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Donnerstag, 02.04.2026 | Zur Online-Ansicht
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Trump lässt weiter leiden
Ostern ist das Fest der Hoffnung. Jene auf ein Ende der Angriffe im Nahen Osten hat Donald Trump in seiner Fernsehansprache allerdings zerstört. Zwar sagte er in der Nacht, in „Kürze“ werde der Krieg mit dem Iran enden. Doch drohte er: „Wir werden sie in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen“. Der Präsident, dessen Führungsmannschaft und er jeden Tag auf's Neue überfordert wirken, tritt nach, gegen die Europäer, die Nato. Der Ölpreis ist daraufhin wieder gestiegen, die Börsenkurse in Asien haben nachgegeben.
Eine Rückkehr zu einer Welt, die aussieht wie vor dem Angriff, wird es nicht geben. Die Folgeschäden der Blockade der Straße von Hormus werden lange zu spüren sein. Nicht ohne Grund vereinen sich nun die Spitzen von Internationalem Währungsfonds (IWF), Weltbank und Internationaler Energieagentur in einem seltenen Akt, um Antworten auf die heraufziehende Öl, Gas und Ernährungskrise zu suchen.
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Christoph Hein
Leiter F.A.Z. Weltwirtschaft
Plus Sign Folgen
Es ist auch eine sicherheitspolitische Krise. Terroranschläge dürften eine Antwort auf die Angriffe der Israelis und Amerikaner sein. Vor allem aber hat  Iran nun erfahren, über welch mächtige Waffe das Regime mit einer Seeblockade auch ohne Atomraketen verfügt. Die Mullahs können sie wieder nutzen. Andere könnten sie kopieren, an einem anderen Engpass auf der Erde.
Die Welt durchleidet nun zum fünften Mal in einem Jahrzehnt eine Versorgungskrise. Manager und Politiker hatten schon während der Corona Pandemie (ab 2019), der Blockade des Suezkanals durch das festgesetzte Containerschiff Ever Given (2021), Angriffe der Huthi im Roten Meer (ab 2023) und Trumps Zollchaos (ab 2025) erfahren, was es heißt, wenn Lieferketten überdehnt werden. Die Verteilung der Zulieferer auf noch mehr Länder und Standorte, eine tiefere Lagerhaltung, eine noch stärkere Wiederverwendung vorhandener Stoffe heißen die Gebote. Das alles aber erhöht den bürokratischen Aufwand und kostet viel Geld.
Das Wirtschaften verteuert sich also weiter. Die Inflationsrate wird steigen, die Zinsen ebenso. Die Verschuldung wird zulegen. Die Handlungsspielräume der  Staaten schrumpfen weiter. Dies spielt jenen in die Hände, die lautstark einfache Rezepte bieten – Populisten profitieren als erste von Sparkurs und Versagen.
Die Hoffnung auf eine globale Wirtschaft, die – trotz ihrer Schwachstellen – die Welt entwickelt hat, ist nicht gestorben. Die Zeiten aber sind nicht danach. Dafür sorgen der Kriegsherr Wladimir Putin, eine unberechenbare amerikanische Regierung und die sich als Ritter einer regelbasierten Ordnung gerierende Parteidiktatur in China, die ihr eigenes Volk unterdrückt. Dafür sorgt aber auch unsere Reformangst in Europa. So wie Firmen ihre Lieferketten strukturieren müssen, bleibt den Demokratien nicht viel Zeit, an den geoökonomischen Herausforderungen zu wachsen. Durch das Gewinnen neuer Partner und ein Abarbeiten der Hausaufgaben, die alle längst ausformuliert sind, müssen sie reaktionsfähig werden.
Was halten Sie für die drei wichtigsten Reformschritte, die Europa nun gehen muss? Schreiben Sie uns unter weltwirtschaft@faz.de.
Trotz allem: Wir wünschen Ihnen Frohe Ostern!  
Ihr Christoph Hein
 
 
 
Teamchat
Vergangene Woche haben wir unseren ersten Premium-Newsletter verschickt. Schon wenige Minuten nach dem Versand erreichten uns erste Kommentare: „Herzlichen Dank für Ihre großartige Arbeit, die dem interessierten Laien vieles verständlicher macht!“, lobt uns ein Leser. Ein anderer wertet: „Das neue Konzept ist eine deutliche Verbesserung für die zahlenden Abonnenten: Klarer bei den wichtigen Premiuminhalten und ohne Werbung.“ Ein dritter schreibt: „Danke an die Redaktion, ein wirklich gutes und fachlich qualifiziertes Angebot!“  Ein Leser schrieb uns sogar aus São Paulo in Brasilien. Es war ein guter Neustart am vergangenen Donnerstag. Wir sagen Danke für Ihre Rückmeldungen!
 
