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Danke, Donald!
Mit seiner Chaos-Politik hat US-Präsident Donald Trump den Freihandel der EU mit Indien ermöglicht. Auch China und den demokratischen Westen treibt der Mann aus Washington wieder zueinander. Wie nie zuvor arbeiten Kohorten übernächtigter Unterhändler aus Europa an Freihandels- und Partnerschaftsverträgen rund um die Welt. Es scheint, als klickte sich ein zurückgelassenes Brüssel im Eiltempo durch Partnerbörsen.
Die Frage ist nur, ob alle die Chance erkennen. Es gilt die alte Diplomatenfrage: „will Europa waste a good crises“, ob die EU eine hilfreiche Krise verspiele. Die Grünen vermittelten in den vergangenen Tagen genau diesen Eindruck: In Brüssel zeigten sie sich angesichts ihrer Blockade des Mercosur-Abkommens in Tateinheit mit den Rechtsaußen erschreckend unbeleckt, in Berlin als besorgniserregend naiv. Mit solchen Politikern wird es nicht möglich sein, Trump durch Suche neuer Partner Paroli zu bieten.
Dabei wirkt freier Handel wie eine Vitaminspritze für eine Volkswirtschaft: Im Durchschnitt steigt der Austausch mit dem Partnerland nach Inkrafttreten jährlich um rund 3 Prozentpunkte stärker als ohne Freihandelsabkommen. Auf mittlere Sicht entstehen Arbeitsplätze, sinkt die Armutsrate, steigt die Bildung.
Der Blick der EU in die Welt ist wichtig und richtig. Am wichtigsten wäre es allerdings, dass die EU-Länder zeitgleich die Beschränkungen und nicht tarifären Hemmnisse untereinander abbauten. Fielen alle Schranken innerhalb der EU, könnte Deutschlands Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren rund 200 Milliarden Euro mehr einnehmen. Das stützte den angeschlagenen Sozialstaat, schützte die Beschäftigung in schwierigen Zeiten.
Allerdings wird nun mit grobem Maß gemessen. Die Zeiten erfordern es. Dass der indische Ministerpräsident Narendra Modi und seine Hindunationalisten die brutale Härte zum Machterhalt, die bei Trump zurecht kritisiert wird, in Indien schon vorgemacht haben, stört in diesen Monaten der dringlichen Suche nach Verbündeten kaum noch jemanden. Modi hat seine Kritiker ausgegrenzt, Intellektuelle mundtot gemacht, die Armen vernachlässigt, während Covid das Land verrotten lassen.
Dafür hat er den Subkontinent mit einem Feuerwerk der medialen Manipulation überzogen. Auch dass er seit Jahren ein doppeltes Spiel mit Blick auf seine Nähe zu Russland spielt und der davon profitierenden Milliardärsriege des eigenen Landes viel zu nahesteht, wird von den Europäern verdrängt. Anders der sichtbar verärgerte amerikanische Finanzminister Scott Bessent: „Russisches Öl fließt nach Indien. Die Europäer kaufen die raffinierten Produkte von dort. Sie finanzieren den Krieg gegen sich selbst.“ Natürlich haben die USA, die indische Waren mit einem Zoll von 50 Prozent belegen, hier einen Punkt.
Die Welt ist härter geworden. Was in diesem geoökonomischen Umfeld zählt, sind Partner. Zwar gehen nur rund 1 Prozent der deutschen Ausfuhren nach Indien. Aber der Subkontinent mit seinen 1,4 Milliarden Menschen wächst nun seit Jahren stärker als China. Zu Recht schauen europäische Exporteure auf Indiens Mittelschicht.
Die Handelsabkommen, viele von ihnen liegen 20 Jahre auf dem Tisch, fallen nun wie reife Früchte vom Baum – auch weil die Verträge entschlackt wurden, was den Europäern wichtig war. Sind die Verträge deshalb wertlos? Nein. Aber sie dienen auch nicht zur Erziehung oder dem Durchpauken westlicher Werte.
