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Die Chancen nach dem Krieg
Krieg ist grausam. Es fällt schwer, den Angriff auf Iran zu rechtfertigen. Und doch ist es an der Zeit, auch ein positives Szenario zu entwickeln.
Raketen fliegen. Das Völkerrecht wird gebrochen. Die Zahl der Toten und Verletzten im Nahen Osten steigt Stunde um Stunde. Die Preise klettern rund um die Erde, weil Öl und Gas sich sprunghaft verteuern. Das trifft vor allem jene, die wenig haben. Kettenreaktionen drohen. Niemand weiß, wie lange der Krieg dauert, wie er ausgehen wird.
Doch so grausam Angriffe und Gegenangriffe sind, so groß die Tragik eines jeden Krieges ist, lohnt sich das Nachdenken über Chancen. Drei kommen einem mit Blick auf den Nahen Osten in den Sinn.
Iran war ein prosperierendes Industrieland, ist eine Hochkultur und eines der rohstoffreichsten Länder der Welt, das über Jahrzehnte von einer sich selbst bereichernden Mörderbande in Haft genommen wurde. Von ihrer ersten Riege ist das Land befreit. Findet es, unter anderen Voraussetzungen als das vom Bürgerkrieg zerrissene Syrien, eine eigene Zukunft, kann Iran wieder zu einem blühenden Land und einer Führungsmacht im Nahen Osten werden. Denn die Region besitzt die Voraussetzungen für einen gewaltigen Aufschwung.
Auf unsere Nachfrage empfiehlt der neue Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr – und nicht nur er – der Europäischen Union nun einen besseren „Zolldeal“ auszuhandeln – und damit die Schwäche des US-Präsidenten Trump zu nutzen. Dass er seine Wahlversprechen gebrochen hat, setzt sich auch bei seinen Anhängern durch. Seine Zustimmungswerte sind auf den tiefsten Stand seit Amtsantritt gefallen. Nur jeder vierte US-Amerikaner unterstützt diesen Krieg. Dabei wird es erst noch richtig schwierig werden: Die steigenden Öl- und Gaspreise treiben die Inflation weiter. Und die USA besitzen keinen Plan für den „Tag danach“ in Iran. Das könnte zu einem Ende der politischen Karriere des Donald Trump beitragen.
Verlierer der vergangenen Monate sind die Autokratien. Ihnen wurde ein enormer Machtzuwachs vorausgesagt. Peking aber ist mit seinen Wirtschaftsproblemen beschäftigt und hängt, wie der Drogensüchtige an der Nadel, am subventionierten Export in den Westen. Seinem Partner Russland brechen im Monatsrhythmus die Verbündeten weg: Erst Syrien, dann das Venezuela Maduros, derzeit Iran, bald Kuba. Das heißt nicht, dass China nicht weiter enorme Stärke besitzt, Russland den Krieg in der Ukraine nicht fortsetzen könnte, Trumps Chaos-Kurs nicht das Ansehen Pekings stärkt. Aber Indien etwa sendet mit seinem Heranrücken an Israel und seinem Handelsabkommen mit der EU Signale, dass es mit einer westlichen Allianz weiterkommt, als Partner der Autokraten-Regime zu bleiben.
Auch andere klopfen an.
Wohlgemerkt, das sind nur erste Konturen im Nebel. Niemand weiß, was nach dem Krieg im Nahen Osten folgt. Doch gehört zum Blick auf die Weltwirtschaft auch, frühzeitig Chancen zu beschreiben – selbst an dunklen Tagen.
Auch deshalb leisten wir uns nun ein Augenzwinkern. Der Karikaturist Stephan Rürup wird uns dann und wann seine Sicht der Welt zeichnen, mit Schärfe und Angriffslust.
Schreiben Sie uns gern unter weltwirtschaft@faz.de, was Sie von Karikaturen in Ihrem Weltwirtschafts-Briefing halten. Und: keine Sorge – sie werden unsere Grafiken nicht ersetzen.
