Das Wichtigste am Donnerstag: Heute beginnt die Fußball-WM der Superlative. Die EZB erhöht wohl erstmals seit drei Jahren die Zinsen. Und es startet der erste Prozess zum Millionenraub von Gelsenkirchen.
Wie lief das Treffen von Koalition, Wirtschaft und Gewerkschaften?
Kommt es zu neuer Gewalt in Belfast?
Hebt die EZB erstmals seit drei Jahren die Zinsen an?
Ist Deutschland ausreichend auf extreme Hitze vorbereitet?
Erster Zivilprozess um Millionen-Einbruch in Sparkasse Gelsenkirchen
Schirn in Frankfurt zeigt KI in der Kunst
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1. Wie ausgelassen kann die Fußball-WM werden?
Blick auf das Aztekenstadion in Mexico City, in dem am Donnerstag die Fußball-WM eröffnet wird.Picture Alliance
Drei Länder, 48 Teams, 104 Spiele: Die Fußball-WM wird ein Turnier der Superlative. Heute geht es los. Die Vorfreude ist vielerorts verhalten.
Sportlich: Im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt wird heute um 21 Uhr (live im ZDF und im F.A.Z.-Ticker) die bislang größte Fußball-Weltmeisterschaft der Geschichte eröffnet. Die Partie von Mitgastgeber Mexiko gegen Südafrika ist das erste von 104 Spielen des bis Mitte Juli dauernden XXL-Turniers. Erstmals sind 48 statt wie zuletzt 32 Mannschaften dabei, die USA und Kanada sind die weiteren Gastgeber. Vor dem Auftaktspiel gibt es in Mexiko-Stadt wegen heftiger Lehrerproteste Sorgen um die Sicherheit. Zudem drohen Unwetter.
Politisch: Angefangen bei horrenden Ticketpreisen über Proteste bis zu verschärften Einwanderungsbestimmungen, die dazu führten, dass Fans, Teamoffizielle und ein somalischer Schiedsrichter an der Einreise in die USA gehindert wurden: Schon vor dem offiziellen WM-Start wird das Sportliche von negativen politischen Schlagzeilen überschattet. US-Präsident Trump erklärte zuletzt, dass er in jedem Falle eine größere Rolle bei der WM spielen werde. FIFA-Präsident Infantino hatte zuvor gesagt, er erwarte, dass Trump dem neuen Weltmeister am 19. Juli nach dem Finale die Trophäe überreichen werde. Zuletzt war Trump allerdings vermehrt bei Sportveranstaltungen, die er besuchte, ausgebuht worden.
F.A.Z.
Deutsches Team: Die DFB-Elf von Trainer Julian Nagelsmann bereitet sich seit dem vergangenen Wochenende in ihrem Basislager in Winston-Salem auf das Turnier vor und greift am Sonntagabend gegen die Außenseiter aus Curacao erstmals in das WM-Geschehen ein. Weitere Gegner in der Gruppe E sind die Elfenbeinküste am 20. Juni und Ecuador (25. Juni). Anders als die Teams aus Spanien, Frankreich oder auch Argentinien gelten die Deutschen nicht als Favorit auf dem Titel. Viele deutsche Fans blicken zudem wegen der großen Zeitverschiebung und den damit häufig spätabends und nachts beginnenden Partien eher skeptisch auf die WM.
2. Wie lief das Treffen von Koalition, Wirtschaft und Gewerkschaften?
Gruppenfoto der Teilnehmer der Beratungen des Koalitionsausschusses der Bundesregierung mit Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgebern am Mittwochabend auf dem Balkon des Kanzleramtes.dpa
Die Spitzen der Koalition haben sich mit Vertretern von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften getroffen. Heute äußert sich Bundeskanzler Merz womöglich im Bundestag dazu.
Treffen: Bei den Gesprächen am Mittwochabend im Kanzleramt sollte eine gemeinsame Sichtweise auf den Reformbedarf in Deutschland erörtert werden: Bei den Sozialversicherungen, am Arbeitsmarkt, bei Steuern und beim Bürokratieabbau. Konkrete Entscheidungen sollen erst in einer für den 1. Juli geplanten Sitzung des Koalitionsausschusses fallen. Unterdessen können Steuerzahler auf eine spürbare Entlastung im nächsten Jahr hoffen. Nach F.A.Z.-Informationen erwägt Finanzminister Klingbeil (SPD) ein Modell, das die Masse der Steuerzahler um 450 Euro im Jahr entlasten könnte.
