Weltwirtschaft
                                                           
Donnerstag, 05.03.2026 | Zur Online-Ansicht
 
 Frankfurter Allgemeine Pro
WELTWIRTSCHAFT
Alles Wichtige zu Globalisierung, Sicherheit und Ressourcen.
Die Chancen nach dem Krieg
Krieg ist grausam. Es fällt schwer, den Angriff auf Iran zu rechtfertigen. Und doch ist es an der Zeit, auch ein positives Szenario zu entwickeln.
Raketen fliegen. Das Völkerrecht wird gebrochen. Die Zahl der Toten und Verletzten im Nahen Osten steigt Stunde um Stunde. Die Preise klettern rund um die Erde, weil Öl und Gas sich sprunghaft verteuern. Das trifft vor allem jene, die wenig haben. Kettenreaktionen drohen. Niemand weiß, wie lange der Krieg dauert, wie er ausgehen wird.
Doch so grausam Angriffe und Gegenangriffe sind, so groß die Tragik eines jeden Krieges ist, lohnt sich das Nachdenken über Chancen. Drei kommen einem mit Blick auf den Nahen Osten in den Sinn.
Autorenbild
Christoph Hein
Leiter F.A.Z. PRO Weltwirtschaft
Plus Sign Folgen
  • Iran war ein prosperierendes Industrieland, ist eine Hochkultur und eines der rohstoffreichsten Länder der Welt, das über Jahrzehnte von einer sich selbst bereichernden Mörderbande in Haft genommen wurde. Von ihrer ersten Riege ist das Land befreit. Findet es, unter anderen Voraussetzungen als das vom Bürgerkrieg zerrissene Syrien, eine eigene Zukunft, kann Iran wieder zu einem blühenden Land und einer Führungsmacht im Nahen Osten werden. Denn die Region besitzt die Voraussetzungen für einen gewaltigen Aufschwung.
  • Auf unsere Nachfrage empfiehlt der neue Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr – und nicht nur er – der Europäischen Union nun einen besseren „Zolldeal“ auszuhandeln – und damit die Schwäche des US-Präsidenten Trump zu nutzen. Dass er seine Wahlversprechen gebrochen hat, setzt sich auch bei seinen Anhängern durch. Seine Zustimmungswerte sind auf den tiefsten Stand seit Amtsantritt gefallen. Nur jeder vierte US-Amerikaner unterstützt diesen Krieg. Dabei wird es erst noch richtig schwierig werden: Die steigenden Öl- und Gaspreise treiben die Inflation weiter. Und die USA besitzen keinen Plan für den „Tag danach“ in Iran. Das könnte zu einem Ende der politischen Karriere des Donald Trump beitragen.
  • Verlierer der vergangenen Monate sind die Autokratien. Ihnen wurde ein enormer Machtzuwachs vorausgesagt. Peking aber ist mit seinen Wirtschaftsproblemen beschäftigt und hängt, wie der Drogensüchtige an der Nadel, am subventionierten Export in den Westen. Seinem Partner Russland brechen im Monatsrhythmus die Verbündeten weg: Erst Syrien, dann das Venezuela Maduros, derzeit Iran, bald Kuba. Das heißt nicht, dass China nicht weiter enorme Stärke besitzt, Russland den Krieg in der Ukraine nicht fortsetzen könnte, Trumps Chaos-Kurs nicht das Ansehen Pekings stärkt. Aber Indien etwa sendet mit seinem Heranrücken an Israel und seinem Handelsabkommen mit der EU Signale, dass es mit einer westlichen Allianz weiterkommt, als Partner der Autokraten-Regime zu bleiben. Auch andere klopfen an.
Wohlgemerkt, das sind nur erste Konturen im Nebel. Niemand weiß, was nach dem Krieg im Nahen Osten folgt. Doch gehört zum Blick auf die Weltwirtschaft auch, frühzeitig Chancen zu beschreiben – selbst an dunklen Tagen.
Auch deshalb leisten wir uns nun ein Augenzwinkern. Der Karikaturist Stephan Rürup wird uns dann und wann seine Sicht der Welt zeichnen, mit Schärfe und Angriffslust.
Schreiben Sie uns gern unter weltwirtschaft@faz.de, was Sie von Karikaturen in Ihrem Weltwirtschafts-Briefing halten. Und: keine Sorge – sie werden unsere Grafiken nicht ersetzen.
Ihr Christoph Hein
 
