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Verteidigung muss groß geschrieben werden
Und wieder beherrscht dieser Mann das Schicksal der alten Welt: der amerikanische Präsident Donald Trump treibt die Ukraine und Europa vor sich her.
Mit seiner neuen Nationalen Sicherheitsstrategie setzt Trump der seit dem Zweiten Weltkrieg gewachsenen transatlantischen Partnerschaft ein Ende und macht deutlich, dass er die EU gar als ideologischen Gegner statt als Garant gemeinsamer Werte betrachtet. In einer Stunden später aufgetauchten „Langversion“ ist gar die Rede davon, die USA sollten enger mit den von populistischen Strömungen bestimmten Ländern Italien, Österreich, Polen und Ungarn enger zusammenarbeiten, um sie aus dem europäischen Block zu lösen. Würde das umgesetzt, wäre es ein Angriff auf die Institution EU.
Neu waren diese Töne nicht, auch Vizepräsident J.D. Vance stieß auf der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang des Jahres schon ins gleiche Horn. Nun aber sind die Worte Schwarz auf Weiß in einer neuen Doktrin festgeschrieben. Unser Kollege Klaus-Dieter Frankenberger ordnet sie in diesem Newsletter historisch ein.
Der US-Präsident bezeichnete Europa als einen Kontinent im Niedergang, geführt von schwachen Regierungen, die „keinen guten Job machen“. Europa rede viel, aber liefere nichts – besonders in Bezug auf den Ukrainekrieg und Migration. Trump nannte den Krieg zwischen Russland und der Ukraine einen „Krieg, der nie hätte stattfinden dürfen.“
All dies verheißt nichts Gutes. Wenn der wichtigste Handelspartner Deutschlands das Vertrauen aufkündigt, versetzt das viele in Alarmstimmung. Die Wirtschaft sieht mit Sorge, dass Washington Sicherheitsinteressen mit wirtschaftlichen Instrumenten verknüpft und fordert, dass Deutschland eine gemeinsame europäische Antwort auf die US-Attacken wie Strafzölle formulieren soll, um Wettbewerbsnachteile zu vermeiden.
Nie waren demokratische Freiheit, Sicherheit und Handelspolitik in der jüngsten Geschichte so eng miteinander verknüpft wie heute. Dies wurde auch bei unserer PRO Weltwirtschafts-Konferenz zum Thema „Wehrhafte Gesellschaft“ gestern Abend im Tower der F.A.Z. deutlich. Franziska Cusumano, Chefin von Mercedes-Benz Special Trucks, die auch Lkw für Militäreinsätze bauen, drängte auf ein gemeinsames europäisches Vorgehen bei der Verteidigung. „Die Beschaffung ist noch im Friedensmodus“, mahnte sie. Mehr dazu im Bericht in diesem Newsletter.
Zu demselben Schluss kommen auch die Ökonomen Philipp Hildebrand von Blackrock, Hélène Rey von der London Business School und Moritz Schularick vom Kiel Institut für Weltwirtschaft in einem Gastbeitrag für die F.A.Z.: „Man mag es bedauern – aber in der Welt von heute muss die EU, Friedensnobelpreisträgerin von 2012, in ihre Verteidigung investieren, um zu überleben. Unterlässt Europa dies, bleibt es militärisch verwundbar und dann auch ökonomisch und finanziell erpressbar.“
Die Ökonomen schlagen die sofortige Einrichtung eines „Europäischen Rats für Verteidigungstechnologie“ vor, ein Gremium, das klare strategische Ziele definiert, ein mehrjähriges Budget verwaltet und die Qualität der zu entwickelnden Technologien sicherstellt.
Während unserer Konferenz mahnte Guntram B. Wolff, Ökonom der Denkfabrik Bruegel, dass sich Europa dringend Gedanken über die Finanzierung seiner Verteidigung machen müsse. Und er warnte vor der Angreifbarkeit europäischer Finanzmärkte. Die Wissenschaftler plädieren für die Ausgabe gemeinsamer Verteidigungsanleihen.
Dank solcher Instrumente hätte Europa die Schlagkraft, dem unsolidarischen Verhalten einer amerikanischen Regierung die Stirn zu bieten und die eigene Souveränität zu erhalten.
