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Mittwoch, 30.09.2026 | Zur Online-Ansicht
 
 Frankfurter Allgemeine
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Liebe Leserin, lieber Leser,
wie weit reichen die Sorgen um günstigen Wohnraum in den Städten? In Berlin ist die Linkspartei mit einem Wahlkampf um die Bezahlbarkeit des Großstadtlebens zur stärksten Kraft im Abgeordnetenhaus geworden. In Madrid protestieren Bürger gegen die Zwangsräumung einer Wohnung. In beiden Metropolen fordern Demonstranten die Enteignung von großen Vermietern. Der Ärger lässt sich kaum ignorieren.
Autorenbild
Jan Hauser
Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für Immobilien.
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In Madrid brachte die Polizei am vergangenen Mittwoch die 87 Jahre alte María del Carmen Abascal aus ihrer Wohnung, bevor diese nach einem monatelangen Rechtsstreit zwangsgeräumt wurde. Die Wohnung gehört dem Immobilienunternehmen Urbagestión. Der Eigentümer soll die Miete zuvor verdreifacht haben, was sich die Rentnerin nicht leisten konnte. Am Wochenende protestierten dagegen 25.000 Menschen in Madrid und forderten die Enteignung des Immobilienunternehmens.
Protest against the high cost of living, in Madrid
María del Carmen Abascal bei einem Protest gegen hohe Mieten in Madrid Reuters
Die spanische Regierung will nun die Rechte von Mietern stärken, wie meine Kollegin Carlota Brandis berichtet: Kündigungen und Zwangsräumungen sollen erschwert und Zimmervermietungen stärker reguliert werden. „Urbagestión und Abascals Anwältin einigten sich am Montagabend darauf, dass die Rentnerin wieder in ihre Wohnung zurückkehren kann. Aktuell befindet sie sich wegen Stress und Angstzuständen im Krankenhaus.“
In Berlin ist noch nicht klar, ob eine Koalition aus Linkspartei, Grünen und SPD zusammenfindet und sich auf Enteignungen einigt. Was Immobilienunternehmer Jürgen Michael Schick erwartet, hat er mir vor einer Woche im Podcast erzählt. Seine Einschätzungen lassen sich hier auch lesen: „Vermietern wird schon mit Haftstrafen gedroht.“
Ein Mangel an Wohnraum lässt sich vor allem durch einen Zuwachs an Wohnraum durch Nachverdichtungen oder Neubauten beheben. Das sehen auch Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft so, die darüber ein Gutachten für eine Berliner Wirtschaftsinitiative verfasst haben: „Entscheidend ist nicht, wem die Wohnungen gehören, sondern ob neue Wohnungen dazukommen“, sagt der Ökonom Jonas Zdrzalek.
Demonstrators set up camp to protest Spain's housing crisis in Madrid
Protestcamp in Madrid Reuters
Tipp der Woche: Wie eine Wohnung nach einem Auszug von den Mietern renoviert werden muss, hängt von Details im Mietvertrag ab. Eine Klausel, die dem Mieter das Streichen „der Innentüren, der Fenster und Außentüren von innen“ auferlegt, ist wirksam. Das entschied zumindest ein Landgericht: Unklar sei eine Klausel erst, wenn ein durchschnittlicher Mieter ernsthaft zweifeln könne. Doch die Rechtsprechung bleibt gespalten. Andere Gerichte hatten die Klausel gekippt. „Wer Mietverträge aufsetzt, sollte den Gesetzeswortlaut genau übernehmen.“
Zahl der Woche: 17,5 Prozent. So hoch ist der Anteil von Frauen in der Geschäftsführung der 200 führenden Immobilienunternehmen in Deutschland. Der Anteil ist nicht nur gering, sondern nach der Auswertung der Initiative „Frauen in Führung“ zuletzt sogar leicht gesunken, wie meine Kollegin Susanne Klöpfer aufgeschrieben hat: Fast 60 Prozent der Unternehmen in der Immobilienwirtschaft haben keine weibliche Person in der Geschäftsführung.
Haus der Woche: In Rom steht das frühere Anwesen von Schauspielerin Sophia Loren und Filmproduzent Carlo Ponti zum Verkauf. Die historische Immobilie soll nach Medienberichten rund 20 Millionen Euro kosten: 700 Quadratmeter Wohnfläche, ein Park mit 11.000 Quadratmetern sowie sieben Bädern, fünf Schlafzimmern und drei Salons. Das Esszimmer wurde in eine römische Grotte eingebaut. Die 91 Jahre alte Schauspielerin lebt inzwischen hauptsächlich in ihrer Villa am Genfer See. Das Haus in Rom liegt nur wenige Kilometer vom Kolosseum entfernt und sucht nun neue Bewohner.
Sophia Loren und Carlo Ponti
Schauspielerin Sophia Loren mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann, dem Produzenten Carlo Ponti, im Jahr 1959 dpa
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Herzliche Grüße
Ihr
Jan Hauser
Verantwortlicher Redakteur für Immobilien
Frankfurter Allgemeine Zeitung
 
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