Saudi-Arabien verpflichtet Unternehmen, bei staatlich finanzierten Aufträgen mehr Artikel von lokalen Herstellern zu beziehen. Dazu gehören Arzneimittel, Baukomponenten, landwirtschaftliche Geräte, Textilien und Komponenten für die Automobilindustrie. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), ist neues Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der Bundesregierung. dpa
Die USA werden wohl noch diese Woche ihren globalen Sonderzoll von zehn auf 15 Prozent erhöhen. Das gab US-Finanzminister Scott Bessent bekannt. Rechtsgrundlage ist ein Handelsgesetz von 1974, das Zusatzzölle für eine Dauer von 150 Tagen erlaubt. Danach ist eine Verlängerung durch den Kongress nötig.
Bei seinem Besuch in Washington hat Bundeskanzler Friedrich Merz US-Präsident Donald Trump zu einer raschen Umsetzung des Turnberry-Abkommens zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten
aufgefordert. Die EU werde keine Vereinbarung mit schlechteren Zollbedingungen akzeptieren.
Der Konflikt in der Golfregion hat Befürchtungen hinsichtlich einer weltweiten Verknappung von Technologieprodukten ausgelöst. Chip-Marktführer Nvidia erklärte jedoch, dass es „derzeit keine Unterbrechungen in der Lieferkette gibt“.
Kanzlerreise in eine erschöpfte Goldgrube Balanceakt zwischen Machtpolitik und Geschäft: Der Wirtschaftsfokus von Merz in Peking irritiert – gerade jetzt, wo der „China-Schock“ Deutschland trifft und Peking die Abhängigkeiten ausnutzt.
Rückspiegel
Vor 250 Jahren: Adam Smiths „Bibel der Ökonomie“ erscheint. Dass Trumps Zollpolitik nicht zielführend ist, weiß die Welt nicht erst seit dem Zollurteil des Supreme Court. Das hätten Amerikaner schon nachlesen können, bevor die Vereinigten Staaten existierten. „It is the maxim of every prudent master of a family never to attempt to make at home what it will cost him more to make than to buy“, schreibt Adam Smith – sinngemäß: Wer billig einkauft, statt teuer selbst herzustellen, hat am Ende mehr übrig. Diese Smithsche Hausfrauenregel ist in seinem berühmtesten Werk „The Wealth of Nations“ nachzuschlagen, das am 9. März 1776
erscheint. Es ist damit ein halbes Jahr älter als die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und 13 Jahre älter als die US-Verfassung, die das Amt des US-Präsidenten überhaupt erst kreiert.
Eine Erstausgabe von Adam Smiths „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ von 1776 wurde 2018 überraschend auf einem Dachboden in Den Haag gefunden.AFP
Smiths Bild von der „unsichtbaren Hand“, mit der egoistisches Handeln unbewusst Nutzen für die Gemeinschaft erzeugt, fehlt seitdem in keinem Handbuch der Ökonomie und keiner Rede zur Marktwirtschaft. Nicht selten wird das Buch als „Bibel der Ökonomie“ bezeichnet. Und das nicht nur, weil es fast ebenso oft zitiert wird. Der schottische Denker hat mit seinem Buch dem wachsenden Unternehmertum neue Begriffe und einen neuen Glauben geschenkt, an die Wirkkräfte und die Überlegenheit des freien Handels und des Wettbewerbs gegenüber staatlicher Intervention.
Was heute selbstverständlich klingt, ist damals bahnbrechend: Nicht eine merkantilistische Goldvermehrung steigert Reichtum, sondern Arbeit und Innovation. Nicht eine positive Handelsbilanz oder hohe Zollhürden verringern Armut, sondern globale Arbeitsteilung und Spezialisierung. Und: Der Welthandel ist kein Nullsummenspiel – mehr Wohlstand geht nicht nur, wenn andere ihn verlieren, sondern er ist für alle möglich.
Nun ließe sich darüber streiten, ob all seine Lehren aus einer Zeit, in der Wirtschaften vor allem Landwirtschaften meinte, noch ohne Weiteres übertragbar auf moderne Big-Tech-Monopole, intellektuelles Eigentum oder die Bewältigung der globalen Klimakrise sind. Veraltet aber, das zeigen die jüngsten Folgen von Trumps Handelspolitik, sind sie auch nach 250 Jahren nicht.