Weltwirtschaft
                                                           
Donnerstag, 19.03.2026 | Zur Online-Ansicht
 
 Frankfurter Allgemeine Pro
WELTWIRTSCHAFT
Alles Wichtige zu Globalisierung, Sicherheit und Ressourcen.
And the winner is...
...hieß es bei den Oscars in der Nacht zu Montag wieder. Wer der erste Gewinner des Krieges um den Iran sein wird, hätten auch amerikanische Strategen noch vor dem ersten Angriff wissen können: Wladimir Putin.
Dabei ist der Mann in Moskau nicht mehr als ein Kriegsprofiteur. Putin erntet, weil Donald Trump und Benjamin Netanjahu grausame strategische Fehler begehen und aus Eigennutz handeln. Eine Lehrstunde übrigens nicht nur für Völkerrechtler, sondern auch für Führungsakademien des Militärs: Denn auch dessen Generäle und Admirale bremsten weder Trump noch Netanjahu.
So profitiert Russland vom Chaos am Golf gleich auf vier Ebenen. Der neuerliche Krieg lenkt davon ab, dass Putin sich einen Dreck um das Völkerrecht schert – andere tun dies ja auch nicht. Der neue Krieg bindet amerikanische Kräfte. In Asien fürchten oder hoffen die Menschen, je nach Weltanschauung, dass die Amerikaner nun den Indo-Pazifik vernachlässigen, weil sie sich auf den arabischen Raum konzentrieren müssen. Und schon droht ein aufgrund seiner katastrophalen Fehlentscheidungen mit dem Rücken zur Wand stehender Trump, sich aus der Verteidigung der Ukraine zurückzuziehen, weil Europäer und Länder des Indo-Pazifik nicht in seinen Krieg ziehen wollen. Putin darf hoffen.
Autorenbild
Christoph Hein
Leiter F.A.Z. PRO Weltwirtschaft
Plus Sign Folgen
Moskau verdient Geld, weil der Preis für Öl und Gas durch den Angriff auf den Iran weiter und weiter steigt. Immer mehr Länder sehen sich gezwungen, russisches Öl zu kaufen. Sie dürfen es wieder, weil die Amerikaner die Sanktionen für einen begrenzten Zeitraum hoben. Und schließlich hilft es den Russen, dass Waffen, die am Golf gebraucht werden, nicht mehr gegen sie geführt werden können.
Für 30 Tage haben die Amerikaner die Sanktionen gegen Moskau gelockert: Rund 100 Millionen Fass Öl dürfen die Russen von jenen Tankern auf dem Weltmarkt verkaufen, die vor dem 12. März beladen worden waren. Analysten schätzen, Moskau habe seit dem ersten Angriff auf den Iran mehr als 6 Milliarden Dollar zusätzlich eingenommen, knapp 3 Prozent seines jährlichen Kriegsbudgets. Zynisch hatte Waldimir Putin sein Öl auch den Europäern schon am Montag angeboten.
Trotz der Schubkraft, die Trump und Nethanjahu ihm liefern, sollte Putin nicht frohlocken: strategisch und auf längere Sicht betrachtet reihen sich seine Niederlagen aneinander. Der Natobeitritt von Finnen und Schweden, das gescheiterte Überrollen Kiews, der Sturz al-Assads in Syrien, Maduros Entführung in die USA, nun der Zusammenbruch des Partnerlandes Iran. An seiner Seite weiß er den Diktator Nordkoreas. Und er betrachtet sich als Juniorpartner Chinas. Peking aber lässt trotz aller Versprechen Partner dann fallen, wenn sie ihm nicht mehr nutzen – siehe eben Teheran.
Schreiben Sie uns gern unter weltwirtschaft@faz.de Ihre Meinung zur Rolle Putins.
Ihr Christoph Hein
 
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Daten zur Weltlage
+++ Krieg um den Iran +++
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Die Kosten steigen für die ganze Welt
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Mojtaba Khamenei: Das Gewehr unter der Robe des Klerikers
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China überlässt seinen Partner Iran seinem Schicksal
Weltwissen
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Der geplatzte Traum vom kubanischen Wirtschaftswunder
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Chronik der Feindschaft zwischen USA und Kuba
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Tokio windet sich aus dem Einsatz gegen Iran
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Kolumne Weltblick: Ungarns Wahl kann Europas Kurs wenden
Klima & Ressourcen
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Das Chaos am Golf treibt Millionen in den Hunger
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Peking hat sich lange auf eine Energiekrise vorbereitet
Finanzwelt
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Die Welt versinkt im Schuldensumpf
Lesezeichen
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Was sonst noch wichtig ist
Business Class
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F.A.Z.-Zitat der Woche, Meist gelesen
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Rückspiegel: Vor 270 Jahren lässt Friedrich II. die Kartoffel anbauen
Daten zur Weltlage
 
