi und die Traton-Gruppe, und rüstet gleichzeitig Kriegsschiffe und Kampfjets für das amerikanische Militär aus. Büros in Stuttgart und München treiben die Expansion nach Europa voran. Ein Besuch am Firmensitz in Sunnyvale, wo alle die Schuhe ausziehen und der Chef keinen eigenen Schreibtisch hat.
Qasar Younis, Mitgründer und CEO von Applied Intuition. Imago
Humanoide Roboter haben den Sprung von den Konferenzbühnen in die Fabrikhallen geschafft. Im vergangenen Jahr wurden 13.000 Roboter auf zwei Beinen ausgeliefert. Doch die Machtverhältnisse in dieser jungen Industrie überraschen: Neun von zehn Einheiten kamen aus China. Zwei Start-ups aus Shanghai und Hangzhou kontrollieren 71 Prozent des Weltmarkts, während die amerikanischen Marktführer Tesla, Figure AI und Agility Robotics jeweils nur rund 150 Stück auslieferten. Europa fehlt in den Ranglisten komplett. Mit dem Verkauf von ABB Robotics an SoftBank für 5,4 Milliarden Dollar hat der Kontinent seinen letzten großen Roboterhersteller verloren. Lichtblicke sind NEURA Robotics aus Metzingen und Agile Robots aus München, die 2026 in die Serienproduktion gehen wollen. Die Frage ist
nicht mehr, ob humanoide Roboter kommen, sondern wer sie baut.
„Es darf keine Struktur entstehen, in der andere Länder KI-Technologien entwickeln, die mit europäischem Wissen, europäischen Sprachen und europäischer Kultur trainiert wurden, und Europa diese dann einfach nur übernimmt und nutzt.“