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Mit Churchill ins neue Jahr
Der desaströse Ausgang der Verhandlungen über das Nutzen der russischen Guthaben in Brüssel und das abermalige Verschieben des Handelsabkommens Mercosur haben Europa schwer geschädigt. Russland greift den Westen über die Ukraine an, der Bündnispartner USA wendet sich ab, China spielt mit seinen Möglichkeiten, Populisten säen Hass. Die europäische Idee der Freiheit, der demokratischen Verfasstheit, der Selbstentfaltung und des Schutzes des Einzelnen steht unter Beschuss. Und das im Wortsinn.
Angesichts dieser Lage sollte das Motto dieser Monate heißen: „Let Europe arise!“ Vor nun 80 Jahren hat Winston Churchill unter diesem Titel vor Studenten in Zürich eine bemerkenswerte Rede gehalten. Die Worte des damals gerade abgewählten britischen Kriegspremiers „an die akademische Jugend“ sind aktueller, als wir es uns wünschten. Aus gegebenem Anlass zitieren wir Churchill zum Jahresauftakt:
„Wäre jemals ein vereintes Europa imstande, sich in das gemeinsame Erbe zu teilen, dann genössen seine drei- oder vierhundert Millionen Einwohner Glück, Wohlstand und Ehre in unbegrenztem Ausmaße. (...) Wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa errichten. Nur auf diese Weise werden Hunderte von Millionen sich abmühender Menschen in die Lage versetzt, jene einfachen Freuden und Hoffnungen wiederzuerhalten, die das Leben lebenswert machen. (...)
Der erste Schritt zu einer Neuschöpfung der europäischen Völkerfamilie muss eine Partnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland sein. (...) Wenn das Gefüge der Vereinigten Staaten von Europa gut und richtig gebaut wird, so wird die materielle Stärke eines einzelnen Staates weniger wichtig sein. Kleine Nationen werden genauso viel zählen wie große, und sie werden sich ihren Rang durch ihren Beitrag für die gemeinsame Sache sichern. (...)Unter- und innerhalb dieser weltumfassenden Konzeption müssen wir die europäische Völkerfamilie in einer regionalen Organisation neu zusammenfassen (...).“
Natürlich ist Churchills Appell geprägt von der Katastrophe des gerade erst beendeten Krieges. Die Idee des geeinten, freien Europas, vor 80 Jahren nicht mehr als eine Kontur, hat seitdem eine Form gefunden. Unter Druck aber muss sie nun – endlich – wieder Kraft finden. Der Glaube an die europäischen Werte und das Durchsetzen grundlegender Reformen sind im neuen Jahr unerlässlich. Das zeigen unsere zehn Trends für 2026, die wir Ihnen in dieser ersten Ausgabe des Jahres präsentieren. Unser Tipp: Laden Sie unbedingt die Grafiken in Ihrer Mail herunter, mit einem Klick auf die rechte Maustaste.
Was meinen Sie: ist Churchills Rede noch aktuell?Schreiben Sie uns gern Ihre Meinung: weltwirtschaft@faz.de.
Wir wünschen Ihnen ein frohes neues Jahr, bleiben Sie uns gewogen.
Kanada verringert das Importkontingent für Stahlerzeugnisse aus Ländern, mit denen es ein Freihandelsabkommen geschlossen hat, auf 75 Prozent des Volumens von 2024. Ausnahme bilden Importe aus den USA oder Mexiko. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
Dass der US-Präsident seinen Spitznamen „Taco“ (Trump Always Chickens Out, in etwa: Trump knickt immer ein) verdient, beweist er in seiner Zollpolitik. Von den extremen Zollsätzen, die er im April 2025 angekündigt hatte, sind die wenigsten übrig geblieben; der Standardsatz für viele Staaten beträgt nun 15 Prozent (bis auf prominente Ausnahmen wie Brasilien und Indien). Doch auch diese historisch hohen Importzölle wird Trump weiter abmildern. Der Grund liegt in der Innenpolitik: 2026, wenn die Folgen der hohen Importzölle am stärksten durchschlagen werden, stehen Midterm-Wahlen für den Kongress an. Den Republikanern drohen dabei erhebliche Verluste, denn die Wähler haben gelernt, dass hohe Einfuhrzölle am Ende von ihnen zu zahlen sind. Schon im September und November 2025 hat die
US-Regierung darum Hunderte Güter, darunter Rohstoffe und Agrarprodukte wie Kaffee und Bananen, wieder von Zöllen befreit – Importe im Wert von mehr insgesamt 530 Milliarden Dollar. Dabei dürfte es 2026 nicht bleiben. (fahe.)
