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Grönland, Gier und Großmachtträume
Trumps Coup in Caracas, sein Griff nach Grönland rütteln die Welt auf. Der Mann im Weißen Haus tut das, was er angekündigt hatte. Ganz nebenbei öffnet er damit Autokraten wie Xi Jinping und Wladimir Putin die Tür, sich weiterhin regelbefreit mit allen Mitteln Einflusssphären zu sichern.
Europa musste sich nicht nur der Zollkeule beugen. Auch mit Blick auf die Ukraine finden die Europäer keinen eigenen Ausweg. Sie haben sich guten Glaubens zu Abhängigen geschrumpft. Das Konstrukt der EU ist nicht handlungsfähig, eine eigene Verteidigung war nicht vorgesehen, die demokratischen Mühlen mahlen langsam.
Trump hingegen erscheint auf dem Zenit seiner Macht. Er könnte bald wanken – dann, wenn ihm die Wähler aufgrund der miserablen Lage im eigenen Land davonlaufen, wenn Xi ihn in der Taiwan-Frage unter Druck setzt, wenn der Nahe Osten unter dem Kollaps Irans keine neue Ordnung findet, wenn er die Kräfte der wiedererweckten Weltmacht überstrapaziert.
Die Hand nach Grönland auszustrecken, klang schon in Trumps erster Amtszeit wie ein Husarenstück. Niemand hörte zu, auch Dänemark nicht. Dabei liegt Trumps Vorgehen ein Plan zugrunde: Die riesige Insel zwischen Kanada und Russland ist der natürliche Grenzort zwischen Europa und Amerika, sichert die Zufahrt zu Atlantik und Pazifik. Zusätzlich könnte sie Bodenschätze bieten. Europa hätte das vor Jahren erkennen müssen.
Nun ist es fast zu spät. Denn die Grönländer selbst dürften bald mit Geld und Jobs aus Washington geködert werden. Statt an das ausgehebelte Völkerrecht zu appellieren, müssen die Europäer Grönland im Eiltempo das bieten, was die USA offerieren werden – eine gemeinsame Entwicklung. Natürlich kann die auch partnerschaftlich sein, indem Kanada und die USA einbezogen werden. Stimmt es, dass Trump nur auf Stärke reagiert, hat Europa in der Grönland-Frage eine Chance bekommen, sich handlungsfähig zu zeigen. Eine deutsche Fregatte im Nordmeer dagegen klingt so wie die Offerte von 5000 Helmen an die Ukraine im Februar 2022.
Militärisch wäre Trump nicht aufzuhalten. Ein Angriff auf Grönland und damit Dänemark aber führte zum Bruch der NATO. Davor dürfte selbst Trump, sicher aber seine führenden Offiziere zurückschrecken.
Es ist überfällig, daran zu erinnern, dass die EU die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ist, Deutschland die Nummer drei, Frankreich an siebter Stelle, Italien auf Platz acht. Sich selbst zu verzwergen, wegzuducken, gilt in der Welt von heute nicht mehr. Wir müssen mit Trump umgehen. Die Welt überlassen müssen wir ihm nicht. Daran ändert auch sein jüngster Plan nichts, den eigenen Verteidigungshaushalt um 50 Prozent oder 500 Milliarden Dollar auf dann rund 1,5 Billionen aufstocken zu wollen.
Was meinen Sie: Wird Trump unter Einsatz des Militärs nach Grönland greifen?Schreiben Sie uns gern Ihre Meinung: weltwirtschaft@faz.de.
Ihr Christoph Hein
Übrigens: Zu meinem Leitartikel im Newsletter vom 1. Januar mit dem Verweis auf Churchills Drängen auf eine europäische Einheit haben wir eine Flut von Leserbriefen erhalten. Wir veröffentlichen Auszüge in der nächsten Woche.
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Rückspiegel
Vor 125 Jahren.Ein Ölfund in Texas verändert die Welt. Der Start in das Zeitalter des Öls beginnt mit einem lauten Knall. Über fast drei Monate haben die Hamill-Brüder Al (24) und Curt (28) am Spindletop Hill im südöstlichen Texas ihre Bohrer tief in die Erde getrieben, im Auftrag des kroatischstämmigen Ölpioniers Anthony F. Lucas. Dank einer neuen Bohrtechnik dringen sie bis 347 Meter Tiefe vor. Doch langsam geht ihnen das Geld aus. Am 10. Januar 1901 stoßen sie dann endlich auf das schwarze Gold: Die Ölfontäne schießt 50 Meter in die Höhe, der Druck im Vorkommen ist so stark, dass sie erst nach neun Tagen gebändigt werden kann.
An dieser ersten Spindletop-Quelle, die nach Anthony Lucas auch „Lucas Gusher“ (Sprudel) genannt wird, können fortan bis zu 100.000 Barrel (15,9 Millionen Liter) gefördert werden – pro Tag –, tausendmal mehr als die bis dahin bekannten Ölquellen in Russland, Pennsylvania oder Kalifornien.
Das Spindletop-Ölfeld in Beaumont, Texas (Foto nach 1901)Picture Alliance
Der Fund von 1901 verändert die Welt. Bis dahin wird das knappe Öl nur als Schmiermittel und für Beleuchtung genutzt. Seit Spindletop erscheint Öl nahezu im Überfluss vorhanden zu sein und kann literweise in Benzinmotoren und Dieselgeneratoren verbrannt werden. Ohne diesen Fund ist der globale Aufstieg des Autos zum Verkehrsmittel für die Massen undenkbar.
Die USA steigen nach 1901 zum weltgrößten Ölproduzenten auf und bleiben dies bis in die Siebzigerjahre, als erst die Sowjetunion und dann Saudi-Arabien die Amerikaner überholen. Erst durch die Fracking-Technologie produzieren die USA seit 2015 wieder mehr Öl als jedes andere Land.
Die Spindletop-Quelle trägt dazu jedoch nichts mehr bei. Sie ist seit 1936 leer gepumpt.