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Eine Generation auf Entzug
Neun von zehn Tiktok-Nutzern wollen zurück zum Algorithmus – obwohl er sie süchtig macht. Australiens Social-Media-Verbot für Kinder ist die radikale Antwort auf ein Problem, das die Techkonzerne selbst geschaffen haben. Höchste Zeit, dass sie Verantwortung übernehmen.
Seit einer Woche beschäftigt die Welt die Frage, ob wir Social Media nicht einfach verbieten können. Die Antwort ist kompliziert: Das weltweit erste Social-Media-Verbot für unter Sechzehnjährige in Australien zeigt, wie schnell Jugendliche von Plattformen wie Tiktok zu Lemon8 und von Instagram zu Yope wechseln. Doch die Umgehbarkeit macht das Verbot nicht falsch – auch Jugendschutzgesetze bei Alkohol funktionieren nicht perfekt, setzen aber eine gesellschaftliche Norm. Genau das leistet Australien: Es erklärt Social Media in seiner jetzigen Form für inakzeptabel.
Eine Studie der Universität Amsterdam zeigt, warum dieser Schritt überfällig war. Als 88 Tiktok-Nutzer in einem Experiment auf einen nicht personalisierten Feed umsteigen mussten, sank ihre tägliche Nutzungsdauer um 40 Minuten. Sie öffneten die App fünfmal seltener und berichteten von deutlich mehr Kontrolle. Doch neun von zehn wollten sofort zurück zum personalisierten Feed – obwohl sie angegeben hatten, weniger Social Media nutzen zu wollen. Das ist Sucht in Reinform. Und sie trifft nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern Erwachsene gleichermaßen.
Die Techkonzerne reagieren mit Alibi-Argumenten auf das Verbot. Meta warnt vor „Isolation“, Snapchat vor „Trennung von Freunden“. Dabei sind Messenger-Dienste ohne Empfehlungsalgorithmus gar nicht vom Verbot betroffen. Diese Behauptungen kommen von Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf Verweildauer basiert. Je länger Nutzer auf der Plattform bleiben, desto mehr Werbung lässt sich verkaufen. Diese Verweildauer verlängern sie mit Mechanismen wie Infinite Scrolling, Autoplay und hyperpersonalisierten Algorithmen.
Genau deshalb ist Australiens Verbot richtig. Es ist kein Allheilmittel, aber ein Signal an die Branche: Wenn Techkonzerne nicht handeln, werden Regierungen weltweit zu drastischen Maßnahmen greifen. Malaysia hat bereits angekündigt, 2026 nachzuziehen. Neuseeland, Norwegen und Frankreich diskutieren ähnliche Schritte. Die Konzerne stehen vor der Wahl: Entweder sie gestalten ihre Produkte grundlegend um, indem sie süchtig machende Features abschaffen, Algorithmen auf Informationswert statt Verweildauer optimieren und echte Kontrolle statt Scheinoptionen bieten. Oder die Politik wird es für sie tun. Land für Land, mit unkalkulierbaren Folgen für ihr Geschäftsmodell.
Open AI verhandelt mit Amazon über eine Beteiligung, die zehn Milliarden Dollar übersteigen könnte. Teil des Pakets wäre der Einsatz von Amazons eigenen KI-Chips. Nach der Neuordnung der Microsoft-Partnerschaft kann Open AI freier Kapital aufnehmen. Amazon würde damit seine Position im globalen KI-Wettlauf weiter ausbauen.
Open AI startet mit ChatGPT Images
ein neues Tool zur Bildgenerierung und -bearbeitung in der App und reagiert damit auf Googles erfolgreichen Nano Banana. Das Feature verspricht effizientere kreative Workflows, wirft aber Fragen zu Urheberrecht, Datenschutz, Sprachunterstützung und lokaler Nutzung in Unternehmen auf.
Databricks setzt weiter auf privates Wachstum statt auf einen Börsengang. Der Daten- und KI-Spezialist sammelte mehr als vier Milliarden Dollar in einer Series-L-Runde ein und wird nun mit 134 Milliarden Dollar bewertet. Investoren setzen auf Plattformen für KI-Agenten, Datenbanken und Enterprise-Anwendungen.
Die Trump-Administration hat die Initiative „U.S. Tech Force“ angekündigt. Über das Programm sollen rund 1.000 Ingenieure und Spezialisten eingestellt werden, die über zwei Jahre an KI-Infrastruktur und anderen Technologieprojekten in Bundesbehörden arbeiten werden. Die Jahresgehälter liegen voraussichtlich zwischen 150.000 und 200.000 Dollar.
