Sind Deutschland und Europa besser, als wir denken?
Die Stimmung in Deutschland ist schlecht. Das zeigen die Wahlergebnisse der vergangenen Wochen. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wurde die rechte, migrationsfeindliche und russlandfreundliche AfD stärkste Kraft, in Berlin die Linke, die offen über eine Enteignung privater Wohnungsbaugesellschaften nachdenkt.
„Die Deutschen haben einen Hang zur Selbstzerfleischung“, bescheinigte der Österreicher Peter Bosek diesen jüngst öffentlich. Er ist Chef der Erste Group, einer aus Sparkassen hervorgegangenen Bank der Alpenrepublik, die eine der größten Banken in Zentral- und Osteuropa ist.
Auch nach einer jüngsten Umfrage der Deutschen Bank schaut man im Ausland positiv auf Europa und Deutschland. Für 81 Prozent der befragten 1200 Unternehmen außerhalb Europas ist der Kontinent für Investitionen heute wichtiger als vor drei Jahren. 71 Prozent halten Europa für sehr oder eher widerstandsfähig – also politisch und wirtschaftlich stabil. Deutschland führt die Rangliste der Investitionsziele in Europa an. 56 Prozent nannten es eines ihrer drei wichtigsten Zielländer.
Man kann solche Umfragen als „Pfeifen im Walde“ abtun. Interessant ist aber, dass neben hohen Energiepreisen die Dauer von Genehmigungsverfahren als Investitionshürde genannt wird. Bürokratieabbau stand beim Antritt der Regierung Merz weit oben auf der Agenda, weit gekommen sind die Koalitionäre noch nicht.
So steht das Kapital vor der Tür, kommt aber nicht herein. Die Regierung hat den Türknauf in der Hand. Sie sollte ihn benutzen. Es würde der Wirtschaft guttun und auch dem Finanzplatz Deutschland.
Herzlichst
Ihr Archibald Preuschat
Sehen Sie auch überbordende Bürokratie und Regulierung als Wachstumshindernis für Deutschland? Sieht Deutschland sich zu negativ? Schreiben Sie uns gern an Finanzen-Premium@faz.de.
Auf unsere Frage der vergangenen Woche, ob die Kosten oder die Kampfpreise beim Altersvorsorgedepot entscheiden, verweist Leser Michael S. auf die langfristige Gebührenbelastung. Niedrige Einstiegskosten seien wenig aussagekräftig, wenn später Zukäufe teurer werden oder günstige Anlagen durch kostspielige ersetzt werden. Entscheidend seien die Gesamtkosten und die Qualität der Beratung.
„Die Lage im Nahen Osten ist weiter unsicher, der Ölpreis auch bei 100 Dollar nicht niedrig und der Renditeanstieg der Staatsanleihen eher unterbrochen als gebrochen. Interessiert aber zumindest Wall Street nicht weiter. Trump trifft Xi, Trump will Irans Präsidenten treffen. Aber vor allem gelten die Gewinne als stark, da wird der Rest ausgeblendet.“
Martin Hock, Redakteur in der Wirtschaft und Leiter F.A.Z. Premium Finanzen.
F.A.Z.-Musterstrategien
„Es war mal wieder eine Woche der Technologiewerte. Davon profitierte vor allem Christoph Scherbaums „Zukunft 20“-Depot. Träge bis leicht dagegen eher der Rest des Marktes, was vor allem Substanzwerte und damit auch das Fundamentalportfolio traf. Abgemildert wurde das aber von einer starken Entwicklung der niedrig gewichteten Kryptowerte.“
Martin Hock, Redakteur in der Wirtschaft und Leiter F.A.Z. Premium Finanzen.
KI-Investitionen machen Private Credit immer wichtiger
Von Kreditfonds ohne Banklizenz vergebene Kredite nehmen seit Jahren stark zu. In den USA, dem größten Markt, wuchs ihr Bestand von etwa 100 Milliarden Dollar im Jahr 2010 auf 2,4 Billionen Dollar im vergangenen Jahr. Allein im Jahr 2025 stieg nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die offene Kreditsumme um 646 Milliarden Dollar, ein Wachstum von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Einen Grund sehen die Analysten in der strengeren Bankenregulierung infolge der Finanzkrise. In jüngerer Zeit aber werde die Technologiebranche als Privatkreditnehmer immer wichtiger. Seit 2020 habe deren höhere Kreditnachfrage wesentlich zum Wachstum der Privatkredite beigetragen. Diese Expansion führen die BIZ-Autoren nicht mehr primär auf das regulatorische Umfeld
zurück. Mittlerweile entfallen in den USA 44 Prozent der ausstehenden Privatkredite auf die Technologiebranche. (jzow.)
