Wir müssen (wieder) über Ausländerkriminalität reden
Sechs Professorinnen widersprechen der Behauptung, Gewalt gegen Frauen sei ein „Migrationsproblem“. Und: Staatsrechtler Matthias Friehe über blinde Flecken in der völkerrechtlichen Bewertung des Iran-Kriegs.
Vielleicht erinnern Sie sich: Vor rund vier Monaten haben wir Sie an dieser Stelle auf einen Gastbeitrag der beiden Strafrechtsprofessorinnen Elisa Hoven und Frauke Rostalski aufmerksam gemacht. Sie verwiesen darin auf den Zusammenhang zwischen Kriminalität und Migration – und plädierten für einen ehrlicheren Diskurs über das Thema. Der Text traf einen Nerv und löste eine lebhafte Debatte aus.
Der Frankfurter Strafrechtler und Kriminologe Tobias Singelnstein hielt in einem Gastbeitrag dagegen. Er meinte, die beiden Professorinnen verstellten den Blick auf die Entstehungszusammenhänge, statt ihn zu erhellen. Nötig sei weniger „Ehrlichkeit“, sondern mehr Differenzierung in der Debatte. Auch von Ihnen erreichten uns zahlreiche Zuschriften – viele mit persönlichen Erfahrungen aus Ihrem Alltag. Die Reaktionen reichten von Zustimmung bis Empörung.
In dieser Woche führen wir die Diskussion fort. Sechs Rechtsprofessorinnen widmen sich der Frage, wie über Gewalt gegen Frauen und Migration gesprochen wird. Ihre These: Wer das Thema politisiert und zum „Migrationsproblem“ erklärt, macht es sich nicht nur zu einfach – er erweist dem Schutz von Frauen am Ende einen Bärendienst. Die Ursachen seien gesamtgesellschaftlich, die Lösung liege nicht allein im Strafrecht.
Auch außenpolitisch stellt sich derzeit die Frage nach vorschnellen Schlussfolgerungen. Der Rechtsprofessor Matthias Friehe schreibt in seinem Gastbeitrag, dass es sich viele Völkerrechtler bei der juristischen Bewertung des Irankriegs zu leicht machen. Eine Rechtfertigung der amerikanischen und israelischen Angriffe sei nicht zwingend auszuschließen.
Was meinen Sie? In welcher Debatte wird aus Ihrer Sicht am häufigsten zu undifferenziert argumentiert? Schreiben Sie mir an redaktioneinspruch@faz.de.
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Von IQB Karrieremagazin
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