Alles Wichtige zur Entwicklung der digitalen Transformation.
Verbannung verkauft sich gut
Der amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth hat Anthropic zum Lieferkettenrisiko deklariert. Aber der Schuss ging ein wenig nach hinten los: Das KI-Unternehmen macht aus der existenziellen Bedrohung eine wirkungsvolle Marketingkampagne.
Anthropic weigerte sich, Massenüberwachung im Inland und vollautonome Waffensysteme ohne menschliche Kontrolle zu ermöglichen. Der Öffentlichkeit gefällt das. OpenAI hingegen wirkt nach dieser Woche wie ein Fähnchen im Wind. Nur Stunden nachdem die Regierung die Zusammenarbeit mit Anthropic beendete, verkündete CEO Sam Altman einen Deal mit dem Pentagon. Dann stellte selbst Altman fest: Das wirkte „opportunistisch und schlampig“.
Kurz darauf schoss die Anthropic-KI Claude auf Platz eins der App-Stores in den USA und Kanada. Katy Perry solidarisierte sich öffentlich und vermeldete, ein Claude-Jahresabo abgeschlossen zu haben. Und hunderte Mitarbeiter von Google und OpenAI unterzeichneten Protestbriefe.
Anthropic reagierte mit der Geschwindigkeit eines gut geölten Marketing-Teams: Eine neue Funktion zum Import von Chat-Verläufen aus konkurrierenden Produkten wurde genau in dem Moment ausgerollt, als die Empörungswelle ihren Höhepunkt erreichte. Und die Nutzer folgen dem Ruf, der zu lauten scheint: Kommt auf die gute Seite!
Doch wie gut die Intentionen dieser Seite wirklich sind, ist von außen schwierig zu beurteilen. Anfang des Jahres hat sich Anthropic um einen 100-Millionen-Dollar-Auftrag des Pentagon beworben, um eine Technologie zur sprachgesteuerten, autonomen Steuerung von Drohnenschwärmen zu entwickeln. Anthropic soll darin keinen Verstoß gegen die eigene rote Linie gesehen haben – schließlich bliebe ein Mensch in der Kontrollschleife. Den Zuschlag erhielten am Ende SpaceX, xAI und Partner von OpenAI.
Dennoch muss man Anthropic zugutehalten: Das Unternehmen hat öffentlich eine klare Kante gezeigt und das Pentagon mit seiner Weigerung tatsächlich verärgert. Anthropic hat mehr als 60 Milliarden Dollar von mehr als 200 Investoren eingesammelt, die nun auf dem Spiel stehen. Hegseths Supply-Chain-Designation könnte selbst Nvidia zwingen, die Chip-Lieferungen einzustellen.
KI ist längst nicht mehr nur ein Produktivitätsbooster für die Wirtschaft. Für Regierungen und Militär wird KI zu kritischer Infrastruktur und erreicht eine Wirkung, die weit über Quartalszahlen hinausgeht. Anthropic mag diese Woche einen PR-Sieg errungen haben. Die eigentliche Auseinandersetzung aber darüber, was KI können darf und wer das bestimmt, hat gerade ein neues Level erreicht.
Start der KI-Akademie
Wie im vergangenen Briefing angekündigt, startet die Redaktion der Digitalwirtschaft am 18. März 2026um 12.30 Uhronline die „KI-Akademie“. Wir beginnen mit einem Überblick über die wichtigsten KI-Tools, die heute besonders nützlich sind. In Live-Sessions erläutern wir Ihnen künftig die wichtigsten Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz persönlich und direkt. Selbstverständlich stehen Holger Schmidt, Marcus Schwarze und ich dann auch für Fragen zur Verfügung. Um an diesen Live-Sessions teilzunehmen, müssen Sie sich
hiereinmal registrieren. Sie erhalten dann den Einladungslink. Weitere Sessions werden wir rechtzeitig ankündigen.
KI zieht auf dem Schlachtfeld ein: Rauchschwaden ziehen von Fuerte Tiuna auf, wo Nicolás Maduro im Januar von einem US-Militärschlag überrascht wurde. Reuters
Google will Android zu einem KI-Betriebssystem umbauen. Mit der Integration von Gemini soll ein neues Kapitel für das System geöffnet werden, wie Android-Chef Sameer Samat auf dem Samsung-Galaxy-Event verkündete. Android soll vom „operating system“ zum „intelligent system“ werden, das den Nutzer versteht und für ihn arbeitet.