Ganz oben: Die Microsoft-Aktie ist bei unabhängigen Vermögensverwaltern beliebt, aber höher gewichtet wird die Allianz. Reuters
Das sind die Lieblingsaktien der Vermögensverwalter
Von Sarah Speicher-Utsch
Microsoft ist die verbreitetste Aktie, Allianz wird am höchsten gewichtet. Diese Aktien und ETF bevorzugen die Profis im ersten Halbjahr.
Vermögensverwalter sind so stark in Aktien investiert wie seit Ende 2021 nicht mehr. Zur Jahresmitte 2026 liegt der Aktienanteil bei knapp 60 Prozent. Passive Aktien-ETF sind darin eingerechnet. Das stärkere Aktienengagement finanzieren die Verwalter vor allem aus der Liquidität: Deren Anteil fiel seit Ende 2020 von zwölf Prozent auf knapp neun Prozent. Das zeigt der Trendmonitor Vermögensverwaltung des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) und der Softwareplattform QPLIX hervor, für die mehr als 51.000 Depots von 190 unabhängigen Vermögensverwaltern ausgewertet wurden. Die Daten lieferte die Münchener V-Bank.
Im ersten Quartal, das zeitlich mit dem Beginn des Irankrieges Ende Februar und dem Energiepreisschock im März zusammenfiel, veränderte sich auch die Vermögensallokation. Die Kurse von US-Schwergewichten korrigierten, die Energiepreise schnellten nach oben. Auch bei Edelmetallen und Rohstoffen veränderten sich die Bestandsanteile. Das spiegelte sich auch in den Portfolios wider. In den ersten drei Monaten des Jahres übertrafen sie ihre Benchmark. Am stärksten profitierten Portfolios mit hohem Liquiditätsanteil, der im fallenden Markt als Puffer wirkte.
Im zweiten Quartal kehrte sich dieses Bild um: Die Benchmark, ein aus der jeweiligen Risikoklasse abgeleiteter Vergleichsindex, legte im Median zwischen knapp sechs Prozent und zwölf Prozent zu. Die Depots blieben indes mit 1,4 Prozent bis 8,70 Prozent klar dahinter. „Die defensivere Aufstellung, die zuvor geschützt hatte, wirkte in der Erholung als Bremse“, begründen die Studienautoren die schlechtere Wertentwicklung von April bis Juni.
Allianz-Aktie kommt am zweithäufigsten in den Depots vor
Bemerkenswert ist die Rolle deutscher Standardwerte. In der Rangliste der 20 häufigsten Einzeltitel stehen zum 30. Juni dieses Jahres sechs Dax-Titel: Die Allianz belegt Platz zwei – der höchste Rang unter den deutschen Unternehmen – und kommt in 7800 Depots vor. Ihr durchschnittliches Gewicht liegt bei 4,4 Prozent. Damit hat sie unter den 20 am weitesten verbreiteten Einzelaktien die höchste durchschnittliche Gewichtung. Microsoft ist zwar die am weitesten verbreitete Einzelaktie: Sie steckt in mehr fast 8800 Depots. In diesen macht sie im Durchschnitt jedoch nur 2,6 Prozent aus.
Größter Aufsteiger ist SAP: Der Softwarekonzern kletterte innerhalb von zwölf Monaten von Platz 15 auf Platz sechs. Die SAP-Aktie liegt in mehr als 5500 Depots und wird mit durchschnittlich 1,9 Prozent gewichtet.
Neben Allianz und SAP sind die Aktien der Münchener Rück, von Siemens, der Deutschen Telekom und des Chemiekonzerns BASF in den Top 20. Auch Linde, Weltmarktführer für Industriegase, gehört dazu. Seit der Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair 2018 firmiert Linde allerdings als irische Gesellschaft mit operativem Sitz in Großbritannien. Von den Glorreichen Sieben aus den USA sind neben Microsoft noch Amazon, Alphabet, Apple und Nvidia in der Liste enthalten. Meta und Tesla fehlen.