 
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Themen des Newsletters
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+++ Wie der Welthandel leidet +++
 
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So nimmt Iran die globale Industrie als Geisel
 
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Der Krieg schwächt das Anti-Dollar-Bündnis der BRICS
 
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WTO: Die Anwälte des Globalen Südens verzocken sich
 
Fünf Fakten: Ein Jahr „Liberation Day“
 
Lexikon: Huthi
 
Weltwissen
 
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Geht Kiew jetzt das Geld aus?
 
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Autokraten können keine Wirtschaftspolitik
 
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Wie Vietnam eine Alternative zu China bieten will
 
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Weltwirtschaft-Podcast: So nutzt China die Krise
 
Kolumne Weltblick: Was bewirken Tyrannenmorde?
 
Kurz & knapp
 
Rückspiegel: der erste Laptop vor 45 Jahren
 
 
Daten zur Weltlage
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Die EU-Kommission hat Anti-Dumping-Zölle gegen Nylon-Produkte aus China in Höhe von 57,7 bis 90,1 Prozent verhängt. Europäische Hersteller hatten im Juni 2025 Ermittlungen gegen die chinesischen Importe ausgelöst. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
 
 
 
+++ Wie der Welthandel leidet +++
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So nimmt Iran die globale Industrie als Geisel
Von Christoph Hein
Zusammenfassung: Die weitgehende Sperrung der Straße von Hormus treibt weltweit die Preise für petrochemische Produkte und offenbart tiefe Abhängigkeiten weit über den Energiesektor hinaus. So gefährdet der Heliummangel aus Qatar die Chipfertigung in Taiwan. Auch die Pharmaproduktion ist belastet, weil Methanol und Ethylen knapp werden. Die wachsende Düngerlücke könnte zwar Russland füllen, dies würde jedoch Moskaus Kriegskasse wieder auffüllen. Auch bei Aluminium, Sprengstoff und Autobatterien werden selbst nach einer Wiederöffnung der Meerenge die Folgen ihrer Blockade noch spürbar bleiben.
 
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Der Irankrieg schwächt das Anti-Dollar-Bündnis
Gastbeitrag von Rolf J. Langhammer
Zusammenfassung: Der Irankrieg hat die Ambitionen der BRICS+-Gruppe, ein eigenes Währungssystem aufzubauen, empfindlich geschwächt, erklärt der Kieler Ökonom Rolf J. Langhammer. Zwei Mitglieder, Iran und die Emirate, befinden sich nun de facto im Krieg. Die blockade der Straße von Hormus hat den Handel zwischen den Golfstaaten und  asiatischen Partnern hart getroffen, wodurch auf lokalen Währungen basierende Zahlungssysteme an Attraktivität verlieren. Zugleich hat sich der Dollar als Fluchtwährung erholt und zieht Kapital aus BRICS-Ländern ab. Der Krieg offenbare damit, dass die BRICS+-Gruppe eine Schönwetterveranstaltung sei, solange China keinen finanziellen Schutzschirm aufspanne.
 
