Es gibt Tage, an denen ist das Börsengeschehen zweitrangig. Der Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verändert die Republik. Vor 13 Jahren hat sich die AfD als eurokritische und somit zumindest finanzmarktnahe Partei gegründet, bevor sie als migrationskritische Bewegung zu neuen Höhen aufbrach. Euro- und Europa-Politik sind für sie weiterhin identitätsstiftend. Ihre hohe Zustimmung resultiert aber aus anderen, von breiteren Wählerschichten empfundenen Mängeln.
Philipp Krohn
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
Für die Märkte ist Sachsen-Anhalt mit seinen 2,1 Millionen Einwohnern unbedeutend. Wichtig aber ist, was der Erfolg für die Stimmung im Bund bedeutet. Erstmals steht eine Partei vor der Regierungsübernahme, die ihre Verwandtschaft zur österreichischen FPÖ, zur ungarischen Fidesz und zur MAGA-Bewegung Donald Trumps betont.
In den angelsächsischen Ländern ist der Bruch mit dem politischen Establishment längst weiter. Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. In Großbritannien gestehen inzwischen auch Brexit-Befürworter ein, dass der Austritt aus der EU wirtschaftlichen Schaden angerichtet hat. Für die nationalistisch zu deutende Zollpolitik Donald Trumps suchen Anhänger noch nach rationalen Erklärungen. Die Aushöhlung des Rechtsstaats sowie der systematische Angriff auf die Wissenschaftsförderung können ebenfalls nicht im Sinne von Befürwortern freier Märkte sein.
Finanzmärkte sind opportunistisch. Sie werden nicht darauf pochen, dass der Rechtsstaat geschützt wird, wenn ihnen Regierungen gute Geschäfte ermöglichen. Es braucht auch kein „Virtue Signaling“ von Marktteilnehmern, die zeigen wollen, dass sie mit einer autoritären Politik nicht einverstanden sind. Aber ein ruhiges Innehalten und Nachdenken, welche Folgen diese Zäsur hat, welchen Beitrag jeder für die Stimmung im Land leistet und welche Folgen marktferne Entwicklungen wie eine andere Schul- und Geschichtspolitik haben werden, kann als Bürger nicht schaden.
Nachdenklich,
Ihr Philipp Krohn
Was erwarten Sie von der AfD? Kann eine von ihr geführte Regierung in Deutschland eine wirtschaftliche Wende herbeiführen? Was erwarten Sie für den Aktienmarkt? Schreiben Sie uns gern an Finanzen-Premium@faz.de.
Auf unsere Fragen der vergangenen Woche rund um die finanzielle Situation der jüngeren Generation haben wir umfangreiches Feedback erhalten. Steigende Kosten, hohe Mieten und eine schwierige Finanzierung von Wohneigentum sind wichtige Themen. Junge Leute können heute selbst ein gebrauchtes Haus kaum noch finanzieren, zumal wenn ein Kind hinzukommt, meint Elke V. Sie unterstützt mit ihrem Mann die Enkel seit Jahren. Die Entwicklung der Vermögen werde durch die Inflation relativiert, findet M. B. Aus einer Million Euro im Jahr 2019 seien rechnerisch 750.000 Euro geworden. Markus W. empfindet den Vermögensaufbau dagegen heute als einfacher: ETF-Sparpläne erleichterten den Zugang ebenso wie Direktbanken und Neobroker. Die jüngere Generation habe es nicht schlechter, nur anders,
meint schließlich Eckhard S. Sie solle ihr Leben aktiv selbst bestimmen.
„Die weiter gestiegenen Anleiherenditen lasteten auf den Aktienkursen auf beiden Seiten des Atlantiks. Nach dem Dax-Rekord der Vorwoche ging es erst mal bergab, in den USA bewegte sich der S&P 500 auf der Stelle. Hinzu kommt ein Ölpreis, der wieder 90 Dollar überschritten hat. Nun richten sich alle Augen auf die Zinsentscheidung der EZB am Donnerstag.“
Jakob Krembzow, Redakteur in der Wirtschaft.