Erklärung: Heute gibt der Bundeskanzler im Bundestag eine Regierungserklärung zum EU-Gipfel ab, der kommende Woche in Brüssel stattfindet. Gut möglich, dass sich Merz dann ausführlicher zum Spitzentreffen der Koalition mit Arbeitgebern und Gewerkschaften am gestrigen Abend äußern wird. Nach Beginn des Treffens schrieb er auf X: „Gute Lösungen entstehen im Dialog“. Dazu postete er ein Gruppenbild mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Treffens. Die Gespräche im Kanzleramt dauerten anschließend nach Angaben aus Teilnehmerkreisen rund dreieinhalb Stunden.
Absichten: Nach dem Aus für das deutsch-französische Kampfflugzeugprojekt FCAS kündigte Merz am Mittwoch eine Entscheidung über ein Nachfolgeprojekt in diesem Sommer an. Die Verteidigungsminister von Deutschland und Frankreich würden bis zum nächsten deutsch-französischen Ministerrat dazu Lösungen erarbeiten. Die französische Verteidigungsministerin Vautrin zeigte sich derweil zuversichtlich, dass Frankreich bis 2040 ein eigenes Kampfflugzeug bauen könne. Heute will zudem ein Konsortium um den Flugzeughersteller Airbus eine Absichtserklärung für ein mögliches Nachfolgeprojekt unterzeichnen.
Eine Straße mit ausgebrannten Autos am Mittwoch in Belfast.AP Photo/Peter Morrison
Die nordirische Hauptstadt ist von ausländerfeindlichen Ausschreitungen erschüttert worden. Heute soll die Polizei Verstärkung bekommen.
Die Ausschreitungen: Auslöser der Ausschreitungen war ein Video, das eine Attacke eines Messerangreifers auf einen am Boden liegenden Mann zeigte, die am Montagabend stattfand. Der Täter wurde als ein 30 Jahre alter sudanesischer Flüchtling benannt und wegen Mordversuchs angeklagt. Das Opfer verlor laut Polizei ein Auge und befindet sich mit schweren Verletzungen weiterhin im Krankenhaus. In der Folge des Videos kam es am Dienstagabend in Belfast und an anderen Orten zu Gewalttaten und Brandstiftungen. Gewalttätige Demonstranten hätten sich mutwillig die Häuser von Ausländern als Ziel ausgesucht. Zu den Opfern der Brandstiftungen zählten eine seit 20 Jahren ansässige Familie afrikanischer Herkunft, eine ukrainische Studentin und Einheimische.
Die Sorge: Angesichts neuer Aufrufe zu Protesten beendeten am Mittwoch örtlichen Medien zufolge mehrere Schulen schon am Mittag den Unterricht, der öffentliche Nahverkehr mit Bussen und Zügen wurde laut einer Mitteilung des Betreibers eingestellt. Auch mehrere Geschäfte wurden geschlossen. Die Polizei kündigte an, ihre Kräfte aufzustocken, heute soll Verstärkung aus anderen Regionen des Vereinigten Königreichs eintreffen.
Die Warnung: Die nordirische Polizei warnte am Mittwoch ausdrücklich junge Männer vor der Teilnahme an weiteren Ausschreitungen. Polizeipräsident Jon Boutcher sagte, junge Leute ließen sich „schnell mitreißen“ von Aufrufen im Internet und würden beeinflusst „von Typen, die gar nichts von Nordirland wissen“. Er drohte: „Wir werden sie wegen ihrer Aufhetzungen verfolgen.“ Diejenigen, die hinter der Gewalt steckten, würden identifiziert und bestraft werden. Er bezeichnete die Ausschreitungen als einen „massiven Akt der Selbstzerstörung durch hirnlose Idioten“.
4. Hebt die EZB erstmals seit drei Jahren die Zinsen an?
EZB-Präsidentin Christine LagardeReuters
Der Irankrieg und die anhaltende Ölkrise halten die Finanzwelt weiter in Atem. Alles spricht dafür, dass die Europäische Zentralbank deswegen heute reagiert.
