Weltwirtschaft
                                                           
Donnerstag, 18.12.2025 | Zur Online Ansicht
 
 Frankfurter Allgemeine Pro
WELTWIRTSCHAFT
Alles Wichtige zu Globalisierung, Sicherheit und Ressourcen.
Merz europäisches Momentum
Während die Russen die Ukraine weiterhin angreifen, ein Schweigen der Waffen wenigstens über Weihnachten ablehnen, läuft der Verhandlungsmarathon.
Zu Wochenbeginn brachte Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin Europäer und Amerikaner mit Präsident Wolodymir Selenskyj zusammen. Zeitgleich lud der DIHK zum 8. Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforum. Die Geschäftsleute empfingen Selenskyj mit stehendem Applaus. Meine Kollegin Sabine Balk nutzte die Chance, Wirtschaftsminister Oleksii Sobolev zu interviewen. In Den Haag wurde dann über Auflistung und Reparation der Schäden durch die Angriffe Moskaus gesprochen. Den Höhepunkt bilden die heutigen Verhandlungen in Brüssel über den Zugriff auf die eingefrorenen Zentralbankguthaben Moskaus.
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Christoph Hein
Leiter F.A.Z. PRO Weltwirtschaft
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Ob die Initiativen der Europäer reichen werden, US-Präsident Donald Trump bei der Stange zu halten, ist angesichts dessen Sprunghaftigkeit mehr als ungewiss. Dass ein Immobilienhändler und ein Schwiegersohn Trumps mit Milliardenvermögen als amerikanische Unterhändler über Krieg und Frieden verhandeln, ist an sich schon ein Skandal. Wie schon bei seinen Auftritten in der arabischen Welt hat es der Trump-Clan nicht nötig, seine wahren Interessen zu verschleiern. Dass Moskau den vorgelegten Plan mit zynischen Worten ablehnen wird, scheint vorgegeben.
Dennoch hat sich etwas geändert. Merz ist es gelungen, Europa zu stärken. Die Europäer haben, getrieben von Trump, einen eigenen Plan vorgelegt. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die aber nie selbstverständlich war.
Auch saßen in Berlin eben nicht nur Deutschland und Frankreich am Tisch, sondern auch Polen, skandinavische Länder und die Niederlande. Dass nun die Debatte über eine Schutztruppe losgetreten ist, führt zu reinigenden Gewittern. Wegducken reicht nicht mehr. Die engere militärische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine und der Bau einer Fabrik in Bayern für rund 100 Millionen Euro zur Produktion von gut 10.000  ukrainischen Drohnen weisen in dieselbe Richtung.
Es geht um die Ukraine und die Menschen dort. Es geht aber auch darum, dass Europa seine Souveränität wiedererlangt, dass es sich angesichts der russischen Bedrohung und der eigenen Zerstrittenheit neu aufstellen muss. Der Umgang mit der Ukraine ist eine Chance, auf der Weltbühne ein Vakuum zu füllen – Trumps Selbstbereicherungsmaschine Amerika, der Einparteienstaat China oder Moskaus Kriegsregime dürfen nicht die einzigen Wahlmöglichkeiten bei der Partnersuche von Schwellen- und Entwicklungsländern sein.
Gelänge es, an diesem Donnerstag Zugriff auf die rund 210 Milliarden Euro des Kriegstreibers zu bekommen, hätte Putin sich verrechnet: Er dürfte dann nicht nur mit amerikanischen Geschäftsleuten über das Filetieren der Ukraine scherzen, sondern stünde einem gestärkten Europa gegenüber.
Was sind Ihre Ideen für den Umgang Europas mit der Ukrainekrise? Schreiben Sie uns unter weltwirtschaft@faz.de. Ihre Kommentare zur Verteidigung Europas haben wir in dieser Ausgabe auf einer Seite zusammengestellt.
Unsere nächste Ausgabe erscheint am 1. Januar 2026. Wir wünschen Ihnen, trotz angespannter Zeiten, Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch!
Ihr Christoph Hein
 