Europa hat damit klar an Bedeutung gewonnen, bleibt aber unter dem Niveau von 2020. Von Ende 2020 bis Ende 2024 stieg der Anteil amerikanischer Aktien von gut 39 Prozent auf 49,6 Prozent. Seitdem gab er 5,5 Prozentpunkte ab. Der Aktienanteil im Euroraum liegt nach einem Tief von knapp 29 Prozent wieder deutlich höher bei 30,7 Prozent, bleibt aber drei Prozentpunkte unter dem Wert vom Jahresende 2020.
Die Gewinner der vergangenen anderthalb Jahre kommen aber weder aus den USA noch aus Europa, sondern aus Asien. Schwellenländer, der Pazifikraum und Japan machten Ende 2024 zusammen gut acht Prozent des Aktienvermögens aus und stiegen zur Jahresmitte 2026 auf 11,6 Prozent. Die Vermögensverwalter stockten asiatische Aktien in fünf der sechs Quartale seit Ende 2024 auf – parallel zur starken Wertentwicklung dieser Märkte in dieser Zeit. Um ein Beispiel zu nennen: 2024 legte der japanische Leitindex um mehr als 19 Prozent zu, 2025 sogar um gut 26 Prozent. Seit Jahresbeginn 2026 steht ein Kursplus von mehr als 25 Prozent zu Buche.
Markante Entwicklung bei ETF
Die markanteste Entwicklung, schreiben die Studienautoren, sei aber der Aufstieg der ETF. Ihr Anteil in den Portfolios habe sich von 6,4 Prozent im Jahr 2020 auf nun 18,5 Prozent nahezu verdreifacht. Anteilig verloren haben indes vor allem aktiv verwaltete Investmentfonds mit einem Rückgang von mehr als 37 auf rund 30 Prozent. Klassische Investmentfonds verlangen meist deutlich höhere Verwaltungsgebühren und oft noch einen einmaligen Ausgabeaufschlag beim Kauf. Viele Privatanleger und auch institutionelle Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen bevorzugen mittlerweile ETF, da sie nicht nur günstiger sind, sondern auch transparenter.
Unter den Passivinvestments, zu denen die Studie auch börsengehandelte Rohstoffprodukte zählt, belegte Xetra Gold zur Jahresmitte erneut den ersten Rang. Auf Rang zwei und drei folgen der Japan-ETF von Amundi namens Amundi Core MSCI Japan und der Schwellenländer-ETF Xtrackers MSCI Emerging Markets. Der beliebte iShares Core MSCI World rangierte nur noch auf Platz sechs – allerdings mit einer hohen Gewichtung von mehr als zwölf Prozent.
Die Renditen von Staatsanleihen steigen weltweit, die Aktienmärkte werden nervös. Wie gefährlich wird der Zinsanstieg für die Börse?
von Tilmann Galler
Lange haben die Aktienmärkte dem Zinsanstieg getrotzt: Noch im August erreichten S&P 500 und Dax neue Rekordstände. Stabiles Wirtschaftswachstum und steigende Unternehmensgewinne hielten die Kauflaune der Anleger aufrecht. Zuletzt haben jedoch Ölpreise von mehr als 100 US-Dollar je Fass und steigende Anleiherenditen die Kurse dies- und jenseits des Atlantiks belastet.
Das sollte aufhorchen lassen, denn die meisten Bullenmärkte der vergangenen 50 Jahre wurden durch einen starken Zinsanstieg beendet. Im Frühjahr 2000 lag die kritische Schwelle bei 6,5 Prozent Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen, im Herbst 2007 bei 5,0 Prozent. Heute nähert sich diese Rendite wieder der Marke von fünf Prozent.
Die Laufzeitprämie kehrt zurück
Hinter dem Anstieg am langen Ende der Zinskurve stehen mehrere Faktoren: Sorgen um die Haushaltsdefizite, energiebedingter Inflationsdruck, höhere Renditen in Japan und ein verschärfter Wettbewerb um Kapital, da Unternehmen Anleihen in Rekordhöhe für Investitionen in Künstliche Intelligenz begeben.
Anleger verlangen nun wieder eine höhere Entschädigung für das Risiko langer Laufzeiten. Die Zentralbanken drücken die Renditen nicht länger, das Wachstum erweist sich als widerstandsfähig, und die Inflation liegt in den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern anhaltend über dem Zielwert.
