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Eiskaltes Kalkül
Natürlich wurde Grönland nicht zum Eisberg, an dem die Nato zerschellt. Ein Angriff hätte zum Bruch des Verteidigungsbündnisses geführt. Die amerikanischen Spitzenmilitärs, die bei seinen Angriffen auf Iran und Venezuela noch mitgingen, hätten sich hier wohl verweigert. Immer mehr republikanischen Parteifreunde gingen von der Fahne. Die Finanzmärkte zeigten deutlich, was sie von Trumps wirren Ideen hielten. Und die Europäer bewiesen wenigstens an diesem Punkt Einigkeit. Bis hin zum Boykott der Fußball-WM legten sie ihre Waffen auf den Tisch. Und froren noch am Mittwochnachmittag die Handelsgespräche mit den USA ein.
Soweit die guten Nachrichten aus Davos. Die schlechte lautet, dass dieser Präsident für die Welt ein noch größeres Problem ist, als bislang angenommen. Kopfschütteln, Unglaube, Entsetzen herrschten nach seiner Rede vor dem Weltwirtschaftsforum. Sein Auftritt hat einmal mehr die Frage aufgeworfen, wie krank der stärkste Mann der Welt ist – ein Narzisst? Sicher. Verwirrt? Auch. Geschäftsfähig? Wohl kaum. Das ist die bittere Bilanz nach einem Jahr des Immobilienspekulanten als Präsident der USA und seinem Auftritt in der Schweiz.
Dies heißt nicht, dass Trump nicht brandgefährlich wäre. Er hat Macht, verfügt über Waffen und Wirtschaftskraft, hat Unterstützer aus ganz unterschiedlichen Richtungen: selbstherrliche Tech-Milliardäre, unterprivilegierte Massen, Radikale, Karrieristen, die auf seinen Abgang lauern. Und es heißt auch nicht, dass er und seine Hintermänner ihre Finger nicht durchaus in wunde Punkte legen: Grönland und der arktische Norden ist so einer. Den Schutz dieser Flanke vor einem stärkeren Einfluss Chinas und Russlands haben die Europäer über viele Jahre übersehen.
Das Heucheln und das Huldigen Trumps mag Sinn ergeben, wenn der Kontakt mit ihm unvermeidlich ist – Nato-Generalsekretär Mark Rutte beweist dies. Doch müssen die Demokratien in der aufgezwungenen neuen Welt-Unordnung den Rücken durchdrücken. Europa, unterstützt von Japan, Kanada und Australien besitzen Gewicht. Die Europäer müssen sich über ein handlungsfähiges Kerneuropa (Wolfgang Schäuble 1994) verständigen, ihre Verteidigungsfähigkeit so rasch wie nur möglich ausbauen und Trumps Unterhändler in ihre Schranken verweisen.
Die Machtbasis des selbsternannten „neuen Sheriffs des Kapitalismus“, wie ihn sein Handelsbeauftragter Howard Luttnick nennt, könnte in Amerika schneller erodieren, als Trump selber es wahrnimmt. Seinen Wählern beschert er immer höhere Rechnungen an der Supermarktkasse. Zugleich verstört er aufrechte Republikaner und fordert Richter heraus. Die Defizite der Demokratien aber bleiben.
Und so klafft nach dem sich abzeichnenden Zwischenerfolg der Europäer mit Blick auf Grönland eine andere Baustelle auf: Allenfalls eingeschränkthandlungsfähig erscheint die EU mit Blick auf Mercosur. Eine Gruppe Linker, Grüner und Rechtsaußen in Brüssel, getrieben von Frankreich, stimmte für eine juristische Überprüfung, die viele Monate kosten kann. Die EU-Kommission muss den Pakt nun vorläufig in Kraft setzen, um Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Erpressbar aber bleibt Europa in der Ukraine. Jederzeit kann Trump den Schutzschirm wegziehen.
Als Lehre daraus bleiben von Davos nicht etwa Trumps erschreckend dümmliche Rede und seine Lügen auf offener Bühne. Was nachhallt, ist der Appell des kanadischen Regierungschefs Mark Carney: „In einer Welt der Machtkonflikte der Großen haben die Länder dazwischen die Wahl: Entweder, sie konkurrieren miteinander um Gunst. Oder sie rücken zusammen, um einen dritten, einflussreichen Weg zu schaffen.“ Ihn zu finden und dann zu gehen, braucht es politische Kraft.
