Weltwirtschaft
                                                           
Donnerstag, 12.03.2026 | Zur Online-Ansicht
 
 Frankfurter Allgemeine Pro
WELTWIRTSCHAFT
Alles Wichtige zu Globalisierung, Sicherheit und Ressourcen.
Die Welt im Schwitzkasten
Steigende Preise an deutschen Tankstellen waren nur der erste Fingerzeig. Wie nach einem Steinwurf ins Wasser breiten sich die Wellen des Krieges im Iran rund um die Erde aus. Nun erreichen dessen Folgen die Schwellenländer.
Sie muten kindlich naiv an, und doch sind die Anweisungen Ausdruck von Wehrlosigkeit: Die thailändische Regierung verordnet ihren Beamten, kurzärmelige Hemden zu tragen. Klimaanlagen sollen ihre Räume nur noch auf 27 Grad kühlen. Die Philippinen schicken die Staatsdiener ins Homeoffice. In Indien kürzen Restaurantketten wie Sangeetha Veg ihre Speisekarte. So wollen die Schwellenländer Treibstoff und Energie sparen. Sie werden knapp, weil der Iran nach den Angriffen von Israelis und Amerikanern die Straße von Hormus sperrt. Trotz der Freigabe von Reserven ist der Preis am Donnerstag wieder über die 100-Dollar-Grenze pro Fass gestiegen.
Die Meerenge bezeichnet die Regierungssprecherin des Iran als „von Gott gegebene Ressource“. Diese Ressource zu sperren ist ein weiterer Beleg dafür, wie fragil Lieferketten sind. China kann die Versorgung der Industrie rund um die Welt mit Seltene Erden unterbrechen. Malaysia kann Singapur, China Indien, und Indien Pakistan das Wasser abdrehen. Amerika kann die Lieferung seiner Waffen und Ersatzteile aufhalten. Der Iran kann ganz Asien von Öl, Gas und Dünger abschneiden.
Autorenbild
Christoph Hein
Leiter F.A.Z. PRO Weltwirtschaft
Plus Sign Folgen
Diese Machtmittel zu nutzen sind wirtschaftliche Kriegserklärungen. Irans Verteidigungsstrategie trifft mittelbar die Armen der Erde. Steigende Preise für Öl und Gas treiben die Lebensmittelpreise, Düngermangel bedroht Ernten in Afrika und Südasien, wo immer noch rund 60 Prozent der Menschen von der Landwirtschaft leben. Und für Regierungen wird es sprunghaft teurer, Kredite an den internationalen Kapitalmärkten aufzunehmen.
Der Iran setzt seine „Gott gegebene Ressource“, seinen geographischen Vorteil, ohne Rücksicht auf Verluste ein. Die Mullahs nehmen die Welt in den Schwitzkasten. Israelis und Amerikaner haben die Bedeutung der Meerenge unterschätzt. Russland verdient an jedem Anstieg des Ölpreises um 10 Dollar rund 20 Milliarden Dollar – rund 70 zusätzliche Milliarden fließen seiner Kriegskasse nun schon zu. Der Ukraine aber geht die Luftverteidigung aus, die nun am Golf genutzt wird. Die Welt war auf diesen Angriff nicht vorbereitet.
Dem Nahostkrieg haben wir darum nicht nur eine aktuelle Podcastfolge von F.A.Z. PRO Weltwirtschaft gewidmet. In diesem Newsletter informieren wir Sie über die Lage im Iran, über andere Nadelöhre des Welthandels, über Dubais schwankendes Geschäftsmodell. Und weil Grafiken manchmal mehr sagen als Worte, illustrieren wir die weitreichenden Folgen der Sperrung der Straße von Hormus.
Und doch: Die Globalisierung hält mehr aus, als viele denken. Der amerikanische Ökonom Steven Altman warnt in unserem Newsletter davor, dem „Narrativ der Deglobalisierung“ aufzusitzen. Wenigstens das ist eine gute Nachricht.
Schreiben Sie uns gern unter weltwirtschaft@faz.de Ihre Meinung über eine Lösung des Iran-Konflikts.
Ihr Christoph Hein
 