Trend 2: Afrikas nächste Chance
„Europa wird im kommenden Jahrzehnt dringend auf Afrika angewiesen sein“, ist sich Unternehmensberater und Afrikakenner Stefan Liebing sicher. Während traditionelle Handelspartner wie Amerika und China wanken, bietet Afrika wachsende Absatzmärkte und Investitionsmöglichkeiten, etwa in den Bereichen Energie, Agrarwirtschaft, Digitalisierung und verarbeitende Industrie. Und: Viele der 54 Länder bieten Zugang zu strategisch wichtigen Rohstoffen. Diese sollte Deutschland sich sichern, um seine Abhängigkeit von China zu überwinden, plädiert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Viele der 54 Staaten des Kontinents sind politisch relativ stabil, zeigen sich reformbereit und willens, sich zu entwickeln. Beispiele sind Uganda, Ruanda, Äthiopien, die Elfenbeinküste oder Senegal, für
die 2026 ein Wirtschaftswachstum von sechs bis acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert wird. Und: Nach Jahren des Rückgangs verzeichnet Afrika 2025 einen Rekordanstieg ausländischer Direktinvestitionen. Dieser wurde zwar vor allem durch ein Infrastrukturprojekt in Ägypten angetrieben, doch auch ohne dieses stiegen die Investitionen um 12 Prozent. (sbb.)
Trend 3: Das Völkerrecht leidet
Konflikte, Krisen, menschengemachte Katastrophen: Auch dieses Jahr wird kein einfaches werden. Das verbriefte Selbstbestimmungsrecht und die Souveränität der Völker werden mit Füßen getreten. Um die Jahreswende springt – neben den Kriegen rund um die Welt – besonders das Verhalten der amerikanischen Regierung ins Auge: Donald Trumps Angriffe auf Venezuela, aber auch seine Drohgebärden gegenüber Grönland und Panama. Wenn aber jeder auf der Weltbühne tut, was er will und was er kann, nicht eingegrenzt durch das, was er darf, schwindet die Glaubwürdigkeit der Demokratien. Mit der regelbasierten Ordnung schmilzt auch der Handel miteinander, weil die Risiken steigen. Regierungen suchen mit bilateralen Abkommen nur noch Gleichgesinnte, Unternehmen ziehen sich zurück, igeln sich ein.
Laut der Personalberatung Egon Zehnder betrachten Manager die geopolitischen Wirren inzwischen als ihre größte Sorge. Die Rüstungsbranche aber wächst: 2022 machten die weltweiten Verteidigungsausgaben noch 1,59 Prozent der Weltwirtschaftsleistung aus. Inzwischen hätten sie die Zweiprozenthürde genommen, heißt es bei den Analysten von IISS. Die Wahrnehmung dessen, was auf der Weltbühne möglich ist, verschiebt sich – weg vom friedlichen Austausch, hin zu aggressiven Auseinandersetzungen. Die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller. (che.)
