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Mittwoch, 27.05.2026 | Zur Online-Ansicht
 
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Liebe Leserin, lieber Leser,
sind 206.600 Wohnungen viel oder wenig? Manchen Wohnungssuchenden wird die Zahl reichen, doch insgesamt fehlt in den Großstädten der Wohnraum. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der fertiggestellten Wohnungen damit um 18 Prozent, so niedrig wie seit dem Jahr 2013 nicht mehr und damit ein deutlicher Wink für den Branchenzustand. Dieses Jahr wird mit noch weniger Wohnungsneubauten gerechnet.
Autorenbild
Jan Hauser
Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für Immobilien.
Plus Sign Folgen
Dennoch lässt sich darauf hoffen, dass Politiker und Wohnungsentwickler die Zeichen der Wohnungsmärkte verstanden haben. Beide Seiten sollten sich anstrengen, damit Wohnungen günstiger und schneller entstehen. Die Kniffe dafür habe ich im Kommentar zu der Jahreszahl angerissen: „Der Blick nach vorn braucht daher eine Portion Hoffnung.“
 
Ein Lichtblick sind neue Kreditzahlen: Die Immobiliendarlehen der Institute im Verband der Pfandbriefbanken sind von Januar bis März auf fast 40 Milliarden Euro gestiegen, ein Plus von rund sechs Prozent zum Vorjahresquartal. Dabei stiegen die Darlehen für Wohnimmobilien um mehr als zwei Prozent auf 25 Milliarden Euro. Verbandshauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt spricht von einem leichten Aufschwung zum Jahresbeginn. „Allerdings werden sich mögliche Auswirkungen des Irankriegs auf das Finanzierungsgeschäft erst im zweiten Quartal zeigen“, sagte er. Ohne Folgen wird das kaum bleiben.
Nach der Bekanntgabe der fertiggestellten Wohnungen im vergangenen Jahr schrieb mir mein Kollege Jonas Jansen: Er verwies darauf, dass Vonovia-Vorstandsvorsitzender Luka Mucic im Interview mit uns am Monatsanfang gesagt hatte, dass die Wohnungsnot erst noch schlimmer wird: „In Deutschland braucht es 320.000 neue Wohnungen im Jahr, aber tatsächlich entstehen nur etwa 200.000 Wohnungen. Deshalb verschärft sich die Wohnungsnot in den Städten zunächst weiter, bevor sich die Lage verbessern kann.“ Bisher liegt er nicht falsch.
Luka Mucic ist erst seit Jahresanfang an der Spitze des Wohnungskonzerns tätig, der langsam auch wieder Wohnungen bauen will. Der frühere SAP-Finanzvorstand wirkt schon in der Zahlenwelt des größten privaten Vermieters angekommen, aber die Aufgabe ist angesichts der zurückhaltenden Aktienkursentwicklung nicht leicht. Auf der Hauptversammlung gab es manchen Gegenwind, auch für die hohe Abfindung seines Vorgängers Rolf Buch nach dem freiwilligen Abschied, wie Jonas Jansen berichtet. „Warum konnte die Karenzentschädigung für das Wettbewerbsverbot von 3,8 Millionen Euro nicht auf die hohe Abfindungszahlung angerechnet werden?“, war eine Frage. Die Konzernantwort lautet ungefähr und in aller Kürze: marktüblich.
Bauen in Brandenburg
Bauen in Potsdam: In den Städten ist mehr Wohnraum erwünscht. dpa
Noch ein Lichtblick: Damit Bauen mit weniger Vorschriften auskommt, bringt Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) an diesem Mittwoch neue Vorschläge für den Städtebau durch das Kabinett der Bundesregierung. Die schwarz-rote Koalition wird das loben. Aber was bringt es?
Die zwölf wichtigsten Punkte in dem umfangreichen Paket haben die Anwälte Mathias Hellriegel und Thomas Schröer in einem Gastbeitrag schon Anfang April festgehalten. Ihr Fazit war durchaus durchwachsen: „Bei allem Eifer hat das Bauministerium übersehen, dass ein grundlegend neues Städtebaurecht notwendig ist, das sich stärker fokussiert und die Kommunen fit für die Zukunft macht. Stattdessen verlieren sich die Änderungen im Klein-Klein der Optimierung bestehender Regelungen.“ Warum das so ist und wo sich doch Pluspunkte zeigen, verrät ihr Text.
Wie es besser geht, hat Dieter von Lüpke gerade in einem Gastbeitrag aufgeschrieben, der früher das Stadtplanungsamt in Frankfurt geleitet hat: „Gemessen an diesem ehrgeizigen Ziel sind die Vorschläge des Gesetzentwurfs allerdings unzureichend. Alte Denkschemata sind mutiger infrage zu stellen.“ Er nennt sechs Reformpunkte für den Städtebau. Worauf wird die Politik hören?
Berlin
Bauen in Berlin: Die Hauptstadt setzt auf den Turbo für mehr Wohnungen. dpa
Einen Schritt weiter ist der Wohnungsbauturbo. Ob das von Hubertz erwünschte Bauen ohne Bebauungsplan gelingt und Zeit spart, dafür kommt es auf die Kommunen an. Die Gastautoren Hellriegel und Schröer haben sich das für Berlin, Hamburg, Frankfurt und weitere Städte angesehen: „Die kommunalen Leitfäden lassen trotz ihrer Unterschiede im Detail eine gemeinsame, insgesamt wohlwollende und einheitliche Linie erkennen.“ Dennoch sollen Investoren immer noch oft für den Bau bestimmte Auflagen erfüllen, die die Stadt vorgibt.
Wer mit dem Aufzug nach oben fährt, muss damit auch wieder nach unten fahren. Es sei denn, das Gerät gibt den Geist auf. Dann sind Treppenstufen die Alternative. Doch die Digitalisierung rückt auch hier heran, wie unser Autor Christian Hunziker beschreibt: Sensoren sollen frühzeitig verraten, ob ein Ausfall droht. Das klingt nach einer guten Idee, weil in fast elf Prozent der geprüften Aufzüge zuletzt erhebliche Mängel festgestellt wurden. Vielleicht lohnt sich die Treppe ohnehin häufiger.
Im Angebot sind zwei besondere Luxusimmobilien: Würden Sie lieber im einstigen Haus der Schauspielerin Angelina Jolie oder des Fußballtrainers Jürgen Klopp einziehen? Klopp ist aus der Villa in Herdecke schon länger ausgezogen, und die Nachfolger haben die Immobilie umgestaltet: 531 Quadratmeter zum Wohnen, elf Zimmer, Wintergarten, Schwimmbecken und Sauna. Angelina Jolie bietet nach Medienberichten ihr Anwesen in Los Angeles zum Verkauf für mehr als 25 Millionen Euro, das etwas größer ist: 1000 Quadratmeter zum Wohnen, sechs Schlafzimmer, zehn Badezimmer, Poolhaus, Gästehaus und Teehaus.
Umzug: Ein Anwesen von Angelina Jolie soll zum Verkauf stehen. AFP
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Herzliche Grüße
Ihr
Jan Hauser
Verantwortlicher Redakteur für Immobilien
Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
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