Weltwirtschaft
                                                           
Donnerstag, 24.09.2026 | Zur Online-Ansicht
Logo–Weltwirtschaft
Frankfurter Allgemeine
WELTWIRTSCHAFT
Separator
 
Rotes Telefon 2.0
Der Auftakt zum Treffen von Chinas Präsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump in den USA war so pompös wie erwartet: Der rote Teppich wurde ausgerollt, persönliche Begrüßung durch den US-Präsidenten und seine Frau, Kinder überreichten Blumen und die Nationalhymne wurde von Bombern begleitet, die über die Zeremonie flogen. Auch die Volksrepublik hatte vorher eine kleine Charmeoffensive gespielt und ein Video in sozialen Netzwerken veröffentlicht, in dem das Außenministerium die Fortschritte im Verhältnis zwischen den beiden Staaten lobte. Man will gut gestimmt in ein Treffen gehen, bei dem viele Konflikte auf dem Tisch liegen. Die Entscheidung in einem dieser Punkte – die US-Zusatzzölle auf chinesische Produkte – wurde zumindest um weitere zwei Monate geschoben.
Bleiben die nicht weniger brisanten Themen Iran, Amerikas Rolle im Indopazifik und KI. Letztes war in den vergangenen Tagen hochgekocht, nachdem amerikanische Tech-Bosse ausdrücklich vor den Gefahren des rasanten Fortschritts von KI-Modellen gewarnt hatten. Trump hatte sich kritisch gegenüber einer Verlangsamung der Entwicklung ausgesprochen: „Wer bei KI gewinnt, gewinnt“. Kurz vor dem Gipfeltreffen der beiden Staatschefs kam es nun doch zu Gesprächen zum Thema KI-Sicherheit, nachdem sich Xi und Trump eigentlich bei ihrer Zusammenkunft im Mai bereits darauf verständigt hatten, einen Sicherheitsdialog zum Thema KI zu führen. Bei den Gesprächen in New York hätte Washington Peking nun einen Mechanismus vorgeschlagen, um sich zukünftig über wichtige KI-Entwicklungen zu informieren, sagte US-Finanzminister Scott Bessent. Läuft eine KI-Operation aus dem Ruder, können sich die Staaten über einen solchen Krisenkanal schnell miteinander verständigen.
Autorenbild
Marie Welling
Redakteurin in der Wirtschaft.
Plus Sign Folgen
Das erinnert stark an das „Rote Telefon“ im Kalten Krieg. Die USA und die Sowjetunion hatten eine Hotline eingerichtet, um ein Minimum an Kommunikation zu gewährleisten. Zwar sind die USA und China glücklicherweise weit davon entfernt, gar nicht miteinander zu sprechen. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der KI-Systeme Entscheidungen vorbereiten oder ausführen können, muss es in Krisensituationen jedoch sehr schnell gehen.
Eine Krisenhotline allein wird allerdings nicht ausreichen. Fachleute weisen darauf hin, dass die Themen, mit denen sich Staaten im Zusammenhang mit KI beschäftigen müssen, weit über den technologischen Wettbewerb der einzelnen KI-Modelle hinausreichen. Es geht um Fragen, die zum Teil mit Rüstungskontrolle verbunden sind und die die innere und die äußere Sicherheit von Staaten betreffen: Wie kann verhindert werden, dass leistungsfähige Modelle missbraucht werden oder außer Kontrolle geraten? Wie weit lassen Staaten KI militärische Entscheidungen treffen? Wie lässt sich verhindern, dass KI-Unfälle mit Angriffen verwechselt werden? Und wie können sich Atommächte davor schützen, dass KI nukleare Frühwarn-, Kommando- oder Kontrollsysteme infiltriert?
Es ist ein schmaler Grat, auf dem Regierungen wandern: Wie viel KI-Entwicklung und Innovation kann man zulassen, ohne die Sicherheit eines Staates zu gefährden oder – noch schlimmer – aus Versehen einen Krieg anzuzetteln, weil KI-Agenten außer Kontrolle geraten sind? Das Thema internationale KI-Regulierung wird daher beim heutigen Treffen von Trump und Xi zweifellos zur Sprache kommen müssen. Der Wettbewerb um die technologische Vorherrschaft darf nicht dazu führen, dass Sicherheitsvorkehrungen als strategischer Nachteil gelten.
Was denken Sie? Wie finden wir auf der Welt einen sicheren Umgang mit Künstlicher Intelligenz? Schreiben Sie uns gern unter weltwirtschaft@faz.de
Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen.
Ihre Marie Welling
 
