Wissen
                                                           
FAZ+ 4 Wochen für 0,99 € lesen   Pfeil
Mittwoch, 07.10.2026 | Zur Online-Ansicht
 
 Frankfurter Allgemeine
WISSEN
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich weiß nicht, ob Sie regelmäßig auch dieses bisweilen schon bühnenreife rituelle Schauspiel der Nobelpreis-Verkündigungen verfolgen. Mir läuft es jedes Mal heiß und kalt den Rücken herunter. Die Choreographie ist der eine Grund, innerlich bereitet man sich wie auf die Ausrufung einer Thronbesteigung vor. Dieses majestätische Kribbeln vor dem ersten, halbwegs verständlichen englischen Satz, der nach der ebenso feierlich vorgetragenen schwedischen Bekanntmachung folgt, ist einfach unbezahlbar. Dann allerdings, und das löst unweigerlich das kalte Schaudern aus, hört es oft schnell auf mit dem Hochgefühl der Proklamation. Wer? Was? Echt? Wieder ist man gescheitert mit seiner Vorhersage. Zurück auf Los.
Diesmal war es freilich anders, es war fast eine Erlösung. Mit dem Medizin-Nobelpreis an die zwei Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie an den dritten Optogenetik-Pionier Karl Deisseroth sind drei Forscher in den Olymp der Wissenschaften berufen worden, die mir seit Langem im Kopf herumspuken. Im Interview vor etwas mehr als einem Jahr hat Hegemann auf meine Nobelpreis-Spekulationen hin unverblümt zu erkennen gegeben, dass er sich längst innerlich davor gewappnet hat, übergangen zu werden: „Wissen Sie“, sagte er, „bei solchen Preisen weiß man nie, wer ihn bekommt.“ Tatsächlich hätten die Juroren des Stockholmer Karolinska-Instituts aus guten Gründen auch andere Namen verkünden können: Ed Boyden etwa (Deissenroths Doktorand damals in Stanford und Erstautor eines wegweisenden „Nature“-Papers) oder den Chinesen Feng Zhang, Zweitautor, oder den dritten Deutschen, Ernst Bamberg, der Nagel entdeckt hatte und am Max-Planck-Institut für Biophysik förderte.
Autorenbild
Joachim Müller-Jung
Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Wissenschaft“.
Plus Sign Folgen
All diese Namen werden nun heiß diskutiert in den sozialen Medien – und mit Recht. Das hebt die Nobelproklamation am Ende doch auch angenehm, geradezu urdemokratisch von jenem royalen Personenkult ab, der in der Wissenschaft selten gesucht wird. Sich dann auch dafür zu entscheiden, wie die Königlich-Schwedische Akademie einen Tag später, mit Francis Halzen nur einen einzigen Physik-Laureaten zu verkünden, gehört ebenso zu dieser bewundernswerten Freiheit und Selbstbestimmtheit, die Wissenschaft generell und kulturübergreifend genießt.
Für alle, die auf diese oder überhaupt jede Art von Celebritys allergisch reagieren, haben wir natürlich auch in diesem Wissen-Newsletter wieder einiges zu bieten: Kollegin Laura Fräulin blickt sportwissenschaftlich hinter die gut verkäufliche Kulisse des Liebscher-Bracht-Gesundheitsunternehmens, Ulf von Rauchhaupt dekonstruiert die Jagd der KI-Firmen nach der maschinellen Seele, Andreas Frey geht den psychologischen Gründen für den phänomenalen Solarboom im Lande nach und unsere Medizinautorin Hildegard Kaulen analysiert die Aussichten auf neue Bluttests für mehrere Krebsarten gleichzeitig, die mit der Veröffentlichung von Studienergebnissen nun intensiv diskutiert werden.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre
Ihr Joachim Müller-Jung
 
Diesen Newsletter mit Freunden teilen
Teilen Sie diesen Newsletter als Mail   Teilen Sie diesen Newsletter auf LinkedIn   Teilen Sie diesen Newsletter auf Facebook   Teilen Sie diesen Newsletter in WhatsApp   Teilen Sie diesen Newsletter auf X
 
 
Anzeige
timer trk_px
 
Topthemen
 
Ins rechte Licht gerückt
 
Medizin-Nobelpreis
Ins rechte Licht gerückt
Die diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger haben der modernen Medizin ein völlig neues Werkzeug an die Hand gegeben, viele Krankheiten mithilfe von Licht zu therapieren. Deutsche Grundlagenforschung hat den Weg geebnet.
Joachim Müller-Jung
 
Physik-Nobelpreis
Neutrino-Fischen im ewigen Eis
Der Nobelpreis für Physik geht an den Teilchenphysiker Francis Halzen. Er hatte die Idee, am Südpol die schwer nachweisbaren Neutrinos einzufangen, die aus den Tiefen des Universums bis zur Erde gelangen.
Manfred Lindinger
 
