von welchem Musiker wüssten Sie, dass er nach einem halben Jahrhundert an den Ort seines berühmtesten Auftritts zurückgekehrt ist? Carlos Santana fällt einem ein: 2019 in Woodstock. Aber sonst? Waren die Rolling Stones 2018 im Hyde Park, Bob Dylan 2016 in der Royal Albert Hall oder Keith Jarrett 2025 in der Kölner Oper? Nein. Nach Köln kehrte nun Wolf Biermann zurück, im Jubiläumsjahr seines legendären Auftritts in der Sporthalle, auf den seine Ausbürgerung aus der DDR folgte. Die Sporthalle ist längst abgerissen; inzwischen gibt es in Köln die Philharmonie. Dorthin haben wir einen Rezensenten geschickt, der schon 1976 beim Konzert dabei war.
Damit kann natürlich wenig mithalten. Doch die Frankfurter Ausstellung mit Bildern der italienischen Surrealistin Leonor Fini verheißt eine große Entdeckung. Und mit „Possible Love“ kommt ein südkoreanischer Film in die deutschen Kinos, der auch als Oscar-Kandidat gehandelt wird. Beiden Ereignissen widmen wir uns im morgigen Feuilleton – und hier in diesem Newsletter.
Für diejenigen unter Ihnen, für die die heutige Zeitung noch nicht von gestern ist, sei auch unsere morgige Rezension der Miniserie „Das Vergessen“ erwähnt. Darin spielt Julia Koschitz eine Polizistin, die an Demenz erkrankt und noch einen Mordfall lösen will. Dazu hatten wir heute bereits ein großes Interview mit der Schauspielerin im Blatt. Und wenn es vor vier Tagen bereits eine Rezension zur Bühnenadaption von Dorothee Elmigers buchpreisgekröntem Roman „Die Holländerinnen“ gab, können wir heute mit der zum Hörspiel nachlegen. Dessen Ausstrahlung erfolgt am Sonntag auf SWR2, und vorher ist es schon zu hören auf ARD Sounds.
Schließlich folgen nach so viel Ohren- und Augenschmaus noch unsere Buchbesprechungen. Auch dort ist etwas fürs Auge dabei: Gilad Seliktars Comic über die Geschichte des Jüdischen Krankenhauses in Berlin während der NS-Zeit. Außerdem ein finnischer Roman von Kari Hukkila: „Tausend und eins“, eine Zuwanderungsgeschichte. Und etwas für Ostalgiker, aber auch für alle, die subtile Literatur schätzen: Jörg Schiekes Gedichtband „Chin-chin, der Weg führt ins Mondgestein“. Ihr Weg führe Sie zu diesem Buch – und gern auch zu unseren Texten.
Mit herzlichen Grüßen Ihre Feuilletonredaktion
Bei Fragen und Anmerkungen rund um diesen Newsletter erreichen Sie uns am besten unter Kritik-NL@faz.de.
Vor fünfzig Jahren veränderte Wolf Biermanns Kölner Konzert nicht nur sein Leben, sondern auch die deutsch-deutsche Geschichte. Nun kehrte er zum Jubiläum zurück: Bericht von einem, der beide Auftritte miterlebt hat.
Magisch: Heute eröffnet die Frankfurter Schirn eine große Retrospektive der inzwischen zwar weltberühmten, aber lange Zeit viel zu wenig bekannten Surrealistin Leonor Fini.
In „Possible Love“ erzählt Filmemacher Lee Chang-dong wenig subtil von sozialen Unterschieden in Südkorea, reflektiert aber zugleich seine Rolle als Filmemacher.
In der Miniserie „Das Vergessen“ spielt Julia Koschitz eine Polizistin, die an Demenz erkrankt. Einen Mordfall will sie noch lösen. Gelingt ihr das, bevor sie sich selbst verliert? Es wird ein verzweifelter Kampf.
In „Die Holländerinnen“ legt die Schriftstellerin Dorothee Elmiger das Unvermögen, über existenzielles Grauen zu sprechen, durch die Schichtung von Geschichten frei. Ein Hörspiel verleiht dem Text nun akustische Gestalt.
Gilad Seliktar erzählt die Geschichte des Jüdischen Krankenhauses von Berlin in der NS-Zeit als Comic. Das Buch ist Teil eines kanadischen Erinnerungsprojekts zur Dokumentation der Zeitzeugenschaft.
Finnland hat ein demographisches Problem, will aber keine Zuwanderung. Man kennt das auch von woandersher. Kari Hukkilas Roman „Tausend und eins“ nimmt das Thema auf.
Die von Simon Schwartz limitierte und signierte Druckgrafik zeigt Goethe, umgeben von den Figuren seiner Werke – kraftvoll, zeitgemäß und neu interpretiert.
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