 
 
Teamchat
Nach Versand unseres Newsletters am Donnerstag öffnen wir immer mit Vorfreude unser Postfach weltwirtschaft@faz.de , denn schon bald danach trudeln erste Reaktionen unserer Leser ein. Meist sind es kluge Gedanken und wohldurchdachte Anregungen. Vergangene Woche ging es um die geplante assoziierte EU-Mitgliedschaft Kanadas. Joachim Popp aus Neu-Isenburg ist der Meinung, dass der ganze EU-Apparat „an Haupt und Gliedern entschlackt“ werden muss. Und: „Die Einstimmigkeit bei Entscheidungen muss zu Gunsten einer Zweidrittelmehrheit geändert werden.“ Eckhard Starke aus Offenbach betonte, dass es wichtig sei, „dass die demokratischen Staaten dieser Welt zusammenstehen und ihre Gesellschaftsform verteidigen“. Von Frithjof Reitter gab es uneingeschränktes Lob für den kanadischen Premier: „Mark Carney ist ein wirklich wichtiger und großer Staatsmann mit Weitblick“, schreibt er. „Die Kooperation zwischen Kanada und der EU halte ich für DEN Schachzug der beiden ‚Blöcke‘“.
 
 
Anzeige
 
Daten zur Weltlage
Separator
 
 
Seit dem 22. September sind in den Niederlanden der Kauf, die Einfuhr und der Verkauf aller Waren verboten, die aus israelischen Siedlungen in besetzten palästinensischen Gebieten kommen. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
 
 
 
Themen des Newsletters
Separator
Weltwissen
 
>
 
Die Ukraine nimmt Russlands Öl ins Visier
 
>
 
Südamerika auf dem Weg zur Erdölmacht
 
>
 
Wie KI die globale Ungleichheit verringern könnte
 
+++ Trump-Xi-Gipfel +++
 
>
 
Peking muss seinen eigenen Weg in der Industriepolitik finden
 
>
 
Die Weltmacht China ist vom Ausland abhängig
 
>
 
Chronik: Das ewig schwierige Verhältnis zwischen China und die USA
 
Kolumne Weltblick
 
>
 
USA und China: Das Rennen um KI
 
Finanzwelt
 
>
 
Ostkongo: Menschen kommen nicht mehr an ihr Geld
 
Lexikon
 
>
 
Mobile Money
 
Kurz & knapp
 
Rückspiegel
 
>
 
Vor 70 Jahren: Das erste Telefonkabel verbindet Europa und die USA
 
 
Weltwissen
Separator
 
Die Ukraine nimmt Russlands Öl ins Visier
Von Marie Welling
Zusammenfassung: Ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien haben bereits 27 von 32 großen Anlagen getroffen, heißt es in einem neuen Bericht der Internationalen Energieagentur. Der Raffineriedurchsatz ist im Juni um 30 Prozent auf ein 20-Jahres-Tief gesunken, und Russland hat Exporte von Benzin, Kerosin und Diesel verboten. Zudem muss das Land derzeit Kraftstoff über den Seeweg importieren, um der Nachfrage im Land gerecht zu werden. Das macht sich im russischen Staatshaushalt bemerkbar: Die Staatseinnahmen lagen zwischen Januar und August 2026 fast 17 Prozent unter dem Vorjahr.
 
Zum Beitrag
 
 
 
Südamerika auf dem Weg zur Erdölmacht
Von Tobias Käufer
Zusammenfassung: Brasilien, Venezuela, Argentinien und Guyana bauen ihre Ölproduktion massiv aus und positionieren sich als neue Akteure auf dem globalen Energiemarkt. Brasilien meldete zuletzt eine Rekordförderung von 4,5 Millionen Barrel pro Tag, während der Konzern Petrobras neue Explorationsbohrungen im Amazonas-Mündungsbecken vorantreibt. Venezuela schloss ein weitreichendes Abkommen mit den USA, das Washington die Kontrolle über rund 20 Prozent der venezolanischen Ölreserven sichern soll. Argentinien setzt auf das Erdölfeld Vaca Muerta, Guyana steigert seine Förderung durch ein von Exxon-Mobil geführtes Konsortium. Langfristig könnten die südamerikanischen Länder zumindest teilweise eine Alternative zu den traditionellen OPEC-Staaten werden.
 