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Die Themen in diesem Newsletter
Daten zur Weltlage
+++ Folgen des Kriegs um Iran +++
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Wie Teheran sich mit seiner Strategie selbst schadet
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Straße von Hormus: Darum verteuert der Nahostkrieg auch die Nahrung
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Wehe, wenn die Arterien des Welthandels verstopfen
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Dubais Geschäftsmodell wankt
Weltwissen
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Weder Zölle noch Kriege halten die Globalisierung auf
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„Russland und die USA werden die Gewinner dieser Krise sein“
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Das Auto der Zukunft fährt mit Chips aus China
Sicherheit
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Kolumne Weltblick: Deutschland gehört in den Sicherheitsrat
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Neue Rüstungsdaten: Die USA bewaffnen die Welt
Finanzen
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Japan steckt im Yen-Dilemma
Lesezeichen
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Was sonst noch wichtig ist
Business Class
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F.A.Z.-Zitat der Woche, Meistgelesen
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Rückspiegel: Vor 75 Jahren verstaatlicht Iran die Ölindustrie
Daten zur Weltlage
 
 
Wegen mutmaßlicher Dumpingpreise belegt Kanada bestimmte Lkw-Teile aus China mit einem Anti-Dumping-Zoll von 12 Prozent. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
 
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+++ Folgen des Kriegs um Iran +++
 
Wie Teheran sich mit seiner Strategie selbst schadet
 
Aus arabischen Brudervölkern wurden über Nacht Geiseln Teherans. Der waidwunde Iran habe eine perfide Strategie der Verteidigung gewählt, von der er sich nicht erholen werde, erklärt ein Wissenschaftler.
Von Ali Fathollah-Nejad
In der Nacht von Sonntag auf Montag verkündet das iranische Staatsfernsehen eine lang ersehnte Nachricht: Neuer Oberster Führer wird  Mojtaba Khamenei, Sohn des zu Kriegsbeginn am 28. Februar getöteten Ayatollahs Ali Khamenei. Inmitten der Propagandasendung, die die Ernennung zelebrieren und die Moral der Unterstützer des Regimes in Zeiten des Krieges stärken soll, fällt plötzlich wie beiläufig ein Satz, den der Moderator mit Stolz ausspricht: Der Ölpreis habe nun 109 Dollar erreicht.
Rauch über Doha (Qatar): Irans Raketen und Drohnen treffen die Industrie der Nachbarstaaten. Reuters
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Darum verteuert der Nahostkrieg auch die Nahrung
 
Alle Blicke richten sich auf die blockierte Straße von Hormus. Diese fünf Grafiken zeigen, wie wichtig die Meerenge nicht nur für Öl und Gas, sondern  auch für die weltweite Ernährung und die Finanzwelt ist.
Von Jan Koneczny
Rund um die Straße von Hormus liegen die großen Förderländer von Öl und Gas. Denn insbesondere der Norden Asiens ist auf ihre Lieferungen angewiesen. Ist der Transportweg blockiert, müssen Indien, China und Japan auf ihre Reserven zugreifen. Ärmere Staaten wie Thailand und die Philippinen haben die Büroarbeitszeiten verkürzt, um Energie zu sparen.
 
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Wehe, wenn die Arterien des Welthandels verstopfen
 
Der Stillstand in der Straße von Hormus ist ein weiteres Beispiel dafür, dass der Welthandel von neun natürlichen Meerengen abhängt. Alternativen zu ihnen gibt es kaum – und sie wären teuer.
Von Christoph Hein
Während durch den Krieg um Iran die Straße von Hormus blockiert ist, scheint sich immerhin die Lage in einer anderen Meerenge zu entspannen: Derzeit proben erste Reedereien wieder Transite durch den Suezkanal – nach fast zwei Jahren, in denen ein Großteil des Containerverkehrs zwischen Asien und Europa wegen der Terrorangriffe der Huthi über das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet werden musste. Es ist nicht das erste Mal, dass sich zeigt, wie wichtig Meerengen für den Welthandel sind.
 
