Das Wichtigste am Donnerstag: Die NATO-Verteidigungsminister beraten über die Rückzugspläne der USA. In Großbritannien steht eine wegweisende Nachwahl an. In Brüssel findet ein EU-Gipfel statt. Und die Fußball-WM startet in den zweiten Vorrundenspieltag.
Besiegelt eine Nachwahl Starmers Schicksal als Premierminister?
Wie harsch fällt die Kritik der VW-Aktionäre aus?
Nach dem G-7- ist vor dem EU-Gipfel
BGH verhandelt über Auskunftsanspruch der Schufa
Die Fußball-WM startet in den zweiten Spieltag
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1. Was sagt Hegseth zu den NATO-Plänen der USA?
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am Dienstag mit Kaffee in Washington.AFP
Die USA entziehen der NATO ihre Zusage für wichtige militärische Beiträge. Heute diskutieren die NATO-Verteidigungsminister die Konsequenzen.
Auf See und in der Luft: Am Montag hatten drei Quellen aus NATO-Kreisen der F.A.Z. bestätigt, dass die USA der NATO mit unmittelbarer Wirkung ihre Zusage für wichtige militärische Beiträge auf See und in der Luft bereits entzogen haben. Betroffen sind unter anderem eine Flugzeugträgergruppe, ein Verband von Langstreckenbombern, mehr als fünfzig Kampfflugzeuge sowie Seefernaufklärer und Tankflugzeuge.
Treffen mit Hegseth: Heute diskutieren die Verteidigungsminister der NATO unter anderem über die US-Beiträge und ob und wie die entstehenden Lücken künftig gefüllt werden könnten. Auch US-Verteidigungsminister Hegseth wird zu dem Treffen erwartet. Es ist die letzte Zusammenkunft auf Ministerebene vor dem NATO-Gipfel Anfang Juli in Ankara. Experten zufolge erwartet die US-Regierung bis dahin einen Plan der Verbündeten, wie die Fähigkeiten der USA im Streitkräftemodell ersetzt werden können.
Kein Rückzug: NATO-Generalsekretär Mark Rutte wies am Mittwoch Befürchtungen über einen Rückzug der USA aus dem Bündnis zurück. Die Anpassung der US-Beiträge bedeuteten nicht, dass die USA sich von ihren Alliierten abwenden würden. Die USA hätten ihr Bekenntnis zur NATO „unmissverständlich“ klar gemacht. Jedoch sei das Streitkräftemodell der NATO in der Vergangenheit zu stark von Washington abhängig gewesen, sagte Rutte. Die anderen Verbündeten müssten nun mehr beitragen und hätten dies zum Teil schon getan. Das „Gesamtbild“ sehe gut aus.
2. Wann werden die Sanktionen gegen Iran aufgehoben?
Donald Trump am Mittwochabend beim Abflug mit der Air Force One aus Genf.AFP
Schon in der Nacht zum Donnerstag haben Donald Trump und Irans Präsident Massud Peseschkian das Rahmenabkommen zwischen USA und Teheran unterzeichnet. Es soll mit „sofortiger Wirkung“ in Kraft treten.
„Tolle Arbeit“: Trump unterschrieb die Vereinbarung mit Iran im französischen Versailles, wo er von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zum Abschluss des G-7-Gipfels im Schloss empfangen wurde. Auf einem vom Weißen Haus auf X verbreiteten Video ist zu sehen, wie Trump dort ein Papier unterschreibt. Von den Anwesenden gab es Applaus, Macron schüttelt Trump die Hand. „Tolle Arbeit“, lobt der französische Staatschef. Washington und Teheran veröffentlichten inzwischen den Text der vorläufigen Vereinbarung, die den Krieg beenden soll. Trump drohte zugleich damit, die Angriffe wieder aufzunehmen, sollte das Mullah-Regime seine Verpflichtungen nicht einhalten. „Wir werden sie in Grund und Boden bomben, wenn sie das Abkommen verletzen“, sagte Trump auf einer Pressekonferenz am Rande des Gipfels.