Trend 4: Alles spricht für niedrigere Zinsen
Der doppelte Preisschock von Corona und Ukrainekrieg ist offenbar ausgestanden: Für nahezu alle Industrie- und Schwellenländer erwarten die Ökonomen weiter leicht sinkende Inflationsraten. Das liegt natürlich an den gesunkenen Energiepreisen, aber auch daran, dass das noch Anfang 2025 befürchtete Wettrüsten bei Zöllen, das die Verbraucherpreise treibt, ausgeblieben ist. Damit dürfte das häufige Auf und Ab an Leitzinsen, das mit der Corona-Krise eingesetzt hatte, ausgestanden sein. Mehrere Notenbanken werden sie angesichts der Preisentwicklung und eher schwachen Konjunktur weitgehend stabil halten. Von diesem globalen Trend gibt es jedoch zwei bemerkenswerte Ausnahmen: In China sorgen Wirtschaftskrise und Preiskampf für eine anhaltende Deflation, die die Welt belastet. Und in den USA
wird wegen Donald Trumps Importzöllen mit deutlichen Preisanstiegen gerechnet. Dennoch übt der Präsident Druck auf die Notenbank (Federal Reserve, Fed) aus, die Zinsen weiter zu senken – und kann im Frühjahr sogar einen handverlesenen, folgsamen Notenbank-Chef einsetzen. (fahe.)
Trend 5: Der Klimaschutz hat wieder Aufwind
Seit dem Krieg in der Ukraine und dem Antikurs von US-Präsident Donald Trump scheint das Thema Klimaschutz abgeschrieben. Dabei schreitet die Erderwärmung ungebremst voran und gefährdet die Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen. Auch wenn der öffentliche Eindruck ein anderer ist, der Klimaschutz nimmt an Fahrt auf. Viele Länder – sogar China – haben CO₂‑Preise eingeführt, die in den kommenden Jahren steigen. Das heißt, das Nutzen fossiler Brennstoffe wird immer teurer, erneuerbare Energien werden billiger und attraktiver. Zum 1. Januar greift in der EU der „Carbon Border Adjustment Mechanism“ (CBAM), auch als CO₂-Grenzausgleich bezeichnet, vollständig. Der Importzoll soll die europäische Industrie vor Wettbewerbsnachteilen schützen und verhindern, dass emissionsstarke
Produktion einfach in andere Länder verlagert wird. Dazu werden Technologien wie CO₂-Abscheidung und -Speicherung weiter erprobt und erforscht. (sbb.)
Trend 6: Die Schwellenländer werden hofiert
Selten waren die Chancen für Schwellenländer größer als in diesen Monaten. Unter dem Druck der US-Zollpolitik auf der einen, Chinas wirtschaftlicher Umstrukturierung auf der anderen Seite stellt sich auch Europas Industrie dort neu auf. „Die Globalisierung wird nicht abgeschafft, sondern neu vernetzt“, hieß es bei der Welthandelsorganisation (World Trade Organisation, WTO) Mitte Dezember. Brüssel plant endlich Freihandelsabkommen fast wie am Fließband – Mercosur, Indien, Malaysia, Indonesien, die Philippinen, aber auch Australien. Ein Land wie Vietnam macht seit Jahren vor, wie man – in einem straff geführten Einparteienstaat – Chancen heben kann: einheitlicher Rechtsrahmen, geschulte Arbeitskräfte, Grund und Boden für Investoren. Schon heute gehen 84 Prozent des Exports Südostasiens
über seine Grenzen hinaus. Die Ausfuhr von Zwischenprodukten Südostasiens nach China hat sich in zehn Jahren verdreifacht. Niedrige Inflationsraten und damit niedrige Zinsen verleihen nun Luft für Investitionen in die überfällige Digitalisierung. Billiglöhne reichen Investoren nicht mehr; es geht um geographische Erreichbarkeit, um politische Sicherheit, Liefertreue, Zugang zu Grundstoffen. Für die Schwellenländer hängt jetzt alles davon ab, wie ihre Regierungen sie aufstellen. (che.)