Zum Beitrag
 
 
 
Wie KI die globale Ungleichheit verringern könnte
Von Sabine Balk
Zusammenfassung: Bill Gates und seine Stiftung sehen in Künstlicher Intelligenz großes Potential, globale Ungleichheit zu verringern. Sie warnen aber zugleich vor einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, wenn die Technologie nicht allen zugänglich gemacht wird. Bill Gates fordert nationale Aufsichtsbehörden und international abgestimmte Regeln für den KI-Einsatz, vergleichbar mit den Normen im Flugverkehr. Konkrete KI-Projekte zeigen bereits ihre Wirkung: In Sierra Leone erzielten Schüler mit einem KI-Lerntool in acht Wochen Fortschritte, die sonst bis zu zwei Schuljahre erfordern. In Kenia verbesserte ein KI-Assistent die Diagnosegenauigkeit in Gesundheitseinrichtungen um 16 Prozentpunkte.
Wie KI die globale Ungleichheit verringern könnte
Philanthrop Bill Gates mit dem indonesischen Präsidenten Prabowo Subianto beim Besuch einer Schule in Jakarta, in der Schüler ein kostenloses Mittagessen erhalten. Reuters
Zum Beitrag
 
Anzeige
 
+++ Trump-Xi-Gipfel +++
Separator
 
Peking muss seinen eigenen Weg in der Industriepolitik finden
Von Gustav Theile
Zusammenfassung: Chinas Industriepolitik steht vor einer neuen Herausforderung: Erstmals geht es nicht darum, etablierte Branchen aus dem Ausland zu kopieren, sondern, mit Flugtaxis und humanoiden Robotern völlig neue Industrien aufzubauen. Nachdem allerdings ein Kleinflugzeug in einen Pekinger Bankenturm geflogen war, wurde um die Stadt eine Flugverbotszone von der Größe Italiens eingerichtet. Zudem bremst der Staat Börsengänge von Roboterherstellern wegen überhitzter Spekulation. Die Behörden müssen nun die Balance zwischen Wachstumsförderung und Sicherheit finden, ohne die jungen Branchen abzuwürgen.
Peking muss seinen eigenen Weg in der Industriepolitik finden
Ein Flugtaxi von XPeng auf einer Messe in Peking Reuters
Zum Beitrag
 
 
 
Die Weltmacht China ist vom Ausland abhängig
Gastbeitrag von Stefan Messingschlager
Zusammenfassung: Chinas industrielle Stärke in Schlüsselbranchen wie Elektroautos und Batterien kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein akutes Missverhältnis zwischen Produktionskapazität und schwacher Binnennachfrage besteht. Solange die Haushalte Risiken wie Krankheit und Alter weitgehend selbst absichern müssen, bleibt das Vorsorgesparen hoch und der Konsum gedämpft. Die Abhängigkeit verlagert sich dadurch vom ausländischen Vorprodukt zum ausländischen Kunden. Jüngste Reformen wie die Gewährung öffentlicher Leistungen am tatsächlichen Wohnort statt am registrierten sollen gegensteuern.
Die Weltmacht China ist vom Ausland abhängig
Produktion in einem Elektronikunternehmen in Shangqiu in der Provinz Henan dpa
Zum Beitrag
 
 
 
China und die USA: Chronik eines schwierigen Verhältnisses
Von Doris Kappes
Zusammenfassung: Die Beziehungen zwischen China und den USA schwanken seit Jahrzehnten zwischen Konfrontation und Annäherung. Nach der Gründung der Volksrepublik 1949 erkannten die USA zunächst nur Taiwan an, bevor sie 1979 diplomatische Beziehungen zu Peking aufnahmen. Meilensteine wie Chinas WTO-Beitritt 2001 förderten die wirtschaftliche Verflechtung, doch Konflikte um Handel, Menschenrechte und Taiwan belasteten das Verhältnis wiederholt.
China und die USA: Chronik eines schwierigen Verhältnisses
Der chinesische Präsident Xi Jinping (rechts) und Donald Trump vor dem Himmeltempel in Peking Picture Alliance
Zum Beitrag
 
