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Samstag, 30.05.2026 | Zur Online-Ansicht
 
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Liebe Leserin, lieber Leser,
kennen Sie diese oft unerfreulichen Debatten am Esstisch, wenn es um die Frage geht, ob die Jugend von heute es schwerer hat als einst die Generation der Babyboomer? Unsere Redakteurin Sarah Huemer hat sich die Mühe gemacht, diese emotionalisierte Diskussion mit ökonomischen Daten zu erden – und die Ergebnisse zwingen beide Seiten zum Umdenken.
Autorenbild
Carsten Knop
Herausgeber.
Plus Sign Folgen
Wahr ist: Der Arbeitsmarkt meint es mit den Berufseinsteigern heute weitaus besser als in den von hoher Jugendarbeitslosigkeit geprägten Krisenjahren der Siebziger- und Neunzigerjahre. Auch die Kaufkraft ist gestiegen, weshalb Konsumgüter vom Fernseher bis zum Kühlschrank heute gemessen an der dafür nötigen Arbeitszeit erschwinglicher sind. Doch wenn es um den Traum vom Eigenheim geht, haben die Jungen das Nachsehen. Zwar waren die Bauzinsen früher höher, doch der Bedarf an Eigenkapital – gepaart mit hohen Immobilienpreisen und teils verdoppelten Grunderwerbsteuern – macht den Hauskauf heute für viele zur Illusion.
Was passiert, wenn US-Behörden durch den „Cloud Act“ auf unsere Daten zugreifen oder Microsoft-Dienste in deutschen Ministerien nach politischem Gusto abgeschaltet werden? Während die Republik noch immer einen föderalen und kostspieligen IT-Flickenteppich knüpft – allein der Bund überweist jährlich 500 Millionen Euro an Lizenzgebühren nach Übersee –, macht das kleine Schleswig-Holstein vor, wie digitale Souveränität durch den Umstieg auf Open-Source-Lösungen wie Libre Office gelingen kann.
Zwar gibt es mit dem Zentrum für Digitale Souveränität (Zendis) und Ankündigungen auf Bundesebene erste Lichtblicke, doch von einer verpflichtenden und schnellen technologischen Emanzipation, wie sie etwa Frankreich mutiger forciert, ist Deutschland weit entfernt. Wir dürfen den Fehler der energiepolitischen Abhängigkeit von Russland in der digitalen Sphäre unter keinen Umständen wiederholen, findet unser Autor Oliver Georgi.
Retro suburban family
„Marriage matters“ – die Ehe zählt: Rein ökonomisch ist eine solche Partnerschaft das Beste, was zwei Menschen passieren könne, findet Historiker Joseph S. Moore Getty
Wie man in solch unsicheren Zeiten dennoch wirtschaftlich reüssieren kann, lehrt uns ein Blick in die amerikanische Wirtschaftsgeschichte, den Dennis Kremer unternommen hat. Der US-Historiker Joseph S. Moore hat 300 Jahre an Finanzratschlägen ausgewertet und dabei teils unbequeme, aber hochaktuelle Konstanten des Reichtums identifiziert. So profan es klingen mag, aber die ökonomisch vernünftige Partnerwahl – die Ehe als effizientes Gemeinschaftsunternehmen zweier ressourcenbündelnder Einkommen – bildet oft das Fundament.
Noch entscheidender aber ist ein Wesenszug, der uns in Deutschland allzu oft abhandengekommen ist: die Bereitschaft zu Mobilität und zum Risiko. Wer dorthin zieht, wo das wirtschaftliche Wachstum am stärksten ist, und seine Energie nicht ängstlich streut, sondern auf eine zentrale Stärke konzentriert, legt den Grundstein für Wohlstand; die viel zitierte Diversifikation dient später lediglich dem Werterhalt. Moores historischer Befund ist somit nicht nur ein kluger Anlageratgeber, sondern vor allem ein Plädoyer gegen den Pessimismus.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und ein erholsames Wochenende. Wenn Sie ein FAZ+ Abo und eine konkrete Frage dazu haben, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an c.knop@faz.de.
Ihr Carsten Knop
Herausgeber
Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
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