Einst war die private Altersvorsorge kompliziert, teuer und schwer vergleichbar. Nun soll sie einfach und billig werden. Das ist eine gute Nachricht. Ein Depot mit zwei börsengehandelten Fonds (ETF) statt seitenlanger Versicherungsverträge – ein Fortschritt.
Um das Altersvorsorgedepot ist ein echter Preiskampf entbrannt. Mit staatlicher Förderung sollen mehr Deutsche dazu animiert werden, regelmäßig in ETF oder Fonds zu investieren. Für Banken und Broker ist der bislang angekündigte weitgehende Gebührenverzicht bei ETF ein bemerkenswerter Bruch mit der Vergangenheit.
Die ersten Angebote zeigen, wie aggressiv der Wettbewerb ist: Scalable Capital will ausgewählte ETF bis Ende 2027 kostenlos anbieten, danach für 0,15 Prozent pro Jahr. Die Deka, das Wertpapierhaus der Sparkassen, verlangt für das Standarddepot mit zwei ETF 0,1 Prozent pro Jahr. Von der zur Commerzbank gehörenden Comdirect gibt es 50 Euro „Early-Bird-Prämie“.
Bei solchen Lockangeboten lohnt der zweite Blick: Woran verdient der Anbieter? Ein Preisnachlass auf das neue Altersvorsorge-Produkt könnte sich für den Anbieter dann rechnen, wenn er damit eine jahrzehntelange Kundenbeziehung gewinnt und später weitere Fonds, Baufinanzierungen, Versicherungen und Beratungsleistungen verkaufen kann.
Für Anleger ist der Preiskampf zunächst eine gute Nachricht: Niedrige laufende Gebühren machen über Jahrzehnte einen spürbaren Unterschied – und setzen teurere Anbieter unter Druck.
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Sarah Speicher-Utsch
Werden Sie beim Altersvorsorgedepot anhand der Kosten entscheiden oder machen die Kampfpreise Sie skeptisch? Schreiben Sie uns gern an Finanzen-Premium@faz.de.
Auf unsere Fragen der vergangenen Woche, was die Leser von der AfD erwarten, ob sie eine wirtschaftliche Wende herbeiführen kann und was dies für den Aktienmarkt bedeutet, überwiegt deutliche Skepsis. Rudi W. erwartet von einer Partei, die EU und Euro verlassen will, nichts Gutes; die Börsen bleiben angesichts politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten beweglich. Helge S. kritisiert gebrochene Wahlversprechen und warnt vor Gefahren für die Demokratie. Tino K. sieht die AfD als Aufdecker politischer Fehlentwicklungen, hält sie selbst aber für wirtschaftlich unfähig. Zudem kritisiert er Zuwanderung, EU-Bürokratie und politische Blockaden. A. B. rechnet mit Arbeitskräftemangel, Investorenabschreckung und sinkendem Wohlstand. Eckhard S. hält eine dauerhafte wirtschaftliche
Verbesserung unter rechtspopulistischer Führung für ausgeschlossen; globale Konflikte bremsen aus seiner Sicht zudem die Aktienmärkte.
„Der Ölpreis, die Inflationssorgen und die steigenden Zinsen zogen in der vergangenen Woche die Kurse nach unten. Das gilt für deutsche Aktien wie für amerikanische. Nun schaut alles auf die US-Notenbank. Anders als die EZB wollte sich deren Chef Kevin Warsh nicht in die Karten schauen lassen, ob er die Zinsen am Donnerstag anhebt.“
Jakob Krembzow, Redakteur in der Wirtschaft.