Kolumne Weltblick
Separator
 
Weltblick / Neu
 
Das Rennen um KI
Im Zuge des US-China-Gipfels wächst die Sorge vor einer außer Kontrolle geratenen Künstlichen Intelligenz. Washington und Peking eint dabei vor allem eines: Sie wollen keine wirkliche Regulierung.
Von Christian von Soest
Zugegeben, es ermüdet, aus dem endlosen Strom von Donald Trumps Selbstlob und Tiraden zu zitieren. Stunde um Stunde postet der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social Haltloses und Unglaubliches. Manches Mal lassen seine herausgeschleuderten Beiträge jedoch tief blicken. So feuert er gegen jede Regulierung Künstlicher Intelligenz (KI). Die besten KI-Leitplanken seien ein „starker und intelligenter (hoher IQ!) Präsident“. Warnungen bezeichnet er als „Schwindel“.
Klar ist: Der Teilchenbeschleuniger KI nützt Medizin, Technik und Unternehmen enorm, gefährdet aber zugleich Menschen und Gesellschaften. Ein Anthropic-Forscher bezifferte die Wahrscheinlichkeit, dass eine entfesselte KI uns alle in den kommenden zehn Jahren auslöscht, auf über zehn Prozent. Die Spitzenmodelle von Open AI, Anthropic und Google sind bereits aus ihren Testfeldern ausgebrochen und hackten sich in andere Netzwerke. So griff ein Schwarm von mehr als 700 Open-AI-Agenten die Plattform Hugging Face an.
Die Ingenieure können kaum Schritt halten, „Recursive Self-Improvement“ heißt das Stichwort. Spitzenmodelle programmieren sich zunehmend selbst und entgehen damit spielend der menschlichen Aufsicht. Das zweite Szenario: Die gesichtslose Intelligenz gerät in die falschen Hände von Cyberkriminellen, wobei es nicht nur um Datendiebstahl wie bei Berliner Behörden gehen kann, sondern um Cyberangriffe oder biologische Kriegsführung.
Anthropic-Chef Dario Amodei schlägt deshalb vor, KI-Modelle langsamer zu entwickeln und globale Regeln festzulegen. Anders als die Kollegen von Microsoft, Nvidia und Open AI hat ihn das Weiße Haus, wie es scheint, nicht zum Staatsbankett eingeladen.
Wie Atomwaffen und die Klimakrise ist KI-Kontrolle zum Überlebensthema geworden. Entscheidend kommt es dabei auf die führenden Mächte USA und China sowie deren Anführer Donald Trump und Xi Jinping an. Doch im beinharten Konkurrenzkampf werden sich Trump und Xi kaum auf ein KI-Abkommen einigen. Einig sind sich die beiden nur in ihrer regulierungsfeindlichen Haltung. Präsident Trumps Devise lautet: „Wer KI gewinnt, gewinnt.“
 
 
Finanzwelt
Separator
 
Ostkongo: Menschen kommen nicht mehr an ihr Geld
Von Judith Raupp
Zusammenfassung: Die von Ruanda unterstützte Rebellenmiliz M23 besetzt seit Anfang 2025 weite Teile der ostkongolesischen Provinzen Nord- und Süd-Kivu und schneidet die Städte Goma und Bukavu vom Rest des Landes ab. Die Zentralbank hält auf Anweisung der Landesregierung die Bankfilialen geschlossen, sodass die Bevölkerung weder an Erspartes noch an Löhne gelangt und Bargeld zur Mangelware wird. Unternehmen stehen vor einem doppelten Steuerproblem, da sowohl die Rebellen als auch die Regierung Abgaben verlangen. Dokumente wie Eheurkunden, Besitztitel oder Universitätsabschlüsse aus dem besetzten Gebiet drohen von Kinshasa nicht anerkannt zu werden.
 