F.A.Z.-Musterstrategien
„Die durchwachsene Börsenwoche schlägt sich auch in den Musterstrategien nieder. Nur drei Ausnahmen gibt es, Daniel Walthers Portfolio und die Quant4You-Strategie können sich wie das F.A.Z.-Portfolio gegen die Marktrichtung behaupten, allerdings von sehr unterschiedlichen Ausgangsniveaus.“
Das Image von Zertifikaten hat in der Finanzkrise gelitten. Nicht jedes Papier war auch sinnvoll. Beliebt geblieben sind aber Discount-Zertifikate. Denn diese erzielen eine vorab bekannte Höchstrendite schon dann, wenn der Kurs eines Basiswerts leicht fällt. Dafür verzichten Anleger auf Chancen. Laut dem Bundesverband für strukturierte Wertpapiere (BSW) brachten im Jahr 2025 knapp 88 Prozent der „Discounter“ ein Plus, im Durchschnitt 10,7 Prozent im Jahr. Die Basiswerte kamen zwar auf 33,3 Prozent Rendite, doch nur 78 Prozent brachten ein Plus. Zudem war die Volatilität der Zertifikate deutlich niedriger. 19 Prozent der untersuchten 70 beliebtesten Zertifikate entfielen 2025 auf Dax und Euro Stoxx 50. Beliebteste Aktie war mit knapp vier Prozent Rheinmetall.
„Es muss nicht immer eine Aktie sein. Ganz besonders, wenn man doch nicht vollends von ihr überzeugt ist. Natürlich verdienen die Anbieter an Discount-Zertifikaten mit. Aber das ist okay. Am Ende kommt es darauf an, dass Anleger zufrieden sind und Chancen und Risiken kennen. Ein ‚Discounter‘ kann eine Option sein.“
Martin Hock, Redakteur in der Wirtschaft und Leiter F.A.Z. Premium Finanzen.
Hoher Einfluss: Die EZB in Frankfurt beeinflusst mit ihren Leitzinsen die kurzfristigen Geldmarktzinsen im Euroraum. dpa
Auf diese unscheinbaren ETF setzen die Profis
Von Sarah Speicher-Utsch
Irankrieg und Energiepreisschock: Im ersten Halbjahr greifen unabhängige Vermögensverwalter zu ETF, die das Tagesgeld ersetzen. Am stärksten gewichtet ist aber ein USA-ETF – und der MSCI World.
Mehr Cash für unruhige Zeiten. Auch unabhängige Vermögensverwalter folgen diesem Credo für ihre Kunden. Neu ist: Sie setzen Geldmarkt-ETF in deutlich mehr Kundendepots ein. Diese passiven börsengehandelten Fonds bilden den Geldmarktzins ab und wollen darauf zum Teil sogar einen Renditeaufschlag zahlen.
Der Geldmarkt-ETF von der französischen Fondsgesellschaft Amundi hat es in der Rangliste der zehn liebsten ETF der Vermögensverwalter per 30. Juni 2026 auf Platz vier geschafft. Das Institut für Vermögensaufbau (IVA) analysierte mehr als 51.000 Depots von 190 unabhängigen Vermögensverwaltern. Die Daten lieferte die Münchener V-Bank, eine Spezialbank für Depotführung, Verwahrung und Wertpapierabwicklung. Die Auswertung liegt der F.A.Z. exklusiv vor.
Gemessen an der Häufigkeit tauchte der ETF Amundi Smart Overnight Return in 3500 Depots auf, mit einer durchschnittlichen Gewichtung von drei Prozent. Ende 2025 stand er noch nicht unter den 20 häufigsten ETF. Damals belegte ein anderer Geldmarkt-ETF von Xtrackers, dem ETF-Arm der zur Deutschen Bank gehörenden DWS, Platz elf. Der Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap kam damals in 2200 Depots vor, mit einer durchschnittlichen Gewichtung von mehr als zehn Prozent.