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Die Anwälte des Globalen Südens verzocken sich
Gastbeitrag von Gunter Rieck Moncayo
Zusammenfassung: Die 14. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation in Jaunde ist weitgehend gescheitert. Dies markiert einen neuen Tiefpunkt für die multilaterale Handelsordnung, analysiert Gunter Rieck Montayo, Handelsexperte bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Indien blockierte als einziges Land weiterhin plurilaterale Initiativen. Einigungen außerhalb des WTO-Rahmens unterminieren die Bedeutung der Organisation und schwächen besonders kleinere Staaten und Entwicklungsländer. Die Sitzung des Allgemeinen Rates im Mai in Genf gilt nun als letzte Chance, den Schaden zu begrenzen.
Die Anwälte des Globalen Südens verzocken sich
Angesichts der wachsenden Krisenstimmung ist es wichtig für die ärmeren Länder, über den Welthandel zu sprechen. Eine Bäuerin in Thailand betet für eine gute Ernte. EPA
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Fünf Fakten zu: Ein Jahr „Liberation Day“
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| 1 | Am 2. April 2025 verkündete US-Präsident Donald Trump „reziproke“ Zollsätze von bis zu 50 Prozent für Importe aus 60 Staaten.
| 2 | In der Folge hatte sich der durchschnittliche Zollsatz auf alle Einfuhren in die USA verneunfacht, auf 13,8 Prozent des Warenwerts. Zuvor lag er bei 1,5 Prozent.
| 3 | 2025 hat die US-Regierung 185 Milliarden Dollar mehr an Zöllen eingenommen als 2024. Zugleich stiegen die jährlichen Zinskosten (netto) für die US-Staatsschulden von 880 Milliarden auf 970 Milliarden Dollar.
| 4 | Das US-Handelsdefizit für Waren und Dienstleistungen ist 2025 trotz der Zölle nur um 2 Milliarden Dollar geschrumpft, auf 901 Milliarden Dollar.
| 5 | 324 Tage nach dem Liberation Day hat der Supreme Court die Rechtsgrundlage für die „reziproken“ Zölle für illegal erklärt. Seitdem gilt ein Zollsatz für US-Importe von mindestens 10 Prozent, zumindest bis Mitte Juli. Dann liegt es am Kongress, ihn zu verlängern.
 
 
Lexikon
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Lexikon / Neu
Huthi
Nun greifen auch die Huthi in den Nahost-Konflikt ein: Wie schon 2023 und 2024 könnte die Rebellengruppe aus dem Jemen abermals den gesamten Containerverkehr zwischen Asien und Europa und damit die globalen Lieferketten empfindlich stören. Die Bürgerkriegspartei, der rund 200.000 Kämpfer angehören sollen, nutzt dabei bewusst ihre geografische Lage an einem Engpass des Welthandels  aus, der durch das Rote Meer führt. Benannt ist die schiitische Gruppe nach der Familie al-Huthi, die sie seit drei Jahrzehnten anführt. Ihr Ziel ist die Unabhängigkeit von der sunnitischen Zentralregierung in Jemen. Unterstützt werden die Huthi dabei vom schiitischen Iran, während Jemens Regierung vom sunnitischen Saudi-Arabien gestützt wird. Zugleich solidarisieren sich die Huthi aber auch mit der sunnitischen Terrororganisation Hamas im Gaza-Streifen, weil diese gegen Israel kämpft – den Kriegsgegner Irans.
 
Weltwissen
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Geht Kiew jetzt das Geld aus?
Von Andreas Mihm
Zusammenfassung: Die Ukraine steht vor einer schweren Finanzierungskrise, nachdem Ungarn den geplanten EU-Kredit über 90 Milliarden Euro blockiert hat und das Kiewer Parlament im März nötige Steuergesetze nicht verabschiedete, berichtet unser Korrespondent Andreas Mihm. Zusätzlich belastet der Irankrieg das Land durch steigende Düngemittelpreise, während Russlands Kriegskasse von höheren Ölpreisen profitiert. Ohne gesicherte internationale Finanzierung droht dem Land bald die Zahlungsunfähigkeit.
Geht Kiew jetzt das Geld aus?
Der Opfer gedenken, aber die Zukunft planen: Die Forderungen an die Menschen in der Ukraine sind enorm. dpa
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Autokraten können keine Wirtschaftspolitik
Gastbeitrag von Sabine Donner
Zusammenfassung: Autokratien inszenieren sich als entscheidungsfähig und effizient, doch laut Transformationsindex 2026 schneiden sie in Wirtschaft, Regierungsführung und sozialer Versorgung im Durchschnitt schlechter ab als Demokratien. Wo Kontrollinstanzen fehlen, steige die Wahrscheinlichkeit von Fehlsteuerung, Klientelismus und außenpolitischer Konfrontation, erklärt Sabine Donner, die die Erstellung des Transformationsindex bei der Bertelsmann Stiftung verantwortet. Demokratien müssten jedoch ihre eigene Leistungsfähigkeit besser unter Beweis stellen, damit das autoritäre Narrativ nicht gewinne.
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Wie Vietnam eine Alternative zu China bieten will
Von Sabine Balk
Zusammenfassung: Vietnam entwickelt sich in hohem Tempo zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort für ausländische Unternehmen, darunter viele deutsche. Unter Generalsekretär Tô Lâm treibt die kommunistische Regierung ambitionierte Reformen voran, verschlankt die Verwaltung und investiert Milliarden in neue Infrastruktur. Das Land ist inzwischen Deutschlands größter Handelspartner in Südostasien. Die „China plus 1"-Strategie macht das Land zum bevorzugten Alternativstandort. Doch bleiben Herausforderungen: unklare Genehmigungsverfahren, wechselnde Vorschriften, Fachkräftemangel sowie Druck durch die chinesische Konkurrenz und die Unsicherheit der US-Zollpolitik.
 