Zum Beitrag
 
Lexikon
Separator
 
 
Lexikon / Neu
Mobile Money
Mobile Money ist ein digitaler Bezahl- und Geldtransferdienst, das den Zahlungsverkehr in vielen Ländern revolutioniert hat. Nutzer können über das Mobiltelefon Geld abheben, senden, empfangen, bezahlen oder sparen – ohne dafür ein klassisches Bankkonto haben zu müssen. Der Dienst funktioniert über eine digitale Geldbörse: Das Guthaben ist direkt mit der Handynummer oder einer Mobile Money Wallet verknüpft. Bargeld wird bei lokalen Agenten oder Händlern in digitales Guthaben umgewandelt oder kann dort abgehoben oder eingezahlt werden. Zahlungen und Überweisungen erfolgen meist in Echtzeit. Der wichtigste Vorteil dabei ist die finanzielle Inklusion. Es ermöglicht Menschen ohne Bankzugang, wie es in Entwicklungsländern oft weit verbreitet ist, die Teilnahme am Wirtschaftsleben. Es gibt verschiedene Mobile-Money-Anbieter: Ein erfolgreiches Beispiel ist M-Pesa, das in Kenia startete und mittlerweile in sechs weiteren afrikanischen Ländern genutzt werden kann.
 
Kurz & knapp
Separator
 
• Zu Beginn des Staatsbesuchs von Chinas Präsident Xi Jinping in den USA hat die US-Regierung eine Zollpause verlängert. Die bis November ausgesetzten zusätzlichen Zölle auf Importe chinesischer Waren werden laut Finanzminister Scott Bessent um weitere zwei Monate aufgeschoben. Wäre die Einigung ausgelaufen, hätte China auch seine Exportkontrollen auf Seltene Erden ausgeweitet.
• Die Weltbankgruppe hat im Geschäftsjahr 2026 mehr privates Kapital mobilisiert als je zuvor. Die Summe belief sich auf 112 Milliarden Dollar und damit 62 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Gleichzeitig vergab die Gruppe ein Rekordvolumen an Garantien. Ursprünglich sollte das Geld zur Bekämpfung des Klimawandels eingesetzt werden – mit Donald Trump jedoch an der Spitze der USA, die der größte Anteilseigner der Bank sind, liegt der Fokus nun stärker auf Infrastruktur und Jobs.
• Indiens Regierung führt zum 15. Oktober erstmals eine Gebühr auf größere Zahlungen über das dominierende digitale Bezahlsystem des Landes UPI (Unified Payments Interface) ein. Für Händlertransaktionen über 2000 Rupien fallen künftig 0,4 Prozent an. Nach Jahren des starken Wachstums will die Regierung das System nun monetarisieren.
• China hat eine groß angelegte, landesweite Suche nach kritischen Rohstoffen gestartet, eine „Offensive zur Ressourcenerschließung“. Die Initiative zielt darauf ab, mehr von Chinas landeseigenen Vorkommen zu erschließen und zu fördern , da die Nachfrage nach wichtigen Mineralien weiter steigen wird, teilte das Rohstoff-Ministerium mit. Man will die Suche auf Öl, Eisen, Kupfer und Aluminium konzentrieren, Ressourcen, an denen China Mangel leidet, sowie auf Seltene Erden.
 