Argentinien hat die Importzölle für Laptops und Smartphones abgeschafft, die einst 16 Prozent betrugen. Damit will die Regierung unter Javier Milei die Digitalisierung vorantreiben und zugleich die Inflation bekämpfen. Weitere aktuelle Handelsliberalisierungen und -beschränkungen zeigt unsere interaktive Karte.
Den Ernährungsprogrammen fehlt das amerikanische Geld: ein unterernährtes Kind in der Notaufnahme des Dikwa Primary Health Center in Borno State in Nigeria. Reuters
Trotz schwacher Binnennachfrage und Immobilienkrise wuchs die chinesische Wirtschaft 2025 um 5 Prozent. Grund war ein Rekordhandelsüberschuss von fast 1,2 Billionen
Dollar. China steht aber vor einer demografischen Wende: Die Bevölkerung sank 2025 zum vierten Mal in Folge, um 3,4 Millionen auf 1,4 Milliarden.
Die Ausfuhr von KI-Technologie aus Taiwan stieg im 2025 um 26 Prozent im Jahresvergleich auf einen Wert von 744 Milliarden Dollar. Allein im Dezember lagen sie 44 Prozent über dem Vorjahresmonat, im Januar sollen es sogar fast 50 Prozent mehr sein, schätzt das Wirtschaftsministerium in Taipeh.
„Risiko einer nuklearen Eskalation“ wegen Taiwan Bei einem Eroberungsversuch Taiwans könnte China auch mit dem Einsatz von Atomwaffen drohen. Amerikanische Sicherheitsexperten gehen von diesen Szenarien aus.
Rückspiegel
Vor 455 Jahren. Die erste Londoner Börse wird eröffnet. Wenn ein Investor im London des 16. Jahrhundert sein Geld anlegen will, muss er gute Ohren und viel Vertrauen mitbringen. Denn Händler und Geldwechsler findet er damals hauptsächlich vor der Kirche St. Paul oder in Gasthäusern, wo nicht nur gehandelt, sondern viel getrunken und auch mal laut gestritten wird. Auch die allererste Börse der Geschichte war schließlich Open Air: der Platz vor dem Haus der belgischen Kaufmannsfamilie „van de Borse“ in Brügge.
Dass es anders geht, entdeckt der Londoner Kaufmann Thomas Gresham, als er für Geschäfte nach Antwerpen geschickt wird. Dort gibt es schon seit 1531 ein eigenes gemauertes Gebäude für Waren-, Kredit- und Währungsgeschäfte – ein Börsengebäude. Gresham schlägt der City of London vor, ebenfalls eine Börse zu errichten, er werde sogar selbst dafür zahlen, sofern er im Gegenzug Miete von Händlern kassieren darf. So kann Königin Elisabeth I. am 23. Januar 1571 die Royal Exchange eröffnen. Die Aktienhändler werden allerdings von ihr bald ausgeschlossen, wegen rüpelhaften Benehmens. 1698 gründen sie daher ihre eigene Börse im Café „Jonathan's Coffee House“.
Vor dem Brand: Die erste Börse in London, die Royal Exchange (Abbildung aus dem 19. Jahrhundert)Picture Alliance
Die Royal Exchange markiert für London den Übergang von einer mittelalterlichen Handelsstadt zum neuzeitlichen Finanzzentrum. Mit dieser Börse wird Handel institutionalisiert, zentralisiert und damit auch besser regulierbar. Preise werden nun an einem Ort ausgehandelt und veröffentlicht, einsehbar für Geschäftsleute aus aller Welt. Zudem setzt England damit ein Zeichen seiner wirtschaftlichen Eigenständigkeit. Das Herz des Welthandels soll nicht länger nur in Holland schlagen.
Das Gebäude selbst brennt zwar gleich zweimal ab, erst 1666, dann 1838, jedes Mal wird es aber wieder aufgebaut. Vom 18. Jahrhundert an nutzt der Versicherer Lloyds den Bau als Büro. Seit 2001 ist er ein Einkaufszentrum.