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Samstag, 13.06.2026 | Zur Online-Ansicht
 
 Frankfurter Allgemeine
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Liebe Leserin, lieber Leser,
manchmal fragt man sich, wie viel Anspruchsdenken unser Gesundheitssystem aushalten muss und kann. Ein Beispiel dafür liefert eine Chirurgin, die in ihrem Text anonym aus der nächtlichen Notaufnahme berichtet. Da sitzt ein Patient mit Bauchschmerzen, der ärztlichen Rat in den Wind schlägt, auf ein Einzelzimmer pocht – schließlich sei er „gottverdammt noch mal privatversichert!“ – und das überlastete Krankenhaus eher wie ein Hotel mit lästigem Personal behandelt. Medizin verkommt in seiner Wahrnehmung zur reinen Dienstleistung, der Kranke geriert sich als Kunde.
Autorenbild
Carsten Knop
Herausgeber.
Plus Sign Folgen
Der Erfahrungsbericht unserer Autorin ist ein Zeugnis darüber, wie Egoismus und Bürokratie den ärztlichen Alltag belasten, und ein Muss, wenn Sie verstehen wollen, was in unseren Kliniken nachts vor sich geht. Lesenswert sind aber auch die Diskussionsbeiträge von Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, die Sie darunter finden.
Von gefühlten Wahrheiten handeln unsere Ernährungsgewohnheiten. Haben Sie heute Morgen vielleicht ein Dinkelbrötchen gegessen, in dem festen Glauben, sich damit gesundheitlich etwas besonders Gutes zu tun? Dann müssen wir Sie leider enttäuschen. In einem Gespräch räumt die Gießener Ernährungswissenschaftlerin Anika Wagner mit dem Hype um das angebliche Wundergetreide auf: Dinkel ist dem Weizen so eng verwandt, dass die gesundheitlichen Vorteile verschwindend gering sind – vieles ist ein Placeboeffekt, da Dinkel fälschlicherweise als das „ursprünglichere“ Getreide wahrgenommen wird. Wenn Sie sich gesund ernähren wollen, so Wagner, laute das entscheidende Zauberwort nicht Dinkel oder Weizen, sondern schlichtweg Vollkorn.
Triticum spelta, Dinkel, spelt
Der Dinkel ist eine Unterart des Weizens. Picture Alliance
Deutliche Worte findet schließlich einer unserer bedeutendsten Unternehmer. Der Tunnelbohr-Weltmarktführer Martin Herrenknecht redet im Interview mit unseren Kollegen Hanno Mußler und Inken Schönauer Tacheles über den Wirtschaftsstandort Deutschland. Ihn treiben die Bürokratie, die Arbeitskosten und eine schwindende Leistungsbereitschaft um – unser Land sei, so seine Diagnose, auf dem Weg zu einer „Bananenrepublik“.
Hellhörig könnte auch seine Warnung vor einer Übernahme der Commerzbank durch die italienische Unicredit machen. Herrenknecht befürchtet den Verlust einer Hausbank für den deutschen Mittelstand, wenn Kreditentscheidungen künftig durch Raster in Mailand statt in Frankfurt getroffen werden. Es ist ein Weckruf, die Rahmenbedingungen für unsere Industrie zu verbessern, bevor es zu spät ist.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Vielen Dank für Ihr Vertrauen in unsere Arbeit. Wenn Sie ein FAZ+ Abo und eine Frage dazu haben, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an c.knop@faz.de.
Ihr
Carsten Knop
Herausgeber
Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
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„Ich bin gottverdammt noch mal privatversichert!“
 
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