F.A.Z.-Musterstrategien
„Die Musterstrategien kannten in der vergangenen Woche nur eine Richtung: nach unten. Glücklich kann sich schätzen, wer wie Christoph Scherbaums „Ausgewogen 15“-Portfolio oder Daniel Walthers Strategie zuvor eine ordentliche Wertentwicklung hingelegt hatte. Dann durchsteht man auch eine solche Woche.“
Für viele Bundesbürger ist jede EZB-Leitzinsveränderung ein Signal für adäquate Zinserhöhungen oder Senkungen. Diesmal ging es leicht nach oben, weil die Inflation dies fast verlangt hat. Die Neukundenaktionen für Tagesgeld, die früher bis zum EZB-Einlagesatz verzinst wurden, haben sich von diesem längst abgekoppelt; es geht nur noch darum, was eine Bank bereit ist, für einen Neukunden zu bezahlen, denn das Altersvorsorgegeschäft steht vor der Tür. Einige Institute werden weiter übertreiben, andere werden angemessen nachziehen. Die Zinsen für Bestandskunden werden etwas erhöht, um diese nicht ganz zu vergraulen. Die Bauzinsen werden dagegen demnächst weiter kräftig steigen, weil diese an den Renditen der Bundesanleihen hängen. Kredit mit zehnjähriger Laufzeit könnten demnächst
knapp 4,50 Prozent kosten. (Quelle: FMH-Finanzberatung (https://www.fmh.de/zinsentwicklung/tagesgeld)
Mehrgleisig: Überall auf der Welt freuen sich Aktionäre nicht nur über Kursgewinne, sondern auch über Ausschüttungen. dpa
KI-Boom und Banken treiben Dividenden auf Rekordniveau
Von Kerstin Papon, Martin Hock
827 Milliarden Dollar Dividenden in nur einem Quartal: Unternehmen belohnen ihre Aktionäre so großzügig wie nie. Doch nicht jede Form der Ausschüttung gilt unter Anlegern als gleich sinnvoll.
Trotz zahlreicher Krisen und Kriege befinden sich viele Aktienindizes aktuell zumindest in der Nähe ihrer Rekordhochs. Der Dow Jones hat seit Jahresbeginn 8,5 Prozent zugelegt, der Dax immerhin 3,5 Prozent. Für viele Aktionäre sind aber auch die Ausschüttungen der Unternehmen ein wichtiger Aspekt bei Aktienanlagen.
Auch hier gibt es Rekorde. Nach Daten der Capital Group haben Unternehmen im zweiten Quartal dieses Jahres Dividenden in Rekordhöhe von 827,3 Milliarden Dollar ausgeschüttet – ein Anstieg von 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das um Wechselkurse, Sonderdividenden und andere technische Faktoren bereinigte Kernwachstum belief sich demnach auf 7,5 Prozent.
Das zweite Quartal sei der saisonale Höhepunkt für Dividenden auf der Welt, heißt es von Capital Group, mit einem verwalteten Vermögen von mehr als drei Billionen Dollar einem der größten Investmentmanager der Welt. 2026 seien in diesem Zeitraum mehr Dividenden ausgeschüttet worden als etwa im gesamten Jahr 2011. Das Wachstum sei breit, 88 Prozent der Gesellschaften hätten ihre Dividenden wenigstens konstant gehalten, das mittlere Wachstum betrage sechs Prozent.
„Der KI-Boom treibt nicht mehr nur die Märkte an und beflügelt die Aktienkurse“, sagt Alexandra Haggard, verantwortlich für das Produktportfolio der Capital Group in den Regionen Europa und Asien-Pazifik: „Er trägt nun auch dazu bei, weltweit Rekord-Barrenditen für Aktionäre zu erzielen.“
Nvidia wertet Technologiebranche auf
Hohe Dividendenzahlungen sind nicht immer nur ein gutes Zeichen, weil Geld nicht wieder investiert wird, sondern aus dem Unternehmen abfließt. Dennoch sind sie ein essenzieller Bestandteil der Aktienanlage über den reinen Geldwert hinaus. Gerade in unsicheren Zeiten kann eine sorgfältige Auswahl dividendenstarker Gesellschaften ein guter Weg sein, um langfristig am Gewinn eines Unternehmens teilhaben zu können.
Das schnellste Wachstum zeigt aktuell laut Capital Group die Technologiebranche. Hier seien die Kernausschüttungen im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26,3 Prozent gestiegen. Der KI-Boom sorge für ein starkes Gewinnwachstum in der gesamten globalen Halbleiter-Lieferkette. Dies schlage sich in Ausschüttungen nieder, wobei die Hälfte des Anstiegs auf den globalen Marktführer Nvidia entfalle. Die Branche sei auf dem besten Weg, im Jahr 2026 nach der Finanzbranche zum zweitgrößten Dividendenzahler aufzusteigen.
Diese bleibt, gemessen an der Ausschüttungshöhe, mit großem Abstand dennoch dominant. Finanzunternehmen erhöhten ihre Ausschüttungen um 26 Milliarden Dollar (10,1 Prozent) und leisteten den größten Beitrag zum Rekordwert des zweiten Quartals.
