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Auch in Peking stinkt der Fisch vom Kopf
Alle Augen sind auf Alaska gerichtet, wo Donald Trump das Schicksal der überfallenen Ukraine mit Wladimir Putin verhandeln wird. Der Wirbel, den Trump entfacht, kommt Peking zugute. Es segelt unter dem Radarschirm.
Indien betrachtete sich jahrelang als Partner der USA und strategisch so bedeutend, dass es allein dadurch geschützt sei. Es sonnte sich in seiner Rolle als demokratischer Gegenpol zu China. Angesichts des zum 27. August drohenden US-Importzollsatzes von 50 Prozent und der Ausweisung indischer Computerspezialisten aus den USA war das eine Fehlkalkulation.
Zwar schließen sich in Neu Delhi nun in der üblichen anti-kolonialen Haltung die Reihen. Doch trotz aller Beteuerungen, sich nicht einschüchtern lassen zu wollen, wächst die Sorge vor dem Verlust des Zugangs zum US-Markt.
Ganz anders China. Obwohl es mehr Öl aus Russland kauft als die Inder, bleiben den Chinesen die Sekundärzölle bislang erspart. Die Chip-Frage scheint Trump über eine Art Exportsteuer lösen zu wollen. Gespräche über ein langfristiges Handelsabkommen werden hinter geschlossenen Türen geführt. Der Unterschied zu Indien: Peking ist für die USA in jeder Hinsicht bedeutender als Neu Delhi. Vor allem weil China hinter Japan und gleichauf mit Großbritannien der größte Gläubiger der USA ist. Und als Trump die Zölle anhob, drehte es für kurze Zeit die Versorgung mit Seltenen Erden ab.
Chinas Gewicht steht auf drei Säulen: Seiner Wirtschaftskraft, seiner militärischen Stärke und dem Machtgefüge von Präsident Xi Jinping. Die Wirtschaftskraft bleibt – trotz spektakulärer Nachrichten aus dem Sektor der Künstlichen Intelligenz – unter Druck. Seine militärische Stärke wirkt beängstigend. Doch zeigt das Bild Risse: Drei der sieben Mitglieder der Zentralen Militärkommission wurden verhaftet oder verschwanden, auch Dutzende Spitzenmanager der Rüstungsindustrie werden festgenommen.
Die weitgehend verborgenen Säuberungsaktionen bieten Hinweise auf die Lage im Land: Die Streitkräfte sind nicht so loyal und organisiert, wie es den Anschein hat. Präsident Xi Jinping greift durch, weil er es muss. In der Parteidiktatur ist die Partei nichts, wenn sie sich nicht auf ihre „Volksbefreiungsarmee“ verlassen kann. Xis eigenes Schicksal hängt daran, dass deren Führung hinter ihm steht.
Ob bei solchen Schwachstellen und Umwälzungen Chinas Armee bis 2027 wirklich für einen Angriffskrieg um Taiwan gerüstet ist, bleibt fraglich. Niemand sollte sich in Sicherheit wiegen, die Demokratien sollten sich militärisch und wirtschaftlich rüsten. Klar ist aber auch: Nicht nur Trump hat Probleme. Auch in China stinkt der Fisch vom Kopf her.
Bleiben Sie gelassen!
Ihr Christoph Hein
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Die Europäische Union hat Anti-Dumping-Zölle von bis zu 83,9 Prozent auf Bariumcarbonat-Produkte aus China und Indien eingeführt. Bariumcarbonat wird für Zement und andere Baustoffe verwendet. Weitere aktuelle Konflikte, Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
Was auch immer beim Trump-Putin-Gipfel herauskommt: Ökonomen rechnen nicht mit einem schnellen Ende des Krieges in der Ukraine. Sie fürchten, dass Kiew finanziell die Luft ausgeht.
Von Sabine Balk
„Schon die Gestaltung des Treffens ist sehr besorgniserregend“, findet Olga Pindyuk. Die Ukraine-Expertin beim Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) zeigt sich wie viele Beobachter wenig optimistisch bezüglich des bevorstehenden Gesprächs in Alaska, „da die Ukraine als wichtiger Akteur und auch andere Verbündete aus dem Westen wie die EU nicht mit am Tisch sitzen“, sagt sie im Gespräch mit F.A.Z. PRO Weltwirtschaft.