Psychologische Sicherheit ist für 83 Prozent der Führungskräfte ein zentraler Erfolgsfaktor bei KI-Initiativen, zeigt eine Studie von Infosys und dem MIT. Viele Beschäftigte zögern aus Angst vor Kritik, mit KI zu experimentieren oder Verantwortung zu übernehmen. Das bremst Innovation, Produktivitätsgewinne und die breite Einführung von KI.
Der Einsatz von KI nimmt am Arbeitsplatz deutlich
zu, zeigt eine Gallup-Erhebung. Besonders stark ist die Nutzung in wissensintensiven Berufen: Rund 50 Prozent der Tech-Beschäftigten, 33 Prozent im Finanzsektor und 30 Prozent in professionellen Dienstleistungen nutzen KI mindestens wöchentlich. Im Handel, in der Industrie und im Gesundheitswesen liegt der Anteil deutlich darunter.
Der globale Internet-Traffic
ist in diesem Jahr um 19 Prozent gewachsen, doch der Großteil des Wachstums stammt von Bots. Diese automatisierten Zugriffe lagen im Schnitt 7 Prozent über dem menschlichen Traffic. Allein der Googlebot verursachte 4,5 Prozent aller HTML-Anfragen, ergab eine Cloudflare-Untersuchung.
Waymo, die Alphabet-Tochter für autonomes Fahren, verhandelt über eine neue Finanzierungsrunde von mehr als 15 Milliarden Dollar. Die Bewertung könnte auf bis zu 110 Milliarden Dollar steigen. Das Geld soll den schnellen Ausbau des Robotaxi-Geschäfts finanzieren. Waymo gilt im US-Markt als technologischer und operativer Spitzenreiter.
China hat erstmals zwei Serienfahrzeuge mit Level-3-Autonomiefunktionen
zugelassen. Die Elektrolimousinen der staatlichen Hersteller Changan und BAIC dürfen in definierten Zonen von Peking und Chongqing teilautonom fahren. Die Entscheidung gilt als Meilenstein für Chinas Ambitionen, beim autonomen Fahren weltweit eine Führungsrolle zu übernehmen.
Ford zieht sich wegen schwacher Nachfrage teilweise aus dem Elektroauto-Geschäft zurück und setzt stärker auf den KI-Boom. Ein Batteriewerk in Kentucky wird für Stromspeicher für Rechenzentren umgebaut. Der Strategiewechsel kostet Ford 19,5 Milliarden Dollar, soll aber ein neues Geschäftsfeld im stark wachsenden Markt für KI-Infrastruktur eröffnen.
Rivian hat seine Autonomie-Strategie vorgestellt, die Custom-Chips in 5-Nanometer-Technologie, Lidar-Sensoren und eine mögliche Expansion in den Robotaxi-Markt beinhaltet. Das Unternehmen will Anfang 2026 seine freihändige Fahrassistenz „Universal Hands-Free“ auf mehr als 3,5 Millionen Meilen Straßen in den USA und Kanada ausweiten.
Der Lidar-Spezialist Luminar hat in den USA Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet.
Auslöser war der Verlust eines wichtigen Liefervertrags mit Volvo. Das Unternehmen will nun sein Lidar-Geschäft verkaufen und eine Halbleiter-Tochter veräußern. Der Fall zeigt den wachsenden wirtschaftlichen Druck auf Zulieferer für autonomes Fahren.
Intel verhandelt über die Übernahme des KI-Chip-Unternehmens Samba Nova Systems für rund 1,6 Milliarden Dollar. Die Akquisition würde Intels KI-Fähigkeiten mit der Integration von Samba Novas spezialisierten Chip-Design erheblich stärken. Das 2017 von Stanford-Professoren gegründete Unternehmen wurde 2021 noch mit 5 Milliarden Dollar bewertet.
Mehr als 80 Prozent der Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau messen KI mittlere bis hohe strategische Bedeutung bei. In der Branche setzen 43 Prozent bereits KI- und Machine-Learning-Lösungen ein, während 53 Prozent dank KI mit einem Umsatzplus von bis zu fünf Prozent in den kommenden drei Jahren rechnen. Das zeigt eine Umfrage des VDMA.
Einfach eine umfangreiche CSV-Datei hochgeladen, schon erstellt die Anwendung ein komplettes Dashboard mit hervorgehobenen Erkenntnissen, Balkengrafiken und Kurvendarstellungen. Screenshot: Marcus Schwarze/Bricks
Was hat es mit dem Bild auf sich? Als Kunsthistoriker untersucht der Assistent ein hochgeladenes Werk von Piet Mondrian. Screenshot: Marcus Schwarze/TypingMind
Ich würde nicht zu vergleichender Literaturwissenschaft wechseln, weil du denkst, KI sei gut im Programmieren. Denn die KI ist wahrscheinlich noch besser in vergleichender Literaturwissenschaft.
Sergey Brin
Google-Mitgründer Sergey Brin vor Stanford-Studenten EPA