FAZ+ Hilfe bei Schmerzen
Was die „Liebscher & Bracht“-Therapie wirklich bringt
Der Ansatz der selbst ernannten Schmerzspezialisten Liebscher & Bracht ist umstritten. Die einen schwören darauf, die anderen sagen: alles Humbug. Was bei der Behandlung wirklich passiert – und ob sie funktioniert.
Laura Fräulin
 
Früherkennung
Wie gut sind Multikrebstests?
In den USA steht ein Bluttest vor der Zulassung, der viele verschiedene Krebsarten erkennen soll. Lassen sich Tumore so frühzeitig aufspüren?
Hildegard Kaulen
 
FAZ+ Photovoltaik-boom
Solarneid am Gartenzaun
In Deutschlands Dörfern und Städten ist die Lust auf Sonnenstrom ansteckend. Überall hängen Photovoltaikpanels. Sind Politik und Geld die treibenden Kräfte? Eher wohl die Launen unserer Psyche.
Andreas Frey
 
KI-Theologie
Superintelligenz ohne Seele
Eine der führenden KI-Firmen macht sich Sorgen um ein möglicherweise vorhandenes Seelenheil ihrer Sprachmodelle. Das ist theologisch unannehmbar und vom Standpunkt der KI-Sicherheit töricht.
Ulf von Rauchhaupt
 
Botanik-Kolumne
Comeback der Quitte
Quitten verbreiten einen Duft nach Zitrone und Rose. Dazu schmecken sie vorzüglich. Doch viele wissen nichts mit den gelben Früchten anzufangen. Über ein Obst mit Potential.
Andreas Frey
 
Ihnen wurde der Newsletter weitergeleitet?
 Jetzt kostenlos abonnieren 
 
Der F.A.Z. Wissens-Podcast
 
F.A.Z. Podcast Wissen
F.A.Z. Podcast Wissen
Verstehen Hunde, was wir ihnen sagen?
Ein Experiment aus Ungarn zeigt: Die Gehirne von Hunden und Menschen reagieren auf bestimmte Sprachmuster erstaunlich ähnlich. Das verrät einiges über unser jahrtausendealtes Verhältnis.
Piotr Heller, Joachim Müller-Jung
 
Empfehlungen des Verlages
Gewinnspiel
Gewinnen Sie ein Jahr kostenfrei FAZ+
Beantworten Sie drei Fragen in unserer Umfrage zu KI und gewinnen Sie 1 von 10 Gutscheinen für ein Jahr kostenfrei FAZ+
F.A.Z.-Selection
UNO 24 Aerolith – Wanduhr
24 Stunden auf einen Blick – Die UNO 24 Aerolith macht den natürlichen 24-Stunden-Zyklus sichtbar – in Deutschland gefertigt und von Hand veredelt.
Kniffel
Würfeln, punkten, gewinnen
Erleben Sie das Original von Schmidt Spiele jetzt auf FAZ.NET. Kombinieren Sie geschickt, sammeln Sie Punkte und erklimmen Sie die Highscore-Liste.
10 Jahre F.A.Z. Quarterly
1 Jahr F.A.Z. Quarterly und 50% sparen
Sichern Sie sich 50% Rabatt auf 1 Jahr F.A.Z. Quarterly und nutzen Sie Ihre Chance eine von fünf Breville Prima Latte AutoLuxe Espressomaschinen zu gewinnen.
Jubiläumsangebot
4 Wochen F.A.Z. ab 9,90 €
Feiern Sie mit uns 77 Jahre F.A.Z.! Lesen Sie die F.A.Z. inklusive FAZ+ 4 Wochen lang mit 77% Rabatt und nehmen Sie automatisch am Jubiläumsgewinnspiel teil.
V-CHECK
Heute klären, was morgen zählt
Vollmachten rechtssicher vorbereiten. Das E-Book „Verfügungen, Vollmachten, Vorlagen“ jetzt kostenlos sichern (statt 9,90 €).
 
 
Folgen Sie der F.A.Z.
Folgen Sie uns auf WhatsApp Folgen Sie uns auf Instagram Folgen Sie uns auf LinkedIn Folgen Sie uns auf Threads Folgen Sie uns auf YouTube Folgen Sie uns auf X Folgen Sie uns auf Facebook
Zur F.A.Z. App
 Apple App Store   Google Play Store 
F.A.Z. Newsletter
verwalten     entdecken
Newsletter „Wissen“
abbestellen
Copyright: Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH,
Pariser Straße 1, 60486 Frankfurt am Main, Hessen, Germany
Tel.: (0)69 7591-0, E-Mail: info@faz.net

HRB 7344, Amtsgericht Frankfurt am Main,
USt.-IDNr.: DE 114 232 732

Geschäftsführung: Dr. Volker Breid
Herausgegeben von Jürgen Kaube,
Carsten Knop, Berthold Kohler
 
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2001 – 2026
Alle Rechte vorbehalten.