Weltwirtschaft
                                                           
Donnerstag, 07.05.2026 | Zur Online-Ansicht
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Frankfurter Allgemeine
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Antworten auf eine fragmentierte Welt
Die Nachkriegsordnung der Welt liegt hinter uns, die Vorherrschaft der westlichen Welt nach dem Heben des Eisernen Vorhangs hat sich als Schimäre erwiesen. Wissenschaftler und Politiker streiten, ob sich gerade eine bipolare Weltordnung herausschält, in der das alte Europa an den Rand gedrängt wird, oder ein Aufstieg der Mittelmächte, die wechselnde Partnerschaften eingehen. Großmächte ringen um Einflusssphären, unerlässliche Güter wie Rohstoffe und Errungenschaften, wie die Künstliche Intelligenz oder die Atomtechnik. Entwicklungsländer drohen dabei, auf der Strecke zu bleiben.
Weltumspannende Bündnisse scheinen ausgedient zu haben. Die USA benutzen die NATO als Drohmittel, die Welthandelsorganisation WTO wurde zur Handlungsunfähigkeit degradiert. Nach Jahren der Globalisierung zerfällt die Welt in ihre Einzelteile. Jeder sucht, so scheint es, sein Heil auf eigene Faust und dafür den rechten Partner. Bilateraler Freihandel, Verträge zur Versorgung mit kritischen Rohstoffen und regionale militärische Beistandsabkommen stehen hoch im Kurs.
Autorenbild
Christoph Hein
Leiter F.A.Z. Weltwirtschaft
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Auf diese fragmentierte Welt reagieren der Agrarstaat Neuseeland und der reiche Inselstaat Singapur mit einer neuen Form der vertraglichen Zusammenarbeit. Sie haben sich verpflichtet, ihre Lieferketten vor allem bei Gütern wie Nahrungsmitteln und Energie gegenseitig offenzuhalten. Die Menschen beider Länder durchlitten Versorgungsengpässe während der Pandemie, beide leiden zunehmend unter der Blockade der Straße von Hormus.
Singapurs Ministerpräsident Lawrence Wong bezeichnete den Lieferketten-Vertrag als den ersten seiner Art. Die Partner sichern sich zu, überlebenswichtige Ausfuhren etwa von Nahrung, Brennstoff, Medikamenten, Chemiegütern oder Baustoffen in jedem Fall beizubehalten. Und sie fordern andere Länder auf, dieser Beistandsvereinbarung beizutreten.
Beide Länder zählen gemeinsam nur gut elf Millionen Menschen und kommen auf ein Handelsvolumen in ähnlicher Milliarden-Dollar-Höhe. Sie spielen aber jeweils in einer wesentlich höheren Klasse – Singapur als Finanzplatz und Logistikdrehscheibe, Neuseeland als Fluchtort und als Agrarlieferant. Beide sind Verteidigungspartner des Westens.
Donald Trumps fortwährende Angriffe auf die NATO treiben die Europäer zur Aufrüstung und dazu, über eine eigene, europäische Armee nachzudenken. Das heute Morgen vorgelegte „Sparta 2.0“-Papier der Vordenker um Jeannette zu Fürstenberg, Moritz Schularick, Nico Lange, René Obermann und Thomas Enders fordert „belastbare europäische Leitkoalitionen“, der Ökonom Hans-Werner Sinn hat in unseren Debattenbeitrag „Die Vision eines Europäischen Bundes“ eine EU-Armee gefordert. Auch Trumps und Xi Jinpings Machtspiele mit Rohstoffen treiben die Welt zum Schulterschluss.
Das große Ordnungsgeflecht zerbricht in Zeiten, in denen die Welt fälschlicherweise „flach“ erscheint. Es macht Platz für die zweitbeste Lösung: den Zusammenschluss Gleichgesinnter. Länder und Regierungen erkennen, dass die großen Fragen der Menschheit, ihre Versorgung, ihre Sicherheit, ihre Antwort auf den Klimawandel, nur gemeinsam gelöst werden können. Ein Stadtstaat und ein Inselstaat im Stillen Ozean zeigen einen nächsten Schritt.
Was könnte Deutschland tun, um Lieferrisiken abzumildern? Schreiben Sie uns gern unter weltwirtschaft@faz.de
Zunächst aber wünsche ich Ihnen eine interessante Lektüre,
Ihr Christoph Hein
P.S.: Neben diesem Briefing bieten wir unseren Lesern tagesaktuell die neuesten Informationen über die Weltwirtschaft auf unserer Website. Schauen Sie doch einfach mal vorbei, wenn Sie auf dem Laufenden bleiben oder auch Stücke aus den vergangenen Wochen nachlesen wollen. Hier geht es direkt zur Weltwirtschaft im Netz.
 
