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Zerbrechliche Zuversicht
Der Dax startet mit einem Rekord ins neue Jahr – getragen von Hoffnung, aber geprägt von Unsicherheit. Eine gesunde Portion Skepsis kann da nicht schaden.
Das erste Editorial des F.A.Z. Pro Finanzen im Jahr 2026 – und schon klettert der Dax auf einen Rekordwert. Wer hätte das nach der ausgebliebenen Jahresendrally im Dezember gedacht?
Ein Grund zum Jubeln ist das allerdings nicht. Zumindest nicht, wenn man die Hintergründe genauer betrachtet. Selbstverständlich wollen die Menschen zum Jahresstart zuversichtlich nach vorn blicken – trotz aller Unwägbarkeiten der vergangenen Monate. Das geht auch Anlegern und Anlegerinnen nicht anders, die darauf hoffen, dass das milliardenschwere Investitionspaket der Bundesregierung die deutsche Wirtschaft 2026 endlich anschieben wird. Aber die Marktdynamik bleibt fragil, das Handelsvolumen zieht nach den Feiertagen erst allmählich wieder an.
Und auch der Angriff der USA auf Venezuela ist kein Grund zur Freude, selbst wenn die Kurse vor allem von Rüstungsaktien daraufhin stark gestiegen sind. US-Präsident Donald Trump ließ ohne Zustimmung des Kongresses den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro festnehmen und nach Amerika bringen. Was völkerrechtlich hochbrisant ist, scheint Investoren derzeit nicht zu stören – im Gegenteil. Die geopolitische Lage ist jedoch nach wie vor äußerst instabil.
Zuversicht ist gut, aber in solchen Zeiten braucht sie ein solides Fundament. Blauäugigkeit hat noch niemanden langfristig an sein Ziel geführt.
Bleiben Sie hoffnungsvoll, aber auch skeptisch genug, um langfristig am Kapitalmarkt erfolgreich zu sein.
Neues Jahr, neues Börsenglück? Der F.A.Z.-Index auf Allzeithoch, der S&P 500 knapp davor. Gefragt waren in Deutschland vor allem Rüstung und Zykliker. Das eine wegen Venezuela, was doch eher ambivalent ist. Im anderen Fall ist es die „Jetzt muss es doch aufwärtsgehen“-Karte. Wir erinnern uns: Vor genau einem Jahr hatten wir dasselbe schon einmal. War dann nix. Für Vorsicht gibt es Grund genug: Strukturelle Probleme sehen mit besserer Konjunktur nur weniger schlimm aus. (mho.)
Bitcoin etabliert sich als digitales Gold: Als Zahlungsmittel gewinnen Stablecoins an Akzeptanz. Die Blockchain wird zur Option im Wertpapiergeschäft. Wie Anleger vom Kryptoboom profitieren.
Die „Konservative Strategie 2026“ setzt auf dividendenstarke Euro-Stoxx-50-Aktien. Allianz und Vinci gehören zu den ausgewählten Titeln. Wie das funktioniert.
Das ist 2025 aus 100.000 Euro geworden: Die Liste ertragreicher Anlagen in diesem Jahr ist lang. Besonders gut abgeschnitten haben Außenseiter und nicht etwa die Anlagefavoriten.
Steuertipp: Wo Steuerzahler jetzt entlastet werden
Steuerlich profitieren zum Beispiel Familien, für sie gilt ein höherer Grundfreibetrag von 12.348 Euro und ein Kinderfreibetrag von 6828 Euro.dpa
Seit Jahresbeginn dürfen sich viele Steuerzahler über Entlastungen freuen. Wer im Rentenalter noch arbeitet, kann bis zu 24.000 Euro im Jahr steuerfrei hinzuverdienen. Berufspendler profitieren von einer höheren Kilometerpauschale von 0,38 Euro ab dem ersten Kilometer, Familien von einem höheren Grundfreibetrag von 12.348 Euro und einem Kinderfreibetrag von 6828 Euro – alternativ winken 259 Euro Kindergeld pro Monat.
Neu ist auch: Gewerkschaftsbeiträge lassen sich zusätzlich zu den Werbungskosten absetzen. Der Spitzensteuersatz greift künftig erst ab 69.879 Euro. Wer im Ausland einen zweiten Haushalt führt, kann bis zu 2000 Euro Miete monatlich steuerlich geltend machen. Dauerhaft zurück ist der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen in Restaurants. Mehr gibt es auch fürs Ehrenamt: 3300 Euro für Übungsleiter, 960 Euro für Engagierte – und politische Spenden können bis zu 3300 Euro pro Person abgesetzt werden. (Der Autor Christoph Ackermann ist Steuerberater und Partner bei EY.)
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Last, not least: Besonders junge Menschen wollen 2026 investieren
Jüngere planen laut einer Umfrage, in diesem Jahr in ETF, Aktien und Gold zu investieren.Carlotta Steinkamp
Bei der Geldanlage sind besonders jüngere Menschen aktiv. 56 Prozent der 18- bis 29-Jährigen wollen demnach „unbedingt“ oder „eher“ Aktien oder ETFs kaufen, wie eine repräsentative Umfrage der Finanzplattform Raisin zeigt. In der Gruppe zwischen 40 und 49 Jahren sind es 54 Prozent und bei den 50- bis 59-Jährigen 40 Prozent, heißt es in der Studie, für die das Marktforschungsinstitut Innofact im Dezember 1023 Menschen befragt hat.
Ein positives Signal: „Immer mehr Anleger verstehen, dass für eine Absicherung im Alter kein Weg an den Kapitalmärkten vorbeiführt“, sagt Kim Felix Fomm, Anlagechef bei Raisin. Beim Gold ist das Muster ähnlich: Auch hier gibt es großes Interesse bei den Jüngsten (39 Prozent) und geringere Werte in der Altersgruppe ab 40 Jahren (31 Prozent) und 50 Jahren (23 Prozent).
Weit oben bei den Prioritäten für 2026 steht für 48 Prozent der Befragten das Abzahlen von Schulden. 42 Prozent planen zudem, für Kinder oder Enkel zu sparen. Insgesamt legten Männer mehr Wert auf Finanzplanung als Frauen. Zugleich ist das Interesse von Frauen an Geldanlage gestiegen: von 30 Prozent in der vorherigen Umfrage auf nun 36 Prozent. (dpa)