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Dubais Geschäftsmodell wankt
 
Das Wirtschaftskonzept, das Singapur und Monaco entwickelten, hat Dubai perfektioniert. Die Raketenangriffe haben das Image des Emirats als sichere Oase erschüttert – doch wie lange wirkt das nach?
Von Falk Heunemann
Wer wissen will, wie es Migranten in Dubai geht, findet derzeit auf den Internetplattformen vier höchst unterschiedliche Sorten von Beiträgen. Da sind zum einen die vielen Videos, die Explosionen und Brände zeigen, beispielsweise am Burj-Al-Arab-Hotel und am Flughafen. Dann sind da die  persönlichen Berichte ausgewanderter Europäer wie Karolina Boguszewska. Die Marketingmanagerin habe Dubai mit Mann und Kleinkind um vier Uhr morgens verlassen, weil dies „die sicherste Option“ sei, schreibt sie auf Linkedin.
Keine Nachfrage: Am Strand von Dubai warten Kamele und ihr Führer auf Touristen, die wegen des Nahostkrieges aber ausbleiben. AFP
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Weltwissen
 
Weder Zölle noch Kriege halten die Globalisierung auf
 
Trotz Kriegen und Zollhürden werden immer mehr Waren über immer größere Entfernungen transportiert, zeigt eine neue Studie. Auch der weltgrößte Logistiker DHL registriert bislang keinen Rückgang – im Gegenteil.
Von Sabine Balk
Ein wenig überrascht war Steven Altman selbst von den Ergebnissen seiner Studie. Der Ökonomieprofessor an der Stern School of Business der New York University untersucht seit 15 Jahren in Zusammenarbeit mit dem Logistikunternehmen DHL den Stand der Globalisierung.
, 
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„Russland und die USA werden die Gewinner dieser Krise sein“
 
Kazuto Suzuki, einer der weltweit führenden Fachleute für wirtschaftliche Sicherheit, rechnet mit einer langen Blockade der Straße von Hormus, warnt vor Unruhen im Globalen Süden und erwartet ein Comeback Russlands.
Von Tim Kanning
Frage: Was hieße das für die Energieversorgung der Welt?Suzuki: Solange Israel Iran angreift, wird Iran die Straße von Hormus als seine Geisel benutzen. Die Blockade ist Irans einzige Karte in diesem Spiel, und das Land wird dafür sorgen, dass alle in der Welt unter dieser Blockade leiden, damit andere Länder Druck auf Israel ausüben, um diesen Krieg zu stoppen. Der Ölpreis wird noch über 150 Dollar pro Barrel steigen. Das ist Irans Strategie.
Da jubelten sie noch gemeinsam: Japans Regierungschefin Sanae Takaichi bei einem Auftritt mit US-Präsident Donald Trump im vergangenen November AFP
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Das Auto der Zukunft fährt mit Chips aus China
 
China investiert derzeit kräftig in die Entwicklung von Halbleitern, die für die Steuerung von E-Autos unverzichtbar sind. Von der Strategie sollte Europa lernen, fordert ein Geolytics-Experte.
Von Jost Wübbecke
In einem einzigen Fahrzeug stecken inzwischen 1000 bis 3000 Halbleiter. Sie steuern den Motor, regeln Brems- und Sicherheitssysteme und betreiben Fensterheber bis Infotainment. Bislang dominieren westliche Hersteller wie Infineon, NXP und ST-Microelectronics den Markt. Doch im Windschatten des chinesischen Elektroautowachstums entstehen chinesische Wettbewerber, die immer rascher in dieses Geschäftsfeld vorstoßen.
 
