Weltwirtschaft
                                                           
Donnerstag, 05.02.2026 | Zur Online Ansicht
 
 Frankfurter Allgemeine Pro
WELTWIRTSCHAFT
Alles Wichtige zu Globalisierung, Sicherheit und Ressourcen.
Nicht nackt im Wind
Wer noch rätselt, was das wiederentdeckte Schlagwort „Geoökonomie“ bedeutet, sieht es in den vergangenen zehn Tagen mit Leben gefüllt. Auf der Weltbühne ringen die Großmächte mit harten Bandagen. Um Absatz- und Beschaffungsmärkte, um Bodenschätze, um Lieferwege, Allianzen.
Von Donald Trumps Zoll- und Rohstoffpolitik getrieben, agiert die EU nun so rasch wie nie zuvor: Auf ein Handelsabkommen mit Mercosur folgt eines mit der fünftgrößten Wirtschaftsnation der Erde, Indien. Zugleich schließen die Europäer einen Sicherheitspakt mit den Indern ab. Er führt zu einem engeren Austausch, der fast zwangsläufig zum Verkauf europäischer Waffen überleitet.
Autorenbild
Christoph Hein
Leiter F.A.Z. PRO Weltwirtschaft
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Auch wenn es nicht ins Bild der Zeit passt: Zumindest kurzzeitig setzen die Europäer damit die Trump-Regierung unter Druck. Diese reagiert mit der Rücknahme ihrer Zölle von sagenhaften 50 Prozent für Indien. Was Trump dafür bekommt, bleibt im Nebel, Delhi aber verbucht einen Punktsieg. Ähnlich beim Rennen um Lateinamerika: Der US-Präsident hat sich im Handstreich Venezuela zu sichern versucht. Die EU schließt fast zeitgleich den Mercosur-Vertrag. In diesen Stunden verhandeln Amerikaner und Europäer in Washington um Zugriff auf überlebenswichtige Bodenschätze wie Kupfer und Lithium. Die punktuelle Zusammenarbeit im gemeinsamen Forum für kritische Mineralien (FORGE) ist sinnvoll.
Und Grönland? Auf das Kriegsgeheul aus Washington haben die Europäer entschlossen reagiert. Das Ergebnis: Keine US-Truppen vor der Küste Dänemarks, die NATO ist nicht am ewigen Eis zerschellt.
Nutzen sie ihre Trumpfkarten, dann haben die Schwellenländer und Mittelmächte in Asien, Afrika und Lateinamerikasie nun drei große Interessenten, die sie gegeneinander ausspielen können: China ist schon vor Ort, hat aber oft enttäuscht. Die USA arbeiten mit der Zollkeule, bieten aber Schutzversprechen und Wirtschaftskraft, auch um Chinas Einfluss  zurückzudrängen. Die Europäer kommen spät, sie jedoch gelten auf der Weltbühne als verlässlich, offerieren einen kaufkräftigen Markt und Technologietransfers. Verzichten die EU auf ihre gefürchtete Überregulierung, gewinnt sie an Attraktivität. Zu dieser zählt neben der Klimatechnologie, man mag es mögen oder nicht, europäische Rüstungstechnik.
Anders gesagt: Verhalten wir uns klug – und dazu gehört Einigkeit an der Spitze der EU –, stehen wir in der neuen, kalten Welt so nackt nicht da. Wir verfügen über Mittel, uns gegen China und gegen Trump zu behaupten. Wir kennen sie. Aber wir müssen lernen, sie zu nutzen.
Schreiben Sie uns unter weltwirtschaft@faz.de gern, wie Sie über die Machtverschiebung zwischen China, den USA und Europa denken.
Und noch ein Tipp für diese Ausgabe: Öffnen Sie mit der rechten Maustaste die Bilder in Ihrer E-Mail – dann sehen Sie unsere Grafiken zu zehn Fakten über den Iran. Sie machen es leichter, mitzureden.
Ihr Christoph Hein
 
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Die Themen in diesem Newsletter
Daten zur Weltlage
+++ Irans Zukunft +++
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Szenarien für einen Regimewechsel
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Das Wirtschaftsimperium der Revolutionsgarden
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Zehn Grafiken, um Iran zu verstehen
Weltwissen
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Indien gewinnt an allen Fronten
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Wahlen: Japans scheinbar alternativlose Regierungschefin
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Darum bereist Wadephul derzeit den Südpazifik
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Binnenmarkt: Afrikaner handeln zu wenig miteinander
Klima & Ressourcen
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Wie sich die USA Rohstoffe in Lateinamerika sichern
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Neues CCS-Gesetz: Weltweiter Wettlauf um die CO₂-Speicher
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Kolumne Weltblick: Der Triumph der Billigdrohnen
Lesezeichen
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Was sonst noch wichtig ist
Business Class
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F.A.Z.-Zitat der Woche, Meistgelesen
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Rückspiegel: 1971 wird die NASDAQ zur ersten elektronischen Börse
Daten zur Weltlage
 