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Daten zur Weltlage
Weltwissen
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Optimismus in der Polykrise
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Wirtschaftsminister der Ukraine: „Russland steht vor der Rezession“
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Bulgariens ungeliebte Euroeinführung
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Chronik: Zwölf Monate Turbulenzen in der Weltwirtschaft
Sicherheit
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Kolumne Weltblick: Flugzeugträger gegen Völkerrecht
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Leserfrage: Sind unsere Lieferketten endlich sicher vor den Huthis?
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Das meinen unsere Leser zum Thema Sicherheit
Klima & Ressourcen
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Alles Wesentliche zum Mercosur-Abkommen
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Machtwechsel in Chile: Neuanfang im Lithium-Dreieck
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So lösen Stablecoins Finanzkrisen aus
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Was sonst noch wichtig ist: Ölpreis, Taiwan, Japans Exportanstieg
Business Class
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F.A.Z.-Zitat der Woche, Meistgelesen
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Rückspiegel: Ende der Sklaverei vor 160 Jahren
Daten zur Weltlage
 
 
Die EU-Kommission hat Dänemark erlaubt, 3,8 Milliarden Euro an Subventionen für Carbon-Capture-Anbieter bereitzustellen. Sie erhalten von 2029 bis 2040 Zuschüsse für jede Tonne Kohlendioxid, die sie abscheiden und speichern. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
 
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Weltwissen
 
Optimismus in der Polykrise
 
 Während viele Deutsche Osteuropa noch als rückständig betrachten, haben Länder wie Polen, Bulgarien oder die Tschechische Republik längst ökonomisch aufgeholt. Von ihnen kann Deutschland lernen, wie man mit Transformation umgeht.
Von Stefan Kolev, Leiter des Ludwig Erhard Forums 
Wer mit dem Zug von Warschau nach Berlin fährt, spürt eine Art negativen Ruck – das Gegenteil von dem also, was Bundespräsident Roman Herzog 1997 seinen Mitbürgern wünschte. Die digitale Infrastruktur wird schlechter, die Freundlichkeit des neuen Serviceteams im Speisewagen lässt nach, die Anzahl verwahrloster Provinzbahnhöfe nimmt zu – etwas trübt sich ein.
 
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„Russland steht vor der Rezession“
 
Der ukrainische Wirtschaftsminister Oleksii Sobolev spricht im Exklusivinterview über die Kooperation mit deutschen Rüstungskonzernen, die Zukunft des Donbass und den Stand der Friedensgespräche.
Von Sabine Balk
Herr Sobolev, was erwarten Sie von der aktuellen europäischen Friedensinitiative?Sobolev: Mein Team und ich sind an den wirtschaftlichen Themen des Friedensplans beteiligt, während andere Teams die Sicherheitsaspekte verhandeln. Ich denke, dass der Umfang der Diskussionen und die erzielten Fortschritte so groß sind wie nie zuvor. Das sehe ich als positiv. Leider sind dies nicht die ersten Friedensgespräche mit Russland, und es bleibt abzuwarten, ob Wladimir Putin endlich ernsthaft verhandelt.
Bevor er im Juli 2025 ukrainischer Wirtschaftsminister wurde, war Oleksii Sobolev, Jahrgang 1983, unter anderem Investmentmanager und verantwortete Prozorro.Sale, eine Auktionsplattform für öffentliche Vermögenswerte. Reuters
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Bulgariens ungeliebter Euro
 
Bulgarien befindet sich in einer Dauerkrise, Massendemonstrationen haben die Regierung gestürzt. Dennoch wird der Euro zum Jahreswechsel eingeführt. Das Land könnte vorerst das letzte sein, das der Eurozone beitritt.
Von Andreas Mihm
Zwei neue Feiertage haben die Regierung nicht retten können: Mit der zum 1. Januar 2026 geplanten Einführung des Euro in Bulgarien bekommen die Menschen dort zwei arbeitsfreie Tage spendiert. Ein freier Tag vor dem Jahreswechsel, ein weiterer danach sollten der reibungslosen Umstellung von Lew auf Euro dienen. Geholfen hat es der Regierung nicht: Nach Massenprotesten musste Ministerpräsident Rossen Scheljaskow vor wenigen Tagen den Rücktritt der Regierung erklären.
 
