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Donnerstag, 06.08.2026 | Zur Online-Ansicht
 
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Tradition ist kein Geschäftsmodell
Wenn eines aus der Übernahmeschlacht um die Commerzbank hängen bleibt, dann dieser eine Satz der Commerzbank-Vorstandsvorsitzenden Bettina Orlopp: „Wir wollen Wert schaffen.“ Vielleicht wirkt es merkwürdig, dies auch an diesem Donnerstag von einer Frau zu hören, die sich – zusammen mit rund 40.000 Mitarbeitern – seit fast zwei Jahren gegen die Übernahme durch den italienischen Unicredit stemmt und diesen Kampf sehr wahrscheinlich verlieren wird.
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Inken Schönauer
Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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Doch es ist das Credo ihres Führungsstils. Sie wollte schon während ihrer Zeit als Finanzchefin einer im Mittelstand verankerten Bank nicht akzeptieren, dass dieses zum Sanierungsfall verkommene Institut in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Die Bank liefert inzwischen wieder Rekordergebnisse ab, hat Kosten gesenkt, stellt Kunden zufriedener und ist wieder ein anerkannter Arbeitgeber. Geholfen hat Bettina Orlopp dabei ein nüchterner Blick auf die Dinge. Sie ist stark in der Analyse des Machbaren.
 
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Genauso hat sie auch die Übernahmeschlacht geführt. Sie verrennt sich nicht in emotional geführten Debatten um die Tradition einer Bank, die doch irgendwie zu diesem Land oder dem Finanzplatz Frankfurt gehört. Tradition ist kein Geschäftsmodell.
Orlopp muss im Sinne der Aktionäre verhandeln
Das musste Orlopp nicht lernen, das brachte sie in ihr Amt mit. Die Commerzbank musste zunächst zeigen, dass sie aus eigener Kraft wachsen, Gewinne steigern und ihren Aktionären ein attraktives Investment sein kann. Das ist gelungen. Der Vorstand hat Zeit gewonnen, den Wert der Bank sichtbar gemacht und die Grundlage für Verhandlungen aus einer Position der Stärke gelegt.
Dankbarkeit für diesen kräftezehrenden Übernahmekampf sollte niemand erwarten. Aber vermutlich hat er durchaus dazu geführt, Restrukturierungsprozesse in der Commerzbank anzustoßen oder zu beschleunigen.
Die Commerzbank hat inzwischen eine Kosten-Ertrags-Quote von 53 Prozent. Das schien noch vor wenigen Jahren völlig undenkbar, ist aber eine relevante Größe, wenn man in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und sich global wandelnden Geschäftsmodellen bestehen will.
Orlopp will Wert schaffen. Auch jetzt wieder, wo der Unicredit-Vorstandsvorsitzende Andrea Orcel seinem Ziel der Übernahme immer näher kommt. Die Commerzbank sei bereit zu konstruktiven Gesprächen, sagt Orlopp.
Es ist ein wohltuender Hinweis auf die Anerkennung der neuen Machtverhältnisse. Sie ist die Vorstandsvorsitzende der Commerzbank. Sie wird diese Gespräche im Sinne ihrer Aktionäre wertschaffend führen müssen – auch wenn es die Aufgabe der Eigenständigkeit bedeutet.
 
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