Das Treffen von Trump und Putin in Alaska passt ins Geschichtsbild: So wie einst Stalin, Roosevelt und Churchill 1945 wollen sie eine neue Ordnung unter sich ausmachen. Europa bleibt nur eine Rolle am Rande der Weltbühne.
Von Klaus-Dieter Frankenberger
Bislang hat die Regierung Donald Trump die Welt vor allem mit ihren Importzöllen in Aufregung versetzt, bis hin zur Panik. Nun lässt das Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin viele den Atem anhalten aus Furcht, womöglich könnten über die Köpfe der betroffenen Ukrainer territoriale Absprachen getroffen werden: eine Art Mini-Jalta, nur dieses Mal nicht auf der Krim, sondern in Alaska.
Europas Regierungschefs an der Seite der Ukraine (von links): Keir Starmer (Großbritannien), Wolodymyr Selenskyj (Ukraine), Emmanuel Macron (Frankreich), Donald Tusk (Polen), Friedrich Merz (Deutschland) im Mai. dpa
Donald Trump ist es gelungen, Indiens Vertrauen in die USA im Eiltempo zu zerstören. Ein Vasall Washingtons will Neu Delhi nicht werden, analysiert ein Südasienwissenschaftler.
Von Tobias Scholz
Nachdem die US-Regierung Indien mit einem Zollsatz von 25 Prozent belegt hatte, setzte US-Präsident Donald Trump eine Woche später noch einmal nach. Grund für weitere 25 Prozent Zoll waren laut Trump die indischen Ölimporte aus Russland. Im Rekordtempo hat Trump es dabei geschafft, Indiens Vertrauen aus 20 Jahren strategischer Partnerschaft nahezu vollständig zu verspielen.
Damals noch Freunde: Der amerikanische Präsident Donald Trump und der indische Ministerpräsident Narendra Modi im Februar 2020 in Neu Delhi AFP
Ein Jahr, nachdem der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus die Interimsregierung in Bangladesch übernahm, fällt die Bilanz ernüchternd aus. Die Wirtschaft ist verunsichert, muslimische Parteien blockieren Reformen, erklärt der frühere deutsche Botschafter.
Von Thomas Prinz
„Frauen und Mädchen haben Angst irgendwohin zu gehen. Sie haben Angst vor dem Mob, vor sexueller Belästigung und fundamentalistischen Drohungen. Früher hatten wir Angst zu reden. Heute haben wir Angst, unsere Wohnung zu verlassen“, schreibt eine Nutzerin unter dem Namen „echoecho“ auf einer Internetplattform zur heutigen Lage in Bangladesch.
Hartnäckig hält sich der Mythos, Despoten könnten effizienter regieren als Parlamente. Das Gegenteil sei der Fall, versichert unser Kolumnist.
Von Christian von Soest
Lew Kuan Yew ist Singapurs Übervater. Der erste Ministerpräsident des asiatischen Stadtstaates herrschte über 30 Jahre und gilt als Treiber des Wirtschaftswunders der Nation. Doch der Erfolg forderte seinen Preis: LKYs Regime duldete keinen Widerspruch, Kritiker landeten schnell im Gefängnis und wurden mit drakonischen Strafen belegt.
Unser Kolumnist hat die Welt im Blick. Jasper Hill
Wegen der hohen US-Importzölle in Höhe von 50 Prozent hat Brasilien ein Hilfspaket für Unternehmen in Höhe von knapp 5 Milliarden Euro aufgelegt. Der Zoll ist so hoch, weil die US-Regierung kritisiert, dass Ex-Präsident Jair Bolsonaro wegen Putschversuchs angeklagt wird.
Die Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO) rechnet nun für 2025 mit einem Plus von 0,9 Prozent für den weltweiten Warenhandel (April-Prognose:- 0,2 Prozent). Die Aufwärtskorrektur sei vor allem auf Vorzieheffekte bei den Importen in die USA zurückzuführen.
Die italienische Regierung will chinesische Beteiligungen an wichtigen Unternehmen in strategischen Sektoren wie Energie, Technologie und Infrastruktur begrenzen. Laut Medienberichten konzentriert sich Rom auf Unternehmen wie den Reifenhersteller Pirelli, an dem die
chinesische Sinochem International Corporation 37 Prozent hält.