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Chronik: Zwölf Monate Turbulenzen in der Weltwirtschaft
 
Liberation Day, BRICS-Gipfel, Mercosur: Selten wurde so viel über Zölle und Handelspolitik debattiert wie im zu Ende gehenden Jahr. Damit der Überblick nicht verloren geht, hier die wichtigsten weltwirtschaftlichen Ereignisse in der Chronik.
Von Jacob Kramer
20. Januar. Donald Trump tritt seine zweite Amtszeit als Präsident an. Am ersten Tag unterschreibt Trump mehr Executive Orders als seine Vorgänger. Er etabliert die „America First“-Politik für Rohstoffe, wendet sich gegen eine globale Mindeststeuer der OECD von 15 Prozent, kündigt den Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO) an, erlaubt weitere Ölbohrungen in Alaska, widerruft Umweltvorgaben seines Vorgängers und will alle Handelsabkommen neu verhandeln.
Weltweit gab es Protest gegen die Handelspolitik von Donald Trump, wie hier im September in London. EPA
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Sicherheit
 
Kolumne Weltblick: Flugzeugträger gegen Völkerrecht
 
Nicht erst mit der Blockade von Öltankern aus Venezuela bricht Washington das Völkerrecht. Trump agiert ohne erkennbare Strategie. Eine Demokratisierung in Caracas ist dadurch unwahrscheinlich.
Von Christian von Soest
Es ist eine Festung auf dem Meer. Die USS Gerald R. Ford misst mehr als 330 Meter und kann über 75 Kampfjets katapultieren. Der größte Flugzeugträger der Welt patrouilliert demonstrativ vor Venezuelas Küste. Doch dabei belässt es US-Präsident Donald Trump nicht. Diese Woche hat er einen Tanker beschlagnahmt, der Öl nach Kuba und China transportieren wollte, und eine „komplette Blockade“ von Öltransporten von und nach Venezuela angekündigt.
Unser Kolumnist hat die Welt im Blick. Jasper Hill
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Sind unsere Lieferketten endlich sicher vor den Huthis?
 
Ihre Leserfrage: Bringt der Waffenstillstand in Gaza wieder Sicherheit vor Huthi-Angriffen im Roten Meer? Ein Fachmann für maritime Sicherheit antwortet.
Von Moritz Brake, Sicherheitsberater und Reserveoffizier
Es ist für die den Jemen kontrollierenden Huthi einfach zu verlockend, die Angriffe auf westliche Schiffe im Roten Meer als Druckmittel und für die eigene Machtbasis zu nutzen. Solange es nicht gelingt, den Druck auf die Huthi so zu erhöhen, dass die Angriffe unattraktiv oder undurchführbar werden, werden sie Gründe finden, warum es immer wieder zu neuen Attacken kommt.
Sie fragen – wir lassen einen Experten antworten. Illustration: Katharina Hofbauer
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Das meinen unsere Leser
 
Zum Leitartikel „Verteidigung muss großgeschrieben werden“ über die neue US-Sicherheitsstrategie im Newsletter von vergangener Woche erreichten uns zahlreiche Leserzuschriften. Wir veröffentlichen einige in Auszügen.
„Es war doch von Anfang an klar, dass Europa jedweden Ausfall von US-Zahlungen und militärischen Lieferungen an die Ukraine in keiner Weise kompensieren kann. Dazu sind alle europäischen Staaten schon jetzt viel zu hoch verschuldet, und kein europäisches Land verfügt über die militärischen Ressourcen, um nennenswerte militärische Lieferungen leisten zu können.“
Leser zu Gast bei F.A.Z. PRO Weltwirtschaft im F.A.Z. Tower Johannes Jost
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Klima & Ressourcen
 