Die Philippinen haben den Einfuhrzoll für Schwarzbleche abgeschafft, da sie für die Produktion von Konservendosen benötigt werden und es keine inländische Produktion gibt. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
Diskussion im FAZ Tower (v.l.) : Sicherheitsberater Moritz Brake (Nexmaris), Britta Jacob vom Bodenroboter-Start-up ARX Robotics und Daimler-Lobbyist Jörg Howe im Gespräch mit F.A.Z-Ressortleiter Sven Astheimer Johannes Jost
Handshake und freundliche Worte beim Treffen von Russlands Präsident Wladimir Putin und dem indischen Premierminister Narendra Modi in Neu-Delhi Reuters
18.11.2025, USA, Washington: US-Präsident Donald Trump trifft den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman im Oval Office des Weißen Hauses. Foto: Evan Vucci dpa
Die US-Notenbank Fed hat die Leitzinsen gesenkt, um 0,25 Prozentpunkte auf 3,5 bis 3,75 Prozent. Sie begründete dies damit, dass die wirtschaftliche Aktivität zwar moderat expandiere, die Beschäftigungszuwächse jedoch schwach blieben. Abermals fiel die Entscheidung nicht im Konsens, sondern mit neun zu drei Stimmen.
Die USA wollen alle ausländischen Geschäftsreisenden und Touristen auffordern, ihre Social-Media-Aktivitäten aus den vergangenen fünf Jahren
offenzulegen, auch wenn sie nur kurzzeitig in die USA reisen und bisher kein Visum benötigen. Bislang gilt die Offenlegungspflicht nur bei Visa-Anträgen.
Die Inflation in China ist auf dem höchsten Stand seit knapp zwei Jahren, vor allem wegen gestiegener Lebensmittelpreise. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im November um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zugleich droht weiter Deflation: Die Erzeugerpreise sanken um 2,2 Prozent zum Vorjahresmonat.
Dank wachsender Exporte und einem starken Aufschwung in Indien hat die Asiatische Entwicklungsbank (Asian Development Bank, ADB) ihre Wachstumsprognosen für Asien-Pazifik angehoben. Die Wirtschaft der Weltregion dürfte 2025 um 5,1 Prozent und 2026 um 4,6 Prozent zulegen.
Die Wälder und bewaldeten Savannen Afrikas haben ihre CO₂-bindende Wirkung verloren und sind seit einigen Jahren Kohlenstoffquelle, fanden Klimaforscher heraus. Sie nutzten dafür neue hochauflösende, aus Satellitendaten abgeleitete Biomassekarten.
Europa verschläft das Zeitalter der „Dark Factories“ Billigstromland statt Billiglohnland: Chinas voll automatisierte Fabriken schreiben dank günstigen Ökostroms die Regeln der globalen Industrie neu. Europa läuft Gefahr, diesen Wandel zu verpassen.
Rückspiegel
Vor 65 Jahren:Der Thinktank der Industrieländer wird gegründet. Kaum eine Institution steht so für weltweite Wirtschaftsförderung wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) wird am 14. Dezember 1960
mit dem Ziel gegründet, in den Mitgliedsländern eine optimale Entwicklung, hohe Beschäftigung und steigenden Lebensstandard bei Wahrung finanzieller Stabilität zu fördern. Zusätzlich strebt sie Wirtschaftsunterstützung in Entwicklungsländern an, sowie die Ausweitung und Liberalisierung des Welthandels. Damit ist die OECD bis heute die wichtigste Plattform der Industrieländer zur Koordinierung von Wirtschafts‑, Handels‑ und Entwicklungspolitik.
Der 2006 neu gewählte OECD-Generalsekretär José Ángel Gurría aus Mexiko zeigt die Gründungsurkunde der OECD von 1960Picture Alliance
Gegründet wird die OECD als Nachfolgeorganisation der OEEC (Organisation for European Economic Co-operation) und des Marshallplans. Aus dem europäischen Wiederaufbauinstrument wird ein ständiges Forum für globale Wirtschaftskoordination, in das nach und nach auch Länder außerhalb Europas aufgenommen werden.
In den 1960er- und 1970er‑Jahren konzentriert sich die Organisation darauf, Handelshemmnisse abzubauen und gemeinsame wirtschaftspolitische Leitlinien zu entwickeln, etwa im Umgang mit Konjunkturzyklen und den Ölkrisen. Seit den 1990er‑Jahren markiert die Aufnahme neuer Mitglieder aus Mittel‑ und Osteuropa sowie aus aufstrebenden Volkswirtschaften wie Mexiko, Chile und Kolumbien den Wandel von einem „Club der alten Industrieländer“ zu einem Forum für marktwirtschaftlich orientierte Demokratien. Parallel gewinnt die Rolle der OECD als „Think Tank“ mit umfangreicher Statistik‑ und Studienarbeit an Bedeutung.
Seit 15 Jahren engagiert sich die OECD verstärkt in Klima- und Umweltpolitik. Der damalige OECD‑Generalsekretär José Ángel Gurría forderte schon 2013 in einem Bericht, CO₂‑Bepreisung zum Eckpfeiler der internationalen Klimapolitik zu machen, um das Zwei‑Grad‑Ziel zu erreichen.