 
 
Teamchat
Am Montag dieser Woche war es so weit: Mit Marie Welling durften wir ein neues Mitglied in der Redaktion der Weltwirtschaft begrüßen. Die junge Kollegin passt auch deshalb zu uns, weil sie schon weit herumgekommen ist – vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt bis ins Studio des ZDF nach Rio de Janeiro. Seit Langem schreibt sie schon Beiträge für dieses Haus, nun hat sie einen Arbeitsplatz im 14. Stock des F.A.Z.-Towers im Europaviertel Frankfurts. Uns sind der Blick auf die Welt und neue Ideen wichtig – da freut uns, dass sie nicht nur Internationale Beziehungen studiert hat, sondern abends auch eifrig Portugiesisch paukt und bald wieder nach Brasilien reisen wird. Auch ihr Kürzel gefällt uns: Es lautet „well.“.
 
 
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Daten zur Weltlage
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China weitet seine Zollfreiheit auf alle 53 afrikanischen Länder aus, mit denen es diplomatische Beziehungen pflegt. Bislang galt die Zollfreiheit nur für die am wenigsten entwickelten Länder. Dies soll die „gemeinsame Entwicklung zwischen China und Afrika fördern“, heißt es aus Peking. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
 
 
 
Themen des Newsletters
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+++ Vor dem Trump-Xi-Gipfel +++
 
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Washington: Sehnsucht nach dem Deal
 
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Peking: Kalkül, kein Kurswechsel
 
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Chronik: Chinas Weg in die Weltwirtschaft
 
Kolumne Weltblick
 
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Hochkonjunktur für Verteidigungsabkommen
 
Weltwissen
 
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Straße von Malakka: Droht ein Hormus 2.0?
 
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Zwangsarbeit wird zum Geschäftsrisiko
 
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Europas neue Handelsstrategien
 
Lexikon
 
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Akkreditiv
 
Finanzwelt
 
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Irankrieg belastet Handelsfinanzierung
 
Kurz & knapp
 
Rückspiegel
 
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Vor 140 Jahren: Coca-Cola wird erfunden
 