Lange galt der arktische Raum als befriedete Zone. Das ist vorbei. Moskau ist ausgeschert, die NATO hat Nachholbedarf. Nun zeigt sich erstmals die deutsche Marine in der Region.
Von Christoph Hein
Trumps Griff nach Grönland hat die Aufmerksamkeit auf die strategische Bedeutung der Arktis für die Europäische Union gelenkt. So entsendet die Bundeswehr nun erstmals eine Arktis-Patrouille mit dem Einsatzgruppenversorger Berlin in die Region. Deren Route führt über Island, Grönland und bis nach Kanada. Dort wollen die Deutschen zum ersten Mal am kanadischen Manöver Nanook teilnehmen.
Der Antarktisvertrag könnte ein Modell für internationale Zusammenarbeit werden. Die Bedeutung des weißen Kontinents und seiner Rohstoffe wachse stündlich, mahnt die Büroleiterin der KAS in Argentinien.
Von Susanne Käss
Der Antarktis kommt im Klima- und Artenschutz eine fundamentale Rolle zu. Es handelt sich um eines der unberührtesten Ökosysteme der Welt mit einer beeindruckenden Artenvielfalt. Im Eis des Kontinents konzentrieren sich rund 70 Prozent der Süßwasserreserven unseres Planeten.
Die amerikanische Küstenwachschiff Polar Star vor der amerikanischen Forschungsstation Palmer Station in der Antarktis während des Marine-Manövers Deep Freeze 2023. Picture Alliance
Arktis und Antarktis haben seit ihrer Entdeckung nicht nur Forscher begeistert, sondern bald auch das Interesse von Militärs und Managern geweckt. Heute blicken Klimaschützer und Politiker immer stärker auf die Region, wie unsere Chronik zeigt.
Von Gaby Bock
1558. Der Holländer Willem Barents kartografiert erstmals den Nordpol als Mittelpunkt eines Meeres, das von Kontinenten umgeben ist. Barents stirbt bei einer Schiffsexpedition, die die Nordostpassage von Europa zum Pazifik entlang der russischen Küste finden wollte, auf halber Strecke nahe der Insel Nowaja Semlja.
1845–1848. Der britische Polarforscher John Franklin versucht, per Schiff die Nordwestpassage vom Atlantik bis zum Pazifik nördlich des amerikanischen Kontinents zu finden. Die mehrjährige Expedition scheitert im Packeis, alle Teilnehmer sterben.
Der norwegische Polarforscher Roald Amundsen mit der Flagge von Norwegen am Südpol, den er am 15.12.1911 erreichte Picture Alliance
Drohnen werden an der Front in der Ukraine immer wichtiger und machen Helikopter fast überflüssig. Hochmoderne ferngesteuerte Drohnen sind schneller als moderne Kampfhubschrauber, und die Drohnen Kiews haben mehrere direkte Treffer auf russisches Gerät im Flug gelandet.
In der Demokratischen Republik Kongo ist es trotz einer vereinbarten Waffenruhe wieder zu heftigen Kämpfen zwischen der Armee und der vom Nachbarland Ruanda unterstützten M23-Miliz gekommen. Die M23 drängte Soldaten der Armee nach gewaltsamen Zusammenstößen aus der Umgebung der Stadt Mulamba in der Region Süd-Kivu zurück, wie die Nachrichtenagentur AFP erfuhr.
Vor 50 Jahren hat schon einmal ein US-Präsident versucht, mit höheren Importzöllen und dem Ende des Goldstandards die Globalisierung zurückzudrehen. Die Folgen des Nixon-Schocks waren aber andere als erwartet.
Von Falk Heunemann
Der Finanzminister sieht die Weltlage schlicht: „Die Ausländer wollen uns abzocken. Unsere Aufgabe ist es, sie zuerst abzuzocken.“ Wenn das amerikanische Handelsdefizit sinken solle, müssten die Importzölle steigen, auf zehn bis 15 Prozent für alle Handelspartner. „Was können die dagegen schon unternehmen?“ Die Position, die John Connally, Finanzminister unter US-Präsident Richard Nixon, vor ziemlich genau 50 Jahren vorträgt, klingt in diesen Wochen bemerkenswert vertraut.
Höhere Zölle als vermeintliches Zeichen der Stärke: US-Präsident Richard Nixon 1971 Picture Alliance
Sie fragen: Sollten sich die willigen Länder angesichts der Zölle der Amerikaner nicht zu einer eigenen Welthandelsorganisation zusammenschließen? Nein, antwortet ein Ökonom, es gebe andere Lösungen.