60 gebührenfreie Tage:
Das Rahmenabkommen tritt laut dem Vermittlerstaat Pakistan mit „sofortiger Wirkung“ in Kraft. Die Unterhändler beider Seiten wollen in den kommenden 60 Tagen an einem dauerhaften Waffenstillstand arbeiten. Es heißt, Teheran werde die Straße von Hormus „unverzüglich wieder öffnen“, und die USA würden die Seeblockade iranischer Häfen umgehend aufheben. Irans Zusage für eine gebührenfreie Durchfahrt durch die Straße von Hormus gelte aber vorerst nur für 60 Tage. Anscheinend hat sich Iran aber die Möglichkeit gesichert, künftig Gebühren für „maritime Dienstleistungen“ zu erheben. Laut Rahmenabkommen hat das US-Finanzministerium sofort nach Unterzeichnung Ausnahmegenehmigungen für den Export iranischen Rohöls erteilt. Die Sanktionen gegen Iran sollen erst bei einer endgültigen
Vereinbarung vollständig aufgehoben werden. Die USA sagen die Freigabe der im Ausland eingefrorenen iranischen Vermögenswerte zu.
Dank an Xi und Putin: In Évian dankte Trump auch Chinas Staatspräsident Xi und dem russischen Staatschef Putin dafür, sich nicht in den Irankrieg eingemischt zu haben. Sie seien „sehr neutral“ geblieben und „hätten es uns deutlich schwieriger machen können.“ Trump sagte, er habe Xi gebeten, keine Waffen an Iran zu verkaufen. „Das hat er im Großen und Ganzen getan.“ Zudem beteuerte Trump, trotz seines Streits über die israelischen Angriffe in Libanon, ein sehr gutes Verhältnis zum israelischen Regierungschef Netanjahu zu haben. „Bibi Netanjahu ist ein guter Mann, er ist nur manchmal etwas übereifrig“, sagte Trump.
3. Besiegelt eine Nachwahl Starmers Schicksal als Premierminister?
Manchesters Bürgermeister und Labour-Kandidat Andy Burnham bei einem Wahlkampftermin am Sonntag in Wigan.Reuters
Seit Monaten kämpft der britische Regierungschef um sein Amt. Die heutige Nachwahl im Bezirk Makerfield könnte über Starmers Zukunft entscheiden.
Herausforderer: Bei der Wahl für einen Sitz im britischen Unterhaus tritt Manchesters Bürgermeister Andy Burnham für die Labour-Partei an. Der 56-Jährige gilt als Starmers größter innerparteilicher Rivale. Es gilt als sicher, dass Burnham beim erfolgreichen Gewinn eines Parlamentsmandats Starmer um den Parteivorsitz herausfordern will. Britische Medien sprechen bereits von der „folgenreichsten Nachwahl“ in der Geschichte des Landes. Der bisherige Abgeordnete aus Makerfield war eigens zurückgetreten, um den Weg für Burnham frei zu machen.
Favorit: Burnhams Chancen stehen nicht schlecht. Umfragen zufolge gilt er aktuell als beliebtester Politiker in Großbritannien und Meinungsforscher rechnen mit einem knappen Sieg gegen den Kandidaten der Partei Reform UK. Schon 2010 und 2015 scheiterte er bei der Wahl zum Labour-Vorsitz. In ein Duell gegen Starmer ginge Burnham allerdings als deutlicher Favorit. Der Premierminister erklärte am Mittwoch, Burnham sollte im Falle eines Sieges in Makerfield künftig „eine wichtige Rolle in der Regierung“ spielen. Burnham werde „ein fantastischer Gewinn für unsere Partei und für das Land sein“.
Unter Druck: Keir Starmer hatte im Juli 2024 sein Amt angetreten und steht vor allem seit der krachenden Labour-Niederlage bei den Regional- und Kommunalwahlen Anfang Mai unter massivem Druck. Bei vielen Wählern ist er unbeliebt. Einen auch aus den eigenen Reihen geforderten Rücktritt lehnt Starmer bislang ab. Zuletzt waren zudem Gesundheitsminister Streeting und Verteidigungsminister Healey aus Starmers Regierung zurückgetreten.
4. Wie harsch fällt die Kritik der VW-Aktionäre aus?
Im Fokus: Das VW-Werk in Osnabrückdpa
Gewinneinbrüche, Stellenabbau, gedrosselte Produktion: Dem Autohersteller geht es schlecht. Auf der heutigen Jahreshauptversammlung wird es wohl ungemütlich.