Alles Wesentliche zum Mercosur-Abkommen
 
Nach 26 Jahren Verhandlungen wackelt das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten kurz vor dem Abschluss. Doch was steht eigentlich darin? Die wichtigsten Fakten und Kritikpunkte.
Von Falk Heunemann
Kippen Frankreich und Italien in letzter Minute doch noch ein Abkommen, über das EU-Diplomaten seit 1999 verhandeln? Und das, nachdem das EU-Parlament schon zugestimmt hat? In diesen Tagen könnte sich entscheiden, ob mit dem Mercosur-Vertrag die größte Freihandelszone der Welt entsteht. Doch die Kritik daran ist fast ebenso groß wie die Hoffnungen.
Bauern gegen freien Handel: Nicht nur in Frankreich protestieren vor allem Landwirte gegen das Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten in Südamerika. AP
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Neuanfang im Lithium-Dreieck
 
Die Lithium-Förderländer Argentinien, Bolivien und Chile waren lange Jahre linksregiert. Nun erfolgt die Weichenstellung in die andere Richtung. Das dürfte den globalen Wettlauf um den weltweit begehrten Rohstoff anheizen.
Von Tobias Käufer
So etwas hat die Anden-Nation Bolivien seit 20 Jahren nicht mehr erlebt. Erst machte mit Christian Wulff ein ehemaliger Bundespräsident als Sondergesandter bei der Amtseinführung des christdemokratischen Präsidenten Rodrigo Paz Anfang November Lobbyarbeit für deutsche Lithium-Interessen. Keine 48 Stunden später stellte sich der aktuelle Außenminister Johann Wadephul den neuen Amtsträgern vor.
 
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Finanzen
 
So lösen Stablecoins  Finanzkrisen aus
 
Stablecoins gelten als kursstabile Kryptowährungen, selbst die US-Regierung setzt inzwischen auf sie, um den Dollar zu stärken. Doch sie bergen geldpolitischen Sprengstoff – und liefern Argumente für den digitalen Euro.
Von Rolf J. Langhammer, Ökonom am Kiel Institut
Der Markt für Stablecoins, dem digitalen, von privaten Fintech-Unternehmen am Bankensektor vorbei ausgegebenen und durch Blockchains verschlüsselten Zahlungsmittel, wächst rasant. Schätzungen zufolge sollen 2023 Stablecoin-Transaktionen die der Bitcoin-Transaktionen bereits um das Zwei- bis Vierfache übertroffen haben.  Stablecoins werden zu fast 100 Prozent in US-Dollar ausgegeben und fließen überwiegend ins Ausland.
 
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Lesezeichen
 
Was sonst noch wichtig ist
  • Die Ölpreise sind auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gefallen, Brent Crude steht aktuell bei rund 60 Dollar je Barrel (159 Liter). Gründe sind die anhaltende starke Ölproduktion sowie Hoffnungen auf einen Waffenstillstand in der Ukraine, mit dem Sanktionen gegen Russland gelockert werden könnten.
  • Japans Export ist den dritten Monat in Folge gestiegen  und hat im November im Vergleich zum Vorjahr um 6,1 Prozent zugelegt. Die Ausfuhr in die USA erholte sich erstmals seit acht Monaten und stieg um 8,8 Prozent, Autoausfuhren stiegen um 1,5 Prozent.
  • Taiwan hat einen Rekord chinesischer Militärflugzeuge verzeichnet, die in Taiwans Luftraum eingedrungen sind: In diesem Jahr seien 3570 Maschinen eingedrungen, verglichen mit 3070 im gesamten Jahr 2024, heißt es aus Taipeh.
  • Die Afrikanische Entwicklungsbank AfDB hat erstmals elf Milliarden Dollar für Entwicklungshilfeprojekte in Afrika eingesammelt. Allein zwei Milliarden Dollar stammen aus einem OPEC-Entwicklungsfonds. Erstmals hätten 19 afrikanische Staaten Geld zugesagt. Das Engagement ist womöglich eine Reaktion auf den Rückzug der USA, die der AfDB ursprünglich 555 Millionen Dollar zugesagt hatten.
 