 
Ab 15. März dürfen inländische Hersteller mehr Salz und Eier nach Vietnam einführen, vorausgesetzt sie werden für Arzneimittel und zur Herstellung von Chemikalien verwendet. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
 
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+++ Krieg um den Iran +++
 
Die Kosten am Golf steigen
 
Der Angriff, den die arabischen Staaten versuchten zu verhindern, kommt sie teuer zu stehen.
Von Rainer Hermann
Sollte die Straße von Hormus bis Ende März geschlossen bleiben, rechnet die Investmentbank Goldman Sachs für die Golfländer mit einem Rückgang ihrer Wirtschaftsleistung von 2 bis 5 Prozent. Bleibt der Seeweg aber bis Ende April blockiert, prognostizieren die Analysten ein Minus von bis zu 14 Prozent.
Warten auf friedlichere Zeiten: Ein Verkäufer sitzt in einem Geschäft auf dem leeren Al-Seef-Markt in Dubai dpa
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Das Gewehr unter der Robe des Klerikers
 
 Wer ist der neue, heiliggesprochene Oberste Führer? Er reiht sich wohl ein in die Tradition seines Vaters, der für die blutige Unterdrückung seines Volkes und eine hochkorrupte klerikal-militärische Oligarchie stand, analysiert ein Irankenner.
Von Ali Fathollah-Nejad
Am dreizehnten Tag des Krieges äußert sich Mojtaba Khamenei, der neue Oberste Führer der Islamischen Republik Iran, zum ersten Mal. Ein Amt, das  die Funktionen als politisches, religiöses und militärisches Oberhaupt gleichermaßen umfasst. Der 56-Jährige ist der zweitälteste Sohn und nunmehr Nachfolger des in den ersten Kriegsminuten getöteten 86-jährigen Ali Khamenei, der 37 Jahre lang die iranische Diktatur prägte.
Spott, Hohn, Hass: Irans neuer Führer, Mojtaba Khamenei wird nicht nur auf einer Demonstration in Washington verächtlich gemacht. Reuters
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China lässt seinen Partner Iran fallen
 
Peking und Teheran sind Verbündete. Die Bande allerdings sind nicht so stark, wie die Mullahs hofften: Im Krieg gegen Iran hat China wichtigere Interessen. Es lässt das Terrorregime untergehen.
Von Christoph Hein
Soll es seinem langjährigen Partnerstaat helfen? Und wenn ja, wie? Angesichts des Krieges der Amerikaner und Israelis gegen den Iran haben Pekings Strategen schwerwiegende Entscheidungen getroffen. Viele waren darauf ausgerichtet, dass es am 31. März zu Donald Trumps Staatsbesuch in Peking kommt - den hat der US-Präsident verschoben. Pekings Haltung aber steht.
 
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Weltwissen
 
Der Traum vom kubanischen Wirtschaftswunder platzt
 
Donald Trump will Kuba „übernehmen“. Die marode Volkswirtschaft des Karibikstaates braucht dringend Investitionen. Wären da nicht tiefe ideologische Gegensätze, könnte das für beide Seiten zu einem guten Geschäft werden.
Von Tobias Käufer
Florida drückt aufs Tempo: „Sollte es in Kuba zu einem legitimen Regimewechsel kommen, der eine Regierung hervorbringt, die sich an demokratischen Prinzipien und freien Märkten orientiert, sollte Florida in der Lage sein, rechtmäßigen Handel zu betreiben. Einen Handel, der Chancen schafft und Floridas Wirtschaft für Familien und Arbeitgeber im ganzen Bundesstaat stärkt“, sagt Daniel Perez. Der Republikaner mit kubanisch-amerikanischen Wurzeln aus Miami ist Sprecher des Repräsentantenhauses des US-Bundesstaates Florida.
 
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Chronik der Feindschaft zwischen USA und Kuba
 
Die beiden Länder verbindet eine besondere Beziehung aus geografischer Nähe, historischer Verflechtung und politischer Aversion. Annäherung und Konfrontation wechselten immer wieder.
Von Jacob Kramer
15. Oktober 1854. Mitglieder der Regierung von US-Präsident Franklin Pierce äußern im Ostend-Manifest die Absicht, die Kolonie Kuba von der spanischen Krone zu kaufen und, falls diese nicht zustimmt, die Insel militärisch zu besetzen.
Brüder im Geiste: Ein Bild des verstorbenen kubanischen Präsidenten Fidel Castro und ein weiteres des verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez vor einem Gebäude in Havanna dpa
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Tokio windet sich aus dem Einsatz gegen Iran
 