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Sicherheit
 
Kolumne Weltblick: Deutschland gehört in den Sicherheitsrat
 
Die Bundesregierung bewirbt sich um einen Sitz im höchsten Gremium der Vereinten Nationen. Es gibt dafür gute Argumente. Doch der Völkerbund steckt in einer tiefen Krise und braucht eine grundlegende Reform.
Von Christian von Soest
Deutschland führt einen ungewöhnlichen Wahlkampf gegen Portugal und Österreich. Nur zwei der drei europäischen Staaten werden für zwei Jahre einen Sitz im Weltsicherheitsrat einnehmen können. Im Juni wählen die 193 UN-Mitglieder. Bis dahin gilt es, für das eigene Land zu werben und international wenig anzuecken. Keine leichte Übung für Außenminister Wadephul angesichts der Gazakrise und des israelisch-amerikanischen Angriffs auf Iran.
Unser Kolumnist nimmt die Welt in den Blick. Jasper Hill
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Die USA bewaffnen die Welt
 
Der internationale Waffenhandel wächst, und der mit Abstand größte Gewinner ist die Rüstungsindustrie der USA. Ein anderes großes Land verliert dagegen kräftig an Umsatz wie an Einfluss.
Von Christoph Hein
Der Krieg um die Ukraine hinterlässt seine Spuren im grenzüberschreitenden Waffenhandel. Die Waffeneinfuhr europäischer Staaten lag in den vergangenen fünf Jahren 210 Prozent über dem Wert der Periode zwischen 2016 und 2020. In Afrika, Asien und dem Mittleren Osten sanken sie dagegen teils deutlich, meldet das Friedensforschungsinstitut Sipri in Stockholm.
 
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Finanzen
 
Japan steckt im Yen-Dilemma
 
Niedrige Zinsen und ein milliardenschweres Konjunkturpaket: Die japanische Regierungschefin Sanae Takaichi setzt auf lockere Geldpolitik und hohe Staatsausgaben. Das freut die Aktienhändler, ist aber riskant.
Von Marie Welling
Sanae Takaichi gilt als Bewunderin Margaret Thatchers – und das, obwohl die Wirtschafts- und Finanzpolitik der mächtigsten Frau Japans nur wenig mit den Ideen der Eisernen Lady gemein hat: Die nationalkonservative Ministerpräsidentin Takaichi will den Geldhahn trotz Schuldenberg wieder aufdrehen und setzt auf eine lockere Geldpolitik. An der Börse hat sie sich mit dieser Abkehr vom Sparprogramm Freunde gemacht.
In einem Handelsraum in Tokio zeigt ein Monitor Anfang März den Wechselkurs des Yen zum Dollar. Reuters
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Lesezeichen
 
Was sonst noch wichtig ist
  • Die USA wollen verhindern, dass Indien wie China zum wirtschaftlichen Rivalen Amerikas werde. Das hat der stellvertretende amerikanische Außenminister Christopher Landau in Neu Delhi geäußert. Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar erwiderte, dass Indiens Aufstieg unaufhaltbar sei.
  • Das bilaterale Handelsvolumen Deutschlands mit der asiatisch-pazifischen Region 2025  ist um 0,8 Prozent auf 498,8 Milliarden Euro gestiegen. Die Importe nahmen um 6,5 Prozent zu, die Exporte sanken um 7 Prozent. Besonders betroffen waren die deutschen Exporte nach China, die um 9,7 Prozent zurückgingen.
  • Zum Ausklang des Nationalen Volkskongresses hat China verkündet, die Erwartungen weit übertroffen zu haben : Der Export wuchs in den ersten zwei Monaten des Jahres um 21,8 Prozent im Jahresvergleich, erwartet worden waren gut 7 Prozent. Die Ausfuhr von Fahrzeugen stieg um 81,3 Prozent, diejenige von Computerchips um 66,5 Prozent. Das offizielle Wachstumsziel liegt nun in einem Korridor von 4,5 bis 5 Prozent und damit erstmals seit 1991 unter 5 Prozent.
  • Erstmals seit 30 Jahren hat Südkorea eine Obergrenze für Benzinkosten verhängt, nachdem der Spritpreis die Marke von 1900 Won (1,28 Dollar) je Liter überschritten hatte. Auslöser ist der weltweite Ölpreisanstieg in Folge des Nahostkrieges. Südkorea ist komplett auf Ölimporte angewiesen.
 