Die Europäische Zentralbank hat mit ihren Zinserhöhungen zugleich ihre Inflationsprojektionen für 2027 und 2028 nach oben korrigiert. Auch die Federal Reserve hat in ihrer Septembersitzung neben dem Leitzins die Inflationsschätzungen nach oben angepasst. Solange Leitzinsen und kurzfristige Zinsen relativ tief bleiben, hält sich der Stress für die Finanzmärkte in Grenzen, denn Staaten und Unternehmen können sich weiterhin relativ günstig über kurze Laufzeiten refinanzieren. Genau diese Bedingung gerät nun unter Druck. Zu beobachten ist der Arbeitsmarkt, ob die Nachfrage wieder anzieht und damit das Lohnwachstum Fahrt aufnimmt.
Je höher die Schulden, desto niedriger die Schwelle
Der Blick zurück zeigt, dass sich die kritischen Schwellenwerte verschieben: Sie hängen nicht nur vom Wirtschafts- und Inflationsumfeld ab, sondern auch vom Grad der Verschuldung. Die Gesamtverschuldung von Staat, Unternehmen und Haushalten in den Vereinigten Staaten liegt gemessen an der Wirtschaftsleistung heute 70 Prozentpunkte höher als 2000 und 30 Prozentpunkte höher als 2007.
Zugleich hat das hohe Gewicht von Technologieaktien die Märkte empfindlicher für steigende Renditen gemacht. Die Gewinne der großen KI-Unternehmen sind stark in die Zukunft verlagert, steigende Zinsen mindern ihren heutigen Wert. Sollten Inflation und Anleihenrenditen weiterhin nach oben tendieren, dürften etwa Value-Aktien und dividendenstarke Titel stabiler sein als das Wachstumssegment.
Wenig Chancen für Schuldenkonsolidierung
Aus ökonomischer Sicht wäre es angebracht, die Staatshaushalte zu konsolidieren. Das würde die Laufzeitprämie senken und die Inflationsgefahren verringern – zum Preis schwächeren Wachstums, höherer Steuern und weniger staatlicher Wohltaten – alles Zutaten für Wahlniederlagen.
Zu befürchten ist daher, dass die Politik den Ausweg eher über Marktinterventionen sucht. Das amerikanische Finanzministerium hat seine Rückkäufe langlaufender Anleihen bereits ausgeweitet, um den Zinsanstieg zu bremsen. Wie viel Zins der aktuelle Bullenmarkt verträgt, entscheidet damit nicht zuletzt die Höhe der Schulden.
Die Begriffe Finanz-, Vermögens- oder Anlageberater sind in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Anleger sollten daher genau prüfen, welche Zulassung und Vergütung hinter einer Beratung stehen. Banken und auch sogenannte unabhängige Berater verdienen häufig am Vertrieb bestimmter Produkte. Honorarfinanzanlagenberater nach § 34h GewO werden zwar ausschließlich vom Kunden bezahlt, dürfen aber nur zu Fonds und ETF beraten. Eine umfassendere Vermögensverwaltung bietet nur die Honoraranlageberatung
nach § 93 WpHG. In Deutschland gibt es rund 400 Honorarfinanzanlagen- und nur 20 Honoraranlagenberater. Bei der Auswahl empfiehlt es sich, nach Referenzen und einschlägiger Kapitalmarkterfahrung zu fragen, da die formale Qualifikation allein wenig über die tatsächliche Beratungsqualität aussagt.
Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Eltern Beiträge an den Förderverein einer Privatschule als Schulgeld steuerlich absetzen können, sofern diese als Entgelt für den Schulbesuch erhoben und an die Schule weitergeleitet werden. Grundsätzlich können 30 Prozent des Schulgeldes als Sonderausgaben abgezogen werden, maximal 5000 Euro je Kind und Jahr. Der BFH stellte jedoch klar, dass solche Beiträge nicht zusätzlich als Spenden absetzbar sind, was für Eltern nachteilig sein kann. Eltern sollten sich vom Förderverein schriftlich bestätigen lassen, dass die Beiträge als Schulentgelt erhoben und weitergeleitet werden.
