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Kanzlerbesuch mit Risiken und Nebenwirkungen
Es waren ungewöhnliche Ansagen des Mercedes-Managers: Mit Hochdruck arbeite man daran, China als Lieferant der ersten Ebene (tier one) zu ersetzen. Das Risiko sei zu groß, bei einer Verschlechterung des Klimas zwischen Amerikanern und Chinesen für eine Zusammenarbeit bestraft zu werden und den amerikanischen Markt zu verlieren. Weitere Ebenen seiner Lieferketten könne Mercedes allerdings nicht vollständig kontrollieren – ein Restrisiko bleibt.
Die Abhängigkeit von der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt als Absatz-, aber auch Beschaffungsmarkt ist enorm. Wissenschaftler der Frankfurt School of Finance & Management ermittelten, dass knapp 40 Prozent der befragten Unternehmen mindestens ein Fünftel ihres Einkaufsvolumens aus China beziehen. Das theoretische „De-Risking“ ist in der Praxis mindestens so schwer wie teuer.
Damit steht Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Peking-Besuch Mitte nächster Woche vor einer diffizilen Aufgabe. Beim „Systemrivalen“ China muss er den rechten Ton finden. Anbiederung liegt dem „Außenkanzler“ nicht, und das ist gut so. Aber insbesondere nach seiner starken Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz wird Peking auch auf Zwischentöne hören.
Dass Merz zuerst Indien besuchte, dann nach China fliegt, spricht für Selbstbewusstsein auf der Weltbühne. Ohne Peking aber geht es nicht. Zu besprechen sind die Abhängigkeit von Chinas kritischen Rohstoffen, die anschwellende Exportwelle aus einer überforderten Volkswirtschaft, drohende Strafen seitens unseres „Weiterhin-Partners“ USA für unsere China-Beziehung, die Taiwan-Frage, die Menschenrechte.
Merz weiß, dass Europas Gewicht für Peking in dem Maße steigt, in dem die Unberechenbarkeit der USA steigt. Darin liegen Chancen für Deutschland und die EU. Anders gesagt: China braucht Europa nicht minder, als die Europäer China brauchen.
Chinas Politiker werden nicht müde, ihrerseits nun eine regelbasierte Ordnung zu fordern. Unsere Regeln aber sind es nicht. Dem kommunistischen Ein-Parteien-Staat schwebt eine Ordnung vor, die nicht demokratisch sein kann. Die Reihe jener, die China maßregelt, weil es sich anders verhält als erwünscht, wächst: Japan, Australien, Taiwan, die Philippinen, Vietnam und der Dalai Lama.
Im April werden Trump und Chinas Präsident Xi Jinping dann bei einem Gipfel aufeinandertreffen. Merz muss nun seine Chance nutzen, im Vorfeld in Peking Pflöcke einzurammen.
Uns interessiert, wie Sie über die deutsche China-Politik denken. Müssen wir alles schlucken, oder können die Europäer sich erlauben, Peking die Stirn bieten? Schreiben Sie uns unter weltwirtschaft@faz.de Wir sind auf Ihre Meinung gespannt.
Argentinien darf deutlich mehr Rindfleisch in die Vereinigten Staaten exportieren. Das Kontingent wurde von 20.000 auf 100.000 Tonnen angehoben, so will Washington die gestiegenen Fleischpreise in den USA drücken. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
Die Europäische Union ermittelt gegen die chinesische Handelsplattform Shein. Brüssel stört sich unter anderem an mangelnder Transparenz und unzureichendem Kinder- und Jugendschutz. Der Händler steht in der Kritik, nachdem er Sexpuppen in Kinderoptik, rezeptpflichtige Medikamente und Waffen angeboten haben soll.
Indien und Frankreich wollen deutlich intensiver kooperieren und haben ihren Beziehungsstatus auf
„Special Global Strategic Partnership“ angehoben. Eine stärkere Zusammenarbeit ist unter anderem in den Bereichen Rüstung, kritische Mineralien, Technologie und Start-ups geplant.
Der indische Mischkonzern Adani hat angekündigt, 100 Milliarden Dollar in den Bau von KI-Rechenzentren in Indien bis 2035
zu investieren. Die dafür benötigte Energie soll aus erneuerbaren Quellen kommen. Der Konzern kooperiert bereits mit Google und Microsoft. Indien will sich als globaler Standort für Künstliche Intelligenz etablieren.
Die US-Regierung will mit dem „America’s Maritime Action Plan“ den heimischen Schiffsbau stärken. Der Plan sieht langfristig Investitionen in Hafenerweiterungen, Deregulierung für US-Schiffe und Gebühren für im Ausland gebaute Frachter vor. Derzeit werden nur rund ein Prozent aller weltweiten Schiffe in den USA gebaut.
Leserfrage: Warum findet China, nicht aber Europa den Weg nach Afrika? Die afrikanische Wirtschaft wächst seit Jahren schneller als die globale Wirtschaft. Profitiert haben in erster Linie China und die asiatischen Schwellenländer, aber nicht Europa. Woran liegt das, und wie kann man dies ändern?
Rückspiegel
Vor 140 Jahren:Aluminium wird vom Luxusgut zum Billigrohstoff. Was wäre die Welt ohne Aluminium? Flugzeuge, Zugwaggons und Autos würden aus schwerem Stahl gefertigt werden und deutlich mehr Sprit verbrauchen, Getränke und Lebensmittel in teuren Stahldosen oder Gläsern transportiert werden. Auch die Raumfahrt wäre ohne das Leichtmetall kaum denkbar.
Dabei war vor weniger als zwei Jahrhunderten Aluminium noch ein echtes Luxusgut und teurer als Silber. Zwar kommt Aluminiumoxid in Unmengen im Erdreich vor, um daraus aber das reine Metall zu gewinnen, müssten theoretisch 2072 Grad Celsius aufgebracht werden, um es zu schmelzen und daraus per Elektrolyse das reine Aluminium zu gewinnen.
Aluhüte wären ohne ihn undenkbar: Charles Hall, Miterfinder des Hall-Héroult-Verfahrens zur billigen Herstellung von AluminiumArchiv
Doch bei einem Versuch am 23. Februar 1886 entdeckt der 22 Jahre alte Amerikaner Charles Hall, dass man die Schmelztemperatur auf unter 1000 Grad senken kann, wenn man Aluminiumoxid mit Kryolith vermischt. Da auch der 22 Jahre alte Franzose Paul Héroult parallel diese Idee entwickelt, wird die Technologie mittlerweile als Hall-Héroult-Verfahren bezeichnet. Wegen Halls „aluminum refinement process“ schreiben und nennen Amerikaner übrigens bis heute das Metall „Aluminum“ statt „Aluminium“.
Durch das Verfahren sinken die Produktionskosten drastisch, es entsteht ein globales Liefernetzwerk: Australien, Guinea und China steigen zu den wichtigsten Bauxit-Lieferanten auf. Verarbeitet wird das Erz in Ländern, in denen Energie billig ist: China (Kohlekraft), Kanada (Wasserkraft) und Russland (Erdgas und Öl). Die größten Abnehmer sind lange vor allem die Auto- und Flugzeughersteller in Europa und Nordamerika. Derzeit werden mehr als 70 Millionen Tonnen Aluminium pro Jahr hergestellt, zu einem Kilogrammpreis von unter 3 Euro – während Silber 2000 Euro je Kilogramm kostet.