In der Krise rund um die Straße von Hormus hat US-Präsident Donald Trump mehrere Staaten gebeten, mit Kriegsschiffen den Transport von Öl und Gas zu eskortieren. Ein offensichtlicher Kandidat für Hilfe wäre Japan. Doch auch Tokio tut sich schwer. Warum die Ablehnung?
Von Felix Lill
Aus Washington habe es gar keine konkrete Anfrage gegeben, betonte Shinjirō Koizumi am Dienstag gegenüber Pressevertretern in Tokio. Damit gab der japanische Verteidigungsminister zu verstehen: Ob sein Land nun Militärschiffe in den Nahen Osten schicken werde, um die weltweit wichtigste Meerenge für Öltransporte abzusichern, habe man bis jetzt gar nicht entscheiden müssen. Prinzipiell aber stehe man mit den USA im engen Austausch. Und was letztlich geschehen werde, sei noch nicht klar.
Eintracht: Der japanische Zerstörer JS Sazanami (l) und die USS Sterett liegen gemeinsam vor dem Marinehafen Singapur. dpa
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Ungarns Wahl kann Europas Kurs wenden
 
In knapp einem Monat wählt Ungarn ein neues Parlament. Erstmals seit Jahren könnte Viktor Orbán seine Macht verlieren. Die Folgen für Europas Außenpolitik wären gravierend, erklärt unser Kolumnist.
Von Christian von Soest
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán geht gründlich vor. Schon früh kündigte er nach seiner Machtübernahme 2010 das Ende der liberalen Demokratie an. Schnell ließ er Taten folgen. Sein Menü der Manipulationen liest sich wie ein Handbuch für Autokraten.
Unser Kolumnist nimmt die Welt in den Blick. Jasper Hill
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Klima & Ressourcen
 
Das Chaos am Golf treibt Millionen in den Hunger
 
Der Irankrieg hat die Düngerpreise explodieren lassen. Das hat existenzielle Folgen. Denn rund um den Globus hängt die Landwirtschaft an synthetischem Dünger.
Von Anne Kokenbrink
Der Irankrieg wird zum Stresstest für Bauern in aller Welt. Die Straße von Hormus ist nicht nur ein Nadelöhr für den Öl- und Gashandel, sie ist auch essenziell für Dünger. Die Golfregion steht für etwa ein Drittel der weltweiten Harnstoff‑ und knapp ein Viertel der Ammoniakproduktion – essenzielle Bestandteile von Düngemitteln, schätzt die Deutsche Bank.
 
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Peking hat sich lange auf eine Energiekrise vorbereitet
 
China ist der größte Öl- und Gasimporteur der Welt. Und doch greift es zu weniger Notfallmaßnahmen als der Westen. Wie kann das sein?
Von Gustav Theile
Die Straße von Hormus ist blockiert, die globalen Energiemärkte spielen verrückt – und ausgerechnet der größte Öl- und Gasimporteur der Welt wirkt ungerührt von den Kapriolen. Er hält mit dem nächsten Fünfjahresplan Kurs wie ein Tanker, dem die Wellen der Weltmeere nichts anhaben können. Wie kann das sein?
 
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Finanzwelt
 
Die Welt versinkt im Schuldensumpf
 
 Politiker neigen dazu, in Wahlperioden zu denken. Und so steigen die Schuldenberge unaufhörlich.
Von Jörn Quitzau und Mickey D. Levy
Die Staatsschulden sind wieder im Fokus. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) liegen die globalen Staatsschulden bei 93 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Bis Ende des Jahrzehnts wird die Verschuldung IWF-Projektionen zufolge auf mehr als hundert Prozent des globalen BIP steigen. Das wäre der höchste Stand seit 1948.
 
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Lesezeichen
 
Was sonst noch wichtig ist
  • Sowohl die amerikanische Notenbank wie die japanische Notenbank halten ihren Leitzins stabil. Die Federal Reserve bleibt bei einer Spanne zwischen 3,5 und 3,75 Prozent. Die Inflationsprognose für dieses Jahr hoben die Banker auf 2,7 Prozent an, die Wachstumsvorhersage auf 2,4 Prozent. Die Bank of Japan bleibt bei 0,75 Prozent, dem höchsten Stand seit 30 Jahren. Die Währungshüter aller Seiten warnen vor der instabilen Lage.
  • Der Staatspräsident des internationalen Finanzplatzes Singapur, Tharman Shanmugaratnam, hat seine Landsleute aufgerufen, sich für „einen langen Sturm weltpolitischer Instabilität“ zu rüsten. Der Ökonom, der als erster Asiat dem Währungs- und Finanzausschuß des Internationalen Währungsfonds (IWF) vorsaß, warnte mit Blick auf den Golfkrieg vor einem „neuen riesigen Spannungsherd in der Weltwirtschaft“.
  • Zum zweiten Mal in nur zwei Monaten hat die australische Notenbank den Leitzins um weitere 25 Basispunkte erhöht. Damit steht er nun bei 4,1 Prozent. Die Reserve Bank of Australia (RBA) fürchtet, dass der steigende Ölpreis die Inflation über 5 Prozent treiben werde.
 