2025 gab es in Deutschland 800.000 Schüler an einer Privatschule. Picture Alliance
Der Irankrieg, steigende Ölpreise und wachsende Staatsschulden haben die Anleiherenditen kräftig nach oben getrieben. Die zehnjährige Bundesanleihe überschritt zuletzt die Marke von 3,5 Prozent, ein Anstieg von fast einem Prozentpunkt seit Jahresbeginn. Laut Commerzbank-Volkswirt Vincent Stamer gehen zwei Drittel des Renditeanstiegs auf steigende Realzinsen zurück, nicht auf höhere Inflationserwartungen. Besonders betroffen sind Frankreich und die USA, wo hohe Haushaltsdefizite die Tragfähigkeit der Staatsschulden infrage stellen. T. J. Scavone von Cambridge Associates empfiehlt dennoch, hochwertige Anleihen zu halten, da höhere Ausgangsrenditen die Perspektiven verbesserten.
Die US-Eisenbahngesellschaft Union Pacific will für 85 Milliarden Dollar Norfolk Southern übernehmen und damit den ersten transkontinentalen Güterbahnbetreiber der USA schaffen. Das Unternehmen profitiert vom Trend zur Reindustrialisierung, den laut Apollo-Partner Rob Bittencourt beide Parteien mittragen. UBS-Analyst Thomas Wadewitz stufte die Aktie auf „Buy“ hoch und sieht in der Fusion weiteres Aufwärtspotential.
Güterzüge von Union Pacific in Los Angeles: Die geplante Übernahme von Norfolk Southern soll den ersten transkontinentalen Güterbahnbetreiber der USA schaffen. EPA
Privatmarktanlagen fehlt eine Vergangenheit, mit der sich beurteilen lässt, wie sie in Krisen reagieren. Pitchbook-Analyst Jacobie Fullerton hat in einem Modell drei historische Krisenszenarien nachgerechnet. Stagflation führt vor allem bei Venture-Capital zu erhöhter Volatilität. Im Golfkriegsszenario von 1990, das der Analyst wegen des Irankonflikts für relevant hält, blieben die Erträge hinter den öffentlichen Märkten zurück. Im Dotcom-Szenario unterschätzte das Modell die realen Verluste deutlich, weil die Portfolios stärker konzentriert waren als im Modell. Fullerton sieht das als aktuelle Warnung mit Blick auf KI-Investments an. Insgesamt zeigt die Analyse, dass die historisch gute Entwicklung von Private Equity stark an der langen Zinsdeflation hing.
Brennende Ölquellen trugen 1990 zu einem Ölpreisschock bei. Für die Privatmärkte wäre das folgende ökonomische Szenario eher weniger vorteilhaft gewesen. Picture Alliance
Der CAC 40 hat seinen mittelfristigen Aufwärtstrend gebrochen und zeigt ein klares Schwächesignal. Seit 2023 begleiten immer tiefere Hochs des MACD-Indikators jedes neue Zyklushoch des Index, ein lehrbuchreifes Beispiel für negative Divergenzen. Der entstandene Abwärtstrend dürfte den französischen Leitindex in den kommenden Monaten bei zunehmender Volatilität weiter fallen lassen, mit einem möglichen Zielbereich zwischen 6800 und 7600 Punkten. Auch der Dax dürfte davon nicht unberührt bleiben. Einzig das extrem negative Sentiment könnte als Kontraindikator Chancen eröffnen.
Die Chefs von Anthropic und Open AI haben nicht den Stopp der KI-Entwicklung gefordert, sondern nur stärkere unabhängige Sicherheitsprüfungen und gemeinsame Industriestandards für die leistungsfähigsten Modelle. Aktienexperte Christoph Scherbaum ordnet die Marktreaktion als moderat ein: Der Philadelphia Semiconductor Index verlor zwar fast sechs Prozent, doch die breiten Indizes gaben nur leicht nach. Die eigentliche Unsicherheit der Anleger betreffe weniger den Nutzen von KI als die Frage, wann die erwarteten 800 Milliarden Dollar an Infrastrukturinvestitionen tatsächlich Gewinne abwerfen. Scherbaum rät im F.A.Z.-Podcast „Finanzen und Immobilien“ zu Aktien von breit aufgestellten Unternehmen mit technologischem Burggraben, starkem Cashflow und vernünftiger Bewertung.
Beteiligung einer Kapitalgesellschaft an einer anderen, die mindestens zehn Prozent des entsprechenden Gesellschaftskapitals umfasst. Kleinere Beteiligungen werden als Streubeteiligungen bezeichnet. Schachtelbeteiligungen sind steuerlich privilegiert, vor allem mit Blick auf Vermeidung einer doppelten Besteuerung der Erträge aus der Beteiligung, da beide Unternehmen weiter rechtlich selbständig sind.
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