manchmal reiben auch wir als Wissenschaftsjournalisten uns die Augen über den technischen Fortschritt. Bei der Neurotechnologie ist das zweifellos häufiger der Fall. Die Verschmelzung von Computern, Elektronik und Nervengewebe ermöglicht es Gelähmten, sich zu bewegen, verstummte ALS-Patienten können sprechen und Blinde einen Teil ihres Augenlichts zurückerlangen. Bei diesem letzten Punkt handelt es sich nicht bloß um einen wissenschaftlichen Durchbruch in einem Labor mit fraglichem Nutzen für die Praxis. Nein, der Chip ist nun ein offiziell zugelassenes Medizinprodukt.
Das Implantat namens PRIMA hat die europäische CE-Kennzeichnung erhalten. Es ist für Menschen gedacht, die an weit fortgeschrittener altersbedingter Makuladegeneration leiden. Bei der Erkrankung sterben entscheidende Teile der Netzhaut ab. Sie ist eine der führenden Ursachen für Blindheit in Industrienationen. Therapien, die sie stoppen, gibt es nicht. Dafür aber nun das Implantat, welches den Betroffenen zumindest eine rudimentäre Form ihrer Sehkraft zurückgibt. Wie die ersten Erfahrungen ausfallen, warum der Chip bei Weitem nicht für jeden Betroffenen geeignet ist und warum er im Grunde eine Solarzelle im Auge ist,
habe ich hier aufgeschrieben.
Weniger erbaulich war wohl die Recherche, auf die sich mein Kollege Andreas Frey begeben hat. Es geht um den Versuch von Wissenschaftlern, das Phänomen der „Manosphere“ zu durchdringen – jener gesellschaftlichen Strömung, die Frauen, Gleichberechtigung, Vielfalt und Feminismus verachtet. Besonders zu denken hat mir der Eindruck eines erfahrenen Forschers aus der Schweiz gegeben, der seit über 20 Jahren die soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beobachtet. Nun hat er untersucht, wie viele junge Männer der restriktiv-dominanten Vorstellung der Manosphere anhängen. Als er die Ergebnisse zum ersten Mal sah, sei er „baff“ gewesen. Die ganze Geschichte
können Sie hier lesen.
Über ein weiteres Kapitel in der Entwicklung Künstlicher Intelligenz ist in der aktuellen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung nachzulesen. Anlass ist, dass ein KI-Modell die prominente Jacobi-Vermutung widerlegt hat. Das gelang nicht durch bloßes Ausprobieren oder das Aufspüren eines von menschlichen Mathematikern zwar formulierten, aber dann nicht beachteten Beweises, wie es in früheren KI-Entdeckungen der Fall war. „Es muss hier eine mathematische Einsicht zugrunde liegen“, urteilt Ulf von Rauchhaupt in seinem FAS-Artikel.
Was uns in der Redaktion die letzten Tage sonst noch so beschäftigt hat, sehen Sie weiter unten. Ich wünsche eine angenehme Lektüre. Kommen Sie gut durch die anstehenden heißen Tage, und lassen Sie sich dabei gerne von diesem Artikel über die Zukunft der Klimaanlage inspirieren.
Und vergessen Sie nicht, uns auch mal Kritik oder Anregungen zu schicken, am besten per E-Mail an: wissenschaft@faz.de.
Durch die altersbedingte Makuladegeneration erblinden Millionen Menschen. Ein winziger Chip unter der Netzhaut könnte sie wieder sehen lassen. Wie er funktioniert und für wen er infrage kommt.
Männer müssen stark und gewaltbereit sein, Frauen gelten als minderwertig. Warum immer mehr junge Männer empfänglich sind für die gefährlichen Botschaften der sogenannten Manosphere.
In Europa werden Maschinen gebaut, die mit Magneten und modernen Materialien kühlen – ohne gefährliche Kältemittel und noch dazu stromsparend. So funktionieren sie.
Der innere Schweinehund ist nicht der einzige Grund für ein inaktives Leben. Ein Sportwissenschaftler und eine WHO-Expertin diskutieren, wie man Bewegung in den Alltag integriert.
Astronomen haben einen Himmelskörper entdeckt, der in keine Kategorie passt. Er ähnelt weder den Trabanten des Sonnensystems, noch umkreist er einen Planeten. Was ist er dann?
KI-Modelle beginnen, ein Matheproblem nach dem nächsten zu lösen. Zuletzt war es sogar ein richtig prominentes: demnach ist die Jacobi-Vermutung falsch.
An einer Eliteuniversität in den USA verbietet ein Professor seinen Studenten den Einsatz von KI – und prompt brechen deren Leistungen ein. Wie Künstliche Intelligenz die Lehre erschüttert.
Genießen Sie in den sonnigsten Wochen des Jahres Lesevergnügen in seiner schönsten Form: Erfrischen Sie Ihren Geist mit der Sonntagszeitung zum Sommerpreis!