Business Class
 
F.A.Z.-Zitat der Woche
„Die Kubaner können Hoffnung schöpfen. Kubas politisches System steht vor dem Zusammenbruch.“
Winand von Petersdorff, Wirtschaftskorrespondent in Washington, über das nahende Ende der sozialistischen Diktatur.
Meist gelesen in F.A.Z. PRO Weltwirtschaft
Wehe, wenn diese Arterien des Welthandels verstopfen
Der Stillstand in der Straße von Hormus ist ein weiteres Beispiel dafür, dass der Welthandel von neun natürlichen Meerengen abhängt. Alternativen zu ihnen gibt es kaum – und sie wären teuer.
Rückspiegel
Vor 270 Jahren fördert Preußens König Friedrich II. den Anbau der Kartoffel in seinem Land. Damit legt der „Alte Fritz“ den Grundstein für ein beispielloses Bevölkerungswachstum und die Industrialisierung.
Friedrich II., der die Bedeutung der Kartoffel als sicheres Nahrungsmittel gegen Hungersnöte erkennt, hat allerdings Mühe, seine Untertanen von der Bodenfrucht zu überzeugen und muss deren Verzehr anordnen. Am 24. März 1756 erlässt der König an seine Beamten eine „Circular-Ordre“, mit dem Auftrag, denen „Herrschaften und Unterthanen den Nutzen von Anpflantzung dieses Erd Gewächses begreiflich zu machen, und denselben anzurathen, dass sie noch dieses Früh-Jahr die Pflantzung der Kartoffeln als einer sehr nahrhaften Speise unternehmen“.
Friedr. II., Kartoffelernte / Warthmüller
Friedrich II., König von Preußen,  begutachtet die Kartoffelernte in Darrmietzel, nördlich von Küstrin. Gemälde von Robert Warthmüller aus dem 19. Jahrhundert. Picture Alliance
Der König erweist sich als vorausschauender Herrscher. Forscher sind sich sicher, dass die Knolle zum Aufstieg einer Handvoll europäischer Nationen beiträgt, indem sie die schnell wachsende Bevölkerung ernährt. So gelingt es diesen Ländern zwischen 1750 und 1950 die Herrschaft über den größten Teil der Welt zu erlangen. Denn für die aufkommende Industrialisierung in England und später dann auch auf dem europäischen Kontinent ist die Ernährung der zunehmenden städtischen Bevölkerung von zentraler Bedeutung.
Die Kartoffel wird in vielen Ländern Europas zum Hauptnahrungsmittel und liefert neben der notwendigen Energie auch Spurenelemente und Vitamine wie kaum ein anderes Nahrungsmittel. Sogar der Begründer der modernen Wirtschaftswissenschaft, Adam Smith, beschrieb in seinem Standardwerk „Der Wohlstand der Nationen“ 1776 die Vorzüge der Kartoffel, deren Ernte weitaus „besser“ sei, als die von Weizen: „Kein anderes Nahrungsmittel kann seine Nährwerte oder seine besondere Eignung für die menschliche Gesundheit so überzeugend beweisen.“
Der Erfolg der Bodenfrucht wird zum Verhängnis: Für breite Bevölkerungsschichten wird die Kartoffel zur praktisch einzigen Ernährungsgrundlage. Wenn die Kartoffelernte gering ist, steigen die Getreide- und Brotpreise und die Menschen müssen hungern. Dies geschieht meist als Folge von Schlechtwetterperioden, wegen Trockenheit oder zu viel Regen. Als dann am Anfang des 19. Jahrhunderts aus Amerika auch Kartoffelkrankheiten eingeschleppt werden, sind die Monokulturen schutzlos. Eine Missernte folgt der anderen. Viele Millionen Menschen verhungern in Europa, besonders in Irland, während der großen Hungersnot zwischen 1845 und 1852.
Den Deutschen wird eine besondere Liebe zu der Knolle nachgesagt, es gibt viele regionale Synonyme für sie wie „Erdapfel“ oder „Grumbeere“. Migrantische Jugendliche verwenden „Kartoffel“ sogar als Schimpfwort für Deutsche. Dabei sind die Deutschen nicht die Weltmeister im Kartoffelessen, sondern liegen im soliden europäischen Mittelfeld. Die meisten Knollen verzehren die Osteuropäer. Auf Platz Eins stehen Belarussen gefolgt von Ukrainern, Bosniern, Polen und Russen. Die Deutschen finden sich erst auf Platz 9 im Europa-Ranking.
 
 
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