 
+++ Vor dem Trump-Xi-Gipfel +++
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Washingtons Sehnsucht nach dem Deal
Von Winand von Petersdorff
Zusammenfassung: Beim zweiten persönlichen Treffen von Xi Jinping und Donald Trump in dessen zweiter Amtszeit will Washington Chinas technologischen Aufstieg bremsen, Taiwan sichern und Pekings Unterstützung für Iran kappen. China aber erwidert amerikanischen Druck mit Gegenzöllen, Exportkontrollen und seiner Dominanz bei kritischen Rohstoffen. Peking kennt zudem Trumps Schwäche, unbedingt „Deals“ verkünden zu wollen, die sich in der Vergangenheit oft als nicht belastbar erwiesen.
Washingtons Sehnsucht nach dem Deal
 F.A.Z.
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Pekings eiskaltes Kalkül
Von Mikko Huotari
Zusammenfassung: Die geplante Gipfelbegegnung zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Peking dürfte vor allem symbolische Ergebnisse liefern. Drei strukturelle Trends der Verhandlungen aber zeichnen sich ab: Es geht um gelenkten Handel mit Technologieentflechtung, die Krisenherde von Taiwan über Iran bis zur Ukraine sowie die Vorbereitung beider Systeme auf längere Konfrontation. Beide Seiten kaufen vor allem Zeit. Für Europa schrumpft der Zeitkorridor, in dem strategische Spielräume bei Technologie, Rohstoffen und Marktzugängen noch genutzt werden können.
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Chronik: Chinas Weg in die Weltwirtschaft
Von Jacob Kramer
Zusammenfassung: Chinas Wiederaufstieg zur globalen Wirtschaftsmacht umfasst wenig mehr als ein halbes Jahrhundert. Das Land arbeitete sich durch enormen Einsatz und hohe Investitionen zur „Werkbank der Welt“ vor. Heute ist die zweitgrößte Volkswirtschaft ein Technologieführer und sitzt am Hebel der Rohstoffversorgung.
Chronik: Chinas Weg in die Weltwirtschaft
Das Aquarell von William Alexander zeigt Pingze Men, das westliche Tor von Peking, 1799. Alexander begleitete Lord Macartney bei seiner Botschaft an den chinesischen Kaiser Qianlong. Picture Alliance
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Kolumne Weltblick
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Weltblick / Neu
 
Hochkonjunktur für Verteidigungsabkommen
Von Christian von Soest
Die Türkei hilft Nigeria, Europa kooperiert mit Ghana, und Israel liefert modernste Laserwaffen an die Arabischen Emirate, um iranische Raketen und Drohnen abzuwehren. Seitdem Russland die Ukraine überfallen hat, setzen immer mehr Staaten auf gegenseitige Sicherheitsabkommen. Mittlerweile haben mehr als 28 Länder Pakte mit Kiew geschlossen, darunter Großbritannien, Frankreich, die USA und Japan. Erst im April unterzeichneten Bundeskanzler Friedrich Merz und der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, in Berlin ein neues Verteidigungsabkommen. Dabei geht es nicht nur um Milliarden für Kiew; die Bundeswehr lernt umgekehrt von den Kampferfahrungen der ukrainischen Kollegen.
Der Ukrainekrieg ist nicht der einzige Treiber. Die Kriege in Nahost, Spannungen im Indopazifik und der Terror in der Sahelregion befeuern die Nachfrage – ebenso schwindet das Vertrauen in Schutzmächte wie die USA. Im vergangenen September vereinbarten Saudi-Arabien und die Atommacht Pakistan: Wer angegriffen wird, kann auf den anderen zählen.
Die Pakte sollen Gegner abschrecken und eigene Lücken bei Waffen, Munition, Luftverteidigung oder Cybersicherheit schließen. Die Türkei etwa trainiert 200 nigerianische Spezialkräfte für Antiterroreinsätze. Längst reichen die Abkommen weit über klassische Militärhilfe hinaus und schließen Geheimdienstkooperation, Schutz von Infrastruktur und Rüstung ein.
Die Vorteile liegen für die Regierungen auf der Hand: Bilaterale Abkommen lassen sich schneller schließen als multilaterale Verträge, bei denen Dutzende Staaten Ja sagen müssen. Und kein Land will sich nur auf einen einzigen Partner verlassen. Das Prinzip heißt Mehrfachabsicherung.
Doch die Liebe zu bilateralen Deals ist ein Warnsignal. Je mehr Staaten ihre Eigeninteressen über Bündnisse stellen, desto stärker zerfasern internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen und die NATO. An der Straße von Hormus wird das sichtbar. Statt freier Passage für alle setzen China und andere auf eigene Interessen. Hinzu kommt: Viele Abkommen sind rechtlich nicht bindend, oft handelt es sich um „Sicherheitszusagen“ statt harter Garantien. Zunehmend verkommen die zahlreichen Pakte zum Sicherheitswirrwarr.
Sudan, Iran, Gaza, Ukraine: Die Gewalt in der internationalen Politik treibt Regierungen in bilaterale Sicherheitspakte, für viele Länder sind sie ein Rettungsanker. Ob sie insgesamt für mehr Sicherheit sorgen, bleibt fraglich. Für Deutschland, Europa und die Vereinigten Staaten heißt das: Zu einem Bündnis wie der NATO fehlt jede sichere Alternative.
 