 
Um ausländisches Kapital anzulocken, gewährt China seit 1. Februar Steuerrabatte und Zollbefreiungen für Investitionen in erneuerbare Energien, Batterieherstellung, Robotik, digitale Dienstleistungen, Ökotourismus und Wellness. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
 
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+++ Irans Zukunft +++
 
Szenarien für einen Regimewechsel
 
Die Gewalt gegen die Massenproteste in Iran belegt, dass ein Machtwechsel kein Selbstläufer ist. Ein Blick auf die Geschichte des Landes zeigt, was der aktuellen Bewegung zum Umsturz noch fehlt.
Von Philippe Welti, früherer Schweizer Botschafter in Teheran, Daniel Woker, früherer Schweizer Botschafter
Die Bilder und die jüngsten Schlagzeilen haben Vorstellungen eines bevorstehenden Umsturzes in der Islamischen Republik Iran hervorgerufen. Der international gebräuchlich gewordene Begriff des „Regime Change“ liegt in der Luft. Zwar gibt es keine Gewissheiten, wie dieser ablaufen würde. Frühere Umbrüche in Iran aber deuten an, welche Voraussetzungen für einen grundsätzlichen Machtwechsel erfüllt sein müssen.
Erinnerung an den Schah: Auslandsiraner demonstrieren in Hamburg mit der iranischen Flagge der Monarchie bis 1979 sowie Bildern des früheren Schahs (Mitte) und seines Sohnes Reza Pahlavi (rechts). dpa
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Das Wirtschaftsimperium der Revolutionsgarden
 
Die Elite-Streitkräfte sollen die Islamische Republik Iran vor vermeintlichen Feinden im Inneren und im Ausland schützen – zugleich sind sie der mächtigste Konzern des Landes. Deshalb nehmen die EU und die USA sie stärker ins Visier.
Von Rainer Hermann
Mit den EU-Sanktionen und der Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation ist es künftig Dritten verboten, ihnen „Gelder oder Ressourcen zur Verfügung zu stellen“. Das trifft das Land. Denn die Unternehmen der Revolutionsgarden sind ein integraler und systemrelevanter Teil der iranischen Wirtschaft.
Im Gleichschritt, auch weil es um ihr Geld geht: Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden auf einer Militärparade dpa
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Zehn Grafiken, um Iran zu verstehen
 
Chinas Ölversorger, Russlands Waffenlieferant, angehende Atommacht: Die  Entwicklungen in Iran betreffen nicht nur das Land selbst, sondern haben Auswirkungen auf die gesamte Welt, wie diese Grafiken zeigen.
Von Falk Heunemann
Wegen der internationalen Sanktionen sind die Panzer und Kampfflugzeuge, die Iran besitzt, teils mehrere Jahrzehnte alt und gelten als nicht konkurrenzfähig, Ersatzteile sind nur schwer zu bekommen. Deshalb hat Teheran die Entwicklung von Kampfdrohnen vorangetrieben. Letztere gelten als günstige und schwer zu bekämpfende Alternative zu teuren herkömmlichen Waffen. Zudem erwirtschaften sie dringend benötigte Exporterlöse– etwa vom einstigen Waffenlieferanten Russland.
 
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Weltwissen
 
Indien gewinnt an allen Fronten
 
Präsident Narendra Modi kann sich die Hände reiben: Als Reaktion auf das Freihandelsabkommen mit der EU senkt Donald Trump die Zölle. Und Neu Delhi schließt eine Sicherheitspartnerschaft mit den Europäern.
Von Christoph Hein
Anfang und bisheriges Ende liegen bei Donald Trump: Denn ohne das unberechenbare Verhalten des amerikanischen Präsidenten wären weder der europäische Freihandel mit Indien noch die dritte Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft (Security and Defence Partnership, SDP) der EU in Asien zustande gekommen. Wohl auch als direkte Reaktion darauf senkt Trump die Zölle für die Inder.
Nun wieder Freunde: Präsident Donald Trump und Indiens Ministerpräsident Narendra Modi vor gut einem Jahr im Weißen Haus. Reuters
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Japans scheinbar alternativlose Regierungschefin
 
Am Sonntag kommt es zu vorgezogenen Parlamentswahlen in Japan. Die Umfragen erwarten den Sieg der Regierungschefin Sanae Takaichi. Das liegt auch an ihrer Positionierung gegenüber China und den USA.
Von Georg Blume
Überall in westlich geprägten Demokratien tun sich die etablierten Parteien schwer? Nicht so in Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft und zweitgrößten Kreditgebernation der Welt.
Umfragen erwarten für den 8. Februar einen Wahlsieg von Sanae Takaichi. AP
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Darum ist der Südpazifik für Deutschland wichtig
 