0,25 Prozentpunkte: Experten zufolge wird der EZB-Rat heute eine Erhöhung aller drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte anordnen. Der Einlagensatz, den die Banken für ihre Einlagen in der Notenbank bekommen und der sich auch auf die Sparzinsen auswirkt, stiege damit auf 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken Geld von der Notenbank leihen können, würde auf 2,4 Prozent angehoben. Und der Spitzenrefinanzierungssatz für Übernachtausleihungen der Banken stiege auf 2,65 Prozent. Es wäre die erste Zinserhöhung im Euroraum seit September 2023.
Anziehende Inflation: Noch vor dem Irankrieg hatte die Investmentbank Goldman Sachs geäußert, ohne neue Schocks könnten die Zinsen könnten auf Jahre unverändert bleiben. Nun hatte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel jedoch bereits vor einiger Zeit signalisiert, dass im Juni eine Zinserhöhung „nötig“ sei. Andere EZB-Ratsmitglieder äußerten sich ähnlich. Als Grund nannten sie mehrheitlich die anziehende Inflation. So stieg die Inflationsrate im Euroraum im Mai auf 3,2 Prozent. Auch die Kerninflation – also die Teuerung ohne die häufig stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel – hatte von 2,2 auf 2,5 Prozent zugelegt. Das Inflationsziel der EZB sind mittelfristig zwei Prozent.
Auswirkungen: Die Zinsen für Spareinlagen und Baudarlehen waren in den zurückliegenden Monaten schon gestiegen. Weil die Zinserhöhung am Markt weitgehend erwartet wird, dürfte sie dort keine sehr große Auswirkungen mehr haben. Die Verbraucherzinsen dürften aber zumindest nicht sinken. Für Tagesgeld gab es zuletzt nach Zahlen der FMH-Finanzberatung im Durchschnitt 1,57 Prozent, für Festgeld auf ein Jahr 2,21 Prozent.
5. Ist Deutschland ausreichend auf extreme Hitze vorbereitet?
Ein Kind spielt in in München an einem heißem Sommertag in einem Brunnen am Stachus.dpa
Aus Sicht von Gesundheits- und Klimaexperten lautet die deutliche Antwort: Nein! Auch deswegen findet heute zum vierten Mal der bundesweite Hitzeaktionstag statt.
Bessere Vorsorge: Mehr als 150 Institutionen und Verbände aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft fordern, Hitzeschutz systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu integrieren. Zum heutigen „Hitzeaktionstag 2026“ warnt das Bündnis, dass in einem extremen Hitzedom-Szenario Zehntausende Todesfälle in Deutschland innerhalb weniger Tage als möglich beschrieben würden. „Auf so ein Szenario ist Deutschland nicht vorbereitet“. Gesundheitsbezogener Hitzeschutz müsse konsequent und flächendeckend umgesetzt werden.
Risiko für die Gesundheit: Bei einem sogenannten Hitzedom bildet eine besonders stark ausgeprägte Hochdruckzone in der Atmosphäre eine „Kuppel“, die die Hitze über einem bestimmten Gebiet einschließt und heiße Luft gefangen hält. Schon länger kritisieren Experten, dass extreme Hitzeereignisse in Deutschland in der Risiko- und Katastrophenplanung hierzulande bisher kaum berücksichtigt seien. Der Präsident der Bundesärztekammer warnt vor Hitze als einem der größten gesundheitlichen Risiken. Klaus Reinhardt zufolge seien allerdings weite Teile der kritischen Infrastruktur auf zunehmende Hitzesommer nicht ausreichend vorbereitet.
Starke Belastung: Steigende Temperaturen haben zudem deutliche Auswirkungen auf Beschäftigte. Nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums fühlt sich etwa jeder fünfte Beschäftigte bei großer Hitze stark belastet. Zwei Drittel berichten den Angaben zufolge von eingeschränkter Leistungsfähigkeit. Besonders betroffen seien Berufe im Freien. Aber auch Beschäftigte in Schulen, Pflegeeinrichtungen oder Produktionsbetrieben leiden unter hohen Temperaturen – etwa durch aufgeheizte Gebäude oder Abwärme von Maschinen. Selbst in Büros könne Hitze zur Belastung werden, wenn Verschattung oder Klimaanlagen fehlten, hieß es.