 
Weltwissen
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Hormus 2.0
Zusammenfassung: Indonesiens Präsident Prabowo Subianto und sein Finanzminister Purbaya Yudhi Sadewa haben eine Debatte über mögliche Durchfahrtsgebühren in der Straße von Malakka losgetreten, die rund 40 Prozent des Welthandels und mehr als 100.000 Schiffe jährlich passieren. Sie verwiesen auf Irans Vorgehen in der Straße von Hormus. Singapurs Außenminister Vivian Balakrishnan wies die Idee auch mit dem Hinweis auf das im Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen entschieden zurück. Indonesiens Außenminister Sugiono lenkte schließlich ein – die Idee aber ist in der Welt.
 
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Zwangsarbeit kann teuer werden
Gastbeitrag von Markus Löning
Zusammenfassung: Zwangsarbeit ist nicht mehr bloß ein Risiko für die Reputation eines Unternehmens – sie ist auch zu einem harten Kriterium für Marktzugang und Geschäftskontinuität geworden. So verschärfen etwa die USA die Einfuhrkontrollen, die EU folgt mit einer ab Dezember 2027 anwendbaren Zwangsarbeitsverordnung. Entscheidend ist die Herkunft von Vorprodukten und Rohstoffen, auch weiter oben in der Lieferkette. Werden Waren an Grenzen gestoppt, drohen Unternehmen Verluste durch Verzögerungen, Vertragsstrafen und Produktionsausfälle.
Zwangsarbeit kann teuer werden
Kobaltmine in der DR Kongo: Zwangsarbeit lässt sich nicht leicht identifizieren. Sie lauert tief in den Lieferketten. Picture Alliance
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Europa arbeitet an neuen Handelsstrategien
Gastbeitrag von Alexander Börsch
Zusammenfassung: Europa steht unter Druck, seine Handels- und Investitionsbeziehungen zu diversifizieren, denn übermäßige Abhängigkeiten von China und den USA werden immer riskanter. Die protektionistische US-Politik wirkt als Katalysator für neue Freihandelsabkommen der EU, darunter diejenigen mit Mercosur, Indien, Indonesien und Australien. China und die USA lassen sich wegen ihrer Marktgröße jedoch nicht einfach ersetzen, weshalb Diversifizierung mehr Aufwand und einen langen Atem erfordert.
 
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Lexikon
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Lexikon / Neu
Akkreditiv
Das Akkreditiv (engl.: Letter of Credit oder L/C) ist ein Zahlungs- und Sicherungsinstrument im internationalen Handel. Es umgeht ein Kernproblem grenzüberschreitender Geschäfte: Exporteur und Importeur kennen sich oft nicht, liefern über weite Distanzen und unterliegen unterschiedlichen Rechtsordnungen. Gerade wenn die beiden Parteien das erste Mal miteinander handeln, sind Misstrauen und Unsicherheit oft hoch. Beim Akkreditiv schaltet der Käufer (Importeur) seine Bank ein und beauftragt sie, ein Akkreditiv zu eröffnen. Die Bank sagt damit dem Verkäufer (Exporteur) zu, den Rechnungsbetrag zu zahlen – allerdings nur, wenn der Exporteur die im Akkreditiv festgelegten Dokumente bei der Bank frist- und formgerecht vorlegt. Bei den Dokumenten handelt es sich beispielsweise um Frachtbriefe, Handelsrechnungen, Versicherungsdokumente und Packlisten. Das Problem dabei: Steht es etwa um die politische und wirtschaftliche Stabilität in dem Land schlecht, in das der Exporteur verkaufen will, kann das Zahlungsversprechen der dortigen Bank wertlos sein. In solchen Fällen kann sich der Exporteur doppelt absichern, damit er auch wirklich sein Geld erhält. Dafür bestätigt eine zweite Bank – häufig die Hausbank des Exporteurs – das Akkreditiv und gibt damit ein eigenes, zusätzliches Zahlungsversprechen. (well.)
 
