ist Ihnen „LLMorphismus“ ein Begriff? Das Wort ist an Anthropomorphismus angelehnt, also die Vermenschlichung von Tieren oder Maschinen. Es geht aber um das Gegenteil: Der Begriff beschreibt die fälschliche Annahme, unser Geist würde ungefähr so funktionieren wie ein großes Sprachmodell, also ein Large Language Model (LLM). Der italienische Mathematiker und Sozialwissenschaftler Valerio Capraro hat den Begriff geprägt. Und tatsächlich: Es ist schon verlockend, zu denken, wir würden in etwa so wie ChatGPT oder Claude funktionieren, schließlich verhalten sich diese Systeme in Gesprächen so ähnlich wie Menschen. Ich sehe in diesem Gedanken aber eine Gefahr, denn letztlich entwertet er den Menschen.
Wie froh war ich da über den Gastbeitrag, den der Hirnforscher Wolf Singer für uns geschrieben hat. Darin geht er minutiös auf die Unterschiede in der Funktionsweise zwischen dem menschlichen Gehirn und der Künstlichen Intelligenz ein. Diese Unterschiede sind aber nicht für die Ewigkeit. Singer beschreibt auch, von welchen Eigenschaften des Gehirns sich die KI-Forschung als Nächstes inspirieren lassen könnte, wie Sie hier nachlesen können.
Ein spannendes Interview hat Andreas Frey mit einer jungen Linguistin geführt. Dass sie zur jungen Generation gehört, erwähne ich hier nicht zufällig. Das Interview handelt nämlich von den neuen Höflichkeitsformen der jungen Generation. Diese duzt nämlich eher und verzichtet auf das Wort „bitte“. Ob das schon ein Sittenverfall ist, lesen Sie hier.
Ein etwas ernsteres Thema erwartet Sie in einem neuen Bildband der Münchner Fotografin Herlinde Koelbl. Sie hat Menschen besucht, die eine Krebstherapie durchmachen, sie interviewt und fotografiert. „Was die Betroffenen der Fotografin erzählen, ist oft voller Hoffnung, darunter sind aber auch ehrliche Zweifel, Selbstzweifel und Lebensbilanzen“, schreibt Joachim Müller-Jung hier über das Buch.
Was uns diese Woche noch so beschäftigt hat, lesen Sie weiter unten. Es geht um Exoskelette für die Pflege und das Sterben von Bestäuberinsekten in den letzten 100 Jahren. Viel Spaß beim Lesen!
Und sollten Sie Kritik oder Themenideen haben, schreiben Sie uns unter wissenschaft@faz.de.
Digitale „intelligente“ Maschinen wissen nicht, was sie tun. Erst unser analoges Gehirn gibt dem Output von KI eine Bedeutung. In diesem Gegensatz steckt eine Chance. Ein Vorschlag für hybride Intelligenz.
Muskeln vergrößern, die Libido steigern, das Leben verlängern: Peptide aus dem Internet sind der neueste Trend beim Versuch, den eigenen Körper zu optimieren. Viele wurden nie getestet. Wie riskant ist das?
Die Münchner Fotografin Herlinde Koelbl hat mit 40 Krebspatienten in der Klinik gesprochen. Ihre Fotografien verraten viel über die moderne Medizin und ihre Patienten.
Die Linguistin Janel Zoske gehört selbst zur jungen Generation. Sie sagt: Die Jüngeren sind gar nicht weniger höflich als die Älteren. Sie drücken Höflichkeit nur anders aus.
In einer großen europäischen Studie wurde der Rückgang der Bestäuber erhoben. Vor allem eine Region ist betroffen. Bei einem verpflichtendem europaweiten Monitoring hängt Deutschland hinterher.
Aus dem Bett heben, waschen, anziehen – einen kranken Menschen zu pflegen, geht auf den Rücken und die Gelenke. An der Charité erforscht man, wie Exoskelette die Arbeit in der Pflege erleichtern können.
Derzeit fallen nicht nur Nüsse und Kastanien, sondern auch Bucheckern. Wer sie sammeln will, sollte ein paar Regeln beachten. Denn ungefährlich sind sie nicht.
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