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Weltwirtschaft-Podcast: So nutzt China die Krise
Von Marie Löwenstein, Christoph Hein
Zusammenfassung: Auf die Ölkrise war Peking bestens vorbereitet. Es beobachtet den US-Angriff auf seinen Partner Iran auffällig still. Doch im Hintergrund verändert sich die Sicherheitsarchitektur in Asien. Und Peking sieht sich gezwungen, die richtige Partnerwahl im Mittleren Osten zu überdenken. Darüber sprechen unsere Moderatoren Marie Löwenstein und Christoph Hein in der Weltwirtschafts-Ausgabe von „Machtprobe“ mit dem China-Experten und Weltwirtschaft-Autor Andreas Landwehr und dem F.A.Z.-Korrespondenten in Schanghai, Gustav Theile.

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Kolumne Weltblick
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Was bewirken Tyrannenmorde?
 
Was bewirken Tyrannenmorde?
Von Christian von Soest
Ajatollah Ali Khamenei war nur die Spitze. Am 28. Februar töteten israelische Geschosse Irans Obersten Führer und Dutzende seiner Minister und Generäle.
Mit dem Bombardement begannen Israel und die USA vor rund einem Monat ihren völkerrechtswidrigen Angriff auf Iran und töteten offen das Staatsoberhaupt eines anderen Landes. Seit dem Kampf gegen den Terror nach dem 11. September 2001 sind gezielte Attacken zur grausamen Routine geworden und eskalieren immer stärker: erst gegen Terroristen, dann gegen staatliche Akteure, heute selbst gegen Staatsoberhäupter. Eine juristische Begründung? Fehlanzeige.
Abgesehen von völkerrechtlichen Fragen erschüttern gezielte Tyrannenmorde Regime nur selten. Lediglich in stark personalisierten Staaten ohne stabile Befehlsketten gerät die Macht mit dem Tod der Nummer eins ins Wanken. Das gilt für Iran sicher nicht: Das Mullah-Regime hält das Land seit 1979 im Griff und wird von den Revolutionsgarden kontrolliert. In einer solchen Diktatur festigen diese Schläge die Macht eher, als sie zu brechen. Der äußere Druck dürfte die verbliebene Elite in Teheran  zusammenschweißen, oft nehmen andere Hardliner die Plätze ein. Allerdings ist keineswegs vorherbestimmt, wie sie sich verhalten werden: Die Nachfolger könnten kompromissloser auftreten oder kühler die Vorteile von Verhandlungen abwägen.
Teherans Regime verkraftet Verluste an der Spitze. Die Macht verteilt sich auf ein eng verflochtenes Netz aus Revolutionsgarden, Klerus und Sicherheitsapparat. Irans Präsident Peseschkian und Außenminister Araghchi sind nicht die zentralen Figuren. Mit Modschtaba Khamenei rückte bereits ein neuer Oberster Führer nach, der aus Angst vor Attentaten bislang nicht öffentlich auftritt – womöglich auch, weil er verwundet ist.
Vor einem möglichen Waffenstillstand dürfte Israel weitere Teile der iranischen Führung ins Visier nehmen. Die Folgen der Attacke gegen Ali Khamenei lassen sich nicht zurückdrehen. Angriffe auf Staatslenker sind kein Tabu mehr.
 
