König Charles ist immer für eine Rede gut. Vor knapp einem Jahr war der britische Monarch in Kanada und eröffnete in Ottawa das parlamentarische Jahr mit der Bemerkung, das Land sei „stark und frei“. Das ging gegen die Idee des damals gerade wieder ins Amt gekommenen amerikanischen Präsidenten Donald Trump, aus Kanada den 51. Staat der Vereinigten Staaten zu machen. Jetzt reiste das britische Staatsoberhaupt selbst nach Washington, um dem dortigen Amtsinhaber einige kaum verblümte Ansichten zu überreichen.
Johannes Leithäuser
Politischer Korrespondent für das Vereinigte Königreich und Irland.
Unter anderem setzte er den Zweifeln, die Donald Trump letzthin am NATO-Sicherheitsbündnis geäußert hatte, ein dickes Lob für die Allianz entgegen. Garniert mit dem Hinweis, der Zusammenhalt beruhe auch auf Großzügigkeit und auf gemeinsamen Werten.
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Der offizielle Anlass für den Staatsbesuch Charles III. in Amerika bestand aus dem 250. Unabhängigkeitsjubiläum der Vereinigten Staaten. Der eigentliche Auftrag, mit dem die britische Regierung den Monarchen dorthin schickte, lautete hingegen, er solle das angeknackste bilaterale Verhältnis zwischen London und Washington kitten. Trotz energischer und ziemlich liebedienerischer Bemühungen der britischen Seite nach der Wiederkehr Trumps ins Weiße Haus hatte es jüngst starke Spannungsrisse gezeigt. Vor allem, nachdem die Londoner Labour-Regierung sich weigerte, für Trumps militärisches Iran-Abenteuer einen Finger krumm zu machen.
Der Auftritt des Königs vor dem Kongress aber ging über eine diplomatische Heilbehandlung weit hinaus. Hier sprach ein Europäer, der aus einem mehr als 1000 Jahre währenden historischen Gedächtnis nicht bloß sein eigenes Recht ableitet, auf dem Thron seiner Nation zu sitzen, sondern der die Lehren und Warnungen verkörpern möchte, die diese Geschichte bereithält.
Trumps Ehrerbietigkeit – und deren Motive
Es scheint für den Augenblick, als habe der König damit den Ehrfurchtsnerv des amerikanischen Präsidenten berührt. Es kann auch sein, dass Trump dem Monarchen als Gastgeber nur deswegen derart ehrerbietig begegnete, damit er anschließend den britischen Regierungschef Starmer – der ja übrigens die Rede seines Staatsoberhaupts verantwortet – umso wirksamer in den Senkel stellen kann.
Sicher ist jedenfalls, dass Charles mit dieser Rede, die zehn Minuten länger währte als geplant, da sie ein Dutzend Mal von stehendem Beifall unterbrochen wurde, endgültig auch aus dem Schatten seiner Mutter Elisabeth II. herausgetreten ist. Derart pointiert politisch wie ihr Sohn hätte sich die verstorbene Königin nie geäußert. Aber womöglich hat die am längsten regierende britische Monarchin mit ihrer Herrschaft vor allem über eine glückliche (goldene?) acht Jahrzehnte währende Nachkriegszeit präsidiert, während ihr Sohn in ganz anderen Verhältnissen zurechtkommen muss.
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