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Die Eurasische Wirtschaftsunion unter Führung Moskaus hat den Zoll für Abfälle, die wertvolle Metalle und Edelmetalle enthalten, von 15 Prozent auf 0 Prozent gesenkt. Damit soll der wachsende Bedarf an diesen Rohstoffen besser gedeckt werden. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
Die KI-Nachfrage dominiert die Investitionen weltweit: Zwar seien die ausländischen Direktinvestitionen 2025 um 14 Prozent gewachsen, heißt es bei den Vereinten Nationen. Doch betreffe ein großer Teil der Gelder Datencenter und Halbleiterproduktion in europäischen Industriestaaten. Der Internationale Währungsfonds erwartet deswegen 2026 ein globales Wachstum von 3,3 Prozent.
Die amerikanische Notenbank Fed beließ am Mittwoch den Leitzins im Korridor
zwischen 3,5 und 3,75 Prozent. Fed-Chef Jerome Powell betonte, dass die höhere Inflation in den USA auf die Zölle zurückzuführen und damit temporär sei. Die vom Weißen Haus nominierten Gouverneure Stephen Miran und Christopher J. Waller hatten gegen den Entscheid gestimmt. Der amerikanische Aktienindex S&P 500 hatte zuvor erstmals die 7.000-Punkte-Marke überschritten.
Elektronikexporte treiben Japans Außenhandel trotz US-Zöllen
: Die Exporte Japans stiegen im Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 5,1 Prozent. Ausfuhren von Elektronikgeräten, einschließlich Halbleitern, stiegen um 11,3 Prozent an. Trotz der Spannungen mit China und der US-Zölle wird erwartet, dass der Halbleiterexport weiter zulegt.
Mexiko hat vorerst seine Ölausfuhren nach Kuba gestoppt. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum betonte, dies sei eine souveräne Entscheidung gewesen und nicht von Donald Trump beeinflusst. Mexiko ist nach Venezuela der wichtigste Energielieferant Kubas, das Washington wirtschaftlich und politisch isolieren will.
Nach Trumps Rede in Davos: „Die NATO ist nicht tot“ von Gerald Braunberger Am Ende eines denkwürdigen Tages verzichtet Donald Trump auf eine Konfrontation mit der NATO in der Grönlandfrage. Trumps Amerika bleibt jedoch ein erratischer Partner, daher muss Europa stärker an Souveränität denken und auf andere Mittelmächte zugehen.
Rückspiegel
Vor 140 Jahren:Benz patentiert das erste Auto der Welt. Als das Auto erfunden wird, hat es eigentlich keine Chance: Die Deutschen sehen die neue Technik skeptisch, es gibt Reichweitenangst, weil es keine Tankstellen gibt. Die Wagen seien viel zu teuer, im Gegensatz zu den etablierten Pferdekutschen. An guten Straßen fehlt es ohnehin. Und was passiert eigentlich mit den vielen Arbeitsplätzen rund um die Pferdewagen?
Der Erfolg des Automobils nach dem Patent-Motorwagen Nr.1 des Badeners Carl Benz, der am 29. Januar 1886 das Kaiserliche Patent erhielt, ist also keineswegs vorgezeichnet. Dabei hat Benz seinen Wagen mit Verbrennermotor sogar an das gewohnte Aussehen der Pferdedroschken angelehnt, um einen Umstieg zu erleichtern.
Der Benz-Patentwagen von 1886 schaffte eine Höchstgeschwindigkeit von 16 km/h bei einem Leichtbenzin-Verbrauch von 10 Liter auf 100 Kilometer.Picture Alliance
Doch zu seinem Glück ist Benz nicht auf den deutschen Markt angewiesen: Von den 69 Fahrzeugen, die er bis 1893 verkaufen kann, gehen 54 ins Ausland. Gerade in Frankreich findet er ein interessiertes Publikum, nachdem er seinen Wagen bei der Weltausstellung in Paris 1889 vorgeführt hat. Dort zeigt übrigens auch der Schwabe Gottlieb Daimler einen von ihm entwickelten Stahlradwagen. Dass Deutschland zur Autonation aufsteigt, verdankt es dem Welthandel und insbesondere den Franzosen.
Benz wird innerhalb weniger Jahre der größte Autohersteller der Welt, wenn auch mit kleinen Stückzahlen von wenigen Dutzend Exemplaren pro Jahr. Heute fahren mehr als 80 Millionen Neuwagen jedes Jahr weltweit vom Fließband. Mit Abstand der größte Hersteller und zugleich der größte Absatzmarkt ist inzwischen China – mehr als die Hälfte der Neuzulassungen dort sind aber Elektroautos und Plug-in-Hybride.