Von Rolf J. Langhammer
Die Idee ist nicht neu. Sie wurde bereits in der ersten Amtszeit von Donald Trump 2018 vom ehemaligen Generaldirektor der Welthandelsorganisation (World Trade Organisation, WTO), Pascal Lamy, in die Diskussion gebracht. Dazu kam es nicht, und es sieht nicht so aus, als könnte jetzt ein Klub der Willigen zustande kommen.
Sie fragen – wir lassen einen Experten antworten. Illustration: Katharina Hofbauer
Um den schwachen Binnenkonsum anzukurbeln, will China Konsumentenkredite subventionieren, in Höhe von einem Prozentpunkt des Kreditzinses. Bisher werden nur knapp drei Prozent aller Verkäufe im Einzelhandel kreditfinanziert.
Der Ölpreis ist gesunken, nachdem die Weltenergieagentur IEA (International Energy Agency) vor einem Überangebot an Öl gewarnt hat. Das Angebot wachse auf 2,5 Millionen Barrel täglich, während die Nachfrage weiter sinke. Anlass ist, dass die ölfördernden OPEC+-Staaten ihre Fördermengen ausweiten.
Die Reserve Bank of Australia hat den Leitzins zum dritten Mal in diesem Jahr um 0,25 Prozentpunkte auf 3,60 Prozent gesenkt, er liegt damit so tief wie seit zwei Jahren nicht. Finanzmärkte rechnen mit einer weiteren Absenkung in diesem Jahr.
Schweizer fürchten den Mokkatassen-Effekt Nicht nur die hohen Importzölle der USA bedrohen die Schweiz. Seit Jahresbeginn hat der Franken auch noch stark aufgewertet. Ökonomen warnen vor den Folgen, doch der Spielraum der Notenbank ist begrenzt.
Rückspiegel
Vor 90 Jahren: Das erste Tonbandgerät.
Gespräche und Musik aufnehmen, schneiden, kürzen, unterwegs abspielen und später auch löschen – was mit digitaler Technik selbstverständlich scheint, war selbst für Musikstudios, Rundfunksender und Journalisten jahrzehntelang undenkbar. Zwar hatte Thomas Edison schon 1877 den Phonographen mit seiner Tonwalze vorgestellt, zehn Jahre später folgte die Schallplatte. Doch was darin eingekratzt war, war nicht nur stark verrauscht, sondern auch unveränderlich, inklusive aller Räusperer und Kratzer. Erst das Tonband hat Schnitte, wiederholte Aufnahmen und später auch den mobilen Musikgenuss dank der Tonband-Kassette ermöglicht.
Größenvergleich: Das erste Tonbandgerät „Magnetophon K1“ von AEG 1935 (Tisch) und ein kleinerer Tonbandrekorder der AEG-Tochter Telefunken aus dem Jahr 1965 Picture Alliance
Dabei interessierte sich der Erfinder Fritz Pfleumer gar nicht für Musik, sondern zunächst für Zigaretten. Mitte der Zwanzigerjahre sucht der Österreicher nach einem Weg, Zigarettenmundstücke derart zu beschichten, dass die Bronze nicht abfärbt. In einem Pariser Café, so die Legende, soll ihm dann 1927 die Idee gekommen sein, das Verfahren auch bei Tonaufzeichnung zu nutzen, indem auf einem Papierstreifen magnetisierbarer Stahlstaub fixiert wird.
Das Unternehmen AEG entwickelt aus dieser Idee erste Prototypen und kann schließlich am 16. August 1935 das erste Tonbandgerät „Magnetophon K1“ auf der Funkausstellung in Berlin präsentieren. Das beschichtete Tonband, nun aus Kunststoff, hat BASF gefertigt. Doch nach drei Tagen bricht ein Feuer in der Messehalle aus, alle vier Prototypen werden vernichtet. Ein Jahr später gibt es schon das Magnetophon K3, das für den mobilen Einsatz ausgelegt ist.
Die zugrunde liegende Technik revolutioniert die Audioaufzeichnung und dominiert sie für Jahrzehnte. Erst in den Neunzigern des 20. Jahrhunderts wird sie durch digitale Aufnahmeverfahren abgelöst.