DeepSeek soll diese Woche
seine neuestes multimodales Modell V4 veröffentlichen. Der letzte große Release des Reasoning-Modells R1 im Januar 2025 sandte Schockwellen durch US-Tech-Aktien und wurde als „Sputnik-Moment“ beschrieben. Chinesische Rivalen wie Alibaba und Moonshot haben seither mit starken, kostengünstigen Open-Source-Modellen nachgelegt.
Anthropic führt für seinen KI-Assistenten Claude Code eine Sprachsteuerung ein, die Entwicklern ermöglicht, per gesprochener Befehle zu programmieren. Die Funktion wird derzeit schrittweise ausgerollt. Eine breitere Einführung sei in den kommenden Wochen geplant.
KI sorgt in der amerikanischen Football-Liga NFL für wachsende Ängste um Arbeitsplätze. Anfang März stellten Mitarbeiter in den Bereichen Scouting und Qualitätskontrolle, die etwa Videomaterial zusammenstellen, ihre Zukunft infrage. Ein General Manager berichtete, dass KI-generierte Scouting-Berichte auf Basis eingespeister Daten unheimlich gründlich und präzise seien.
Burger King testet in 500 US-Filialen
ein KI-gestütztes Headset, das Mitarbeiter bei Drive-Through-Bestellungen überwacht und anhand von Schlüsselwörtern wie „Bitte“ und „Danke“ einen „Freundlichkeits-Score“ erstellt. Ein KI-Chatbot namens Patty soll Fragen der Mitarbeiter zur Speisenzubereitung oder Gerätewartung beantworten. Taco Bell und Pizza Hut experimentieren mit ähnlichen KI-Systemen.
Der Einsatz von KI in der Arbeitskommunikation kann zwischenmenschlichen Beziehungen schaden, warnt Amy Gallo in einem Artikel für d
as Harvard Business Review. Es erhöhe die kognitive Belastung, wenn Mitarbeiter rätseln müssen, ob sie mit einem Menschen oder einer KI interagieren. Laut einer Studie halten etwa die Hälfte der Befragten, die Kollegen, welche KI-generierte Inhalte versenden, für weniger kreativ, fähig und zuverlässig.
Der Mobile World Congress in Barcelona, einst große Produktschau für Telefone, rückt nun verstärkt KI und die Verringerung europäischer Technikabhängigkeiten von Amerika und China in den Fokus. Die fünf größten Netzbetreiber Europas stellten eine gemeinsame Edge-Cloud vor, die mit fünf Milliarden Euro von der EU gefördert wurde.
In Peking tagt von Donnerstag an der Nationale Volkskongress, Chinas Version eines Parlaments. Das wichtigste Thema ist der nächste Fünfjahresplan, Kernstück der chinesischen Industriepolitik. Oberstes Ziel: technologische Unabhängigkeit. Die Planer setzen auf Zukunftsfelder wie Quantentechnologie, Kernfusion, Gehirn-Computer-Schnittstellen oder Embodied Intelligence, also KI mit Körper.
Apple soll einer 100-prozentigen Preiserhöhung
für Arbeitsspeicher von Samsung zugestimmt haben, um die Versorgung für das iPhone 17 und weitere Geräte in der ersten Jahreshälfte zu sichern. CEO Tim Cook erklärte während der Vorlage der Quartalsergebnisse, die steigenden Speicherpreise hätten bislang minimale Auswirkungen gehabt, er erwarte jedoch für dieses Jahr einen etwas größeren Einfluss.
Das Marketing hat eine Eigendynamik entwickelt. OpenClaw wirbt damit, echte Dinge umzusetzen, statt nur zu texten. Screenshot: Marcus Schwarze/OpenClaw
Anthropics Antwort auf die Anweisung des Pentagon-Chefs Pete Hegseth, „alles, was gesetzlich erlaubt ist“ in der Software des Unternehmens freizuschalten. AFP