hier geht es ja immer um die Texte, die in den vergangenen Tagen besonders intensiv gelesen worden sind und die Sie gleichwohl verpasst haben könnten. Das führt zu interessanten Themenmischungen, die auch mich überraschen.
Und dann kommen beim Schreiben dieses Newsletters Herausforderungen wie diese auf mich zu: Was verbindet die deutsche Debatte über Ost und West mit den Unterrichtsmethoden in einer Klosterschule in Bayern und der Frage, wie wir produktiver arbeiten können? Vielleicht dies: Gesellschaftlicher Zusammenhalt, gute Bildung und berufliche Leistung entstehen nur durch harte Arbeit, die im Idealfall nicht wie solche aussieht. Aber sie verlangt Klarheit über die eigenen Voraussetzungen, verlässliche Strukturen. Und nichts Härteres als die Bereitschaft, lieb gewonnene Gewohnheiten tatsächlich auch einmal zu verändern. Das kann man immer gerne von Politikern verlangen. Man kann sich in der Hinsicht aber auch einmal einem Selbsttest unterziehen.
Zunächst stellt der Historiker Magnus Brechtken eine unbequeme Diagnose zur Lage im wiedervereinigten Deutschland. 36 Jahre nach der Einheit sei die Fremdheit zwischen Ost und West nicht überwunden. In mancher Hinsicht habe sie sich sogar verschärft. Brechtken warnt deshalb vor ritualisierten Rücksichtnahmen und fordert eine nüchternere Debatte über die unterschiedlichen Erfahrungen mit Diktatur, Demokratie, wirtschaftlichem Wohlstand und politischer Eigenverantwortung in Ost und West. Seine Thesen sind bewusst zugespitzt.
Wie Bildung Halt, Leistung und Offenheit zugleich fördern kann, zeigt wiederum unser Schulbesuch im Gymnasium der Benediktiner von Schäftlarn. Man glaubt es kaum: Dort prägen noch Latein, Religion, klare Regeln und lehrerzentrierter Unterricht den Schulalltag. Zugleich verstehen sich Kloster und Schule ausdrücklich nicht als weltabgewandt. Projektunterricht, digitale Buchbesprechungen, individuelle Förderung und ein eng begleitetes Ganztagsangebot gehören ebenso zum Schulleben. Der Anspruch des Schulleiters lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Schule müsse den jungen Menschen Heimat geben und ihnen helfen, „Mensch zu sein“.
Klingt einfach, aber fragen Sie heute mal im Freundeskreis, ob man spontan eine Antwort auf die Frage hat, wo die Heimat zu finden ist.
Nicht nur in der Schule, auch im Arbeitsalltag sind Strukturen wichtig. Aber sie dürfen nicht in Selbstoptimierungsstress umschlagen. Der Arbeitspsychologe Hannes Zacher empfiehlt deshalb, Prioritäten bewusst zu setzen (immer gut!), konzentrierte Zeiten vor Unterbrechungen zu schützen (schon im Kinderzimmer war der Hamster eine Ablenkung von den Hausaufgaben) und mehrere kleine Pausen einzuplanen. Effizienz bedeute nicht, acht Stunden täglich hoch fokussiert zu sein (puh). Auch Reflexion, gedankliches Abschweifen und ein klarer Feierabend seien Voraussetzungen dafür, auf Dauer gute Arbeit zu leisten (sehr gut). Spaß beiseite:
Gerade für alle, deren To-do-Liste selten kürzer wird, enthält der Text einige sehr brauchbare Hinweise.
Vielen Dank für Ihr Interesse, über das ich mich sehr freue. Wenn Sie ein FAZ+ Abo und eine konkrete Frage dazu haben, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an c.knop@faz.de.
Herzliche Grüße
Ihr Carsten Knop Herausgeber Frankfurter Allgemeine Zeitung
Was hilft gegen Spannungen zwischen Ost und West? Der stellvertretende Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, Magnus Brechtken, schlägt vor, wütende Ostdeutsche an ein paar historische Fakten zu erinnern.
Im Gymnasium der Benediktinerabtei Schäftlarn trifft Deutschlands innovativster Lateinlehrer auf einen der strengsten Mathelehrer Bayerns. Was ist los im Isartal?
In derselben Arbeitszeit bessere Ergebnisse zu liefern und sich ohne Überstunden in den Feierabend zu verabschieden: Das wünschen sich wohl die allermeisten. Mit diesen Tipps gelingt es.
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