Trend 7: Brandherd Nordostasien
Der Nordosten Asiens wird unsicherer. Und das nicht nur wegen Taiwan, das Peking weiterhin für sich reklamiert. Nachdem in Japan die konservative Ministerpräsidentin Sanae Takaichi am Ruder steht und nachdem Südkorea sich zur Waffenschmiede entwickelt, ist die Trennlinie noch klarer: Hier das hochgerüstete China, dort Taiwan, Japan und Südkorea, in deren Rücken Australien und traditionell die USA als Verbündete standen. Donald Trumps Washington hat an einer Auseinandersetzung wenig Interesse: „Die Verhinderung eines Konflikts um Taiwan, idealerweise durch die Aufrechterhaltung der militärischen Überlegenheit, ist eine Priorität“, heißt es in der neuen US-Sicherheitsstrategie. Der Grund: „Der Infopazifikraum erwirtschaftet bereits fast die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung auf
Basis der Kaufkraftparität. Dieser Anteil wird im Laufe des 21. Jahrhunderts mit Sicherheit noch steigen.“ Die innere Schwäche Chinas und seiner erklärten Partner Russland und Nordkorea auf der einen Seite, Nationalismus in Japan und Südkorea auf der anderen lassen die Risiken dennoch wachsen: Einerseits, dass sich Chinas Ministerpräsident Xi Jinping Taiwan greift, weil er den Moment als passend empfindet. Andererseits, dass es zu folgenschweren Zusammenstößen kommt. (che.)
Trend 8: Die globalen Handelsströme verschieben sich
Zugegeben, ganz neu ist dieser Trend nicht: Schon seit mehreren Jahren verlagern sich die Handelsströme weg von den alten Industriestaaten hin nach Asien und Lateinamerika. Aber er beschleunigt sich. 2025 war das höhere Tempo zunächst an den fluktuierenden Frachtpreis-Indizes abzulesen, inzwischen bestätigen Export- und Importzahlen diese ersten Eindrücke. Erklären lässt sich dies aus drei Gründen. Erstens schwächeln die Volkswirtschaften des Westens derzeit, während sie in den Schwellenländern – abgesehen von China – kräftig zulegen. Zweitens leiden Energieexportländer, deren Hauptabnehmer die alten Industriestaaten sind, derzeit entweder unter dem niedrigen Ölpreis oder aber unter Sanktionen. Drittens haben die aktuelle US-Handelspolitik, aber auch die Huthi-Bedrohung im Roten Meer
und der chinesische Umgang mit Seltenen Erden viele Unternehmen und Staaten dafür sensibilisiert, sich alternative Lieferanten und Rohstoffquellen zu sichern. All dies spricht dafür, dass sich dieser Trend nicht so schnell umkehren wird. (fahe.)
Trend 9: Saudi-Arabien steht am Scheideweg
Diese Sorge Riads möchten andere Länder gern haben: Im neuen Jahr könnte die Staatsverschuldung Saudi-Arabiens erstmals auf mehr als 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen – vor 15 Jahren waren es immerhin nur 10 Prozent. Damit muss sich der monarchische Herrscher Muhammad Bin Salman (MBS) dieses Jahr die Frage stellen, wie viel seiner ambitionierten Strategie „Vision 2030“, mit der er die Volkswirtschaft weniger abhängig von Öl machen will, er noch durchdrücken kann – und ob dies tatsächlich eine steigende Staatsverschuldung wert ist. Denn derzeit liegt der Ölpreis mit knapp über 60 Dollar je Barrel (159 Liter) fast ein Drittel unter dem Betrag, der für einen ausgeglichenen Staatshaushalt der Ölnation nötig wäre. Vor allem aber wurden für einige der wichtigsten
Investitionsprojekte der „Vision 2030“ Billionen Riyal in den Sand gesetzt – wortwörtlich: Gerade musste das wichtigste Megaprojekt The Line, ein 170 Kilometer langer Stadtkorridor durch die Wüste, auf einen Bruchteil zusammengestrichen werden – eine Folge von Verschwendung und technisch unüberwindlichen Hürden. (fahe.)
