ein neues Jahr hat begonnen – und natürlich freuen wir uns auf die Bücher, die 2026 erscheinen werden. Schon vor Weihnachten kommen in der Redaktion die Verlagsvorschauen an, mit denen wir uns einen ersten Überblick verschaffen. Eine interessante Lektüre, weil sich dabei aufspüren lässt, welche Themen gerade besonders prominent oder oft verhandelt werden; welche Gestaltung der Buchcover von vielen Verlagen favorisiert wird; welche neuen Stimmen zu entdecken sein könnten; und welche Autorinnen und Autoren, die man schon kennt, in diesem Jahr wieder etwas Neues veröffentlichen.
Julia Encke
Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
Das schönste Buchcover des kommenden Jahres stand für mich beim Durchblättern des Rowohlt-Katalogs gleich fest: Es ist das des neuen Buchs der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek – „Unter Tieren“
. Darin geht es um Geld, verrät der Vorschautext, das unser Leben bestimme und dessen Spur Jelinek hartnäckig verfolge. Also die ganze Geschichte von der Bibel bis zu René Benko, von blanker Gier bis zu getarnter Korruption, von Klassenkampf bis zu kostspieligen Kriegen. Aber: erzählt aus der Perspektive von Tieren. Und diese erzählenden Tiere befinden sich in Gestalt von rebellischen Stofftieren nun auf dem Cover des Buchs: ein Affe, ein Fuchs, eine Ente, ein Schwein, ein Hase, eine Kuh und ein Delfin, die allesamt die Arme vor der Brust verschränkt haben und eine gut gelaunte, aufmüpfige Gruppe bilden. Ich würde jedes neue Buch von Jelinek sowieso lesen, auf dieses freue ich mich nun aber ganz besonders und noch eine ganze Weile – denn es erscheint leider erst Mitte Juni.
Schon im Februar wird dagegen von der Schriftstellerin Judith Hermann ein neues Buch erscheinen, mit dem sie ein Thema aufgreift, das schon in einigen Buchveröffentlichungen des vergangenen Jahres eine Rolle gespielt hat: Hermann folgt in „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war, und verknüpft – so die Ankündigung des S.-Fischer-Verlags – „ihr Schreiben mit seiner lange verleugneten Geschichte“, reist von Polen aus weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach. Bereits
„Mein Großvater, der Täter“, das Buch meines Kollegen Lorenz Hemicker, nahm diese Perspektive ein, und auch „Kornblumenblau“ der „Spiegel“-Journalistin Susanne Beyer. Die Enkel arbeiten die Taten ihrer Nazi-Großväter auf – in manchen Fällen nach dem Tod der eigenen Eltern. War das auch bei Judith Hermann der Fall?
Gleich zu Beginn des Jahres wird nochmal viel von Gisèle Pelicot
die Rede sein, weil ihre Memoiren „Die Scham muss die Seite wechseln“ weltweit zeitgleich erscheinen, auf Deutsch am 17. Februar im Piper Verlag. Und vorher schon das Buch der Tochter, Caroline Darian: „Ich kämpfe für die Wahrheit: Weiterleben nach dem Pelicot-Prozess“ bei Kiepenheuer & Witsch. Das wird sicher nochmal viel diskutiert werden. Einsamkeit kommt auch in vielen neuen Büchern als Thema vor. Und es gibt Geburtstage in Büchern: etwa Udo Lindenbergs im Mai (Benjamin von Stuckrad-Barre nennt sein neues Buch aus diesem Anlass „Udo Fröhliche“), Marilyn Monroe, Martha Argerich und Ingeborg Bachmann im Juni.
Wenn auch Sie einen Blick in die Vorschauen werfen wollen, finden Sie diese auf den Webseiten der Buchverlage, oft unter dem Reiter „Handel“ oder „Buchhandel“. Welche neuen literarischen Stimmen wir 2026 entdecken, das wissen wir natürlich selber noch nicht. Wir lesen erst einmal – und werden Sie hier im Literatur-Newsletter aber auf jeden Fall darüber informieren.
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