 
Kurz & knapp
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• Die Internationale Energieagentur, der Internationale Währungsfonds und die Weltbank haben wegen der Lage im Nahen Osten eine Koordinierungsgruppe gebildet. Sie sollten dem Datenaustausch dienen und Aktionen der Institutionen koordinieren. Sie warnen vor einem „der größten Versorgungsengpässe in der Geschichte des globalen Energiemarktes“. Die Folgen seien „erheblich, global und äußerst asymmetrisch“. Die .
• Der Angriff der Amerikaner auf Iran hat die USA die ersten 16 Kriegstage 16,5 Milliarden Dollar gekostet, hat die amerikanische Denkfabrik CSIS errechnet. Die Ausgaben sinken zwar durch das Verwenden billigerer Munition. Sie dürften aber täglich um rund eine halbe Milliarde Dollar wachsen.
• In Indien wird am heutigen Donnerstag Russlands Vize-Ministerpräsident Denis Manturov erwartet. Auf der Agenda stehen Sicherheits- und Verteidigungsbeziehungen, Handel und Energie sowie der Krieg im Nahen Osten, zudem die Teilnahme von Präsident Wladimir Putin am BRICS-Gipfel im September in Indien. Russland werde alle existierenden Verträge zu Öllieferungen an Indien einhalten.
• Südkoreas Exporte haben im März im Jahresvergleich um 48,3 Prozent zugelegt. Deutlich gewachsen haben die Ausfuhren von Halbleitern in Folge des globalen KI-Booms. Wichtigste Handelspartner des Landes bleiben die Vereinigten Staaten und China.
 
 
Rückspiegel
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Vor 45 Jahren: Der erste Laptop
Ein tragbarer Osborne 1 auf einer Computermesse in Westberlin 1983 Picture Alliance
Vor 45 Jahren: Der erste Laptop
Von Falk Heunemann
Ohne tragbare Computer wären Geschäftsreisen und das Homeoffice kaum vorstellbar. Den ersten präsentierte am 3. April 1981 ein britischer Autor von Handbüchern. Wer den Osborne 1 kaufte, brauchte aber starke Arme – er war ein echter „Schlepptop“.
Zugegeben, dieser erste Laptop der Welt war noch nicht wirklich geeignet, um zum Schreiben auf dem eigenen Schoß (engl. „lap“) abgelegt zu werden: Der Osborne 1, der am 3. April 1981 vorgestellt wird, wiegt noch 11,1 Kilogramm. Der Monitor misst in der Diagonale nur fünf Zoll, kleiner als die Displays moderner Smartphones. Programme und Dateien werden auf 5,25-Zoll-Disketten gespeichert und ausgeführt, einen internen Speicher gibt es nicht, auch keinen Akku und keine Maus. Der Verkaufspreis von 1800 Dollar entspräche heute rund 6400 Dollar (5600 Euro).
Doch so klobig der koffergroße Osborne 1 heute wirken mag, so revolutionär ist er, und das dreifach: Erstmals überhaupt kann ein Computer mit auf Reisen genommen werden, auch wenn er eine Steckdose erfordert. Er integriert, ebenfalls eine Premiere, sämtliche Computerkomponenten in einem Gehäuse. Und: Beim Kauf werden die wichtigsten Anwendungen direkt mitgeliefert, Programme für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Buchhaltung – diese Bündelung von Hardware mit passender Software, die inzwischen selbstverständlich scheint, ist damals neu.
Erfinder und Namensgeber des Geräts ist Adam Osborne, ein 1939 in Bangkok geborener Brite, der in Indien aufwuchs. Früh beginnt der studierte Chemiker, inzwischen US-Staatsbürger, sich für Computer zu interessieren. In den Siebzigern wird er Mitglied des wegweisenden Homebrew Computer Club in Kalifornien, dem viele Branchenpioniere angehören, er wird Verleger und schreibt Handbücher zum Programmieren und über Rechentechnik. Daraus entsteht schließlich der Plan, selbst einen Computer zu bauen, und zwar einen, der mobiles Arbeiten ermöglicht.
Sein Osborne 1 wird 1981 ein Bestseller mit mehr als 100.000 Bestellungen. Das bemerken auch andere Unternehmer. Doch schon 1983 geht die Osborne Computer Corporation in Konkurs. Nicht nur wegen der schnell aufholenden Konkurrenz durch Compaq oder Epson – angeblich auch deshalb, weil der Gründer zu früh ein Nachfolgemodell öffentlich ankündigt und Kunden deshalb den Kauf des aktuellen Modells aufschieben. Damit schreibt Adam Osborne ebenfalls Geschichte: Dieses Käuferverhalten nennt man bis heute den „Osborne-Effekt“.
 
 
 
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