Auch jetzt steht dieser ETF, der einen Aufschlag zum Geldmarktzins anstrebt, in der Top-20-Liste – auf Platz 14: in rund 2100 Depots, mit einer Durchschnittsgewichtung von mehr als neun Prozent. Beide ETF haben eine Gesamtkostenquote, meist als TER (Total Expense Ration) bezeichnet, von 0,1 Prozent pro Jahr.
Seit Jahresbeginn setzen die Vermögensverwalter Geldmarkt-ETF also in deutlich mehr Depots ein. „Geldmarkt-ETF werden bei Anlegern immer beliebter“, sagte Claus Hecher von BNP Paribas Asset Management der F.A.Z. Im Zeitablauf habe sich der Aufschlag gegenüber dem Geldmarktzins leicht erhöht. Zudem müssen Anleger bei höheren Anlagesummen – anders als beim Tagesgeld – nicht auf die Höchstgrenze der Einlagensicherung von 100.000 Euro achten. Und der ständige Wechsel von einem Tagesgeldanbieter zum nächsten entfällt.
Geldmarkt-ETF funktionieren so: Ein synthetischer ETF bildet einen Index – anders als ein physisch replizierender Fonds – nicht direkt ab. Er hält andere Wertpapiere, meist Aktien und tauscht deren Erträge mit einer Bank. Dafür erhält er von der Bank die Wertentwicklung des gewünschten Marktes – zum Beispiel den Geldmarktzins. „Will ein Fonds mehr als den Geldmarktzins erzielen, vereinbart er mit der Bank zusätzlich einen kleinen Aufschlag auf diesen Zins. Die Aktien im Wertpapierkorb sollen dabei nicht selbst die Rendite liefern; sie sind nur Teil des Tauschgeschäfts“, erklärt Hecher. Manche Banken zahlten diesen Renditeaufschlag, um eigene Kapitalkosten zu vermeiden.
Für mehr Rendite: Umsetzungsqualität der ETF-Anbieter entscheidet
Der Xtrackers-ETF bildet den Index „Solactive €STR + 8.5 Daily“ nach. Dieser Index spiegelt die Wertentwicklung einer Anlage wider, die mit dem kurzfristigen Euro-Zinssatz zuzüglich 8,5 Basispunkten verzinst ist. Der Amundi-ETF folgt dem „ESTR Compounded Index“, der ebenfalls Zugang zum Geldmarkt der Eurozone bietet. Die Wertentwicklung der beiden Produkte unterscheidet sich: Der Amundi-ETF erzielte 2025 eine Rendite von 2,64 Prozent. Der Xtrackers-ETF kam nur auf 2,22 Prozent – trotz des Renditeaufschlags. Das zeigt: Ein beabsichtigter Renditeaufschlag im Index bedeutet noch keine Mehrrendite im Depot. Entscheidend ist, wie gut der ETF den Index tatsächlich umsetzt.
Laut dem Anlegerportal justETF sind in Europa 21 verschiedene Geldmarkt-ETF zum Vertrieb zugelassen, viele sind neu. Der Xtrackers-ETF ist mit einem Fondsvermögen von 22,6 Milliarden Euro der größte. Der Amundi-ETF folgt mit 7,2 Milliarden Euro. Insgesamt gibt es zwölf verschiedene Geldmarkt-Indizes.
In den Top Ten der Vermögensverwalter führt Xetra Gold die Rangliste mit Abstand an – und das seit Jahren. Der ETC der Deutschen Börse bildet den Goldpreis über eine Inhaberschuldverschreibung ab, die einen Lieferanspruch auf physisches Gold verbrieft. ETC sind börsengehandelte Rohstoffe (Exchange Traded Commodities). Eine Verwaltungsgebühr wie bei klassischen Fonds oder ETF fällt nicht an. Stattdessen berechnet der ETC eine jährliche Lagergebühr von 0,3 Prozent zuzüglich Mehrwertsteuer.
