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Samstag, 02.05.2026 | Zur Online-Ansicht
 
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Liebe Leserin, lieber Leser,
Wolfgang Reitzle traf ich vor Jahrzehnten in Los Angeles auf der dortigen Automesse, da war er noch bei Ford – und auch schon ein interessanter Gesprächspartner. Das hat sich über die Jahre hinweg nicht verändert. Jüngst traf er sich mit meinem Kollegen Marcus Theurer in Zürich. Zu Beginn, so schreibt Theurer, habe Reitzle ihm zunächst eine Frage gestellt: Dies hier sei sein Abschiedsinterview, und er würde gern einige Themen, die ihm wichtig seien, deutlich ansprechen. Ob man damit einverstanden sei? Man wird keinen Journalisten auf der Welt treffen, der an dieser Stelle abwinkt. Reitzle ist mit seinen 77 Jahren schließlich ein Marathonmann der deutschen Industrie. Seine Karriere spannt sich über sechs Jahrzehnte.
Autorenbild
Carsten Knop
Herausgeber.
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Hier nur ein Auszug aus dem Gespräch: „Im Bildungssystem müssen wir den Leistungsgedanken wieder in den Mittelpunkt rücken. Und wir müssen ganz schnell mit radikalen Beschlüssen den Wildwuchs der Bürokratie nicht nur stoppen, sondern schauen, welche Regelungen und Vorschriften wir eliminieren können. Die EU erlässt jährlich etwa 2000 rechtlich bindende Akte. Frau von der Leyen hat versprochen, massiv zu reduzieren – nichts ist passiert. Und Deutschland selbst erlässt 4000 bis 6000 Akte pro Jahr. Es ist bedrückend, wie schwer wir es diesem Land machen, voranzukommen.“ Im weiteren Verlauf musste ich an meinen Wirtschaftsunterricht nicht etwa an der Universität in Münster, sondern noch in der Schule in Dortmund denken. Kennen Sie das Wort „Produktivitätspeitsche“ noch? Wenn ja, werden Sie die Stelle im Gespräch mit Reitzle finden, an der es mir nach langer Zeit einmal wieder in den Sinn kam.
Wolfgang Reitzle - Der deutsche Industriemanager in den Räumen der FGS Flobal in Zürich im Gespräch mit der F.A.S.
Wolfgang Reitzle Mitte April in Zürich Philipp von Ditfurth
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn , warnt im F.A.Z.-Interview passenderweise davor, alle Probleme mit Milliardenschulden lösen zu wollen: „Wir haben den Politikwechsel an vielen Stellen eingeleitet. Aber es reicht eben noch nicht. Es reicht vor allem an einer entscheidenden Stelle nicht: beim Wirtschaftswachstum. Drei Jahre Rezession und Stagnation liegen hinter uns, die Kaufkraft hat seit 2019 nicht zugenommen, ist relativ gesunken. Deutschland ist ärmer geworden, und das spüren die Menschen jeden Tag. Und solange es uns nicht gelingt, Wachstum zu bringen, spürbar im Alltag, verbunden mit einer Zuversicht, auch für den eigenen Job, so lange wird die Zustimmung nicht wachsen. Das ist die Schicksalsfrage der Nation. Und es ist auch die Schicksalsfrage der Koalition.“ Wie wahr. Also nur zu.
Und dann doch noch ein Themenwechsel ins Unpolitische: Gaslighting, das heißt, die eigene Wahrnehmung wird vom Partner ständig infrage gestellt. Unsere Protagonistin geriet in eine solche Ehe. So lange, bis sie mit ihrer Tochter floh. Was sind das für Menschen, die ihre Partner in den Wahnsinn treiben wollen? „Er wollte, dass ich denke: Ich bin schuld. An allem. Am Ende sogar dafür, dass ich atme.“ Was für eine Geschichte.
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Ihr
Carsten Knop
Herausgeber
Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
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