Regional verzeichneten Japan und die breitere Pazifikregion das stärkste Dividendenwachstum. In Europa wurde das Kernwachstum durch Kürzungen in der Autobranche gebremst und habe nur noch 3,6 Prozent betragen. Diese Schwäche wurde vor allem von robusten Ausschüttungen der Finanzdienstleister ausgeglichen. Die starke Erholung der Branche stütze die Erträge der europäischen Aktionäre zunehmend.
In Deutschland erreichten die Dividenden im zweiten Quartal ein Rekordhoch von umgerechnet rund 44,3 Milliarden Euro. Das Kernwachstum betrug nur 3,7 Prozent, auch hier waren die Kürzungen in der Autoindustrie ausschlaggebend, die die Finanzindustrie ausglich. Das mittlere Dividendenwachstum belief sich auf fünf Prozent – etwas weniger als der internationale Median von sechs Prozent.
Auch Aktienrückkäufe stark gestiegen
Ein starkes Kernwachstum von Dividenden stellt auch die Fondsgesellschaft Janus Henderson für die 1500 größten Unternehmen in ihrem Global Dividends and Share Buybacks Index fest und prognostiziert für 2026 ein globales Wachstum von fünf bis sechs Prozent.
Zudem seien auch die Aktienrückkäufe, eine andere Art der Ausschüttungen von Unternehmen, im zweiten Quartal um deutliche 26,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 572 Milliarden Dollar gestiegen. Hier wird ebenfalls als Grund die gestiegene Profitabilität von Technologie- und Finanzunternehmen genannt, wobei die Technologiebranche mit Rückkäufen im Wert von 121,1 Milliarden Dollar die Finanzbranche als größter Rückkäufer abgelöst hat.
Zweifel am Sinn von Rückkäufen
Das Wachstum im Europa (ohne Großbritannien) war mit drei Prozent deutlich niedriger. Mit knapp 20 Milliarden Dollar an Rückkäufen, von denen knapp sieben Milliarden auf Deutschland entfallen, sind diese auf dem Kontinent aber ohnehin nicht sehr weit verbreitet.
Aktienrückkäufe klingen zunächst aktionärsfreundlich. Sind weniger Aktien am Markt, sollte der Kurs steigen. Doch immer werden Zweifel angemeldet. Sinnvoll seien Rückkäufe nur, wenn eine Aktie klar unter ihrem inneren Wert notiere, meint etwa Matt Kirby, Aktienfondsmanager bei Royal London. Meist aber würden sie in Haussephasen getätigt, wenn der Aktienkurs hoch sei. Kirby und andere zweifeln auch daran, dass die Aktienzahl tatsächlich sinkt. Oft neutralisierten die Käufe nur die zusätzlichen Aktien aus der Vergütung des Managements. Gebe es keine Investitionschancen, seien Dividenden vorzuziehen, weil sie nachhaltiger seien.
Das F.A.Z.-Trendfolgeportfolio investiert gezielt in europäische Aktien mit statistisch attraktiven Trendmustern – regelgebunden, fokussiert und langfristig ausgerichtet.
von Michael Geke
Welche Aktien haben das Potential für einen nachhaltigen Aufwärtstrend – und wann ist der richtige Zeitpunkt, eine Position wieder zu verlassen? Genau hier setzt das F.A.Z.-Trendfolgeportfolio Euro 70 powered by Quant4you an. Ein KI-gestützter Algorithmus analysiert täglich 70 ausgewählte europäische Aktien und identifiziert gezielt jene Titel, bei denen sich statistisch attraktive Aufwärtstrends abzeichnen.
Das Anlageuniversum kombiniert Euro Stoxx 50 und Dax 40. Dabei gilt: Nicht möglichst viele Trades sind das Ziel, sondern die gezielte Auswahl aussichtsreicher Trends. Entsprechend entstehen vergleichsweise wenige, dafür selektive Signale.
Wie dieser Ansatz in der Praxis funktioniert, zeigt exemplarisch die Aktie von ABN Amro: Nachdem der Titel über gut ein halbes Jahr weitgehend seitwärts tendiert hatte, erkannte der Algorithmus im Mai 2026 eine überdurchschnittlich attraktive Einstiegssituation und generierte am 14. Mai ein Long-Signal. Rund vier Monate später liegt die Position aktuell mit mehr als 33 Prozent im Gewinn.