Japan-ETF von Amundi auf Platz zwei
Platz zwei belegt ein Japan-ETF von Amundi. Seit 2023 geht es an Japans Börsen aufwärts: Allein seit Jahresbeginn kletterte der Kurs des Nikkei 225 um mehr als 28 Prozent. Das Land hat seit dem Platzen der Vermögenspreisblase in den frühen Neunzigerjahren eine jahrzehntelange Deflation hinter sich.
Auch Schwellenländerindizes wie der MSCI Emerging Markets, den Xtrackers auf Platz drei abbildet, bescherten Anlegern ordentliche Gewinne. Ein schwacher Dollar, sinkende Zinsen und steigende Gewinnerwartungen – besonders für Technologieunternehmen – trieben die lange vernachlässigten Märkte. Sowohl der Japan-ETF (gut zwei Prozent) als auch der Schwellenländer-ETF (knapp vier Prozent) kommen mit niedrigen Gewichtungen zum Einsatz. Die mit Abstand höchste Gewichtung erhalten ein US-ETF von Xtrackers mit 40 Prozent und ein ETF auf den MSCI World von iShares mit fast 13 Prozent – einen Index, in dem mehr als 70 Prozent der Unternehmen aus Amerika stammen.
Die Gewinnschätzungen für den S&P 500 sind dank KI-Boom beeindruckend. Doch es ist ein Bilanzierungseffekt, der die Erträge so gut aussehen lässt. Die tatsächliche Belastung zeigt sich schon heute im Cashflow.
von Björn Heissenberger
Nach den von Factset erfassten Analystenschätzungen dürfte der Gewinn der Unternehmen des S&P 500 in diesem Jahr um 30 Prozent steigen. Ein großer Teil dieser Gewinnstärke beruht jedoch auf einem zeitlichen Bilanzierungseffekt.
Verkauft ein Hersteller Server, Halbleiter oder Rechenzentrumstechnik, verbucht er Umsatz und Marge sofort. Auch beim Käufer fließt das Geld sofort ab. In dessen Gewinnrechnung erscheint die Investition jedoch nicht als Aufwand, sondern verteilt sich über mehrere Jahre als Abschreibung. So kassiert der S&P 500 die Gewinne des KI-Booms heute, während ein großer Teil der Belastung erst nach und nach sichtbar wird. Die Gewinnrechnung zeigt damit vor allem die Sonnenseite des KI-Booms.
In den freien Mittelflüssen (Cashflow) sieht das anders aus. Dort lassen sich Investitionen nicht über Jahre verteilen. Liquide Mittel fließen ab, wenn das Geld auch tatsächlich ausgegeben wird. Vom erwarteten Gewinnsprung um 30 Prozent bleibt dort nur ein Wachstum im niedrigen einstelligen Bereich übrig. Der Gewinn des S&P 500 sieht deshalb besser aus, als es die Mittelflüsse hergeben. Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt den Index damit günstiger erscheinen.
Besonders drastisch zeigt sich die Diskrepanz zwischen Gewinnen und Mittelfluss bei den fünf großen „Hyperscalern“. Nach Schätzungen von Visible Alpha soll ihr Nettogewinn in diesem Jahr um 25 Prozent steigen. Ihr freier Cashflow aber soll gleichzeitig um 91 Prozent auf rund 16 Milliarden Dollar fallen. Einer halben Billion Dollar Gewinn stehen damit gerade einmal 16 Milliarden Dollar freier Cashflow gegenüber.
Open AI, die KI-Sparte von SpaceX sowie viele Start-ups schreiben hohe Verluste, geben aber große Summen für KI-Infrastruktur aus. Ihre Ausgaben erzeugen bei den im Index notierten Verkäufer-Unternehmen Umsatz und Cashflow. Der Verlust von Open AI und Co. fällt dagegen außerhalb des Index an. Ohne diese Mechanik sähe das Cashflow-Wachstum des S&P 500 noch niedriger aus.