6. Erste Zivilprozesse nach Millionen-Einbruch in Sparkasse Gelsenkirchen
Im Mai kam es in Gelsenkirchen zu Protesten gegen das Verhalten der Sparkasse im Umgang mit dem Millionenraubdpa
Vor fast einem halben Jahr erbeuteten Unbekannte einen hohen Millionenbetrag, indem sie die Tresore einer Gelsenkirchener Sparkasse aufbrachen. Heute beginnen die ersten beiden Zivilprozesse gegen die Bank.
Schaden: Vor dem Landgericht Essen fordern zwei Kunden Schadenersatz. Im ersten Verfahren an diesem Mittwoch wird die Klage einer Kundin verhandelt, die 391.000 Euro von der Sparkasse für gestohlenes Bargeld und Schmuck aus ihrem aufgebrochenen Schließfach verlangt. Direkt im Anschluss befasst sich das Gericht mit der Forderung eines Kunden über knapp 49.000 Euro für gestohlene Goldmünzen und Familienschmuck.
Beute: Nach Weihnachten waren die weiterhin unbekannten Täter über eine Tiefgarage in einen Archivraum und von dort aus mit einem gewaltigen Spezialbohrer in den Tresorraum gelangt. Sie brachen fast alle der etwa 3100 Schließfächer auf und verschwanden mit ihrer Beute. Der Gesamtschaden könnte in bis zu dreistelliger Millionenhöhe liegen.
Vorwurf: Die Kläger werfen der Bank gravierende Versäumnisse bei den Sicherheitsvorkehrungen vor und verlangen volle Haftung für ihren Schaden. Die Sparkasse weist die Vorwürfe strikt zurück. Zudem wird über den Inhalt der Schließfächer gestritten.
7. Schirn in Frankfurt zeigt KI in der Kunst
In Frankfurt zu sehen: „The World Through AI“Courtesy of the artist, the Andrew Kreps Gallery, New York, and Esther Schipper, Berlin/Paris/Seoul, VG
Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main zeigt, wie Künstliche Intelligenz die Welt und auch die Kunst verändert. Die Ausstellung „The World Through AI“ ist von heute an zu sehen.
Umbruch: Die Schirn begegne mit „The World Through AI“ „einem der einschneidendsten und bedeutungsvollsten gesellschaftlichen und technologischen Umbrüche unserer Zeit“, sagt der Direktor der Schirn Sebastian Baden. Internationale Künstler verliehen mit ihren Arbeiten der KI eine physische und sinnliche Präsenz, die ansonsten von unsichtbaren Prozessen geprägt sei und meist abstrakt bleibe. Die Schau ist bis zum 20. September zu sehen.
Dimensionen: Ausgestellt sind etwa 40 Videoinstallationen, Grafiken, Skulpturen und Fotografien. Die Werke nutzen algorithmische Systeme, visualisieren Erdachtes oder trainieren eigene KI-Modelle. Die Kuratoren der Ausstellungen betonen, zwei Dimensionen zeigen zu wollen: Das Werkzeug KI, das etwa Fortschritte in der Medizin ermöglicht habe. Und dazu kritische Aspekte wie Automatisierungsprozesse, die zu Arbeitslosigkeit und Massenüberwachung oder zu hohem Energie- und Wasserverbrauch führen.
„Clouds“: Gleich zu Beginn der in 17 Themenbereiche gegliederten Ausstellung zeigt etwa Timo Arnall mit seiner Videoinstallation „Internet machine“, dass den unsichtbaren „Clouds“, in denen Daten gespeichert werden, riesige, gut sichtbare Rechenzentren gegenüberstehen. Die in der Regel massiven Gebäude werden in der ganzen Welt gebaut. Sie verbrauchen große Mengen an Strom und Kühlwasser und erzeugen gleichzeitig Abwärme und Elektroschrott. Die „Cloud“ als schwereloses ätherisches Gebilde verschleiere so die materielle Wirklichkeit, heißt es.
Als dritter Papst besucht Leo XIV. die Region im Nordosten Spaniens. In Barcelona und im Kloster Montserrat trifft er den richtigen Ton. Auch auf Katalanisch.
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