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+++ Krieg in Iran +++
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Teherans wirtschaftliches Kalkül
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Asiens Riesen bekommen den Krieg zu spüren
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Wie abhängig sind wir vom Öl aus dem Nahen Osten?
Weltwissen
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Felbermayr: US-Schulden werden zur „Mutter aller Krisen“
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Chinas Volkskongress nimmt Taiwan ins Visier
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So sollten die Europäer gemeinsam aufrüsten
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Wahl in Nepal: Machtkampf im Pufferstaat zwischen China und Indien
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Kolumne Weltblick: Afrikas unterschätzte Wirtschaftswende
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Leserfrage: Soll die Bundesbank jetzt Gold aus Amerika zurückholen?
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Was sonst noch wichtig ist
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F.A.Z.-Zitat der Woche, Meistgelesen
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Rückspiegel: Vor 250 Jahren erscheint Adam Smiths „Wealth of Nations“
Daten zur Weltlage
 
 
Saudi-Arabien verpflichtet Unternehmen, bei staatlich finanzierten Aufträgen mehr Artikel von lokalen Herstellern zu beziehen. Dazu gehören Arzneimittel, Baukomponenten, landwirtschaftliche Geräte, Textilien und Komponenten für die Automobilindustrie. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
 
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+++ Krieg in Iran +++
 
Teherans wirtschaftliches Kalkül
 
Irans Angriffe auf Ölanlagen der arabischen Nachbarn offenbaren die Strategie der Mullahs: Für die Weltwirtschaft soll der Krieg zu teuer werden. Für die Zeit danach hat die Führung ein Vorbild in der Region.
Von Rainer Hermann
Die Bilder liefern das, was sich die Führung in Teheran wünscht, um das Überleben ihrer Islamischen Republik zu sichern: An unseren Zapfsäulen steigen die Benzinpreise so stark wie lange nicht, Zehntausende Urlauber sitzen auf Flughäfen und Kreuzfahrtschiffen fest, die Sorge über eine neue Energiekrise steigt von Tag zu Tag. Das Kalkül scheint aufzugehen.
, Stephan Rürup
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Asiens Riesen bekommen den Krieg zu spüren
 
Der Süden und Norden Asiens hängen am Öltransport durch die Straße von Hormus und den Exportwegen nach Europa. Der Angriff der Amerikaner und Israelis legt aber auch die strategischen Verbindungen in der Region offen. Und die Sorge um Taiwan steigt durch den Angriff auf Iran.
Von Christoph Hein
Indien hatte sich unter Ministerpräsident Narendra Modi schrittweise vom Iran abgewendet, auch wenn der ein enger Verbündeter des eigenen Partners Russland war. Neu Delhi aber erkannte, dass Israel und die Golfregion die gewinnbringenderen Verbindungen böten.
 
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Wie abhängig sind wir vom Öl aus dem Nahen Osten?
 
Seit den Angriffen auf Iran ist der Preis für Benzin und Diesel kräftig gestiegen. Dabei bezieht Deutschland nur einen Bruchteil seines Öls aus der Kriegsregion. Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Energielage.
Von Falk Heunemann
Mineralölprodukte sind weiterhin mit Abstand der wichtigste Energieträger in Deutschland: Mehr als ein Drittel der in Deutschland verwendeten Energie von 10.550 Petajoule (2025) wird mithilfe von Benzin, Diesel, Heizöl und anderen Ölprodukten erzeugt. Knapp 27 Prozent der Gesamtenergie werden durch das Verbrennen von Erdgas gewonnen. Die mit Abstand größten Verbraucher von Öl und Gas sind der Verkehr und der Heizungsbetrieb.
 
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Weltwissen
 
Felbermayr: US-Schulden werden zur „Mutter aller Krisen“
 
Der neue „Wirtschaftsweise“ der Bundesregierung, Gabriel Felbermayr, hat Deutschland davor gewarnt, zu einseitig auf Exportwirtschaft zu setzen. Durch Trumps Schuldenpolitik sieht der Ökonom auch den deutschen Wohlstand gefährdet.
Von Falk Heunemann
„Eine Wirtschaftspolitik, die sich vor allem als Exportpolitik versteht, ist nie eine besonders kluge Wirtschaftspolitik“, sagte Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, gegenüber F.A.Z. PRO Weltwirtschaft. Eine „Fetischisierung des Exports“ sei falsch und müsse beendet werden.
Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), ist neues Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der Bundesregierung. dpa
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Chinesischer Volkskongress nimmt Taiwan ins Visier
 
