Rechtliche Fragen boten 2025 Stoff für viele öffentliche Debatten. Die frühere Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte schreibt, warum Europa selbstbewusst auf das neue US-Strategiepapier reagieren sollte.
Das Schöne an der Juristerei ist, dass sie so viele Lebensbereiche berührt – vom Arbeitsvertrag bis zum Zerwürfnis um das Erbe. Rechtsfragen finden immer wieder ihren Weg in Gespräche unter Freunden auf dem Uni-Campus, in der Kaffeeküche oder am Abendbrottisch. Für uns Journalisten ist die Welt des Rechts deshalb ein wunderbares Berichtsgebiet.
Im Jahr 2025 gab es besonders viele juristische Themen, die auch außerhalb der Fachwelt für angeregte Diskussionen gesorgt haben. Dazu zählten der turbulente Jahresauftakt mit den vorgezogenen Bundestagswahlen ebenso wie die umstrittenen Grundgesetzänderungen durch das „alte“ Parlament zur Schaffung eines Sondervermögens.
Wann immer das Bundesverfassungsgericht eine Entscheidung veröffentlicht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie auf breites Interesse stößt. Seine Urteile betreffen oft grundlegende Fragen des Zusammenlebens und setzen politische wie rechtliche Maßstäbe. In diesem Jahr ging es unter anderem um drohnengesteuerte Angriffe aus Ramstein, das kirchliche Arbeitsrecht und Altersgrenzen für Notare.
Ungewohnt stark im Rampenlicht stand 2025 allerdings das Bundesverfassungsgericht selbst. Die Wahl neuer Verfassungsrichter und die Debatte um Frauke Brosius-Gersdorf lenkten die Aufmerksamkeit auf ein Verfahren, das bis dahin im breiten gesellschaftlichen Diskurs eher ein Schattendasein führte.
Auch international war die juristische Welt in Bewegung. Besonders prägend war die Wiederwahl Donald Trumps, seine Angriffe auf den amerikanischen Rechtsstaat aber auch die zunehmende Entfremdung von der regelbasierten internationalen Ordnung, die sich unter anderem in Sanktionen gegen Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag manifestierte.
Über all diese Entwicklungen haben wir Sie hier im Einspruch-Briefing durch das Jahr auf dem Laufenden gehalten. Mit dieser Ausgabe verabschieden wir uns aus 2025. Zum Abschluss erwartet Sie ein besonderer Gastbeitrag der Völkerrechtsprofessorin und ehemaligen Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, Angelika Nußberger, die eine europäische Antwort auf das neue Strategiepapier der US-Regierung formuliert hat.
Dieses Briefing geht nun – genau wie unser Podcast – in eine kurze Winterpause. Über Neuigkeiten in der Welt des Rechts, die sich zwischen den Jahren ereignen, halten wir Sie auf unserer Website faz.net/einspruch auf dem neuesten Stand. Die nächste Ausgabe dieses Briefings erreicht Sie in zwei Wochen, am 9. Januar 2026, in Ihrem digitalen Postfach.
Was war Ihr juristisches Highlight in diesem Jahr? Welches Urteil, welches Gesetz, welche Rechtsfrage hat Sie am meisten bewegt? Schreiben Sie mir an redaktioneinspruch@faz.de.
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht Ihnen
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Von IQB-Karrieremagazin
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