Finanzwelt
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Irankrieg bedroht Handelsfinanzierung
Zusammenfassung: Infolge des Irankriegs rechnet der Internationale Währungsfonds weltweit mit deutlich schwächerem Wachstum der Weltwirtschaft. Die globale Handelsfinanzierung wird dadurch knapper und teurer. Sollte die Inflation durch einen andauernden Krieg im Iran weiter ansteigen, hätte das direkte Folgen für Banken. Von den negativen Auswirkungen auf die Handelsfinanzierung sind vor allem kleine und mittelständische Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern betroffen, insbesondere in Ost- und Südostasien. In dieser Region soll das Wachstum von 5,5 Prozent im Jahr 2025 auf 4,9 Prozent im Jahr 2026 zurückgehen.
 
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Kurz & knapp
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• Die Vordenker um Jeannette zu Fürstenberg, Moritz Schularick, Nico Lange, René Obermann und Thomas Enders fordern in ihrem zweiten Debattenpapier „Sparta 2.0“ ein Umdenken in der Verteidigungspolitik: Europa könne seine strategischen Fähigkeitslücken über das nächste Jahrzehnt mit Kosten von rund 500 Milliarden Euro schließen: „Das entspricht etwa einem Drittel des geplanten Aufwuchses der europäischen Verteidigungsbudgets von jährlich 200 Milliarden Euro, 10 Prozent der geplanten Verteidigungsausgaben der europäischen NATO-Partner zum Ende des Jahrzehnts oder 0,25 Prozent des europäischen Bruttoinlandsproduktes (BIP inklusive UK und Norwegen).“
• Ein chinesisches Gericht hat entschieden, dass ein Unternehmen Arbeiter nicht aus dem Grund entlassen darf, dass ihre Arbeitskraft durch Künstliche Intelligenz überflüssig werde. Der Richterspruch gilt als Grundsatzurteil im kommunistischen Einparteienstaat, in dem in der Wirtschaftskrise die Sorge vor dem Verlust des Arbeitseinkommens wächst.
• Trotz der Hormus-Krise legte Indonesiens Wachstum im Jahresvergleich mit 5,61 Prozent im ersten Quartal so rasch zu, wie zuletzt vor gut drei Jahren. Schneller als die größte Volkswirtschaft Südostasiens wächst in der Region derzeit nur noch Vietnam mit einer um 7,83 Prozent stärkeren Wirtschaftsleistung zwischen Januar und März.
• Fitch Ratings hat Argentiniens Kreditwürdigkeit von CCC+ auf B- heraufgestuft. Die Rating-Agentur reagiert damit auf die Reformschritte von Präsident Javier Milei.
 
