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Samstag, 11.04.2026 | Zur Online-Ansicht
 
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Liebe Leserin, lieber Leser,
unsere Autorin Anna Nowaczyk hat ein schlechtes Gewissen, weil sie tagelang nicht auf Chatnachrichten antwortet. Zu Recht? Die Kollegin hat einen Mitbewohner, und der ist Anhänger der gegensätzlichen Denkschule: Er antwortet, sobald es irgendwie möglich ist. Leuchtet eine Nachricht auf seinem Handy auf, klickt er sie an und schreibt zurück. Sitzt er gerade beim Abendbrot, lässt er das bleiben – holt es allerdings nach, sobald er die Küche verlässt.
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Carsten Knop
Herausgeber.
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Es folgt ein Anruf bei Leonard Reinecke, der Professor für Medienpsychologie forscht an der Universität Mainz zum Zusammenhang zwischen Mediennutzung und psychischem Wohlbefinden: „Wenn unsere Freunde immer wahnsinnig schnell auf unsere Messages reagieren, ist das für uns ein Indikator, dass das geteilte Sozialerwartung ist“, sagt er. Die Autorin kommt ins Grübeln: „Dunkel erinnere ich mich an Zeiten, in denen das anders war. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, als ich eine SMS bekam und mich freute. Und dann schickte ich eine wohlüberlegte Antwort zurück. Digitale Kommunikation war teuer, 19 Cent für eine SMS. Und noch viel weiter früher verschickte man Briefe. Aber doch nicht an zehn Freunde auf einmal und vor allem nicht jeden Tag. Der Kommunikationsweg bremste die Kommunikation aus. Und nach dieser Entschleunigung sehne ich mich heute. Wie altmodisch“, schreibt Nowaczyk. Aber ist das wirklich altmodisch?
Schicksal sei es gewesen, sagt Amina Uicker-Darwish. Als sie feststellte, dass der Laden ums Eck, nur wenige Meter von ihrer Wohnung entfernt, leer stand. Als ihr genau diese Immobilie ein paar Tage später auf der Plattform Kleinanzeigen als Mietobjekt vorgeschlagen wurde. Als sie eine Anfrage an den Anbieter schickte, die Zusage bekam und als daraufhin für sie feststand: Das ist der perfekte Ort für ihr eigenes Café. Dabei war das alles nie so geplant gewesen.
Die 28 Jahre alte Frau hatte ihr Berufsleben als Unternehmensberaterin begonnen. „Ich hatte aber das Gefühl, dass ich da nicht so richtig reinpasse“, sagt sie. Also kündigte sie. Sie hatte Lust, etwas zu gestalten. Das Backen war sowieso ihre Leidenschaft. Sie absolvierte einen Baristakurs, das eigene Café wurde ihr Ziel. Doch die Romantik des eigenen Cafés ist das eine, die Realität oft eine andere: Wir haben dazu Daten aus mehreren deutschen Städten gesammelt. Betrachtet wurden Cafés und Restaurants mit Bedienung, die in den Registern der Handelskammern gelistet sind. Das Ergebnis: Die Zahl der neu gegründeten Lokale ist seit 2022 in Städten wie Frankfurt, München oder Stuttgart gestiegen. Doch wie viele davon überleben langfristig? In Frankfurt beispielsweise existiert von den Lokalen, die im Jahr 2022 gegründet wurden, heute noch etwa die Hälfte. Aber das ist nur die halbe Geschichte.
Die Sinologin Marina Rudyak hat meinem Kollegen Alexander Armbruster in einem Gespräch erklärt, was China und seinen mächtigen Staatschef Xi Jinping antreibt, wer neben ihm das Sagen hat, welche Rolle seine Frau spielt – und wie Peking über Europa, Amerika und Russland denkt: „China bildet pro Jahr 1,3 Millionen Ingenieure aus – etwa zehnmal so viele wie die USA und zwanzigmal so viele wie Deutschland. Der entscheidende Unterschied ist ein anderer. In China gibt es eine Vision der Modernisierung – etwas, das in den USA und Europa verloren gegangen ist. Es gibt keine amerikanische oder europäische Zukunftsvision, die vergleichbare Energie freisetzt. Diese Ingenieure haben ein Ökosystem geschaffen, auf das die Regierung nach anfänglichen Fehlern aufgesprungen ist. Der Erfolg des KI-Unternehmens Deepseek war auch für Peking eine Überraschung – die chinesische Führung hat nach dem Crackdown gegen den Privatsektor in den Jahren 2020 bis 2023 inzwischen erkannt, dass sie ihn für ihre Innovationspolitik benötigt.“ Auch der Rest des Gesprächs ist lesenswert.
Und: Falls die Benzinpreise in den vergangenen Wochen die Gedanken hin zu E-Autos haben schweifen lassen, hier noch einmal der Hinweis auf die beiden Texte mit meinen Erfahrungen dazu: „Meine ersten 10.000 Kilometer im E-Auto“ – und – „Mein erster Winter im E-Auto“, vielleicht helfen sie ja bei der Entscheidung.
Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Arbeit. Wenn Sie ein FAZ+ Abo und eine konkrete Frage dazu haben, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an c.knop@faz.de.
Herzliche Grüße
Ihr
Carsten Knop
Herausgeber
Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
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