Entscheidend ist aber weniger die einzelne Aktie als das Prinzip dahinter: Der Algorithmus erkannte die Wiederaufnahme des übergeordneten Aufwärtstrends frühzeitig und begleitete die Entwicklung geduldig.
Systematisch statt emotionsgetrieben
Die Signale basieren auf klar definierten quantitativen Kriterien und einer täglichen Analyse. Nachrichten, Marktstimmungen oder subjektive Einschätzungen spielen für die Signalerzeugung keine Rolle.
Auch die Risikosteuerung ist systembasiert. Statt eines pauschalen prozentualen Stop-Loss überprüft der Algorithmus täglich, ob sich ein statistisches Preismuster entwickelt hat, das einen Ausstieg nahelegt. Ein kurzfristiger Rückgang muss daher nicht automatisch zum Verkauf führen, solange der übergeordnete Trend intakt bleibt. Dreht der Trend hingegen, wird die Position konsequent geschlossen.
Selektiv, transparent und langfristig ausgerichtet
Das Portfolio kann maximal 20 gleichgewichtete Positionen halten. Aktuell gehören ABN Amro, AXA, Deutsche Bank, Deutsche Börse, ING, Merck KGaA, Siemens und TotalEnergies dazu. Die Position Heineken wurde am 14. September aufgrund eines veränderten Trendmusters geschlossen.
Das F.A.Z.-Trendfolgeportfolio Euro 70 investiert ausschließlich auf der Long-Seite und ist mittel- bis langfristig ausgerichtet. Positionen können bei stabilen Trends auch deutlich länger als ein Jahr gehalten werden.
Die Vorteile auf einen Blick
Erfolgreiches Stock-Picking muss nicht mit ständigem Beobachten der Märkte, spontanen Entscheidungen oder emotionalem Handeln verbunden sein. Systematisches Stock-Picking kann vielmehr einen strukturierten und stressfreieren Anlageprozess ermöglichen – und gleichzeitig attraktive Chance-Risiko-Potenziale eröffnen.
Der besondere Mehrwert liegt dabei in der Verbindung von Disziplin und Flexibilität: Das System lässt Gewinne laufen, solange sich ein Trend bestätigt, begrenzt Fehlentwicklungen durch klare Ausstiegsregeln und konzentriert das Kapital auf jene Aktien, bei denen die quantitative Analyse aktuell die besten Chancen erkennt.
So wird aus einer großen Auswahl europäischer Aktien ein fokussiertes Portfolio – datenbasiert, regelgebunden und mit dem Ziel, langfristig attraktive Trends systematisch zu nutzen.
Der Wirtschaftspsychologe Florian Becker vergleicht das auf Eigenverantwortung setzende Gesundheitssystem Singapurs mit Deutschland und überträgt dieses Prinzip auf die Altersvorsorge. Je weniger Eigenverantwortung eine Vorsorgeform verlange, desto niedriger falle die Rendite aus. Die gesetzliche Rente lasse kaum Spielraum, die betriebliche Vorsorge biete etwas mehr, die private Anlage die größte Freiheit. Dabei stehe der Anleger vor der Wahl zwischen aktiven und passiven Produkten. Da bereits mehr als 50 Prozent der Anleger passiv investieren, schwinde der Einfluss aktiver Bewertungen auf die Kurse. Eigenverantwortung bleibe auch für die finanzielle Vorsorge entscheidend.
Passanten fotografieren den Singapurer Meerlöwen. Ist Singapur ein Vorbild für gelungene Altersvorsorge? Reuters
Die sogenannte Günstigerprüfung in der Anlage KAP der Steuererklärung ermöglicht es, Kapitalerträge statt mit der pauschalen Abgeltungsteuer von 25 Prozent mit dem niedrigeren persönlichen Steuersatz zu versteuern. Davon profitieren können etwa Beschäftigte, deren Arbeitslohn aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens im Ausland besteuert wird, sowie Rentner, Altersteilzeitbeschäftigte oder Studierende mit geringen Einkünften. Der Antrag birgt kein Risiko, da im ungünstigsten Fall der Abgeltungsteuersatz bestehen bleibt. Er kann bis zu vier Jahre rückwirkend gestellt werden.