Business Class
 
F.A.Z.-Zitat der Woche
„Souverän wird Europa nicht dadurch, dass es versucht, möglichst viele Dinge selbst herzustellen. Entscheidend ist vielmehr, dass die Importabhängigkeit nicht einseitig ist.“
Marcus Theurer, Wirtschaftsredakteur, kommentiert die neuen „Made in Europe“-Auflagen der EU.
Meist gelesen in F.A.Z. PRO Weltwirtschaft
Felbermayr: US-Schulden werden zur „Mutter aller Krisen“
Der neue „Wirtschaftsweise“ der Bundesregierung, Gabriel Felbermayr, hat Deutschland davor gewarnt, zu einseitig auf Exportwirtschaft zu setzen. Durch Trumps Schuldenpolitik sieht der Ökonom auch den deutschen Wohlstand gefährdet.
Rückspiegel
Vor 75 Jahren: Iran verstaatlicht die Ölförderung. Wem steht der Ölreichtum zu? Diese Grundsatzfrage löst 1951 eine der ersten Ölkrisen der Weltgeschichte aus. Im persischen Abadan war 1908 eine der größten Ölquellen der Erde entdeckt worden, die seitdem von britischen Unternehmern ausgebeutet wird. Seit 1993 sieht ein Abkommen vor, dass dem Staat Iran maximal 25 Prozent der Ölgewinne zustehen, den Briten der große Rest. Damit jedoch will sich die Regierung in Teheran nach dem Zweiten Weltkrieg nicht länger zufrieden geben.
Iran / Persia: Mohammad Mosaddegh or Mosaddeq (Persian: ???? ????), also spelled Mosadeck, or Musaddiq (16 June 1882 – 5 March 1967), Prime Minister of Iran from 1951 until being overthrown in a coup d'état in 1953
Mohammed Mossadegh kämpfte für die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie und verhandelte als Premierminister mit den Briten über eine neue Förderkonzession. Picture Alliance
Die Iraner fordern, dass – so wie in Venezuela und Saudi-Arabien – die Gewinne genau hälftig geteilt werden. Doch die britische Anglo-Iranian Oil Company lehnt solch eine Teilung strikt ab, die stark kriegsgeschädigten Briten sind auf die Dollareinnahmen aus dem iranischen Öl angewiesen.
Nach heftigen innenpolitischen Turbulenzen – inklusive Attentat auf den Ministerpräsidenten – beschließt daher das iranische Parlament am 15. März 1951 die Verstaatlichung des Ölsektors. Der Beschluss löst die ersten Wirtschaftssanktionen gegen Iran aus: Großbritannien verhängt ein Ölembargo, das Land stürzt in eine jahrelange Wirtschaftskrise. Später stürzen britische und amerikanische Geheimdienstler den iranischen Premier Mohammed Mossadegh und re-inthronisieren den geflüchteten Schah. Am Ende einigen sich beide Seiten 1954 auf ein Abkommen, wonach Iran zwar die formale Kontrolle über das Öl behält, über Förderung, Preise und Verteilung der Einnahmen aber ein Konsortium westlicher Konzerne entscheidet.
Diese Abadan-Krise verschiebt die globalen Gewichte im Ölhandel: Großbritannien büßt seine Vormachtstellung an die Amerikaner ein, Iran die seine im Nahen Osten an die Förderländer Saudi-Arabien, Kuwait und Irak, die zu wichtigen westlichen Alliierten werden. Die Iraner dagegen verlieren ihr Vertrauen in den Westen. Länder wie Brasilien, Irak, Burma, Ägypten und Argentinien nehmen die Vorfälle in Iran zum Vorbild und verstaatlichen ihre Ölindustrien, um stärker selbst von den Einnahmen zu profitieren.
Die Episode ist zudem einer der Auslöser zur Gründung der Organisation erdölexortierender Staaten (Organization of the Petroleum Exporting Countries, OPEC). Sie wird  über Jahrzehnte den globalen Ölpreis kontrollieren – und die schwersten Ölkrisen.
 
 
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