Trend 10: Peking ringt mit der Krise
China muss in diesem Jahr die Wirtschaftswende schaffen. Statt die Welt mit Waren zu überschwemmen, muss Peking den heimischen Konsum anheizen. Dafür wird die Regierung weitere Hunderte Milliarden Dollar in das System drücken. Helfen kann das nur, wenn die Menschen der Staatswirtschaft wieder vertrauen. Der erschütterte Immobilienmarkt deutet nicht darauf hin, die Arbeitslosenrate ebenfalls nicht. 2026 wird die Rekordzahl von fast 13 Millionen Studenten in den Arbeitsmarkt drängen. Erst im Dezember ging es bei einer Wirtschaftskonferenz der Staatsführung darum, Stellen zu schaffen und die Einkommen zu erhöhen, statt weiter staatlich zu subventionieren. Die Zentralregierung will die Überschuldung der Regionen eindämmen, zugleich aber selbst mehr in öffentliche Projekte
investieren. Digitalisierung, Robotik und Klimaschutz könnten davon profitieren. Doch drohen neue Risiken: der Bau von „weißen Elefanten“, die niemand braucht, Korruption, Überproduktion aus automatisierten Fabriken, der Ausbau der Rüstung. Die wabernde Immobilienkrise durch das Umwidmen von Leerstand in Sozialwohnungen wird auf Widerstand stoßen. Ein Großrisiko liegt darin, dass Abnehmerländer auf die Flut chinesischer Billigwaren mit Handelsbarrieren reagieren – und Chinas Krise damit anheizen. Die amerikanische Denkfabrik Rhodium Group schätzt Chinas Wachstumsrate 2025 auf nur noch rund 2,5 Prozent - halb so hoch wie die Regierung. (che.)
Die US-Schulden haben einen Kipppunkt erreicht Für die Vereinigten Staaten sind die Zinskosten inzwischen höher als das Verteidigungsbudget. Doch ganz hoffnungslos ist die Lage nicht – wegen Künstlicher Intelligenz und der Demographie.
Rückspiegel
Vor 45 Jahren: Der ECU als Euro-Vorläufer. Der Name ist typisch europäisch: die Franzosen erinnert „ECU“ an die mittelalterlichen Goldmünzen „Écu“ (franz. „Wappenschild“), für die Briten dagegen stehen die Buchstaben als Abkürzung für: „European Currency Unit“. Und für die Deutsche Bundesbank ist der ECU, der zum 1. Januar 1981 eingeführt wird, nur eine Recheneinheit. Jede Nation interpretiert den ECU so, wie es ihr passt. Doch am Ende bereitet er den Weg zur Europäischen Währungsunion und zum Euro.
Dass es den „ECU“ überhaupt gibt, ist eine Folge des Kollapses des Bretton-Woods-Systems 1973, mit dem die Goldbindung der Währungen endet und die Wechselkurse stärker fluktuieren. Für den zusammenwachsenden europäischen Binnenmarkt ist das ein echtes Integrationshemmnis. Um die Kursschwankungen zu begrenzen, wird 1975 die Europäische Rechnungseinheit (ERE) erdacht, diese dann 1979 in das Europäische Währungssystem überführt und dieses wiederum 1981 zum ECU umgewandelt.
Nur für Sammler: ECU-Münzen aus Spanien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien (von links oben nach rechts unten)Picture Alliance
Mit dem ECU rechnen europäische Institutionen die folgenden zwei Jahrzehnte nicht länger in Franc, D-Mark oder Pfund. Sie erstellen ihre Etats in ECU und berechnen damit Zölle, Zuschüsse und Statistiken. Damit werden die Geldflüsse innerhalb der Europäischen Gemeinschaft schnell vergleichbar. Überdies sind Zentralbanken und Politiker gezwungen, sich in Europa stärker als vorher zu Leitzinsen und Schuldenpolitik untereinander abzustimmen, um Kursschwankungen von vornherein zu vermeiden.
Nur im Geschäft bezahlen kann man mit dem ECU nie, auch wenn Münzhändler und Teleshopping-Sender beharrlich angebliche ECU-Münzen mit „Sammlerwert“ zum Verkauf anbieten. Das wird erst mit der Einführung der gemeinsamen Währung möglich, 1999 als Buchgeld und 2002 als Bargeld. Dass sie dann aber Euro (und Cent) genannt wird und nicht ECU, hat wohl am Widerstand von Helmut Kohl gelegen: Der Bundeskanzler soll anlässlich der Namensfindung 1995 geäußert haben, das oft französisch ausgesprochene „ECU“ klinge auf Deutsch doch sehr stark nach „Kuh“.