Verdienen die Hyperscaler mit KI künftig mehr, als sie zusätzlich investieren müssen, kann sich ihr freier Mittelfluss wieder erholen. Allerdings dürfte ein wachsender Teil dieser Investitionen dauerhaft wiederkehren. Der Schwerpunkt des KI-Ausbaus verschiebt sich zunehmend von langlebigen Gebäuden auf kurzlebigere Server und andere Rechen-Hardware, die regelmäßig ersetzt werden muss. Entscheidend ist deshalb nicht nur, welche zusätzlichen Umsätze KI erzeugt, sondern wie viel laufend investiert werden muss, um diese Umsätze überhaupt aufrechtzuerhalten.
Selbst im günstigen Fall kann ein nachlassendes Investitionstempo das Wachstum der Chiphersteller bremsen. Enttäuscht die Monetarisierung von KI und werden Budgets gekürzt, geraten die Umsätze und Margen der Hersteller unter Druck.
Die Gewinne des KI-Booms sind nicht erfunden. Ein Teil ist jedoch ein Vorschuss auf die Erwartung, dass die heutigen Investitionen künftig ausreichend hohe Kapitalrenditen erwirtschaften. Tritt das nicht ein, wird die Gewinnrechnung die schlechte Nachricht erst nach und nach zeigen. Im Cashflow selbst sieht man die Rechnung schon heute.
Ein Gedankenexperiment von Oxford Economics zeigt: Würde jede Migration sofort enden, würde das globale BIP pro Kopf im Jahr 2060 rund fünf Prozent niedriger sein als mit Migration. Besonders betroffen wären westeuropäische Länder wie Spanien und Italien, wo das Pro-Kopf-Einkommen um bis zu zwölf Prozent sänke. In Deutschland fiele es um etwa sechs Prozent, da Zuwanderer überproportional im erwerbsfähigen Alter sind und strukturelle Lücken am Arbeitsmarkt schließen. Längerfristig würden Arbeitskräftemangel, steigende Löhne und wachsende Haushaltsdefizite die alternden Volkswirtschaften belasten. Herkunftsländer gewännen zwar Arbeitskräfte zurück, profitierten aber mangels institutioneller Infrastruktur nur begrenzt.
Migranten in Deutschland: Für viele mittlerweile ein Feindbild, doch der wirtschaftliche Effekt ist positiv. dpa
Eine Entnahmestrategie ist für die zweite Lebenshälfte ebenso wichtig wie der vorherige Vermögensaufbau. Drei Fragen stehen am Anfang: der künftige Finanzbedarf, die persönliche Lebenserwartung und der Wunsch, etwas zu vererben. Besonders tückisch ist das Renditereihenfolgerisiko, bei dem ein Börsencrash zu Beginn der Entnahmephase die gesamte Planung gefährden kann. Als pragmatische Lösung wird ein Stufenmodell vorgestellt, bei dem ein Teil des Vermögens sicher geparkt und der Rest am Aktienmarkt investiert bleibt. Entscheidend ist, die Annahmen regelmäßig zu überprüfen, da weder Renditen noch Lebenserwartung sicher planbar sind.
Beim Verkauf einer Immobilie aus dem Privatvermögen nach zehn Jahren entfällt die Steuer auf den Veräußerungsgewinn. Entscheidend für die Fristberechnung ist laut Bundesfinanzhof das Datum der notariellen Kaufverträge, nicht die Kaufpreiszahlung oder Grundbucheintragung. Ein Ehepaar, das seine Immobilie knapp vor Fristablauf verkaufte und auf eine spätere Kaufpreisfälligkeit verwies, scheiterte vor Gericht. Bei vorheriger Eigennutzung verkürzt sich die Frist auf drei Jahre. Die Grünen fordern, die Steuerbefreiung für nicht selbst bewohnte Immobilien ganz abzuschaffen.