Peking plant laut dem neuen Fünfjahresplan eine weitere Aufrüstung seiner Armee. Damit steigt die Gefahr für Taiwan. Mit dem Sturz hoher Generäle habe Machthaber Xi Jinping einen „Sicherungsschalter“ entfernt, urteilen Forscher.
Von Andreas Landwehr
Die größte Säuberungswelle in Chinas Militär seit Jahrzehnten stört zwar kurzfristig die Kommandokette, erhöht aber langfristig das Risiko eines Konflikts um Taiwan. Der Sturz der hohen Generäle, die als einzige Kampferfahrung hatten, lässt einflussreiche Stimmen verstummen, die Staats- und Parteichef Xi Jinping vor einem militärischen Abenteuer warnen könnten.
Militärparade in Peking am Platz des Himmlischen Friedens dpa
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Podcast: Merz und die neue China-Realität
Von Kati Schneider, Christoph Hein
Podcast: Merz und die neue China-Realität
Bundeskanzler Friedrich Merz vor der „Halle der 10000 Weiden“ in Peking dpa

 
Der Kanzler reiste mit großer Wirtschaftsdelegation nach Peking, der Umgangston war freundlicher als erwartet. Ist das kluge Realpolitik oder riskante Annäherung?
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So sollten die Europäer gemeinsam aufrüsten
 
 Europa braucht eine gemeinsame Rüstungsstrategie. Projekte wie das geplante Joint Venture „Bromo“ für Satelliten könnten nicht nur in ihrer Struktur vorbildhaft werden, erklären zwei Freshfields-Anwälte.
Von Maximilian Lasson, Ilka Oberländer
Damit Europa als globaler Player agieren und seine Verteidigung aus eigener Kraft organisieren kann, müssen jetzt entscheidende Weichen gestellt werden. Die Aufgabe ist gewaltig: Europa will seine Abhängigkeiten im Bereich Künstliche Intelligenz und Cybersecurity reduzieren und vor allem seine fragmentierte Verteidigungsindustrie reformieren.
Ein Modell des geplanten FCAS-Flugzeugs wird 2019 auf der Pariser Luftfahrtmesse enthüllt. dpa
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Machtkampf im Pufferstaat zwischen China und Indien
 
 Die Gen Z hat für heute Neuwahlen in Nepal erzwungen. In dem Himalajaland ringen die großen Nachbarn Indien und China um Einfluss.  Ein früherer deutscher Botschafter in Kathmandu erläutert die Lage.
Von Thomas Prinz
Am heutigen 5. März wählt Nepal ein neues Parlament. Die spannende Frage dabei ist, ob es dem 30-Millionen-Volk gelingt, einen längst überfälligen Generationenwechsel herbeizuführen. Seit dem Ende eines blutigen Bürgerkriegs im Jahre 2006 wechseln sich die immer wieder gleichen Politiker an der Regierung ab. Ob Kommunisten, Maoisten oder der Nepali Congress – das machte für die Wähler bisher kaum einen Unterschied.
 
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Kolumne Weltblick: Afrikas unterschätzte Wirtschaftswende
 
Mehr als die Hälfte der zwanzig wachstumsstärksten Volkswirtschaften weltweit liegt in Afrika. Ihr Rezept: Diversifizierung, Infrastruktur-Investitionen und stabile Politik – einige kopieren bewusst Chinas Erfolgsmodell.
Von Christian von Soest
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten könnte Afrika schneller wachsen als Asien. Der Weltwährungsfonds sagt für die 54 afrikanischen Staaten ein Wirtschaftswachstum von 4,4 Prozent voraus, für China und seine asiatischen Nachbarn nur 4,1 Prozent. Und das trotz der Konflikte in Sudan, dem Kongo, in Äthiopien und im Sahel. Zwar wächst Indien stark, aber Pekings zweistellige Wachstumsraten sind längst Geschichte.
Unser Kolumnist nimmt die Welt in den Blick. Jasper Hill
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Finanzen
 
Soll die Bundesbank Gold aus Amerika jetzt zurückholen?
 
Leser fragen sich, ob die bei der US-Notenbank lagernden Goldbestände vor Trumps Zugriff sicher sind. Ein Ökonom des Kiel Instituts für Weltwirtschaft warnt jedoch davor, sie komplett nach Deutschland zu überführen.
Von Rolf J. Langhammer
Gold als Devisenreserve hat bis Ende 2025 mit etwa 21 Prozent den Euro vom zweiten Platz als internationale Devisenreserve verdrängt. Über sechs Jahre seit 2019 bedeutet das einen Anstieg von etwa 6 Prozentpunkten. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Sie fragen – wir lassen einen Experten antworten. Illustration: Katharina Hofbauer
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Was sonst noch wichtig ist
  • Die USA werden wohl noch diese Woche ihren globalen Sonderzoll von zehn auf 15 Prozent erhöhen. Das gab US-Finanzminister Scott Bessent bekannt. Rechtsgrundlage ist ein Handelsgesetz von 1974, das Zusatzzölle für eine Dauer von 150 Tagen erlaubt. Danach ist eine Verlängerung durch den Kongress nötig.
  • Bei seinem Besuch in Washington hat Bundeskanzler Friedrich Merz US-Präsident Donald Trump zu einer raschen Umsetzung des Turnberry-Abkommens zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten aufgefordert. Die EU werde keine Vereinbarung mit schlechteren Zollbedingungen akzeptieren.
  • Der Konflikt in der Golfregion hat Befürchtungen hinsichtlich einer weltweiten Verknappung von Technologieprodukten ausgelöst. Chip-Marktführer Nvidia erklärte jedoch, dass es „derzeit keine Unterbrechungen in der Lieferkette gibt“.
  • Der Krieg im Nahen Osten werde die wirtschaftliche Widerstandskraft der Welt testen , sagt die Geschäftsführerin des Internationalen Währungsfonds (International Monetary Fund, IMF), Kristalina Georgieva. Es seien „neue Schocks verschiedener Formen und Größen“ zu erwarten.
 