„Schleichender Abstieg“: Als bedeutender Aktionär wird die Fondsgesellschaft Deka auf der digitalen Versammlung ein neues Geschäftsmodell fordern. „Volkswagen riskiert ohne konsequente Neuaufstellung einen schleichenden Abstieg“, sagt Deka-Expertin Tanja Bauer. Die Kursentwicklung der VW-Aktie sei enttäuschend, der Markt traue dem Unternehmen keine nachhaltige Trendwende zu. „Aktionäre brauchen keine Beruhigungspille, sondern ein Geschäftsmodell, das wieder verlässlich Rendite produziert.“ Andere Aktionäre dürften sich auf der Versammlung ähnlich äußern.
„Existenzgefährdend“: Im vergangenen Jahr sowie im ersten Quartal 2026 war der Gewinn bei Volkswagen massiv eingebrochen. Einer Recherche des „Manager Magazin“ zufolge bezeichnen sechs von neun befragten VW-Vorständen die derzeitige Lage des Konzerns als „existenzgefährdend“. Laut Konzernchef Oliver Blume kommt das Unternehmen bei den Sparbemühungen jedoch voran. So seien die Kosten an den deutschen Standorten um mehr als ein Fünftel reduziert worden. Volkswagen hatte sich Ende 2024 mit der Gewerkschaft auf ein Sparprogramm und den Wegfall von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland geeinigt.
Gedrosselt: Am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, die Produktion des T-Roc Cabrio in seinem Werk in Osnabrück zu drosseln. Der Werksurlaub werde verlängert und es gebe zusätzliche produktionsfreie Tage. Hintergrund sei die für Cabrios übliche saisonale Nachfrageentwicklung. Das T-Roc-Cabrio soll in Osnabrück noch bis 2027 gebaut werden. Danach ist die Zukunft der Fabrik mit 2300 Mitarbeitern offen. VW erklärte zuletzt, Perspektiven für den Standort zu prüfen. Dazu werde auch mit Unternehmen aus der Rüstungsindustrie gesprochen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte begrüßen am Montag Bundeskanzler Friedrich Merz und Charlotte Merz beim G-7-Gipfel in Évian.dpa
Der G-7-Gipfel in Évian ist gerade erst beendet. Bereits heute trifft sich Bundeskanzler Merz mit den Staats- und Regierungschefs der anderen EU-Staaten.
Umgang mit China: Bei dem Gipfeltreffen in Brüssel wollen die Spitzenpolitiker der EU unter anderem über globale wirtschaftliche Herausforderungen beraten. Insbesondere soll darüber diskutiert werden, wie man China begegnet. Die oftmals billigere chinesische Konkurrenz setzt Europas Industrie zu. Unter den EU-Staaten besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass diese aktuelle wirtschaftliche Schieflage gegenüber China langfristig problematisch ist.
Verhandlungen mit Ukraine: Darüber hinaus stehen Gespräche zur weiteren Unterstützung der Ukraine, zur Situation im Nahen und Mittleren Osten sowie zum neuen langfristigen EU-Haushalt auf der Agenda des zweitägigen Treffens. Am Donnerstag empfangen die EU-Spitzen zunächst den ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Es ist Selenskyjs erster Brüssel-Besuch, seit der ehemalige ungarische Regierungschef Orbán aus dem Amt gewählt wurde. Seitdem hat Ungarns neue Regierung mehrere Vetos gegen EU-Initiativen zur Unterstützung der Ukraine aufgehoben. So konnten formelle Beitrittsverhandlungen aufgenommen sowie ein Hilfskredit in Höhe von 90 Milliarden Euro verabschiedet werden.
„Wirklich ein Erfolg“: Am Mittwoch bezeichnete Frankreichs Präsident Macron den von seinem Land organisierten G-7-Gipfel als Erfolg und als „Moment der Einheit, der qualitativen Diskussionen und echter Kooperation“, sagte der Gastgeber zum Abschluss des Treffens. Auch Kanzler Friedrich Merz zog eine durchweg „positive Bilanz“. „Es ist das erste Mal überhaupt seit dem Amtsantritt von Präsident Trump, dass wir bei einem G-7-Gipfel eine gemeinsame Erklärung abgeben“, sagte Merz. Dies sei „wirklich ein Erfolg“.