Beim Hausverkauf entscheidet für die Steuerfreiheit nicht die Kaufpreiszahlung, sondern das Datum der notariellen Kaufverträge. Picture Alliance
Crowdstrike hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 das beste Quartal seiner Unternehmensgeschichte verzeichnet und die Analystenerwartungen übertroffen. Im Sommer 2024 hatte ein fehlerhaftes Software-Update noch weltweit massive Computerausfälle verursacht und dem Unternehmen einen erheblichen Image- und Finanzschaden zugefügt. Firmengründer und Vorstandschef George Kurtz sieht in der Absicherung von KI-Anwendungen die größte Marktchance der Firmengeschichte. Analysten bewerten Crowdstrike inzwischen als gut positioniert, seine Führungsrolle in der KI-Ära auszubauen. Der Aktienkurs legte seit Anfang 2026 rund 82 Prozent zu und erreichte neue Rekordstände.
Die britische Börsenweisheit „Sell in May and go away, come back on St Leger’s day“ geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als die englische Oberschicht zwischen Mai und September die Börse zugunsten der Pferderennsaison verließ. Was vielleicht damals funktionierte, lässt sich für heute nur schwer nachweisen. Dennoch können Aktien, die regelmäßig in der Wintersaison zulegen, interessant sein – Rekordhalter ist der US-Einzelhändler TJX mit 17 positiven Saisons in Folge. Wer die besten saisonalen Aktien seit 2016 dauerhaft gehalten hätte, hätte mit durchschnittlich 16,3 Prozent jährlich deutlich mehr verdient als mit der saisonalen Strategie.
Die technische Analyse des S&P 500 ergibt ein überwiegend skeptisches Bild. Der MACD hat ein neues Verkaufssignal generiert, die Kerzencharts deuten auf weiter nachgebende Kurse hin. Eine Elliott-Wave-Dreiecksformation legt nahe, dass nach einem möglichen letzten Anstieg eine längere Seitwärtsphase folgt. Im ungünstigen Fall könnte der Index auf 6150 bis 6350 Punkte zurückfallen. Die übergeordnete Hausse ist zwar längerfristig intakt, kurzfristig dürfte die Party aber vorbei sein.
Der italienische Glücksspielanbieter Lottomatica hat eine Fusion mit dem spanischen Unternehmen Cirsa vorgeschlagen, wodurch der zweitgrößte Spiel- und Wettbetreiber der Welt entstehen soll. Nach einem anfänglichen Kurseinbruch legte der Aktienkurs am Montag deutlich zu, nachdem das Unternehmen überzeugende Gewinnprognosen nachgereicht hatte. Auch Italiens Bankenmarkt sorgt für Dynamik, angetrieben von Übernahmeofferten rund um MPS, Intesa Sanpaolo und Mediobanca. Der Chiphersteller ST Microelectronics hat seinen Börsenwert seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Insgesamt gewann der FTSE-MIB seit Jahresbeginn rund 16 Prozent, während Italiens Anleger mit ihren Aktienanlagen einen historischen Höchststand erreichten.
Die Börsen notieren nahe ihrer Rekordstände, doch die Frage nach der Nachhaltigkeit des KI-Booms und der wachsenden Staatsschulden wird drängender. Oliver Schmidt, Chief Investment Officer von Metzler Asset Management, hält im Podcast „Finanzen & Immobilien“ die KI-Investitionen in Rechenzentren, Chips und Cloud-Infrastruktur für fundamental begründet und sieht keine zwangsläufige Kursblase. Problematisch werde es, wenn hohe Erwartungen enttäuscht würden oder etablierte Geschäftsmodelle unter Druck gerieten. Die Renditen langlaufender Staatsanleihen sind deutlich gestiegen, eine neue Finanzkrise erwartet Schmidt aber nicht.
Die Quellensteuer wird auf Kapitaleinkünfte direkt an der „Quelle“ erhoben. In Deutschland dient seit dem 1. Januar 2009 die Abgeltungsteuer als Quellensteuer auf Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne. Ihr Satz beträgt pauschal 25 Prozent.
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