 
Rückspiegel
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Vor 140 Jahren: Coca-Cola wird erfunden
 Picture Alliance
Vor 140 Jahren: Coca-Cola wird erfunden
Von Sabine Balk
Der Apotheker John Stith Pemberton mischt sich in Atlanta einen Sirup gegen Kopfschmerzen und Müdigkeit. Am 8. Mai 1886 schenkt er diesen zum ersten Mal gemischt mit Sodawasser für fünf Cent pro Glas aus –  Coca-Cola ist erfunden.
Pemberton leidet wegen einer Verwundung, die er sich während des amerikanischen Bürgerkriegs zugezogen hat, unter chronischen Schmerzen und ist deshalb abhängig von Morphin. Der Gefahren seiner Sucht ist er sich bewusst und beginnt, morphinfreie Mixturen zu entwickeln. Deshalb  interessiert er sich für die Kokapflanze. Pemberton ist überzeugt, durch das Kokain, ein Alkaloid, das natürlich in den Blättern des Kokastrauchs vorkommt, bald vom Morphium wegzukommen.
Kokain gilt damals nicht als gesundheitsgefährdende Droge, es ist legal und nicht einmal verschreibungspflichtig. Als Apotheker beschäftigt sich Pemberton mit der Herstellung sogenannter Eigen- oder Hausmarken wie Pemberton’s French Wine Coca, der späteren Coca-Cola.
Nach dem ersten Ausschank experimentiert er weiter an der Coca-Cola-Formel, bis sie schließlich in seinen Augen perfekt ist. Er lässt sich sein Getränk am 6. Juni 1887 patentrechtlich schützen, verkauft aber nur zwei Tage danach zwei Drittel seiner Rechte an den Apotheker Asa Griggs Candler für 2300 Dollar. Pemberton braucht Geld für seine Sucht. Er weiß auch, dass er nicht mehr lange zu leben hat, und behält das letzte Drittel am Patent für seinen Sohn Charley. Pemberton stirbt am 16. August 1888 im Alter von 57 Jahren an Magenkrebs. Charley stirbt nur sechs Jahre nach dem Vater an einer Überdosis Opium – zuvor hat auch er seine restlichen Anteile an Candler verkauft, da auch er dessen Geld brauchte.
Candler ist derjenige, der sich am Erfolg von Coca-Cola erfreuen kann. 1892 gründet er die Coca-Cola Company, die ihm ein Vermögen einbringt. Candler lässt sich die Marke Coca-Cola schützen und vermarktet sein Produkt schon 1895 in den gesamten USA und seit 1896 auch im benachbarten Ausland. Die Erfolgsgeschichte des koffeinhaltigen Erfrischungsgetränks beginnt.
Heute gilt Coca-Cola als das bekannteste Getränk der Welt, und es gibt kaum eine Region, in der es nicht erhältlich ist. Coca-Colas rasanter Aufstieg hat mit seiner klugen Marketingstrategie zu tun. Schon Asa Candler steckt seinerzeit ungewöhnlich hohe Summen in die Werbung. Aus seiner Zeit stammt der immer noch gebräuchliche Slogan „Drink Coca-Cola“. Immer mehr Frauen und Kinder kommen auf den Geschmack und wünschen sich, Coca-Cola nicht mehr als Medizin kaufen zu müssen. So leitet Coca-Cola 1905 einen Imagewandel ein und bewirbt den früheren Sirup als Erfrischungsgetränk unter dem Slogan „Delicious and Refreshing“.
Die Coca-Cola Company hat sich im Laufe der Jahre nicht nur zu einem der führenden Lebensmittelunternehmen, sondern mit einem Markenwert von mehr als 61 Milliarden US-Dollar auch zu einer der wertvollsten Marken der Welt entwickelt. Seit über 140 Jahren gilt Coca-Cola als Lifestylegetränk und ist bis heute besonders bei einer jungen Zielgruppe beliebt. Viele Werbungen sind bis heute ikonisch, wie der Cola-Weihnachtsmann, der 1931 erstmals erscheint, und der Weihnachtstruck, der 1995 erfunden wird.
Im Jahr 2024 erreichte die Coca-Cola Company einen Nettoumsatz von mehr als 47 Milliarden Dollar. Der wichtigste Absatzmarkt des Unternehmens ist und bleibt der nordamerikanische Heimatmarkt, auf dem es fast 37 Prozent seines Umsatzes generiert. In Deutschland ist Coca-Cola der nach Absatz führende Hersteller von Erfrischungsgetränken, von denen 2024 in Deutschland mehr als vier Milliarden Liter verkauft wurden.
 
 
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