6. Bundesgerichtshof prüft Auskunftsanspruch gegen Schufa
Eine Bonitätsauskunft der Schufadpa
Bei Wohnungssuche oder Kreditaufnahme kommt es oft auf den Schufa-Score an. Wie wird der berechnet? Der BGH prüft, wie sehr die Schufa aufklären muss.
Intransparent? Wie umfangreich muss die Schufa Betroffene über das Verfahren hinter ihrem Score informieren? Darüber verhandelt von heute an der Bundesgerichtshof. In fünf Parallelverfahren klagen Privatpersonen gegen die Wirtschaftsauskunftei, weil sie das Scoring-Verfahren der Schufa für intransparent und ihnen dazu erteilte Auskünfte für unzureichend halten. Ein Urteil wird am Donnerstag noch nicht erwartet.
Datenkopie: Die Schufa hatte den Klägern 2023 im Rahmen ihrer sogenannten Datenkopie Auskunft über ihre gespeicherten Daten sowie in den letzten zwölf Monaten auf Bonitätsanfragen hin übermittelte Scorewerte erteilt. Vor dem BGH geht es um die Frage, ob diese Datenkopie die aktuellen rechtlichen Anforderungen erfüllt. Das Oberlandesgericht Dresden hatte das verneint und die Schufa verurteilt, den Klägern weitere Informationen etwa zur Gewichtung der für die Scorewerte genutzten Kriterien offenzulegen. Die Schufa ist der Ansicht, dass ihre Datenkopie die Transparenzanforderungen erfüllt. Ihre Praxis hätten bundesweit auch schon zehn Oberlandesgerichte bestätigt, so die Auskunftei.
Alter und neuer Score: Wichtig ist: Die Verfahren in Karlsruhe beziehen sich auf das alte Scoring-Verfahren der Schufa. Seit dem 17. März 2026 nutzt die Auskunftei einen neuen Score, den Verbraucher leichter nachvollziehen können sollen. Bei der neuen Methode werden für zwölf bekannte Kriterien Punkte vergeben. Bis Ende 2028 will die Schufa den alten Score vollständig abschaffen. Im November tritt eine Novelle des Datenschutzgesetzes in Kraft, die das Bonitäts-Scoring insgesamt transparenter und verständlicher machen soll.
7. Die Fußball-WM startet in den zweiten Spieltag
Mit drei Toren gegen Algerien hat Argentiniens Lionel Messi der WM schon im ersten Spiel seinen Stempel aufgedrückt.dpa
Alle 48 Mannschaften haben bei der Weltmeisterschaft nun einmal gespielt. Heute startet der zweite Spieltag. Was sind die ersten Erkenntnisse?
Ergebnisse: Mit vier Partien wurde am Abend und in der Nacht der erste Vorrundenspieltag beendet. Portugal erreichte gegen DR Kongo nur ein 1:1, England gewann 4:2 gegen Kroatien. Dazu trafen Ghana und Panama (1:0) sowie Usbekistan und Kolumbien (1:3) aufeinander.
Erkenntnisse: Den höchsten Auftaktsieg feierten Deutschland mit dem 7:1 gegen Curaçao. Ihrer Rolle als Titelmitfavoriten gerecht wurden Argentinien und Frankreich, die auch aufgrund der Tore der Superstars Messi und Mbappé ihre ersten Partien souverän gewannen. Stark ins Turnier gestartet ist mit dem 4:1 gegen Paraguay auch Gastgeber USA. Die größte Überraschung gelang dem Team aus Kap Verde mit dem 0:0 gegen Europameister Spanien.
Ausblick: Eröffnet wird der zweite Spieltag heute Abend von Tschechien und Südafrika (18 Uhr), die nach ihren Auftaktniederlagen bereits unter Druck stehen. Ebenfalls unter Zugzwang stehen um 21 Uhr die Schweiz und Bosnien-Hercegowina, die in ihren ersten Partien lediglich unentschieden spielten. Alle WM-Partien können Sie im WM-Liveticker der F.A.Z. verfolgen.
An seinem 30. Hochzeitstag hat ein Paar seine Beziehung geöffnet. Wir hatten die beiden nach ihren Gründen und ersten Erfahrungen befragt. Drei Jahre später wollen wir wissen: Wie geht es ihnen heute?
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