 Für Berlin spielten die Inselstaaten bislang keine große Rolle. Dabei gäbe es gute Gründe dafür – von der Konkurrenz mit China bis hin zur Klimapolitik. Allerdings sollten die deutschen Diplomaten mehrere Fehler nicht wiederholen.
Von Bryce Wakefield,  CEO des Australian Institute of International Affairs
Es ist bemerkenswert, dass Außenminister Johann Wadephuls Reise in den Indopazifik auch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zum Inselstaat Niue einschließt und ihn nach Tonga führt. Jedoch treffen dort mehrere Entwicklungen zusammen, die Berlin derzeit beschäftigen: Mittelmächte-Diplomatie, Klimapolitik, strategische Rivalität, Desinformation und die Zukunft der multilateralen Ordnung.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) bereist derzeit mehrere Länder in Südostasien und im Pazifik, darunter den Inselstaat Tonga. dpa
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Afrikaner handeln zu wenig miteinander
 
 Der schwache Binnenmarkt ist einer der Wachstumsbremser Afrikas. Ein umfassendes panafrikanisches Freihandelsabkommen sollte das eigentlich ändern. Die Wirklichkeit ist ernüchternd.
Von Lukas Kornher und Frederik Stender, IDOS
Fünf Jahre nach dem Startschuss bietet sich Anlass zu einer ersten Zwischenbilanz von Afrikas wohl größter wirtschaftspolitischer Reform der vergangenen Jahrzehnte, der afrikanischen Freihandelszone (African Continental Free Trade Area, AfCFTA). Die Vision ist ebenso überzeugend wie ambitioniert: ein gemeinsamer afrikanischer Markt, der Handel fördert, Industrialisierung ermöglicht und den Kontinent wirtschaftlich enger zusammenführt.
 
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Klima & Ressourcen
 
Wie sich die USA Rohstoffe in Lateinamerika sichern
 
Öl, Lithium, Seltene Erden: Mit seiner in der Nacht verkündeten Rohstoffinitiative FORGE will Washington einen Block gegen China schmieden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Länder Lateinamerikas.
Von Tobias Käufer
Wenn es um Lateinamerika geht, besitzt US-Präsident Donald Trump einen ganz besonderen Trumpf: Außenminister Marco Rubio, Sohn kubanischer Einwanderer, spricht nicht nur perfekt Spanisch. Er ist auch als eher klassischer Konservativer mit den Protagonisten rechter oder libertärer Politik in der Region bestens vernetzt.
US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) gibt in Washington auf dem Forum zur Sicherung kritischer Rohstoffe die Richtung vor. AFP
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Weltweiter Wettlauf um die CO₂-Speicher
 
Deutschland hat nun erlaubt, Kohlendioxid aus der Luft abzuscheiden und zu exportieren. Weltweit ist Europa führend in dieser Technologie, doch die Umsetzung erfordert Milliardeninvestitionen, wie diese Beispiele aus mehreren Ländern zeigen.
Von Sabine Balk
Nach vielen Jahren der Skepsis kann die umstrittene Technologie zu CO₂-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Capture and Storage, CCS) nun auch in Deutschland eingesetzt werden. „Die ganze Branche hat diesem Gesetzesrahmen lange entgegengefiebert. Das war die Voraussetzung dafür, dass überhaupt etwas passieren kann“, sagt Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierates Deutschland.
 
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Kolumne Weltblick: Der Triumph der Billigdrohnen
 
Unbemannte Fluggeräte verändern die Kriegsführung weltweit. In der Ukraine und im Sudan entscheidet nicht mehr teure Hochtechnologie über Sieg oder Niederlage, sondern wer Drohnen schneller in Masse produziert.
Von Christian von Soest
Das Beste, was ukrainischen Soldaten an der Front passieren kann, ist ein trüber Tag mit tief hängenden Wolken. Sobald der Himmel aufklart, beginnt das tödliche Surren der Drohnen. Sie sind für vier von fünf Toten in diesem Krieg verantwortlich. Dieses Grauen markiert die zweite Phase des weltweiten Drohnenkriegs.
Unser Kolumnist nimmt die Welt in den Blick. Jasper Hill
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Lesezeichen
 