Business Class
 
F.A.Z.-Zitat der Woche
„Die EU darf ihre Zukunft nicht den kurzfris­tigen Interessen französischer Bauern opfern.“
Hendrik Kafsack, Wirtschaftskorrespondent in Brüssel, kommentiert den Streit in der EU um das Mercosur-Abkommen.
Meistgelesen in F.A.Z. PRO Weltwirtschaft
Asien analysiert: Warum Indien keine Alternative zu China ist
Wenn deutsche Unternehmen ihre Abhängigkeit von China reduzieren wollen, wird oft Indien genannt. Doch indische und deutsche Interessen passen nicht überall zusammen.
Rückspiegel
Vor 160 Jahren: Ende der Sklaverei in den USA. Seit ihrer Gründung sind die Vereinigten Staaten fast ein Jahrhundert lang der Frage ausgewichen, wie es die Republik trotz ihres freiheitlichen Gründungsmythos mit der Sklaverei hält. Am Ende muss ein Bürgerkrieg mit mehr als 620.000 Toten eine Antwort darauf geben. Nach seinem Ende, und nachdem 27 der damals 36 Bundesstaaten zugestimmt haben, kann schlussendlich am 18. Dezember 1865 der 13. Zusatzartikel zur Verfassung in Kraft treten, mit dem der Besitz von Sklaven abgeschafft wird. Der Sklavenimport in die USA war schon seit 1808 verboten.
US Amerikanische Geschichte, Baumwollpflücken, 19. Jahrhundert
Idealisierte Darstellung aus dem 19. Jahrhundert: Sklaven pflücken Baumwolle in den amerikanischen Südstaaten. Picture Alliance
Die Sklavenfrage hat die Staaten auch deshalb so gespalten, weil damit zwei grundlegend verschiedene Wirtschaftssysteme konkurriert haben: sklavenbasierte Agrarwirtschaft im Süden, die vor allem viele Arbeitskräfte für monotone Erntearbeiten benötigt, gegen den industrialisierten Norden, der Arbeiter braucht, die ständig neue und immer komplexere Fertigungsschritte erlernen sollen, wozu sie mit Lohnanreizen motiviert werden – oder sie können gegen Fähigere ausgetauscht werden.
Mit dem Ende des Bürgerkriegs ist klar, dass Industrialisierung und Lohnarbeit sich in den USA durchsetzen: Die Investitionen verlagern sich von der Baumwollherstellung in Eisenbahnen, Stahlwerke und den Maschinenbau, die Industrieproduktion zwischen 1865 und 1880 verdoppelt sich, der Weg vom Agrarstaat zur industriellen Weltmacht ist angelegt.
Die amerikanische Baumwollproduktion bricht auf ein Drittel ein. Das schmerzt nicht nur amerikanische Plantagenbesitzer, sondern auch britische Fabrikanten, die in den amerikanischen Süden investiert hatten. Ihr Blick richtet sich jedoch schnell auf Ausweichmärkte, insbesondere Ägypten und Indien, zwei Staaten unter britischer kolonialer Kontrolle. Dort werden die Bauern animiert, statt Nahrungsmitteln die begehrte Baumwolle anzubauen – auch wenn dies bald Hungersnöte in diesen Ländern verursacht. Die USA verlieren für immer die Weltmarktführerschaft bei Baumwolle. Die globalen Lieferketten verschieben sich in Richtung Afrika und Asien. Nicht zum letzten Mal.
 
 
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