Schneider Electric, französischer Technologiekonzern mit rund 160.000 Mitarbeitern, gehört zu den großen Profiteuren des KI-Rechenzentrum-Booms und liefert unter anderem Systeme zur Kühlung und Energieversorgung. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Erlöse organisch um 14 Prozent auf 21,2 Milliarden Euro, begleitet von neuen Rekorden bei Margen und freiem Cashflow. Angesichts eines ebenfalls ungesehenen Auftragsbestands hob der Konzern seine Jahresziele an. Die geplanten Übernahmen von Cognite und Aidash sollen die KI-Kompetenzen weiter stärken. Analysten bestätigen ihre positive Einschätzung, sehen aber kurzfristig charttechnischen Gegenwind.
Europas Börsenlandschaft ist mit über 50 Handelsplätzen stark zersplittert und verliert global an Bedeutung. Allein die New Yorker Börse erreicht das Zweieinhalbfache der Marktkapitalisierung der fünf größten europäischen Börsen zusammen. Nur vier Börsen entfalten im Aktienhandel wirkliche Bedeutung: Euronext, Deutsche Börse, SIX und Nasdaq Nordic. Die Konsolidierung schreitet gemächlich voran, wobei Euronext durch die Börse Oslo und die SIX durch die Übernahme der spanischen Börse gewachsen sind. Die Deutsche Börse, der große Partner fehlen, dominiert dafür den europäischen ETF-Handel und ist nach Transaktionszahl führend im Derivatehandel.
Versorger auf beiden Seiten des Atlantiks haben es derzeit nicht leicht. Steigende Anleiherenditen und Leitzinsen hinterlassen im Regelfall in Branchen technische Eintrübungen, deren Unternehmen einen hohen Anteil Fremdfinanzierung in ihren Bilanzen aufweisen und die aufgrund ihrer Dividendenpolitik als Anleiheersatz gelten. In den USA zeigt sich dies in der Zinssensitivität des Versorgerindex Dow Jones Utilities, in Europa bei einigen großen Versorgern aus dem Stoxx 50 und dem Euro Stoxx 50. Viele Versorgeraktien bieten sich für Gewinnmitnahmen, zur Liquiditätsbeschaffung und für einen Tausch an.
Die Luxusindustrie steckt weiter in der Krise, angeführt vom Weltmarktführer LVMH, dessen Aktie seit Jahresbeginn mehr als 35 Prozent verloren hat. Neben nachlassender Konsumfreude und Handelsbarrieren belastet vor allem ein schwaches Chinageschäft den Konzern. Ein Markenrechtsstreit mit einem chinesischen Teehersteller wurde gewonnen, doch löste dieser im Juli eine Gegenreaktion mit einem Umsatzrückgang von etwa 30 Prozent bei Louis Vuitton aus. Einzig Richemont mit Cartier und Van Cleef & Arpels kann sich behaupten. Dennoch raten laut Bloomberg knapp 65 Prozent der Analysten weiterhin zum Kauf der LVMH-Aktie.
Neue Louis-Vuitton-Kollektion: Der chinesische Markt ist enorm wichtig. AP Photo/Aurelien Morissard
Maximilian Kunkel, Chefanlagestratege für Deutschland, ordnet im FAZ-Podcast „Finanzen und Immobilien“ die Lage an den deutschen Aktienmärkten ein. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt habe die Märkte bislang kaum bewegt, doch längerfristige Folgen seien nicht ausgeschlossen. Entscheidend sei, ob auf die aktuelle Hoffnung tatsächliches Wachstum folge. Infrastruktur, Digitalisierung und der Ausbau von Energie- und Versorgungsnetzen könnten neue Investitionen auslösen. Zugleich blieben geringe Dynamik, politische Unsicherheit und ein schwieriges Investitionsumfeld Risiken. Anleger sollten bei großen Versprechen und komplizierten Konstruktionen genau hinsehen.
Eine Anlagetheorie, die davon ausgeht, dass Aktienkurse nicht vorhersehbar sind. Steht im Gegensatz zum Ansatz der Charttechnik, da nach der Random-Walk-Hypothese vergangene Kurse keine Relevanz für die zukünftige Entwicklung haben.
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