Business Class
 
F.A.Z.-Zitat der Woche
„Nicht jede Krise trifft die Realwirtschaft, aber jeder Zweifel an der Sicherheit von Förderregionen, Pipelines oder Seewegen kann Öl- und Gaspreise treiben. Sie drücken auf Margen, heben Inflationserwartungen und können Notenbanken in eine unangenehme Lage bringen.“
Inken Schönauer, Ressortleiterin Finanzen, über die Auswirkungen des Irankriegs auf die Finanzmärkte
Meistgelesen in F.A.Z. PRO Weltwirtschaft
Kanzlerreise in eine erschöpfte Goldgrube
Balanceakt zwischen Machtpolitik und Geschäft: Der Wirtschaftsfokus von Merz in Peking irritiert – gerade jetzt, wo der „China-Schock“ Deutschland trifft und Peking die Abhängigkeiten ausnutzt.
Rückspiegel
Vor 250 Jahren: Adam Smiths „Bibel der Ökonomie“ erscheint. Dass Trumps Zollpolitik nicht zielführend ist, weiß die Welt nicht erst seit dem Zollurteil des Supreme Court. Das hätten Amerikaner schon nachlesen können, bevor die Vereinigten Staaten existierten. „It is the maxim of every prudent master of a family never to attempt to make at home what it will cost him more to make than to buy“, schreibt Adam Smith – sinngemäß: Wer billig einkauft, statt teuer selbst herzustellen, hat am Ende mehr übrig. Diese Smithsche Hausfrauenregel ist in seinem berühmtesten Werk „The Wealth of Nations“ nachzuschlagen, das am 9. März 1776 erscheint. Es ist damit ein halbes Jahr älter als die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und 13 Jahre älter als die US-Verfassung, die das Amt des US-Präsidenten überhaupt erst kreiert.
Eine Erstausgabe von Adam Smiths „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ von 1776 wurde 2018 überraschend auf einem Dachboden in Den Haag gefunden. AFP
Smiths Bild von der „unsichtbaren Hand“, mit der egoistisches Handeln unbewusst Nutzen für die Gemeinschaft erzeugt, fehlt seitdem in keinem Handbuch der Ökonomie und keiner Rede zur Marktwirtschaft. Nicht selten wird das Buch als „Bibel der Ökonomie“ bezeichnet. Und das nicht nur, weil es fast ebenso oft zitiert wird. Der schottische Denker hat mit seinem Buch dem wachsenden Unternehmertum neue Begriffe und einen neuen Glauben geschenkt, an die Wirkkräfte und die Überlegenheit des freien Handels und des Wettbewerbs gegenüber staatlicher Intervention.
Was heute selbstverständlich klingt, ist damals bahnbrechend: Nicht eine merkantilistische Goldvermehrung steigert Reichtum, sondern Arbeit und Innovation. Nicht eine positive Handelsbilanz oder hohe Zollhürden verringern Armut, sondern globale Arbeitsteilung und Spezialisierung. Und: Der Welthandel ist kein Nullsummenspiel – mehr Wohlstand geht nicht nur, wenn andere ihn verlieren, sondern er ist für alle möglich.
Nun ließe sich darüber streiten, ob all seine Lehren aus einer Zeit, in der Wirtschaften vor allem Landwirtschaften meinte, noch ohne Weiteres übertragbar auf moderne Big-Tech-Monopole, intellektuelles Eigentum oder die Bewältigung der globalen Klimakrise sind. Veraltet aber, das zeigen die jüngsten Folgen von Trumps Handelspolitik, sind sie auch nach 250 Jahren nicht.
 
 
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Herausgegeben von Gerald Braunberger, Jürgen Kaube,
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