Was sonst noch wichtig ist
  • Nach erheblichen Verlusten hat der Goldpreis wieder die Marke von 5000 Dollar je Feinunze überschritten. Vermutet wird, dass Käufer, die vergangene Woche ihre Positionen aufgrund von Margin Calls verkaufen mussten, zum günstigeren Preis wieder einsteigen. Zudem belastet die Dollarschwäche weiter das Vertrauen in andere Anlageformen.
  • Die USA haben den Freihandelspakt mit 32 afrikanischen Staaten, den African Growth and Opportunity Act (AGOA), um ein Jahr verlängert, er war im September ausgelaufen. Zwischenzeitlich hatte die Trump-Regierung den afrikanischen Staaten erhebliche Importzölle angedroht. 2024 hatten die Staaten Waren im Wert von 8,23 Milliarden Dollar (6,96 Milliarden Euro) in die USA exportiert.
  • In der Eurozone ist die Inflationsrate auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen. Im Januar stiegen die Verbraucherpreise innerhalb von zwölf Monaten nur noch um 1,7 Prozent. Hauptgrund sind die sinkenden Energiepreise. 2022 hatte die Inflationsrate infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine zeitweise bis zu zehn Prozent betragen.
 
Business Class
 
F.A.Z.-Zitat der Woche
„Eine Persönlichkeit mit Rückgrat hätte das Auswahlverfahren nicht als Sieger überstanden.“
Winand von Petersdorff, Wirtschaftskorrespondent in Washington, kommentiert Donald Trumps Nominierung von Kevin Warsh für den Posten des Fed-Chefs.
Meistgelesen in F.A.Z. PRO Weltwirtschaft
Peking sucht sein Heil bei Trumps Opfern
Europäer und Inder haben den Freihandel beschlossen. Auf lange Sicht wird das China schmerzen. Doch ist aus Peking im Vergleich zum Getöse aus Washington auf der Weltbühne wenig zu hören. Denn das Land braucht die Märkte der Demokratien, um seine Wirtschaft zu stabilisieren.
Rückspiegel
Vor 55 Jahren. Die NASDAQ wird die erste elektronische Börse. Aktien zu handeln, geht heute praktisch von überall aus. Nur ein paar Klicks in den Apps und auf den Websites der Onlinebroker oder Direktbanken, und schon sieht man aktuelle Kurse, Benchmarks oder Handelsvolumen, kann sofort kaufen und verkaufen. Vor fünf Jahrzehnten war das noch undenkbar. Wer Wertpapiere erwerben oder loswerden wollte, musste über einen Makler gehen, dessen Repräsentant wiederum vis-à-vis oder telefonisch mit anderen Händlern im Zwiegespräch den Preis aushandelte. Bis zum 8. Februar 1971, dem Start der NASDAQ-Börse in New York.
Magnetbänder und Röhrenmonitore: Datacenter der NASDAQ-Börse 1971 mit Großrechnern von Bunker Ramo Museum of American Finance/Nasdaq
Der Impuls zur Gründung kommt damals von der US-Börsenaufsicht. Die United States Securities and Exchange Commission (SEC) stört sich an der undurchsichtigen Preisbildung bei außerbörslichen Wertpapiergeschäften, die per Telefon abgewickelt werden. Um Transparenz zu schaffen, verfällt die National Association of Securities Dealers (NASD), eine Selbstregulierungsinstitution der Branche, darauf, ein eigenes Computer-Netzwerk aufzubauen. Der Name: National Association of Securities Dealers Automated Quotations – NASDAQ.
In Trumbull, Connecticut, wird für dieses Netzwerk ein „Data Center“ errichtet, gefüllt mit schrankgroßen Computern, die die Daten von Bandlaufwerken einlesen und sie dann auf monochromen Bildschirmen ausgeben. Wenn Nutzer in dieses System neue Bieter- und Angebotskurse eingeben oder alte aktualisieren, sieht dies sofort jeder Beteiligte.
Von dieser neuen Preistransparenz profitieren schnell wachsende Technologiefirmen, deren steigende Bewertungen schneller sichtbar werden und erheblich mehr Investoren anlocken. Als eines der ersten Unternehmen listet Intel seine Aktien an der NASDAQ, einige Jahre später folgen AMD, Apple, Compaq und Microsoft. Ihr Erfolg etabliert die NASDAQ in den Achtzigern als Technologiebörse. Der Index NASDAQ Composite, der 1971 mit 100 Punkten startet, steht aktuell bei mehr als 23.500 Punkten – eine Durchschnittsrendite von jährlich mehr als zehn Prozent.
Mit der NASDAQ steht die Börse nicht länger nur für einen physischen Handelsplatz, sondern vor allem für ein Informationsnetzwerk, durch das Kurse und Transaktionskosten transparent werden. Die NASDAQ setzt so den Standard für elektronische Märkte und bereitet den Weg für den globalen Onlinehandel, wie wir ihn heute kennen.
 
 
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