 
Rückspiegel
Separator
 
Vor 70 Jahren: Das erste Telefonkabel verbindet Europa und die USA
Bald ist es möglich, zwischen Europa und den USA zu telefonieren: Arbeiter verlegen im Juni 1956 das Telefonkabel TAT-1, das in Neufundland anlandet. Getty
Vor 70 Jahren: Das erste Telefonkabel verbindet Europa und die USA
Von Sabine Balk
Am 25. September 1956 geht das transatlantische Fernsprechkabel TAT-1 in Betrieb. Zum ersten Mal ist es möglich, zwischen Europa und Nordamerika über eine unterseeische Leitung zu telefonieren.
Die Verbindung verläuft von der schottischen Westküste nach Neufundland. Von dort führen weitere Leitungen in das kanadische und amerikanische Telefonnetz. TAT-1 kann gleichzeitig 36 Gespräche übertragen, was für heutige Verhältnisse eine winzige Menge ist. Für Mitte des 20. Jahrhunderts bedeutet das jedoch einen gewaltigen Schritt: Der Atlantik verliert einen Teil seiner Distanz.
Bis dahin ist ein Telefonat zwischen Europa und Nordamerika technisch zwar möglich, aber unzuverlässig, umständlich und teuer. Seit 1927 besteht ein transatlantischer Telefondienst auf Basis von Kurzwellenfunk. Dieser Dienst kostet neun britische Pfund pro angefangene drei Minuten und muss Tage im Voraus angemeldet werden. Bei Gewitter, Sonnenstürmen oder atmosphärischen Störungen bricht die Verbindung regelmäßig komplett zusammen. Es konnten zuletzt 2000 Telefongespräche pro Jahr darüber abgewickelt werden. TAT-1 ersetzt diese Verbindung zwar nicht vollständig, bietet aber eine deutlich zuverlässigere und bessere Alternative. Seit 1866 gibt es überhaupt erst eine dauerhafte Transatlantikverbindung für Telegrafie.
TAT-1 beschleunigt Entscheidungen in der Wirtschaft
Der Telegraph, später der Telex, ist für Unternehmen deshalb lange das wichtigste internationale Kommunikationsmittel. Nachrichten werden schriftlich übermittelt, oft in knapper, standardisierter Form. Bestellungen, Preis- oder Finanzierungsanfragen können Tage benötigen. TAT-1 verändert vor allem diese Entscheidungsgeschwindigkeit. Ein Händler in London kann nun mit einem Geschäftspartner in New York sprechen, ein Reeder mit seinem Agenten in Montreal, eine Bank mit einer Niederlassung in Nordamerika.
Für den Welthandel ist das bedeutsam, weil die Nachkriegswirtschaft zunehmend international organisiert wird. Europa befindet sich im Wiederaufbau, die USA sind zur führenden Wirtschafts- und Finanzmacht aufgestiegen, und der transatlantische Warenverkehr nimmt wieder zu. Unternehmen kaufen Rohstoffe in Übersee, verkaufen Maschinen und Konsumgüter auf internationalen Märkten und bauen Tochtergesellschaften in mehreren Ländern auf. Die Globalisierung beginnt. Eine direkte Gesprächsverbindung wird wichtiger denn je.
Erster Schritt in der Kommunikationsrevolution
Am Anfang ist die Kapazität mit 36 Gesprächskanälen sehr gering, das Telefonieren teuer. Es wird zunächst vor allem von Regierungen, großen Unternehmen, Banken und anderen zahlungskräftigen Nutzern in Anspruch genommen. Der größte Teil des internationalen Geschäftsverkehrs bleibt weiterhin schriftlich. Dennoch ist TAT-1 ein Vorläufer der Kommunikationsrevolution, die später durch Satelliten, digitale Datenleitungen, Glasfaserkabel und das Internet weltweit beschleunigt wird.
 
 
Wie gefällt Ihnen dieser Newsletter?
Ihre Bewertung ist anonym
1 2 3 4 5
Gefällt mir nicht Gefällt mir sehr gut
 
Feedback per E-Mail senden.
 
 
Folgen Sie der F.A.Z.
Folgen Sie uns bei WhatsApp Folgen Sie uns bei Instagram Folgen Sie uns bei LinkedIn Folgen Sie uns bei Threads Folgen Sie uns bei YouTube Folgen Sie uns bei X Folgen Sie uns bei Facebook
Zur F.A.Z. App
 Apple App Store   Google Play Store 
F.A.Z. Newsletter
verwalten     entdecken
Newsletter „Weltwirtschaft“
abbestellen
Verantwortlicher Redakteur für F.A.Z. Premium Weltwirtschaft:
Dr. Christoph Hein
Kontakt: weltwirtschaft@faz.de

 
Copyright: Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH,
Pariser Straße 1, 60486 Frankfurt am Main, Hessen, Germany
Tel.: (0)69 7591-0, E-Mail: info@faz.net

HRB 7344, Amtsgericht Frankfurt am Main,
USt.-IDNr.: DE 114 232 732

Geschäftsführung: Dr. Volker Breid
Herausgegeben von Gerald Braunberger, Jürgen Kaube,
Carsten Knop, Berthold Kohler
 
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2001 – 2026
Alle Rechte vorbehalten.